Europas Banken brauchen 106,5 Mrd. Euro frisches Kapital

27.10.2011 | 01:13 |  Von unserem Korrespondenten Oliver Grimm (DiePresse.com)

Die EU-Bankenaufsicht legt erstmals konkrete Zahlen vor. Österreichs Banken müssen bis Juni 2012 rund drei Milliarden Euro beschaffen. Das trifft vor allem die Volksbanken-Gruppe.

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Brüssel. Knapp vor Mitternacht ließ die Europäische Bankenaufsicht (EBA) am Mittwoch die Katze aus dem Sack: Europas Banken benötigen in Summe 106,447 Milliarden Euro, um die verschärften Kapitalregeln zu erfüllen, auf die man sich auf europäischer Ebene zur Vermeidung eines erneuten Bankenkrachs geeinigt hat. Diese Zahl deckt sich mit den bisherigen Schätzungen von Experten.

Die österreichischen Kreditinstitute - geprüft wurden Raiffeisen Bank International, Erste Group und Unicredit Bank Austria - müssen sich insgesamt 2,938 Milliarden Euro supersicheres Kernkapital bis Ende Juni 2012 besorgen. Ein Großteil dieses Betrags ist auf die in Restrukturierung befindliche Volksbanken-Gruppe zurückzuführen, hält die EBA in einer Aussendung fest.

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Die heimischen Großbanken müssen der Finanzmarktaufsicht (FMA) bis Jahresende Kapitalpläne vorlegen. Nach Einschätzung von FMA-Chef Helmut Ettl werden es die österreichischen Großbanken wohl ohne Staatshilfe schaffen.

Kernkapitalquote von neun Prozent

Die EBA nimmt in ihrem "Blitz-Stresstest" an, dass die Banken eine Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen müssen, um gegen die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der europäischen Staatsschuldenkrise gewappnet zu sein. Um dies zu simulieren, müssen die Banken zusätzlich die Staatsanleihen in ihren Büchern zum Marktpreis vom 30. September dieses Jahres verbuchen. Im Fall Österreichs macht dieser zusätzliche Kapitalpuffer, der sich durch die Bewertung zum Marktwert ergibt, laut EBA rund 224 Millionen Euro aus.

Wer unter diesen Bedingungen die Neun-Prozent-Hürde reißt, muss zuerst eigene Reserven flüssig machen oder durch eine Kapitalerhöhung frisches Kapital hereinbekommen. Sollte das nicht möglich sein, muss der jeweilige Staat einspringen. Erst in letzter Instanz soll das Euro-Rettungsvehikel EFSF einspringen.

Mit besonderem Interesse wurde das Ergebnis der griechischen Banken erwartet. Die EBA veröffentlichte allerdings keine spezifischen Zahlen für den Kapitalbedarf, sondern verwies darauf, dass die im bestehenden griechischen Hilfsprogramm der Euroländer und des EFSF schon 30 Milliarden Euro für die Stabilisierung der griechischen Banken bereitgestellt sei. Diese Summe reiche aus, erklärte die EBA.

Hoher Kapitalbedarf in Spanien

Die deutschen Banken benötigen 5,184 Milliarden Euro und 7,687 Milliarden Euro als zusätzlichen, vorübergehenden Schutz gegen die niedrigere Bewertung von Staatsanleihen in ihren Büchern, die französischen 8,844 Milliarden Euro sowie 3,55 Milliarden Euro als Puffer für die Staatsanleihen. Am größten ist der zusätzliche Kapitalbedarf in Italien (14,771 Milliarden Euro) und in Spanien (26,161 Milliarden Euro). Die spanischen Banken sind nach Einschätzung von Wirtschaftsministerin Elena Salgado stark genug, um die vom Euro-Krisengipfel beschlossene Rekapitalisierung alleine meistern zu können.

Bis Jahresende müssen alle Banken ihren jeweiligen nationalen Finanzaufsichtsbehörden detailliert darlegen, wie sie dieses Geld zu beschaffen denken. Dann wird auch klar sein, in welchem Umfang die Staaten als Kapitalgeber einspringen müssen.

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11 Kommentare
Gast: frank789
27.10.2011 12:09
1

das ist grandios

zuerst ""die banken" verzichten auf 50% der schulden griechenlands" und dann "die banken" brauchen 106 mrd euro

das ist so pervers, da fehlen einem die worte, ich bekomme schnappatmung

im gegenzug für die zigste staatshilfe für banken werden die kontogebühren erhöht, kreditzinsen erhöht und die zinsen auf das sparguthaben reduziert, denn "die banken" haben ja auch auf viel verzichtet

wer sind denn "die banken" ?? wir sind "die banken" und sonst niemand zuerst versemmeln ein paar politiker und banker alles geld installieren ein schneeballsystem und verzocken dabei unser aller sparguthaben neben den steuereinnahmen

Gast: cci-managment
27.10.2011 11:57
2

welche Eigenkapitalquote?

Schwierig zu beurteilen was da gemeint ist. Nach normalen Maßstäben müsste die Eigenkapitalqote der Quotient von Eigenkapital zur Bilanzsumme sein (überhaupt bei Banken). Bei der Deutschen Bank würde das bedeuten, dass bei 44,8 Mrd. Eigenkapital zu 1.950 Mrd. Bilanzsumme in 2010 tatsächlich nur eine Eigenkapitalquote von rd. 2,54% bestünde. Das bedeutet auch, dass um auf 9% zu kommen, alleine die Deutsche Bank rd. 122 Mrd. Euro Kapitalaufstockung benötigt (was heißt hier 106 Mrd. für alle europäischen Banken???), oder die Bilanzsumme wird kräftig heruntergefahren (was ja auch Basel III entsprechen würde) ... d.h. die Kreditvolumen müssten drastisch reduziert werden (ob das die privaten und KMUs freut?)!

Re: welche Eigenkapitalquote?

Die Eigenkapitalquote gemessen an der Bilanzsumme ist logischerweise sehr niedrig. Laut Basel III müssen aber "nur" die "risikopositionen" mit mind. 8% (jtzt anscheinend 9%) unterlegt werden…

Mir suspekt ist allerdings, dass Aktien zu diesem "sicheren" eigenkapital gezählt werden. Meiner Meinung nach sollte man die Aktien und einen Teil der Staatsanleihen selber als "Risikogeschäft" deklarieren und mit echtem EK unterlegen müssen!

Antworten Antworten Gast: cci-managment
27.10.2011 18:30
0

Re: Re: welche Eigenkapitalquote?

Klar, das hier nur per Definition Kosmetik betrieben werden kann. Kein Bankkunde würde unter den gleichen Bedingungen bewertet werden ... das wäre jeder Bank zu risikobehaftet ... interessant ist, dass hier Deutschland und Österreich offenbar so unterschiedliche Maßstäbe ansetzt ... meines Erachtens ist die in Österreich verwendete Darstellung- zumindest was ich bisher nachgerechnet habe - die dem Realrisiko am ehesten entsprechende (und auch dem normalen Geschäftsverständnis entsprechende).

Antworten Gast: cci-managment
27.10.2011 15:37
0

Re: welche Eigenkapitalquote?

... ergänzend sei anzumerken, dass - nachdem man nun wieder auf die ErsteBank Website kommt, bei gleichem Berechnungsansatz die Angabe mit 8,1% derzeitiger Eigenkapitalquote tatsächlich stimmt (wenn die Bilanzen stimmen, wovon ich nun mal ausgehen muss). Andererseits bestätigt das meine Vermutung, dass die angeführten 106 Mrd Kapitalspritze für alle Banken Europas völlig daneben ist (am Beispiel der Deutschen Bank) ... unfassbar in welchen Dimensionen da EU-Bürger hinters Licht geführt werden ... nun, die Zeche kommt bestimmt.

Gast: Ösi
27.10.2011 09:35
0

Man muss ja bedenken, dass die EU in Wahrheit von ener konservativen Mehrheit gesteuert wird

Und daher ist es auch ein logischer Schluss, dass u.a. die ÖVP schuld ist.
Eine Tatsache die wir sowieso in Österreich kennen, wo doch die ÖVP schon immer an allem schuld war!
Daher ist es ja auch keine Euro-Krise etc. sondern einfach eine ÖVP-Unfähigkeitskrise.

so long
Ösenpower

106,447 Mrd!

Bitte geht`s noch genauer?

Diese Zahlen sind Schwachsinn!
In Wirklichkeit platzt die größte Blase aller Zeiten.
Die globale Korruptionsblase.

Gast: Han
27.10.2011 08:23
2

Eine staatliche Unterstützung

wird sicher gerechtfertigt sein. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Banken über Jahrzehnte aus diesen nunmehrigen Abschreibungen hohe Zinsen lukriert haben! Es ist daher nicht einzusehen, dass auf Dauer betrachtet der EU-Bürger dafür mit neuen Steuern herhalten soll!

Wenn die europäischen Banken 106,5 Mrd Euro

frisches Kapital zur Finanzierung des Schulden- Abbaus der Griechen brauchen, dann stellt sich nur eine Frage: Woher soll dieses Geld kommen? Natürlich von den Steuerzahlern und von den Sparern, die dankbar sein müssen für eine Verzinsung von 0, 25 % minus KEST! Es müsste aber auch eine Selbstverständlichkeit sein, dass alle die Griechen, die in den letzten Jahrzehnten zu Millionären geworden sind, nun auch auf 50% ihres bei ausländischen Banken geparkten Vermögens zur Rettung Griechénlands freiwillig spenden!! Wenn nicht, sollte man alle Griechen aus der EU hinauswerfen, und zwar sofort!!

Re: Wenn die europäischen Banken 106,5 Mrd Euro

Sie haben noch die Inflation vergessen. Welche sich in Wahrheit bei ca. 11% bewegt.

Gast: check
27.10.2011 07:04
3

Kein Problem, das Kernkapital einfach "hebeln"!

Ein Hebel löst ALLE Geldprobleme in Europa.

Man darf gespannt sein wie dieses kriminelle Finanz-Voodoo späterhin, nach dem Zusammenbruch des Euro, in den Geschichtsbüchern vermerkt sein wird.

Aber es steht zu befürchten dass es dann keine freie Geschichtsschreibung in Europa mehr geben wird.

"Alles nur zu unserem Schutz" vor dem bösen, bösen Kapitalismus "da draussen"...

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