Gipfel: Neun Prozent Kernkapital für Banken abgesegnet

26.10.2011 | 22:07 |   (DiePresse.com)

Der Druck auf die Banken wegen des Schuldenschnitts für Griechenland soll verstärkt werden. Das Konjunkturpaket Italiens soll bis Mitte November vorliegen.

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Die ersten Ergebnisse vom EU-Gipfeltreffen in Brüssel sind mitgeteilt worden. Demnach wurden nach Informationen des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk die Grundlagen für die Rekapitalisierung der europäischen Banken abgesegnet. Wesentlich sei die Schwelle von neun Prozent für ein Kernkapital "höchster Güte", auf die man sich geeinigt habe, sagte Tusk am Mittwoch in Brüssel. Der Ministerpräsident sagte auch, dass es beim Gipfel keine Zahlen zum Griechenland-Schuldenschnitt geben wird. Der Druck auf die Banken, einem Schuldenschnitt zuzustimmen, soll erhöht werden.

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EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat angekündigt, dass die EU-Finanzminister den Feinschliff des Gesamtpakets inklusive Bankenrekapitalisierung machen werden. Ob dieser EU-Finanzministerrat erst wie laut Fahrplan am 7. November erfolgt oder angesichts des G-20-Treffens der größten Industrienationen am 3. und 4. November bereits in den nächsten Tagen, blieb zunächst offen.

Neun Prozent bis Juni 2012 gefordert

Was das Kernkapital der Banken betrifft, müssten diese einen zusätzliches Kapitalpuffer einrichten, der neun Prozent nicht unterschreiten dürfe. Dieser Wert müsse bis Juni nächsten Jahres erreicht werden, sagte der polnische Finanzminister Radek Rostowski. Diese Maßnahme sei einmalig. Finanzierungsquellen würden in erster Linie private Quelle sein. Auch Kapital von niedriger Güte könne umgewandelt werden. Falls die Banken diese Mittel nicht auf dem Markt bekommen, würde der betreffende Sitzstaat einspringen.

EFSF-Mittel können vervierfacht werden

Auch beim Euro-Rettungsfonds EFSF konnten Fortschritte erzielt werden. Nach Informationen von EU-Diplomaten wird die EFSF über eine Hebelung seiner Kredite auf eine Schlagkraft von mehr als einer Billion Euro kommen. Die eingesetzten Mittel könnten über Kredite privater Investoren vervierfacht werden, sagte eine mit den Beratungen der Euro-Staats-und Regierungschefs vertraute Person am Mittwoch beim Euro-Gipfel in Brüssel.
Als Basis stehe nach Abzug der schon festgelegten Hilfen für Portugal und Irland sowie der absehbaren Kreditsumme für Griechenland eine Summe von 250 bis 275 Milliarden Euro zur Verfügung.

Stärkere Überwachung Griechenlands

Griechenland soll bei der Umsetzung seines Spar- und Reformprogrammes künftig schärfer überwacht werden. Die EU-Kommission und die Euro-Staaten wollen künftig mehr Experten zur Kontrolle vor Ort nach Griechenland schicken. Sie sollten die Troika aus EU-Kommission, IWF und EZB bei der Überwachung Griechenlands unterstützen und prüfen inwieweit das Land seinen Verpflichtungen im Rahmen des Rettungspakets nachkomme.

Um die Banken zu einer Zustimmung zum Schuldenschnitt zugunsten der Griechen zu bewegen, wollen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy persönlich mit den Vertretern der Banken zu verhandeln, hieß es am Mittwochabend aus Regierungskreisen beim Euro-Krisengipfel in Brüssel. Demnach könnten die Gespräche noch am Abend stattfinden. EU-Diplomaten hatten zuvor mitgeteilt, dass die Euro-Länder nicht mehr ausschlössen, die Banken zu einem Verzicht auf etwa 50 Prozent ihrer Forderungen gegenüber Athen zu zwingen. Ziel sei es, den griechischen Schuldenstand auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken, von 160 Prozent im Moment, hieß es.

Berlusconi bekommt drei Wochen Zeit

Bestätigt wurde auch, dass Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi den EU-Partnern ein Dokument über Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise in seinem Land vorgelegt hat, in dem er unter anderem die Grundlinien seiner Pensionsreform und Schritte zur Förderung des Wirtschaftswachstums vorstellte. Bis zum 15. November will das Kabinett ein Konjunkturpaket mit Initiativen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums vorlegen. Männer und Frauen sollen laut Plänen zur Pensionsreform ab 2026 mit 67 Jahren in den Ruhestand treten, berichteten italienische Medien. Bisher lag das Pensionsantrittsalter bei 65 Jahren. Die Regierung plant die Einrichtung einer Kommission, die über die Umsetzung der Maßnahmen zur Schuldeneindämmung wachen soll. Bis zum 30. November wird die Regierung außerdem einen Plan zur Veräußerung von Staatsvermögen veröffentlichen. Damit soll der Staat fünf Milliarden Euro in drei Jahren eintreiben. Geplant sind auch Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung von Jugendlichen und Frauen.

 

 

 

(APA/Ag.)

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28 Kommentare
 
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Die Ahnungslosigkeit der Politiker könnte uns in eine Katastrophe treiben

Wer die Ereignisse der letzten Tage, die die europäischen Institutionen auf Trab gehalten haben, aufmerksam beobachtet hat, sollte mit Misstrauen nach Brüssel schauen. Denn über ein Jahr hatten die Staats- und Regierungschefs und ihre Stäbe nun Zeit, um nach Lösungen für den drohenden Staatsbankrott Griechenlands und die rapid steigende Staatsverschuldung fast aller Staaten Europas zu suchen. Heute sind sie jedoch „noch immer so klug als wie zuvor“.
Diesen Damen und Herren an der Spitze der EU-Staaten würde man im täglichen Leben keinen Cent anvertrauen. So hilf- und ratlos in Geld- und Finanzangelegenheiten sind sie. Daher ist die Gefahr wirklich groß, dass sie uns in ihrer Orientierungslosigkeit in Situationen hineintreiben, die für uns sehr leicht zu finanziellen Mühlsteinen auf Jahre hinaus werden könnten. Wunder wäre es keines, haben doch die meisten der europäischen Regierungschefs und ihre Finanzminister zu Hause mit einer hohen Staatsverschuldung zu kämpfen und deshalb allen Grund vor den Rating-Agenturen zu zittern.
Daher ist es nicht zu verstehen, dass unsere Finanzministerin nicht heftig dagegen protestiert und mit einem Veto droht, wenn auch wir dazu verdonnert werden sollten, für die Fehler ausländischer Bankenbosse –vor allem der französischen- geradestehen zu müssen.
In einem solchen Fall noch die Solidarität zu bemühen, das gegenseitig füreinander Einstehen also, hieße wohl, diesen erstrebenswerten Zustand in das Gegenteil verkehren zu wollen.


Gibt es nur noch Faymänner in Europa?

Die Banken bekommen keine Bilanzen mehr zu stande, und sollen zugleich das Eigenkapital stärken!?
Und dann sind alle Probleme gelöst?

Vielleicht sollte der KSV die Regierungsgeschäfte übernehmen. Die wissen wenigstens wie man mit Pleiten um geht!

Gast: Gasti
26.10.2011 23:46
0

Gell, da schaut der brave Maxi

wie ihm schon wieder sein Saeckel geleert wird und er sein rot-schwarzes Wunder erlebt.

Aber vom bloed schauen wirds eben nicht besser.

Fortsetzung:

Ausgaben der EU-Staaten für die Banken-Rekapitalisierung in der Zeit von 2008 bis 2011 betragen ca. 4600 Milliarden EURO (!)

Zum Vergleich: Schulden aller EURO-Staaten betragen 8364 Milliarden EURO (!)

Quelle: FAZ/IWF/EU-Kommission

Habe da eine schöne Zusammenstellung gefunden.Wie soll das gehen?

EU-Billionen gegen die EURO-Krise als Beweis für die Zerstörung der Volkswirtschaften in Europa

April 2010: Erstes Griechenland-Hilfspaket in Höhe von 110 Milliarden EURO (!), davon 30 Milliarden EURO (!) vom IWF

Mai 2010: Gründung des EURO-Rettungsschrims in Höhe von 750 Milliarden EURO (!), davon 250 Milliarden EURO (!) vom IWF
(davon entfielen auf den Rettungsfonds EFSF 440 Milliarden EURO (!) und 60 Milliarden EURO (!) flossen in das EU-Budget!)

Mai 2010: EZB beginnt mit dem Kauf von Staatsanleihen in Höhe von 161 Milliarden EURO (!) (Stand Oktober 2011)

November 2010: : Hilfspaket für Irland in Höhe von 85 Milliarden EURO (!), davon 22,5 Milliarden EURO (!) vom IWF

März 2011: Permanenter Rettungsschirm ESM (ab 2013 in Höhe von 700 Milliarden EURO (!)

Mai 2011: Hilfspaket für Portugal in Höhe von 78 Milliarden EURO (!), davon 26 Milliarden EURO (!) vom IWF

Juli 2011: EFSF wird erweitert von 440 Milliarden EURO (!) auf 780 Milliarden EURO (!). Kreditvergabevolumen von 440 Milliarden EURO (!) (vorher 250 Milliarden EURO (!), HAFTUNGSRAHMEN bei 780 Milliarden EURO (!)

Juli 2011: Zweites Griechenland-Hilfspaket (ohne privaten Anteil) in Höhe von 109 Milliarden EURO (!), davon ca. 1/3 Milliarden EURO (!) vom IWF

Oktober 2011: Bankenhilfspaket (in Diskussion) in Höhe von 110 Milliarden EURO (!)

Oktober 2011: ''Hebelung'' des EFSF (in Diskussion) in Höhe von 1000 bis 2000 Milliarden EURO (!). Erhöhung der ''Schlagkraft'' durch komplizierte Finanzkonstruktionen(?)


Gast: taschenrechner
26.10.2011 22:44
1

alles in bester ordnung.

wenn die banken das erforderliche geld nicht haben,borgen sie es sich von den staaten,welche das geld auch nicht haben.

und diese staaten borgen sich das geld dann von den banken,um es dann an die banken zu verleihen damit diese ihre 9% quote erreichen.

erscheint mir alles total logisch und durchdacht.

Re: alles in bester ordnung.

Von Wechselreiterei spricht man, wenn zwei oder mehr Parteien auf sich gegenseitig Wechsel ziehen bzw. akzeptieren. Er dient den beteiligten Parteien der Geldbeschaffung bzw. als Kreditmittel, da diese Wechsel entweder als Zahlungsmittel zur Begleichung einer Schuld verwendet werden können.

Wechselreiterei kann als Betrug geahndet werden , insbesondere wenn ein Handelswechsel vorgetäuscht wurde und die gegenseitig auf sich gezogenen Wechsel nicht bezahlt werden.

Re: alles in bester ordnung.

Genau! Und die Staaten verlangen 8 % Zinsen und die Banken 3 %, womit die Fekter ja doch recht hat: Das ist ein gutes Geschäft :)

Gast: Hans im Glück
26.10.2011 22:24
0

Wenn diese ganzen EU-Anbeter hängen werden, werde ich glücklich sein.


Quadratur des Kreises

Die Banken sollen die Kernkapitalquote erhöhen, zum Schuldenschnitt Griechenlands erheblich beitragen, höhere Steuern an die Budgets abliefern. Die Politik spielt "Wünsch dir was" statt an nachhaltigen Lösungen zur Krisenbekämpfung zu arbeiten. Nachdem diese Forderungen sich selbst widersprechen, dürften sie eher als Beruhigung für die Bevölkerung gedacht sein.

Wir brauchen Politiker mit Wirtschaftsverständnis, die die Interessen des kleinen Mannes von der Straße vertreten und die den Gesamtnutzen in den Mittelpunkt stellen. Neben Transparenz ist die Einbeziehung der Bürger notwendig um auf breiter Basis getragene Lösungen zur Sicherung des sozialen Friedens sowie eines gewissen Wohlstandes zu ermöglichen. Genug Gezahlt für Phrasendrescher.

Den Euro wirds ewig geben...
nur das Zusammenspiel unfähiger Politiker und einer Einheitswährung garantiert einigen Menschen unermässlichen Reichtum.

Re: €

den Euro wird es nicht ewig geben.

der stirbt und muss auch sterben, da die volkswirtschaften zu unterschiedlich sind.

und da das essentielle instrument, das der auf-abwertung unbedingt notwendig ist, um bestehen zu können.

wollen sie währungsmäßig österreich mit rumänien sich vergleichen?

das ist der punkt, neben vielen anderen.

Die Banken finanzieren also jetzt den schicken Haarschnitt

der Griechen und sollen gleichzeitig ihr Eigenkapital auf 9% erhöhen. Darf man fragen, mit welchem Geld die das bezahlen werden?

Einer, der noch die Wahrheit sagt

http://www.youtube.com/watch?v=ZyLuPcyR-QM

Warum verschwendet der Mann sein Talent mit den Kommunisten ?

Die Wahrscheinlichkeit dass,

wir beim betreten einer Filiale Benützungsgebühren oder bei Telebanking eine Einlogg-Gebühr zu bezahlen haben ist sehr groß.

Antworten Gast: dorns
26.10.2011 22:18
0

Banken mit einem innovativeren Geschäftsmodell werden die vorhandenen Banken schlicht ablösen.

Nicht unbedingt.

Heutzutage ist es nicht mehr notwendig, dass Banken so viel Infrastruktur dahinter haben müssen. Banken mit reinem Onlinebanking und einem anderen, einem innovativeren Geschäftsmodell werden die vorhandenen Banken schlicht ablösen.

Gast: Bärenfalle...
26.10.2011 21:03
0

Das ist nicht das erste Ergebnis...

sondern anscheinend das einzige Ergebnis.

9% Kernkapital ab Mitte 2012.

Der Rest soll "im November" weiterverhandelt werden, also Spielen auf Zeitgewinn.


Gast: Grüner Kacktus?
26.10.2011 20:48
2

Endlich

9% Eigenkapital? Fantastisch! Die Krise ist beseitigt!

Wartet... nein, doch nicht...

KEIN CENT VOM STEUERZAHLER!

Kein Cent vom Steuerzahler!
Das ist doch nur ein Trick um wieder Geld vom Steuerzahler an die Banken zu schieben!
Aber diesmal nicht!

Vorsicht, sie werden gerade beraubt!

Was glauben Sie denn, wen das trifft, wenn dieser Banküberfall durchgeführt wird? Haben Sie ein Bankguthaben? Haben Sie einen Tilgungsträger für einen Kredit? Das alles wird bald in der Ägäis untergehen.
Sich zu freuen, dass "die Banken" zur Kasse gebeten werden sollen ist dermaßen dumm. Verstehen Sie nicht, Sie selber werden bluten!

Re: Vorsicht, sie werden gerade beraubt!

Sie sind ein Dummkopf!

Gast: dorns
26.10.2011 20:36
0

Neun Prozent Kernkapitalquote für Banken fix

100 Prozent gehört!

Antworten Gast: andi w.
26.10.2011 20:58
0

Re: Neun Prozent Kernkapitalquote für Banken fix

und noch was:

Eigenkapital = Kapital das von den Gesellschaftern eingebracht wird. Gesellschafter schlussendlich (ja ich weiß es gibt so was wie ne GmbH & OG wo die Gmbh Gesellschafter ist) Privatpersonen

wie wollen sie die zweistelligen Milliardenbeträge die Banken Kapital haben nur durch Eigenkapital decken???!?!?

DIES IST UNMÖGLICH

Antworten Gast: andi w.
26.10.2011 20:53
0

Re: Neun Prozent Kernkapitalquote für Banken fix

recht viel Ahnung von der Wirtschaft haben sie nicht?

Banken KÖNNEN NICHT HUNDERT PROZENT ERREICHEN

seit der Gründung von Banken vor mehr als 150 Jahren sind Banken Geldinstitute die Geld vor allem a: aufbewahren b: tauschen c: investieren

das ist das grundlegende Geschäftsmodell einer Bank.
sie erhält geld von kunden. lagert bzw investiert dies gegen zinsen weiter.
dieses Grundgeschäftsmodell der Banken gibts schon seit den Kreuzzügen

Wenn sie Banken mit 100 % EK fordern dann können sie gleich ihre Bankkonten (ihr Gehaltskonto ist sicher eins) auflösen.

Eignen sie sich wirtschaftliches Wissen an bevor sie so einen Blödsinn verzapfen

Antworten Antworten Gast: gast87
26.10.2011 22:55
0

Re: Re: Neun Prozent Kernkapitalquote für Banken fix

sie haben d) Geld aus der luft zu erschaffen vergessen...

Banken vergeben ja Kredite, die als Eigenkapital nicht vorhanden sind. Durch die Rückzahlung samt der Zinsen wird dieses Geld ja erst real geschaffen.

Antworten Antworten Gast: einebürgerin
26.10.2011 22:07
0

...

Zum Geschäftsmodell der Banken:
http://banken-volksbegehren.at erklärt dieses recht gut.


 
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