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Griechen fühlen sich stigmatisiert statt erleichtert

28.10.2011 | 18:36 |  Von unserer Korrespondentin CORINNA JESSEN (Die Presse)

Der Schuldenschnitt belastet auch Versicherungen und Banken in Griechenland. Die Angst vor einer Dekade der Rezession und Armut hat die Gesellschaft erfasst. Die Wirtschaft müsste dringend angekurbelt werden.

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Athen. Griechenlands Premierminister Georgos Papandreou hat den Schuldenschnitt nach dem EU-Krisengipfel am Mittwoch als Neubeginn gefeiert. Doch die meisten Griechen empfinden ihn als bittere Niederlage, als ein Versagen, das mit ihren harten Opfern der vergangenen eineinhalb Jahre hätte verhindert werden sollen. Die Angst vor einer Dekade der Rezession und Armut hat eine Gesellschaft erfasst, die mit dem Stigma des „kontrollierten Staatsbankrotts“ wird leben müssen.

„Wir können den Politikern nicht mehr glauben“, sagt Stratos Sideris. „Wie oft hat uns die Regierung mit immer neuen Maßnahmen angeblich gerettet? Und nun sind wir doch bankrott, denn das bedeutet doch der Schuldenschnitt, machen wir uns nichts vor.“ Seine Freunde im Kaffeehaus, alle Rentner wie er, geben ihm recht, machen sich Sorgen um ihre Pension. Denn der „Haircut“ wird sich auch auf griechische Kredit- und Versicherungsinstitute auswirken, die die meisten der Staatsanleihen halten.

 

Aufschwung verzögert?

Auch der Aufschwung dürfte sich dadurch weiter verzögern. Strukturreformen verspricht Papandreou gebetsmühlenartig seit zwei Jahren. „Im ersten Jahr ist tatsächlich viel erreicht worden, doch danach ist der große Durchbruch ausgeblieben“, kritisiert der Chef-Ökonom der griechischen Eurobank, Gikas Hardouvelis. Dadurch verschleppe sich die Ankurbelung der Wirtschaft.

Nur wenn die Wirtschaft angekurbelt wird, kann aber der gewaltige Schuldenberg nachhaltig abgetragen werden. 2020 soll er dann von heute 160 Prozent des BIPs auf 120 Prozent gesenkt werden. Doch da lag die Staatsverschuldung bereits vor Ausbruch der Krise.

„Wozu sparen wir uns um unseren Wohlstand, unsere Pension und die Zukunft unserer Kinder, wenn wir nach zehn Jahren wieder am gleichen Punkt sein werden?“, ärgert sich Stratos Sideris.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2011)

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24 Kommentare
Gast: Pensador
30.10.2011 15:33
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Eigen- und Fremdwahrnehmung der Griechen

Es gibt kaum ein Volk in Europa, bei dem die Eigenwahrnehmung von der Fremdbeurteilung so stark differiert.
Schon als Student hatte ich einen griechischen Kollegen, der dauernd nur davon redete, welche Helden die Griechen doch im WKII gewesen seien.
Und viel später in Griechenland erzählte mir eine Hotelleiterin, dass ja nicht nur die Griechen, sondern auch die Italiener irgendwie Kultur in ihrem Land hätten.
Und eine Bankangestellte wusste es besser als ich, dass man bei der Anführung von Geldbeträgen in Worten im Deutschen eben nicht "zweiundzwanzig" schreibt, sondern "zwanzigundzwei". Denn sie konnte ja Deutsch und wusste daher, dass es immer "zweiundzwanzig" heissen muss.
So gastfreundlich und sympathisch die Leute dort in den Dörfern sind, so deppert und überheblich sind die, die glauben schon irgendwas zu sein.

die griechen fragen sich nicht warum das so ist sondern werden mit allen "Gewohnheiten" weitermachen. Die hatten schon immer die mentalität, Europa wo es nur geht auszunehmen (wurde mir in GR von vielen Einheimischen in unzähligen Spielarten erzählt)!!!


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Alle sprechen von den Ratingagenturen - keiner von den Schuldenmachern

Die Griechen haben es ihren von ihnen gewählten Volksvertretern erlaubt ihr Land zu verpfänden. Nun will es keiner gewesen sein, der diese Mehrheiten gemacht hat.
Bei uns läuft es ja genau so ab. Die Mehrheit der Staatsgeldempfänger beschließt über das Geld der Minderheit der Staatsgeldeinzahler. Und wenn die Wünsche der Nehmer nicht mehr befriedigt werden können und eine Abwahl durch zu viele Unbefriedigte droht, dann können die Vertreter der Nehmer, die ja die Mehrheit im Parlament haben, eben Schulden machen - bis zum geht nicht mehr! und wenn es nicht mehr geht, dann sind die Ratingagenturen böse!

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Das legt sich: Ist der Ruf mal ruiniert, lebt's sich gänzlich ungeniert!

Und mit dem neuen Vertrauen, kann man weiter auf's Schuldenmachen vertrauen!

Gast: laureus
29.10.2011 22:53
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Wenn die Wirtschaft nicht gesund ist, hilft kein "Gekurble"!


Dieses Gewäsch mit der "Ankurbelung der Wirtschaft" kann man schon nicht mehr hören, weder von den Griechen, noch von unseren sozialistischen Schuldenmacher-Hansln. Wo nichts ist, kann man nichts ankurbeln. Ausser auf Pump, wie bisher, das bedeutet: auf Kosten unserer Kinder. Ein feines "Ankurbeln"! Und die "Presse" plappert das nach, diese Weisheiten vom "Ankurbeln", man fasst es nicht. Ein Herr Werner mag das glauben, oder eine Laura, mag sein - die glauben alles, was sie selbst fantasieren, aber die "Presse" sollte doch mehr Durchblick haben. "Ankurbeln der Wirtschaft", wenn ich das schon höre!

Oder ist der Name "Corinna Jessen" vielleicht ein Künstlername von Frau Laura? Klingen tut's so.

Doch die meisten Griechen empfinden ihn als bittere Niederlage

Die Griechen werden sich den Drachme wieder wünschen.Weil schlechter kann es ja nicht mehr werden.

Re: Doch die meisten Griechen empfinden ihn als bittere Niederlage

Griechenland kann und wird nicht profitabel werden und wenn man Ihnen noch soviel kürzt und das Pensionsalter auf 75 raufsetzt. Das Land hat ausser Tourismus, Feta Käse und Oliven praktisch keine Industrie. Ausserdem war Griechenland bis vor 30 Jahren noch kommunistisch - den Leuten geht das einfach am A....vorbei was diese EU-Bonzen in Brüssel beschliessen, und das zu Recht!!!wenn man jemand in Grichenland frägt wieviel und ob er Steuer bezahlt schaut er dich an als wärst du vom Mars, das ist die Realität!!!Wer war denn damals verantwortlich Griechenland in die EU aufzunhemen???war das nicht etwa der Herr Eichel????das ist doch das schöne an der Politik, dass jeder sich immer auf den anderen ausreden kann und niemand für irgendwas verantwortlich gemacht werden kann. politics is show business for ugly people!!!

Re: Re: Doch die meisten Griechen empfinden ihn als bittere Niederlage

Richtig! Die Namen der Verantwortlichen sollten endlich vorgeführt werden: In Deutschland Finanzminister Hans Eichel, Bundeskanzler Schröder, Joschka Fischer, ... in Frankreich Jacques Chirac. Der Franzose hatte vermutlich Bedenken wegen eines "germanischen" Übergewichts in der Eurozone, aber mit Eichel, Schröder und Fischer gab es auch keine Widerrede mehr gegen die fatale Ausweitung auf die PIGS. Kohl und Waigel sollen ja noch strikt dagegen gewesen sein.

Weiß wer genaueres? Man sollte die Genealogie des Eurozonen-Wahnsinns erforschen und die hierfür verantwortlichen Herrschaften auch einmal zur Verantwortung ziehen. Wofür nennt man sie denn immer "Verantwortungsträger", wenn sie es dann tatsächlich nicht sind?

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Re: Re: Doch die meisten Griechen empfinden ihn als bittere Niederlage

Die Österreichischen Experten-Spitzenpolitiker haben für Griechenland gestimmt statt endlich einmal ein Veto einzulegen. Bei der Volksabstimmung zum Beitritt der EU hat es gehaißen, Österreich hätte ein Vetorecht. Wann haben unsere Politiker jemals von diesem Recht Gebrauch gemacht?

Gast: Don Quichote
29.10.2011 14:18
4 0

Da tun sie mir aber ...

... echt leid. Zuerst Milliarden verprassen und dann auch noch gescholten werden dafür? Das ist zuviel.

Ein Schuldenschnitt

ist letztendlich eine "Niederlage". Man muss aus den "Trümmern heraus" neu(!) aufbauen.

Dieser Schuldenschnitt ist jedoch derzeit eher nur ein "halber Schritt mit halben Mitteln" für Griechenland. Denn er verändert nichts anderes an der gegebenen Situation, als das er die Rückzahlungsraten etwas senkt und alles auf das Niveau von 2008 (+/1 1 Jahr?) zurück führt. Alles andere bleibt praktisch beim alten. Und wird damit letztendlich höchstwahrscheinlich wieder in die selbe Situation führen.

Gast: Trudpert
29.10.2011 13:38
5 0

nach dem Schnitt = vor dem Schnitt

Die griechischen Gewerkschaftsbosse werden jubeln, weil nach dem Haircut ist man wieder dort, wo man zu Beginn des Jahres 2008 war. Man kann also wieder 120 Mrd EUR auf Kredit konsumieren. Für den nächsten Schnitt. Alles andere wäre doch unsinnige Selbstkasteiung - aus Sicht der Griechen.

Jede Wette, in vier Jahren sind wir wieder dort, wo wir heute sind. Eine Gemeinschaftswährung unter Einschluss der Griechen ist ein Elend ohne Ende. Einfach nur unzumutbar für den Steuerzahler der produktiven Staaten.

6 1

Stigma ist verdient

Die Griechen brauchen nur ihre Steuern anständig einheben und dann überraschend die nachgelassenen Schulden auch bezahlen. Dann werden sie gefeiert werden. Sie haben es selbst in der Hand.

Derzeit sind sie einfach nur eine Belastung für die Bevölkerung der produktiven Staaten innerhalb der EU. Die sollen froh sein, dass sie überhaupt was bekommen, da das ja eigentlich nicht vorgesehen war, wie wohlbekannt.

Gast: freund?
28.10.2011 21:52
15 0

die griechen haben ihr stigma sich selbst



und ihrer interpretation von arbeit zu verdanken. die tun mir nicht leid. leid ist mir um uns, die wir von deppen in den abgrund geführt werden.

Arbeiten statt immer nur streiken

Sparsam sein statt Geld verschwenden, Steuern bezahlen statt hinterziehen, sich korrekt verhalten statt Fakelaki-Mentalität,... - Liebe Griechen, es ist alles so einfach. Man muss nur wollen. Von nichts kommt nichts!

4 0

Re: Arbeiten statt immer nur streiken

Sie sollten sich auch mal ein bisschen am Riemen reissen, mit den OEBB Schulden geht das nicht mehr lange so weiter!! Die Gemeinden haben Sie auch mit Ihren ewigen Forderungen nach mehr Leistungen ruiniert. Und Ihre Subventionen sollten Sie auch zurueckzahlen, sonst stehen wir auch bald wie Hellas ohne Heller da.

Lieber Hundefuerst, es ist alles so einfach. Man muss es nur wollen. Von nichts kommt nichts!

Re: Re: Arbeiten statt immer nur streiken

Mit der unerträglichen Geldverschwendung bei den ÖBB (und in anderen Bereichen) haben Sie natürlich recht, aber Österreich trägt diese Bürde alleine und benötigt zur Alimentierung seiner Problemzonen nicht die Hilfe der ganzen Eurozone.

0 2

Re: Re: Re: Arbeiten statt immer nur streiken

Mein Punkt ist lediglich dass Sie persoenlich genauswoenig fuer die Staatsfinanzen verantwortlich gemacht werden koennen wie der durchschnittliche Grieche.

Oesterreich ist gesegnet durch sein Klima, die geographische Lage, und historische Errungenschaften. Wenn wir das alles nicht haetten wuerden wir genauso schlecht dastehen wie die Griechen, und auf individueller Basis genauso wenig dafuer koennen.

Re: Re: Re: Arbeiten statt immer nur streiken

Richtigstellung: die österreichischen Steuerzahler, und nur diese, brennen für alles und jeden!

Antworten Gast: Oust
28.10.2011 21:58
0 9

Re: Arbeiten statt immer nur streiken

Wenn man den Mund so voll nimmt mein österreichischer Freund... Wer verschwedet das öffentliche Geld? Wer streikt? Wer erwartet das Fakelaki? Sie beziehen sich an die 1 Million griechischen öffentlichen Bediensteten. An diesen Tagen wären Sie gut beraten, die anderen 10 Millionen Griechen, die ehrlichen, arbeitenden, Steuern zahlenden Menschen nicht zu vergessen! Sehen Sie sich sich in Österreich um: Korruption in allen Ebenen, von den Eurofightern bis zum AKH. Muss man deswegen die ganze Nation verdammen? Etwas Selbstachtung würde Ihnen nicht schaden.

Antworten Antworten Gast: innera
29.10.2011 23:01
0 0

Re: Re: Arbeiten statt immer nur streiken

@oust

Glaubst du selbst, was du da schreibst?
Oder ist das nur die beleidigte Reaktion von eine stoltse Grieche?

Antworten Antworten Gast: Trudpert
29.10.2011 13:42
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Re: Re: Arbeiten statt immer nur streiken

Nach offiziellen Angaben entziehen sich 40% der Griechen ihrer Steuerpflicht. In Wirklichkeit werden - von ein paar unverbesserlichen Patrioten einmal abgesehen - wohl gegen 99% der Griechen sein, welche in die öffentlichen Kassen NICHT einzahlen, aber kräftig danach greifen.

Sind Sie schon einmal in einem griechischen Spital gelegen? Dort arbeitet niemand. Und operiert wird nur gegen Fakelaki! Schäbig! Die Leute haben weder Charakter noch Moral.

Re: Re: Arbeiten statt immer nur streiken

weder griechische Taxifahrer noch der Einzelhandel bezahlte steuern. und städtische Krankenhäuser haben nicht einmal die simpelste Einnahmen-Ausgabenrechnung...

wer bezahlt dort steuern? Touristen?

Antworten Antworten Antworten Gast: Mitzi_007
29.10.2011 12:10
0 0

Re: Re: Re: Arbeiten statt immer nur streiken

Bin schon gesapannt, wieviele Deutsche noch Bock haben werden in Griechenland zu Urlauben, von wegen Stigma und so...

Hobbyökonom