Wohlstandsverlust in Europa: 10 Jahre Rezession und Revolten

30.10.2011 | 18:25 |   (Die Presse)

Arbeitskampf: Die Arbeitsorganisation ILO appelliert an die Politiker, einen dramatischen Rückgang der Beschäftigung zu vermeiden.

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Wien/München/Eid/Afp. Die Straßenschlachten in Athen sind Warnung genug: Der drohende Wohlstandsverlust durch die von der Eurokrise ausgelöste Wirtschaftsabkühlung wird zu sozialen Unruhen führen, warnt die Internationale Arbeitsorganisation ILO. Ohne Gegenmaßnahmen drohe vor allem in den entwickelten westlichen Volkswirtschaften eine Rezession, die ein Jahrzehnt anhalten könne, zitiert das Magazin „Focus“ aus der jüngsten ILO-Arbeitsmarktanalyse.

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„Die nächsten Monate werden entscheidend dafür sein, einen dramatischen Rückgang der Beschäftigung und eine weitere deutliche Verschärfung sozialer Unruhe zu vermeiden“, appelliert die ILO an die Politiker. Besonders hoch sei das Risiko in Griechenland, Portugal, Spanien, Estland, Frankreich, Slowenien und Irland. Allerdings hätten die Regierungen wegen des Spardrucks kaum Spielraum, Beschäftigung zu schaffen.

Jüngste Umfragen bestätigen die ILO: 60 Prozent der Griechen und Portugiesen meinen, ihr Lebensstandard sei gesunken. In Deutschland und auch in Österreich, sei die Nachfrage nach Arbeitskräften hingegen hoch, weshalb die ILO zu Lohnerhöhungen rät, um den Konsum zu stärken.

Aber auch hierzulande verdüstert sich die Stimmung: Einer vom „Trend“ durchgeführten Befragung zufolge erwarten 56 Prozent der Österreicher einen allgemeinen Wohlstandsrückgang. 44 Prozent wollen deshalb weniger Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben. In dieses Bild passt die Aussage von Notenbank-Chef Ewald Nowotny. Er meint, dass die Nationalbank ihre Wachstumsprognose für 2012 deutlich senken müsse. In ihrer letzten Vorschau ging die OeNB von einem Wachstum von 2,3Prozent aus. Für heuer sieht Nowotny trotz eines scharfen Konjunktureinbruchs in der zweiten Jahreshälfte ein Wachstum von drei Prozent. Wifo und IHS erwarten für 2012 nur mehr ein reales Plus von 0,8 bzw. 1,3 Prozent.

Hierzulande wird für mehr Geld – wie bei Metallern und Bierbrauern – gestreikt bzw. mit Streik gedroht, und auch für mehr Gerechtigkeit. Heute, Montag, halten die Fluglotsen auf den Flughäfen Wien, Graz, Klagenfurt und Linz Betriebsversammlungen ab, weshalb es zu Flugverspätungen kommen könnte. Bis Donnerstag hat die Postgewerkschaft Konzernchef Georg Pölzl eine Frist gesetzt, auf ihre Forderung zu reagieren, ältere Mitarbeiter nicht aus dem Unternehmen zu „mobben“. Die Postler haben sich schon eine Streikfreigabe vom ÖGB geholt.

 

Fluglotsen fordern Prämien

Bei der Austro Control sind Prämien für Mehrarbeit im Sommer der Stein des Anstoßes. Diese Prämie sei heuer nur einem Viertel der Beschäftigten zugebilligt worden, sagt Betriebsratsvorsitzender Norbert Payr. Wenn im Sommer der Flugverkehr stark zunimmt, müssen die rund 300 Lotsen zusätzliche Überstunden leisten, um Urlaube auszugleichen und Verspätungen gering zu halten. Heuer ist es laut Payr gelungen, Verspätungen fast ganz zu vermeiden. „Wir wollen wissen, warum viele Kollegen für diese gute Leistung bestraft werden. Diese Vorgangsweise ist leistungsfeindlich“, empört sich Payr. Die Austria Control kontert: „Alle Lotsen erhalten österreichweit einheitlich für die hervorragenden Leistungen entsprechende Bonuszahlungen.“

Auf einen Blick

Zehn Jahre Rezession und soziale Unruhen – das fürchtet die Internationale Arbeitsorganisation ILO als Folge der Eurokrise und des damit verbundenen Wohlstandsverlusts. Politiker müssten deshalb einen dramatischen Rückgang der Beschäftigung vermeiden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2011)

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11 Kommentare
Gast: rettetdiedemokratien
30.10.2011 22:08
5

10 Jahre also soll diese volksvermögensumverteilung noch andauern- leider kein wunder, dass revolten in europa drohen - daher wollen darabos u.die spö auch noch schnell eine bezahlte profiarmee haben.

jetzt steht die EU vor einem finanzpolitischen trümmerhaufen- und niemand ist schuld. der euro sowieso nicht. ah- die arbeitenden und steuerzahlenden bürger sind schuld, sagen massenmedien u.politiker schon eu weit. die haben ja alle jahrzehnte über ihre verhältnisse gelebt, zuwenig gearbeitet u.zuwenig steuern gezahlt, posaunen alle casinobanker, viele politiker,finanzexperten u.finanzkonzerne. Und die arbeitnehmer u. pensionisten sind auch schuld wenn europa nun finanz- und steuerpolitisch untergeht. die politik, die banken, reichen vermögenden u.finanzexperten haben damit natürlich nichts zu tun. wie denn auch!- das volk hat an den hebeln der mächtigen casinofinanzmärkte gedreht.
Und die gewerkschaften, die von den sozialisten seit jeher beherrscht werden, haben damit auch nichts zu tun, die sitzen zwar in vielen parlamenten u.regierungen, nicken aber alle sozialabbaumaßnahmen- und asvg pensionsverschlechterungen ab, aber damit will man nichts zu tun haben. der jetzige eu, euro, und bankenscherbenhaufen ist die folge einer unsozialen steuer-u.finanzpolitik. die schlimmsten befürchtungen der eu kritiker werden sogar bei weitem übertroffen. und was fällt den eu bankenlobbypolitikern ein. nur weiterer sozialabbau u.einsparungen beim volk, bildung, gesundheit u.staatlichen pensionen. So können wieder viele milliarden vom volk geholt werden- die dann erst recht wieder in den börsen, casinobanken u.steueroasen verschwinden. genauso schafft man europas wohlstand u. frieden ab.

Gegenmaßnahmen

Gegenmaßnahmen gegen soziale Unruhen werden also gefordert. Hm. Zwei grundsätzlich mögliche Stoßrichtungen des politischen Gegensteuerns fallen mir spontan ein: a) mehr Gerechtigkeit beim Verteilen des kleiner gewordenen Kuchens oder b) Ausbau des Polizeistaats. Wollen wir wetten, welche von beiden uns vor allem die Schwarzen aufs Aug drücken wollen?

Antworten Gast: Gerechtler
31.10.2011 15:33
0

Re: Gegenmaßnahmen

und was "gerecht" ist, entscheiden Sie, oder?

ist das was neues?

oder kommt nur auch die presse drauf, dass die mehrheit der österreicher seit schüssels bubi-partie immer schlechter lebt....während eine gewisse schicht unendlich gewinnt und abzockt.

solange die eu nicht erkennt, dass das nur unruhen hervorruft und letztendlich auch diese "gewinner" verlieren läßt (weil der konsum abgewürgt wird) können die "rettungsschirme" basteln soviel sie wollen, es wird nichts ändern

Re: ist das was neues?

Rettungsschirme? Fallschirme!!

Antworten Gast: Jack you
30.10.2011 21:17
0

Re: ist das was neues?

Und? Jetzt komm bitte in vielleicht nächsem Kommntar auf den Punkt. Die ganzen unbedarften Allgemeinfloskeln hier auf diepresse.at hänge einem intelligenten Menschen schon echt zum Hals raus...

Re: Re: ist das was neues?

zählen ja offensichtlich zu den övp-kriegsgewinnlern. wenns noch immer als lappalie abtun, dass 2/3 der bevölkerung verloren haben, während unter der schüssel-regierung die reichsten 10% der österreicher ihr vermögen um mehr als 30% gesteigert haben. aber tuts nur weiter so ihr schwarz-braunen. EURE "intelligenz" hat die mehrheit eh durchschaut, deshalb seids ja die 10%-partei geworden. und damits endgültig von der bildfläche verschwindets: WEITER SO

Re: Re: Re: ist das was neues?

Orff, bildungsverlierer

Re: Re: Re: Re: ist das was neues?

eher die, die sich noch immer durch gekaufte umfragen auf die über-25%-marke hiefen lassen müssen.

obwohls eh schon als mini-uboot durchtauchen müssen.


Gast: Freigeist 1
30.10.2011 18:51
2

Zukunft

Appell an die PolitikerInnen - seit wann schafft die Politik Arbeitsplätze????

Tut mir leid, dass sind noch immer die UnternehmerInnen, die Arbeitsplätze schaffen!

Die Politik kann und muss Rahmenbedingungen schaffen, damit es für Unternehmen attraktiv und leistbar ist, Arbeitsplätze zu schaffen und in neue Technologien zu investieren

Antworten Gast: Gegen Widersprechler
30.10.2011 21:14
0

Re: Zukunft

Und warum tut Ihnen das jetzt leich?
Verstehe ich nicht!

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