Europas Banken brauchen 106,5 Mrd. Euro frisches Kapital

Die EU-Bankenaufsicht legt erstmals konkrete Zahlen vor. Österreichs Banken müssen bis Juni 2012 rund drei Milliarden Euro beschaffen. Das trifft vor allem die Volksbanken-Gruppe.

Europas Banken brauchen 1065
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Europas Banken brauchen 1065
Frankfurter Banken-Skyline – Mario Vedder/dapd

Brüssel. Knapp vor Mitternacht ließ die Europäische Bankenaufsicht (EBA) am Mittwoch die Katze aus dem Sack: Europas Banken benötigen in Summe 106,447 Milliarden Euro, um die verschärften Kapitalregeln zu erfüllen, auf die man sich auf europäischer Ebene zur Vermeidung eines erneuten Bankenkrachs geeinigt hat. Diese Zahl deckt sich mit den bisherigen Schätzungen von Experten.

Die österreichischen Kreditinstitute - geprüft wurden Raiffeisen Bank International, Erste Group und Unicredit Bank Austria - müssen sich insgesamt 2,938 Milliarden Euro supersicheres Kernkapital bis Ende Juni 2012 besorgen. Ein Großteil dieses Betrags ist auf die in Restrukturierung befindliche Volksbanken-Gruppe zurückzuführen, hält die EBA in einer Aussendung fest.

Die heimischen Großbanken müssen der Finanzmarktaufsicht (FMA) bis Jahresende Kapitalpläne vorlegen. Nach Einschätzung von FMA-Chef Helmut Ettl werden es die österreichischen Großbanken wohl ohne Staatshilfe schaffen.

Kernkapitalquote von neun Prozent

Die EBA nimmt in ihrem "Blitz-Stresstest" an, dass die Banken eine Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen müssen, um gegen die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der europäischen Staatsschuldenkrise gewappnet zu sein. Um dies zu simulieren, müssen die Banken zusätzlich die Staatsanleihen in ihren Büchern zum Marktpreis vom 30. September dieses Jahres verbuchen. Im Fall Österreichs macht dieser zusätzliche Kapitalpuffer, der sich durch die Bewertung zum Marktwert ergibt, laut EBA rund 224 Millionen Euro aus.

Wer unter diesen Bedingungen die Neun-Prozent-Hürde reißt, muss zuerst eigene Reserven flüssig machen oder durch eine Kapitalerhöhung frisches Kapital hereinbekommen. Sollte das nicht möglich sein, muss der jeweilige Staat einspringen. Erst in letzter Instanz soll das Euro-Rettungsvehikel EFSF einspringen.

Mit besonderem Interesse wurde das Ergebnis der griechischen Banken erwartet. Die EBA veröffentlichte allerdings keine spezifischen Zahlen für den Kapitalbedarf, sondern verwies darauf, dass die im bestehenden griechischen Hilfsprogramm der Euroländer und des EFSF schon 30 Milliarden Euro für die Stabilisierung der griechischen Banken bereitgestellt sei. Diese Summe reiche aus, erklärte die EBA.

Hoher Kapitalbedarf in Spanien

Die deutschen Banken benötigen 5,184 Milliarden Euro und 7,687 Milliarden Euro als zusätzlichen, vorübergehenden Schutz gegen die niedrigere Bewertung von Staatsanleihen in ihren Büchern, die französischen 8,844 Milliarden Euro sowie 3,55 Milliarden Euro als Puffer für die Staatsanleihen. Am größten ist der zusätzliche Kapitalbedarf in Italien (14,771 Milliarden Euro) und in Spanien (26,161 Milliarden Euro). Die spanischen Banken sind nach Einschätzung von Wirtschaftsministerin Elena Salgado stark genug, um die vom Euro-Krisengipfel beschlossene Rekapitalisierung alleine meistern zu können.

Bis Jahresende müssen alle Banken ihren jeweiligen nationalen Finanzaufsichtsbehörden detailliert darlegen, wie sie dieses Geld zu beschaffen denken. Dann wird auch klar sein, in welchem Umfang die Staaten als Kapitalgeber einspringen müssen.

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