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EU-Gipfel beschließt Schuldenschnitt für Griechenland

27.10.2011 | 09:17 |   (DiePresse.com)

Es wird einen "Haircut" von 50 Prozent geben. Die EFSF soll auf eine Billion Euro "gehebelt" werden. Die Bankenrekapitalisierung wird 106 Milliarden Euro betragen.

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Der Euro-Gipfel der Staats- und Regierungschefs hat Donnerstag früh eine Einigung auf ein Gesamtpaket im Kampf gegen die Schulden- und Bankenkrise sowie zur Griechenland-Hilfe erzielt. Für Griechenland wird es einen Schuldenschnitt in Höhe von 50 Prozent geben. Konkret heißt das, dass Privatgläubiger wie Banken und Versicherungen auf die Hälfte ihrer Anleiheforderungen verzichten. Außerdem enthält das Paket eine Einigung auf eine Bankenrekapitalisierung von 106 Milliarden Euro, davon 2,9 Milliarden für österreichische Banken und einen EFSF-Hebel zur Verstärkung der Effizienz des Euro-Rettungsschirms von 440 Milliarden auf eine Billion Euro.

Merkel sieht Erwartungen erfüllt

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zog ein positives Fazit. "Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen", sagte sie. Die Welt habe auf das Treffen geschaut.  Das Paket sein "ein Schritt weiter, aber kein Paukenschlag". Die Europäer seien den Erwartungen gerecht geworden und hätten die "richtigen Beschlüsse" gefasst, fügte Merkel hinzu.

Die Banken verzichten auf die Hälfte ihrer Forderungen gegenüber Griechenland. Das geschehe völlig freiwillig, versichern alle Seiten, denn nur unter dieser Bedingung kann vermieden werden, dass Griechenland von den Ratingagenturen für zahlungsunfähig erklärt wird. Der Wert des Verzichts liegt bei 100 Milliarden Euro. Ziel ist, dass die Verschuldung des Landes dadurch von derzeit 160 Prozent des BIP bis 2020 auf 120 Prozent des BIP fällt. Der Verzicht der Privaten werde geringer als 50 Prozent sein, weil die öffentliche Hand weitere 30 Milliarden Euro für Griechenland aufbringen wolle. Die öffentliche Beteiligung steigt von zuletzt geplanten 109 Milliarden Euro auf 130 Milliarden Euro.

Der EU-Ratsvorsitzende Herman Van Rompuy bezeichnete die Entscheidungen als "Schutzwall gegen die Ansteckungsgefahr". Neben dem Schuldennachlass für Griechenland von 50 Prozent sei der Euro-Rettungsschirm EFSF in seiner Effizienz verstärkt und auf eine Billion Euro gehoben worden. Zum EFSF sagte Rompuy, die Hebelung könne auf zwei Arten erfolgen. Beim ersten Modell wird der Fonds zu einer Versicherung für Staatsanleihen mancher Euro-Länder: Investoren sollen damit geködert werden, dass der Fonds ihnen im Falle von Verlusten etwa 20 Prozent davon abnimmt. Das zweite Modell sind Sondertöpfe zum Aufkauf von Staatsanleihen, in die auch Staatsfonds und Privatleute investieren können. Deren Beitrag wird erst nach weiteren Gesprächen in einigen Wochen feststehen.

Bis zu fünffache Hebelwirkung der EFSF

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bestätigte, die Wirkungskraft des Euro-Schutzschirmes EFSF werde durch die beim EU-Gipfel beschlossene Hebelung um das 4 bis 5-fache auf 1,4 Billionen Euro steigen. Noch heute Mittag will Sarkozy mit Chinas Staatspräsident Hu Jintao sprechen. Die EU bemüht sich um eine chinesische Beteiligung bei der Hebelung des EFSF. Die EZB werde nicht an der griechischen Schuldenreduktion beteiligt, so Sarkozy. Dafür hätten Italien und Spanien weitere Reformen angekündigt, um ihrerseits zum Vertrauen in den Euro beizutragen.

Die Systemrelevanten Banken Europas, die zuletzt den Banken-Stresstest durchlaufen haben, müssen ihr hartes Kernkapital bis zum 30. Juni 2012 auf neun Prozent aufstocken. Bis die Banken ausreichend Kapital haben, müssen sie sich bei Dividenen und Boni zurückhalten. Das Geld soll in erster Linie vom Kapitalmarkt kommen, wenn das nicht geht von den Nationalstaaten und nur wenn diese nicht genug Mittel haben, vom EFSF.

Abgesehen von diesen konkreten Beschlüssen, haben sich Italien und Spanien im Rahmen des Gipfels zu weiteren Sparmaßnahmen verpflichtet. Italien will 2013 ausgeglichen budgetieren und 2014 seine Staatsverschuldung auf 113 Prozent der Wirtschaftsleistung senken. Auch soll das Pensionsantrittsalter bis 2026 auf 67 Jahre angehoben werden.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) begrüßte die Ergebnisse. "Die Eurozone, die Europäische Union, hat gezeigt, dass sie, wenn sie vor einer großen Herausforderung steht, in der Lage ist, gemeinsam und solidarisch Lösungen zu finden. Das ist ein gutes Zeichen", zeigte sich Faymann nach Abschluss der Beratungen zufrieden.

(APA/Ag.)

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189 Kommentare
 
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Gast: Delta
27.10.2011 06:55
9 0

Danke!

Mit diesen Schritten wird das Vertrauen in Staatsanleihen ins Bodenlose sinken - auch Staaten mit (angeblich noch) guter Bonität werden das zu spühren bekommen.

Es zeigt sich - wieder mal - dass unsere "Volksver...." den Aufgaben schlicht nicht gewachsen sind.
Darum NEIN zu mehr EU, solange dies nur ein weiterstolpern ohne Sinn und Verstand bedeutet.

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Schritten wird das Vertrauen in Staatsanleihen ins Bodenlose sinken

Dann ist es wenigstens mit dem Schuldenmachen aus!

Allerdings was das dann heißt will ich mir gar nicht ausmachen!

Italien auf 113% ???

Das sind immer noch 53 Prozentpunkte, oder 88% über dem Maastricht-Kriterium. Und Faymann ist zufrieden ... übrigens, Österreich liegt bei 75% des BIP, das 15 Prozentpunkte oder 25% drüber. Bei dieser Marke beginnt die letale Größe für Staatshaushalte. Das gilt auch für Deutschland. Damit wurde wieder nur Zeit gekauft, um teures Geld. Der große Knall kommt spätestens in 1 Jahr, dann sind die PIIGSS am Ende und der Rettungsschirm zerfetzt ... (KH)

Re: Italien auf 113% ???

kleine Korrektur: die richtige Ausdrucksweise lautet PIGS. Irland hat den (zugegebnermaßen teuer erkauften) turnaround schon geschafft...

Gast: check
27.10.2011 06:46
20 0

"WOLLT IHR DEN TOTALEN EURO?"

Verbrechen zahlt sich eben aus!

Und Spanien, Portugal und Italien schauen ganz entspannt zu: Sparmaßnahmen und Privatisierungen zu beschließen, diese nicht umzusetzen, trotzdem 100 Milliarden Geld bekommen und 50% der Milliardenschulden den Nettozahlern abzugeben, dieses Geschäftsmodell wird seine Nachahmer finden.

+++

Die deutsche Sprache reicht nicht aus um den Grad der Verblödung unserer politischen "Eliten" zu beschreiben.

Durch das festhalten am "totes Pferd reiten"-Prinzip tötet man den Euro und riskiert dazu sogar einen schweren Rückschlag für die Europäische Union.

Was ist so schwer daran einfach zuzugeben: "Der Euro war eine Totgeburt, wir haben uns geirrt."? Stattdessen wird der politischen Eitelkeit der Wohlstand der GESAMTEN Euro-Zone geopfert.

Alles, aber auch wirklich ALLES was Kritiker befürchtet haben, alles was anfangs vehement bestritten wurde, ist eingetreten:

Bruch des Maastricht-Stabilitätspaktes

Bruch der No-bail-out-Vereinbarung

Missbrauch der EZB als Ramschaufkäufer

1. Rettungsschirm nicht ausreichend

2. Rettungsschirm nicht ausreichend

ESFS nicht ausreichend.

Hebelung der ESFS-Gelder

All das wurde ständig bestritten, bis es dann als "alternativlos" und "unabwendbar" deklariert wurde. Der Trick liegt darin, die dramatische Lage eines Landes als Dramatik des eigenen Landes darzustellen und dann, mittels "Hilfsgelder" diese dramatische Lage seinem eigenen Staat zu "kaufen".

Und genau so werden die Kritiker recht behalten dass uns der gehebelte ESFS bald um die Ohren fliegen wird.

28 Milliarden EURO für Österreich ergeben gehebelt über 100 Milliarden. 12.000,- Euro neue Schulden für jeden Österreicher, vom Baby zum Greis, kostet uns diese eitle Niedertracht der Politik.

Die deutsche Sprache reicht absolut nicht aus um den Grad der Verblödung unserer politischen "Eliten" zu beschreiben.

Antworten Gast: Ende!
27.10.2011 07:49
8 0

Re: "WOLLT IHR DEN TOTALEN EURO?"

Die deutsche Sprache hat auch keine Worte dafür wie sehr ich die Politik hasse.

Gast: dxgfdD
27.10.2011 06:42
6 0

Wie oft haben wir schon gehört, dass jetzt alles gut wäre?


Gast: super
27.10.2011 06:25
6 0

bis zum nächsten mal ....

der französische premier bestätigt der presse, dass der rettungsschirm durch hebelung jetzt das zwanzigfache ausmache. mit diesen 4 billionen wird nun das auslangen gefunden und die märkte beruhigt sein....

ich bin nur froh, dass die griechischen steuerhinterzieher ihr gerstl sicher ins ausland gebracht haben,

Hat Faymann geau dies gesagt und gemeint?

Ich glaube, er hat statt "Europa hat Lösungen gefunden" nur gemeint "Europa hat "Antworten" gegeben". Das ist ein kleiner sprachlicher Unterschied aber mit einer haushoch unterschiedlichen Bedeutung.

damit hat man einen praezedenzfall geschaffen

wie mit ausgegebenen anleihen umgegangen wird, wenns brenzlig wird

was wird das ausloesen? einen massiven anleihen abverkauf der anderen problemstaaten, vor allem portugal, spanien, italen, moeglicherweise sogar frankreich

dann wird die politik wieder versuchen, schlauer als der markt zu sein und gegenzusteuern, wie das denkmodell der interventionisten/keynesianer eben so ist und mit dem schutzschirm die anleihen kaufen am sekundarmarkt - da reicht aber 1 billion bei weitem nicht.
wenn die ezb alle anleihen monetarisiert & das geld aus dem nichts erzeugt, gibts hyperinflation der eurozone

gerettet wurde gar nichts - wer vertraut denn jetzt noch den staatsanleihen?

Antworten Gast: Bärenfalle...
27.10.2011 06:50
3 0

Re: damit hat man einen praezedenzfall geschaffen

Die viel interessanteren Fragen sind doch:

Triggert der Ausfall von 50% Griechenanleihen nun den Versicherungsfall bei den Kreditversicherungen ?

Bedeutet dies nun das Downgrading von Griechenland auf Default da ja nun offensichtlich die Schulden nicht mehr vollständig bedient werden ?


Re: Re: damit hat man einen praezedenzfall geschaffen

hochinteressante frage - da nur 50% bedient werden, ist es logischerweise ein "ausfall" im herkoemmlichen sinne

trozdem (!) hat man offenbar nicht vor, die "versicherungspolizze" (cds) einzuloesen

quelle: http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:schuldenerlass-griechen-glaeubiger-erhalten-kein-geld-aus-cds-versicherungen/60121551.html

es wird also immer grotesker - die anleihen (= schulden) werden also im "notfall" wertlos und die versicherung, wenn dieser fall eintritt (credit default swaps / cds) koennen nicht eingeloest werden


Antworten Antworten Gast: check
27.10.2011 08:29
1 0

Re: Re: damit hat man einen praezedenzfall geschaffen

Was soll denn ein 50% Haircut anderes sein als ein default?

Man kann eine Nacktschnecke auch "Miezekatze" nennen, es bleibt eine Schnecke.

Re: damit hat man einen praezedenzfall geschaffen

der Karren steckt so tief im Dreck, in der EU aber noch mehr in den USA, dass es unmöglich ist, eine relativ schmerzfreie Lösung zu finden. Es gibt nur noch zwei realistische Möglichkeiten: Hyer-Deflation oder Hyper-Inflation - und unsere sozialistischen Politiker und Notenbanker werden definitiv die zweite Möglichkeit wählen.
Das Italien seine Schulden reduzieren wird ist absolut ausgeschlossen, besonders wenn sich die Wirtschaftslage wieder verschlechtert.

 
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Hobbyökonom