Durchbruch beim Euro-Gipfel scheint fraglich

26.10.2011 | 15:30 |   (DiePresse.com)

Die Absage des Finanzministertreffens erhöhte die Unsicherheit der Märkte. Die Kommission hält sich zurück. Die Länder-Vertreter erwarten kaum konkrete Ergebnisse vom Gipfel.

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Die europäischen Staats- und Regierungschefs geraten immer stärker unter Zeitdruck in ihrem Bemühen, bis zum Mittwoch bei einem Euro-Gipfel in Brüssel ein umfassendes Paket gegen die europäische Schulden- und Bankenkrise vorzulegen. Die Erwartungen für konkrete Ergebnisse sind mittlerweile sehr gedämpft. Der Chef der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Junker, erwartet einen Durchbruch. "Ich erwarte und bin sogar überzeugt, dass morgen eine endgültige und sogar bahnbrechende Lösung in der Euro-Schuldenkrise gefunden wird", sagte er. Er scheint damit aber allein auf weiter Flur zu sein.

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Realistisch dürfte nach der kurzfristigen Absage einer für den Vormittag geplanten Sitzung der EU-Finanzminister beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs nach jüngsten Entwicklungen nur eine politische Entscheidung sein, ohne aber konkrete Details oder Zahlen zu nennen.

Ob damit die Märkte beruhigt werden, ist mehr als fraglich. Zahlreiche offene Fragen sorgen für Spannung. So geht es um einen Schuldenschnitt für Griechenland, wobei eine Lösung über eine höhere Beteiligung privater Banken noch nicht zum Greifen nahe scheint. Statt 21 Prozent wollen die EU-Staaten von den Privatgläubigern einen Forderungsverzicht von mindestens bis zu 50 Prozent. Gleichzeitig soll die Effizienz des Euro-Rettungsschirms durch einen Hebel deutlich multipliziert werden, sodass statt der 440 Milliarden Euro bis zu 2,5 Billionen für verschuldete Staaten der Währungszone zur Verfügung stehen können.

Kaum konkrete Zahlen zu erwarten

Wie Vertreter von Euro-Ländern am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters in Brüssel sagten, wird der Gipfel voraussichtlich kaum konkrete Zahlen zu den Baustellen der Krise nennen - Griechenland-Hilfe, Hebelwirkung beim Euro-Rettungsfonds EFSF und Kapitalstärkung der Banken. Mit einer beeindruckenden riesigen Summe, um das Überleben der Währungsunion zu sichern, ist somit kaum zu rechnen. Es sei denn, die ab Dienstag in Brüssel tagenden Experten aus den Finanzministerien der Euro-Länder finden über Nacht den Ausweg aus dem Chaos.

Nach derzeitigem Stand werden die Verhandlungen mit den Banken über einen höheren Forderungsverzicht gegenüber Griechenland aber voraussichtlich noch nicht bis zum Euro-Sondergipfel abgeschlossen sein. Es soll ein zweites Rettungspaket für Griechenland als ein Element der umfassenden Strategie der Euro-Länder gegen die Schuldenkrise geschnürt werden. Es sei unwahrscheinlich, dass dies bis zum Mittwochabend gelinge, sagte ein mit der Sache Vertrauter. Der Beitrag des öffentlichen Sektors werde voraussichtlich nur wenig höher ausfallen als die bisher angepeilte Summe von 109 Milliarden Euro. In deutschen Regierungskreisen hatte es geheißen, als Marke für einen tragfähigen Schuldenstand Griechenlands wären zunächst 120 Prozent der Wirtschaftsleistung bis 2020 anzupeilen.

Höhe des Kapitalbedarf der Banken unsicher

Eine plakativ große Zahl zu besseren Krisenabwehr, die auf Basis des EFSF-Kreditrahmens von 440 Milliarden Euro mit einem Hebel zu erreichen wäre, wird es den Insidern zufolge auch nicht geben. Das ist demnach rein praktisch gar nicht berechenbar, weil die Modelle zur Hebelung kompliziert sind und ihr Effekt von vielen unbekannten Größen abhängig ist. Auf dem Tisch liegen zwei Modelle -  Eine Art Teilkasko-Versicherung, bei der der EFSF-Fonds den Käufern neuer Anleihen von Krisenländern wie Italien und Spanien einen Teil des Ausfallrisikos abnimmt. Eine weitere Option ist ein Sondertopf (Zweckgesellschaft) mit einer Risikoteilung zwischen EFSF-Mitteln und Geldern anderer Investoren. Beide Modelle schließen sich nicht aus, möglich ist auch eine Kombination. Welche Summe am Ende steht, ist offen. Spekuliert wird über eine Billion Euro.

Und schließlich könnte der Kapitalbedarf der Banken - am Samstag von Diplomaten bereits auf bis zu 110 Milliarden Euro beziffert - am Ende zur Unbekannten werden. Einige schreckten davor zurück, eine Zahl zu nennen, die womöglich zu niedrig wäre, sagte ein EU-Diplomat. Ein anderer gab zu bedenken, dass diese schließlich abhänge vom Umfang des Schuldenschnitts. 

 

 

 

(APA)

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103 Kommentare
 
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Die Faymänner sind überall.....

....und alle haben sie sich ihre Wähler mit ausufernden Staatsverschuldungen gekauft!!!

Das ist die Tragödie der Demokratie europäischen Zuschnitts, aus der es kein Entrinnen gibt!

Das Ende ist der wirtschaftliche Zusammenbruch und/oder die Diktatur....

Dieser scheinbar ewige Kreislauf wird erhalten bleiben, solange der Appell an den Neidkomplex des Stimmviehs nicht radikal aus dem politischen Alltag eliminiert werden kann. Der Neid ist das weitaus stärkste Wahlmotiv und die Neidhammelherde hat immer eine erdrückende Mehrheit!!!

Gast: xefo
26.10.2011 18:19
0

Niki Lauda ist schuld

Lauda ist ein Crashpilot. Das hätte auch schon in Berlin bekannt sein müssen, als man ihn ins Boot nahm. Nun ist der Karren verfahren und Pechvogel Lauda wird auch an der Versenkung dieser Airline ein gerüttelt Maß an Schuld treffen.

Re: Niki Lauda ist schuld, natürlich immer der Lauda!

Lauda ist nämlich ein Geheimagent der Lufthansa und schießt der Reihe nach die stolzesden Airlines, wie AUA usw. sturmreif, damit sie die LH günstig übernehmen kann! Ist doch logisch, oder?

Private Banken Beteiligung heißt

Der Steuerzahler muß den Gläubigern (Banken) Griechenlands nicht 100% ihres Geldes ersetzen.

Die ersten 20% der Ausfälle trägt auf jeden Fall der Steuerzahler, der es aber nicht wie die Banken abschreiben kann. Wenn diese 20% wieder an die Gläubiger fließen, bleibt nicht mehr viel für die Banken.

Der größte Gläubiger (EZB) wird natürlich nichts bekommen, denn das ist ja der Steuerzahler.

Hier eine Liste, wer und wie gerettet werden muß:
http://www.ftd.de/finanzen/:euro-krise-die-groessten-griechenland-glaeubiger/60066259.html

Alles eine Mogelpackung die der Steuerzahler zahlen muß.

Was ist zu erwarten?

Die Situation ist ungefähr so, als ob Otto der Ostfriese seinen Daumen auf ein defektes Wasserrohr hält, ohne einen gelernten Installateur beizuziehen. Mal sehen, wie lange das funktioniert. Jean-Claude Juncker, der bekennende Lügner, erwartet eine endgültige Lösung. Vielleicht sagt er diesmal die Wahrheit, nur wird es sich eher um eine Endlösung handeln. Nach seinem Wunsch wäre das wohl der Tod jeder nationalen Souveränität. Das wird´s hoffentlich nicht spielen.

Re: Was ist zu erwarten?

Warum haben Sie vor dem Tod jeder nationalen Souveränität eine solche Angst?

Fay&Spi haben ohnehin schon die ganze österreichische Souveränität in Brüssel abgegeben und schlechter,als unsere nationalen Dilettanten machen es die Brüsseler Eurokraten wohl auch nicht!

Re: Re: Was ist zu erwarten?

Ich will die nationale Souveränität, weil sie ein Grundbedürfnis und Recht des Menschen ist. Wer gegen die Interessen seines Landes agierte, wurde früher wegen Hochverrats verurteilt. Das ist jetzt leider anders, wie ja auch Kriminalität anderer Art (wechselreitereiähnliche Vorgangsweisen, Abtreibung etc. etc.) gesellschaftlich anerkannt sind. Im übrigen wird Fay&Spi in Brüssel locker an Unfähigkeit getopt. Ich möchte keine Gesslerhüte grüßen.

Re: Re: Re: Was ist zu erwarten? Eine Griechische Tragödie!

Die Griechen sind auch stolz auf ihre nationale Souveränität! Na ja, im Prinzip sind wir auch schon weit fortgeschritten auf dem Griechischen Weg!

Auch Österreich kann ohne eine gröbere Inflation seine Schulden ohne große soziale Unruhen nie mehr zurückzahlen!!!!

Gast: freund?
26.10.2011 15:04
0

dann kommen die steuerzahler, und hängen



uns alle auf !

NEIN, tun wir nicht, das wäre ungesetzlich !

Antworten Gast: Bärenfalle...
26.10.2011 15:29
1

Re: dann kommen die steuerzahler, und hängen

Dann kommen die Steuerzahler ... und dürfen wie in Island den abdüsenden Learjets hinterhersehen und ihre Wut an den am Flughafen geparkten Luxusfahrzeugen abbauen.

Greifbar (im juristischen Sinne) werden wieder nur die kleinen Mitläufer sein, die Überzeugungstäter und Opportunisten.

Da erwarte ich mir aber harte Strafen in einem anzupassendem gesetzlichem Rahmen angesichts der absehbaren Schäden.


Gast: Informant
26.10.2011 14:49
3

Was ist ein Eurorettungsschirm ?

Logische Antwort:

Ein Regenschirm schützt vor dem Regen.
Ein Sonnenschirm schützt vor der Sonne.
Ein Eurorettungsschirm schützt somit vor der Eurorettung!

Fazit: Die Eurorettung wird scheitern...den davor schützt ja der Schirm...!

Merke: Bereits bei der Wortwahl wird die Wahrheit gesagt, bloß merkt das keiner mehr im dichten Nebel.

Gast: Plach2
26.10.2011 14:14
2

Unsere Regierungsspitze erklärt:

"Eine EU Vertragsveränderung ist nicht erforderlich".

Für Frau Merkel ist eine EU Vertragsveränderung unumgäglich.

Haben unsere Politiker (Faymann Spindelegger und Fekter) um Gipfel geschlafen?

Unsere Politspitzen eignen sich nur als Schosshündchen oder Buffetvernichter ...

Seit Mock und Plasnik hat Österreich weder einer innere Überzeugung, noch ausreichendes Hirn und schon gar nicht aussenpolitisches Profil.

Diese "Weichmacher" und die "Spitzmaus" kann nicht einmal die Requisite in Brüssel brauchen.

Tragischerweise ist das bei den anderen "EU-Granden" nicht viel besser. Wenigstens raufen die noch um eine Lösung. Unsere haben nicht einmal auf der Zuschauertribüne ihren festen Platz.

Antworten Gast: Gast248
26.10.2011 16:10
1

Re: Unsere Regierungsspitze erklärt:

Die können nicht so gut Englisch und haben daher die Hälfte gar nicht verstanden ;-)

Es sind halt die besten der besten, die uns vertreten...

Gast: Biersauer
26.10.2011 14:08
4

An die 50% der deutschen Kommunen sind bereitsan der Pleite angelangt..

und bekommen von der Bank keinen Kredit mehr,
aber die deutsche Kanzlerin vergibt freimütig
das nicht mehr vorhandene STeueraufkommen an
Pleitestaaten, wovon man nichts mehr zurückbekommen wird.
Erste Zeichen einer Zahlungsunfähigkeit sind ebenfalls schon zu erkennen, wenn die Renten
schon verspätet ausbezahlt werden und die Notenpresse nicht mehr nachkommt mit dem Duck neuer Scheine.

Gast: Blankenstein Husar
26.10.2011 13:59
0

Der "Durchbruch" könnt so aussehen:

Immer wieder gut.

http://www.youtube.com/watch?v=5bbS5_TaEmg

Gast: StopptDiePolitiker
26.10.2011 13:14
4

Eh klar

Na klar, die Börsen sind nervös.....die Politiker sollten lieber darauf achten, dass die Bürger, die schon schwer nervös sind, nicht bald in Rage geraten!!!!!!!


Gast: guesto
26.10.2011 12:47
3

Herr Merkel eben in TV:

wir dummerchen machen uns sorgen, und dabei war die lösung eh so einfach:

Alles wir einklagbar vor dem EUGH, in zukunft werden die Staaten die kriterien nicht mehr verletzen (grosses indianerehrenwort),
und sie kümmert sich gleich selber darum, dass weltweit die hedgefonds in die schranken gewiesen werden und transaktionssteuern weltweit werden auch durchgesetzt. ach ja, und die steueroasen (inkl monaco, liechtenstein, andorra, san marino etc.) werden auch aufgelöst.

und dass die griechen komplett unter kuratel gestellt werden sollen, wird ihnen sicher auch gefallen....

(wenn ich an die summen denke, die gerade von EURO auf dollar, sfr etc. konvertiert werden, wird mir schwummrig....)

Gast: Der Goiserer
26.10.2011 12:44
1

wo is da platz, wo da teufel seine kinda kriagt...?

Tel-Aviv?
Brüssel?..

Aber Brenna tuats guat....

Gast: freund?
26.10.2011 12:38
5

sie können NICHTS, und vernichten ALLES !



DAS sind die politiker !

WIR müssen mit allem, was wir haben, für den blöden euro, der sein geld sprichwörtlich nicht wert ist, und die griechen und andere nichtsnutze ,haften !!

wir wollen das nicht, und wer uns das antut, wird in unserem gedächtnis bleiben !

Zu viel Politik und Bankenlobbyismus

Goldman Sachs hat allein aus dem Lehman-Debakel mit anschliessendem AIG-crash
61 Milliarden vom Staat abgegriffen ("Inside job" -unbedingt ansehen). Den gleichen Trick versuchen die in Europa. Die hatten doch ein Motiv, Griechenland in die Euro-Zone einzuschmuggeln, und das heisst Extra-Profit. Wenn die Nettozahler in der Euro-Zone ihre Geldbörse öffnen, dann haben die transatlantischen Zocker erreicht, was sie wollten. Gottes Werk ! (Blankfein)


Antworten Gast: Mitzi_007
26.10.2011 13:58
0

Re: hier der richtige Link

Vielen Dank für den Link. Die Kommentare sind höchst interessant. Empfehle ich wärmstens Frau Flotter Lotte und Herrn Kraxn.
MfG

Gast: BAZI
26.10.2011 11:39
0

Hebel-ESFS

Heute wird im deutschen Bundestag über den "Hebel-EFSF" abgestimmt. Die Unterlagen sind sehr kurzfristig verteilt worden.

Inhalt hier, worüber abgestimmt wird.
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/703956/Durchbruch-beim-EuroGipfel-scheint-fraglich?_vl_backlink=/home/wirtschaft/international/691335/index.do&direct=691335

Gast: Blankenstein Husar
26.10.2011 10:42
4

"Durchbruch"??? - Die EU rauscht mit Vollgas in die Sackgasse...

und die Systemjournalisten erwarten sich allen Ernstes einen "Durchbruch"?

Wir schlagen am Ende dieser Sackgasse so sicher ein, wie am 9/11 die Cruise Missile ins Pentagon...


 
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