Griechenland: Staatsbankrott immer wahrscheinlicher

01.11.2011 | 18:09 |   (Die Presse)

Experten rechnen damit, dass Griechenland im Fall eines Nein im Referendum umgehend aus der Eurozone austreten würde. An einem Staatsbankrott führt dann wohl kein Weg mehr vorbei.

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Wien/Athen/Ag/Red. Nach der Entscheidung des griechischen Ministerpräsidenten Georgios Papandreou, sein Volk über das EU-Hilfspaket abstimmen zu lassen, macht sich in Europa enorme Unruhe breit. Galt ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone bisher nur als eine von vielen Möglichkeiten, wird sie zunehmend zu einer realistischen Alternative. Vor allem dann, wenn das griechische Referendum – das erste seit Ende der Militärdiktatur 1974 – negativ ausgeht, was aus heutiger Perspektive durchaus möglich ist.

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Die Folge wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit genau das, was die EU so lange zu vermeiden versuchte: ein Staatsbankrott. So sagt Wirtschafts-Nobelpreisträger Chistopher Pissarides: „Bei einem Nein müsste Griechenland sofort Bankrott erklären. Ich sehe nicht, dass Griechenland beim Euro bleiben könnte.“

 

Zurückhaltende Reaktionen

Viele Euroländer hielten sich mit Reaktionen zurück oder gaben sich nach außen hin milde – wahrscheinlich auch, weil noch unklar ist, worüber genau abgestimmt werden soll und ob ein Referendum rechtlich möglich ist. Sollte es zu einem Volksentscheid kommen, sei dessen Ergebnis jedenfalls bindend, machte Papandreou klar.

Nicht zuletzt deshalb brodelt es in der EU gewaltig: So sprach etwa Rainer Brüderle, Fraktionsvorsitzender der deutschen Regierungspartei FDP und ehemaliger Wirtschaftsminister, einen Bankrott direkt an: „Wenn Griechenland Nein sagt zur Bekämpfung seiner Strukturschwächen, zur Anpassung in der Wettbewerbsfrage, zum Reformprozess, dann wird es zu einem Staatsbankrott kommen“, so der Politiker im Deutschlandfunk. Und das Euromitglied Finnland brachte offen einen Austritt Griechenlands ins Spiel. „Die Situation ist so angespannt, dass es eine Abstimmung über die Euromitgliedschaft wäre“, sagte Europaminister Alexander Stubb.

Eine Pleite wäre auch laut den Analysten der Commerzbank die Folge eines negativen Volksentscheids: „Die Regierung müsste ihre Banken verstaatlichen, die Abhebung von Spareinlagen beschränken und die Ausfuhr von Euro untersagen.“ Wahrscheinlich, so die Ökonomen, würde die Drachme wieder eingeführt und sofort um die Hälfte abgewertet. Ihr Fazit: „Dreht die Staatengemeinschaft Griechenland den Geldhahn ab, wäre das Land spätestens im März zahlungsunfähig.“

 

„Run“ auf deutsche Anleihen

Was die Investoren von Papandreous Entscheidung halten, zeigten am Dienstag die Börsen: Auf den europäischen Finanzmärkten kam es zwischenzeitlich zu Kursrutschen von über fünf Prozent. Die Anleger flüchteten in deutsche Staatsanleihen: Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen sank auf 1,76 Prozent. Drastische Einbußen verzeichneten vor allem Aktien französischer Banken, die stark in Griechenland engagiert sind. Der Euro gab im Vergleich zum Dollar deutlich nach.

Die große Frage, die nun im Raum steht, ist freilich, wie es mit der Eurozone weitergeht, sollte Griechenland die Hilfszahlungen ablehnen und pleitegehen – beziehungsweise sich vom Euro verabschieden. Der deutsche Ökonom Lüder Gerken geht davon aus, dass die Eurozone einen Austritt Griechenlands verkraften könnte: „Es wäre ein echter Crash, aber nach einem halben Jahr würde sich die Lage beruhigen und wir könnten letztlich zu ,Business as usual' zurückkehren“, sagt er im Interview mit der „Presse“ (siehe Seite 17).

In EU-Kreisen versuchte man, sich gelassen zu geben: „Wir haben vollstes Vertrauen, dass Griechenland seinen Verpflichtungen nachkommt, die es mit der Eurozone und der internationalen Gemeinschaft vereinbart hat“, erklärten EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gaben sich nach einem Telefonat „entschlossen, die Gipfelbeschlüsse umzusetzen“. Sie werden sich heute, Mittwoch, vor dem G20-Gipfel in Cannes mit den EU-Institutionen und dem IWF beraten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2011)

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112 Kommentare
 
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Österreichische Politiker gehören verurteilt, so wie jeder andere Staatsbürger auch, der Gesetze bricht!

Politiker haben, um bei Österreich zu bleiben den Staat veranwortungslos hoch verschuldet um die eigene klientel beamte und funktionäre zu füttern!

Politiker haben sehenden Auges einem Hilfspaket zugestimmt, das gegen die EU Verfassung (keine Transferunion!) und gegen selbst auferlegte Regeln verstößt (Maastrichtkriterien, nach dem ersten kein weiterer Rettungsschirm, ...) und so unser Land nachhaltig ruiniert.

es kann in einer funktionierenden rechtsstaatlichkeit nicht möglich sein, dass nach einem crash diese menschen frei umherlaufen und weiter gelder kassieren dürfen.

Kein weiteres Geld für Griechenland

Die Pleite ist perfekt. Europa soll den Geldhahn zudrehen; lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende; Griecheneland soll raus aus der EU, ev. eine Provinz Chinas werden
Frankreich muss seine Banken verstaatlichen,...Italien Berlusconi davonjagen usw..

Gast: habnix
02.11.2011 07:22
3 0

„Run“ auf deutsche Anleihen

Wir haben ja noch Italien die werden die nächsten sein die wir retten müssen

Gast: smilefile
02.11.2011 07:12
3 0

sie sind,...

....genial, und zu bewundern. Führen Sarkozy,- und Merkel, den damit ist wohl ganz Europa gemeint, ganz schön vor....

Leute, wenn das unser Europa darstellt,....dann ehrlich good night,- and good luck,...

Nachdenklich

mutet die Sache schon an, denn am kommenden Montag sollte ja die nächste Hilfszahlung abgesegnet werden.
Das heißt, Griechenland wird ohne dieses Geld ab Dezember keine Renten und Beamtengehälter bezahlen können.
Will Papandreou damit den Leuten klarmachen was geschieht, wenn keine Hilfsgelder kommen und erhofft er sich dadurch eine positive Abstimmung?

Irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, da ist was komisch dran.

Gast: habnix
02.11.2011 06:35
2 3

Volk über das EU-Hilfspaket abstimmen zu lassen

wo ist sie jetzt die ober gescheite Maria Fekter mit dem hast nicht gerechnet ha Maria Fekter nur eine Rezession wehre gut den dann würdet ihr mit eurem vermögen raus rücken weil euch dann euer Geld nix mehr nützt

Re: Volk über das EU-Hilfspaket abstimmen zu lassen

wo sind deine rechtschreibkenntnisse... achsot.. "habnix" hat sowas nicht ;)

hahaha der kommentar wird mit jedem mal lesen lustiger ^^

Gast: populi
02.11.2011 05:10
1 2

...das geld der reichen ist in sicherheit...der pöbel kann pleite gehen...


die griechen sind pleite & der euro ist am ende

holt euer geld von der bank und kauft physisches gold & silber

Genau

und im Fall der Fälle können Sie das dann gegen 1kg Gemüse eintauschen

Re: Genau

keineswegs

das wird eingetauscht gegen aktien, wenn der kurs am boden liegt & der von den edelmetallen durch die decke geht

gemuese hab ich genug in dosen, ausserdem gibt es jede menge farmer da wo ich wohne

Gast: Reflector
02.11.2011 02:22
4 1

Merke: reite kein totes Pferd!


Ein Bombengschäft hat da unsere FM gemacht!

Ein Rücktritt der Regierung wäre eigentlich überfällig, denn diese veruntreut schon seit Längerem Steuergelder.

Re: Merke: reite kein totes Pferd!

Diese Kasperln treten nicht zurück, die müssen zurückgetreten werden.
Bald ist es so weit!

Gast: black magic
02.11.2011 01:40
10 1

Zufall

"In der Politik geschieht nichts zufällig".
(Helmut Schmid)

Die sogenannte "Entwicklung" in Griechenland ist von langer Hand geplant.
Das Theater in den Medien dient lediglich zur Ablenkung.

In der Zwischenzeit haben Milliarden den Besitzer gewechselt. Wir Bürger bürgen dafür. Alle "Rettungspakte" waren Care-Pakete für diejenigen, die wirklich die Fäden ziehen:
Die Finanzoligarchie.

Das ist das Spiel.

Re: Zufall, nein! Durchaus möglich, daß Sie recht haben!

Die Politiker, allen voran Merkel&Sarkozy, können doch nicht so blöd sein, wie sie sich derzeit geben!!

Antworten Gast: wersglaubt
02.11.2011 05:57
4 1

Re: Zufall

Dem stimme ich zu 100% zu und würde noch gerne den Auskauf Europas an China hinzufügen.
Damit hat China uneingeschränkte Möglichkeiten, in ihren größten Exportmarkt zu liefern, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.

Jaja - Nobel geht die EU zugrunde.

Gast: Kibietz
02.11.2011 01:01
6 0

Von Anfang an wäre das der eizig richtige Weg gewesen

Man hätte die Weichwährungsländer nie in den Euro aufnehmen dürfen

Die exessive geradezu zwanghafte Eu Erweiterung, die konsequente Gleichmacherei war von vernherein zum Scheitern verurteilt weil Europas Völker einfach nicht gleich sind und sein wollen.

Wer Geld hat sollte sich was schönes drum kaufen solange er noch kann.

Aus der Pleite kann man Kapital schlagen

Wenn der Griechische Staat in die Insolvenz geht, dann ist dass doch kein Problem!.

Deutschland bekommt Kreta. das hatten die ja schon mal.
Rhodos und Zypern geht an die Türkei.
Korfu geht an Jugoslavien oder Tschechien.
Rhodos geht an Finnland, dann haben die auch mal was warmes und der Rest wird zur deckung der Schulden versteigert.

Als Russland vor ca 250 Jahren ohne Geld dastand haben die auch Alaska verkauft. Warum sollte das Heute ander laufen. Eroberungen sind out. Jetzt wird gekauft.

Mit Vertrauen spielt sich´s gut!!


Gast: GASTi
01.11.2011 23:42
11 1

Politiker sind das dümmste und verlogenste Volk

vor einem halben Jahr haben vor allem die linken Gutmenschen noch auf den Strache in gewohnter Weise hingedroschen und ihn wie üblich Hetzer genannt, weil er als einziger (!) keine Realitätsverweigerung hat!!!!!

Nun ein halbes Jahr später tritt exakt das ein was Strache damals prophezeit hatte und wieder einmal mehr versuchen nun unsere roten und schwarzen Lügner uns als Deppen hinzustellen das es die "einzige Möglichkeit ist".
Hätten diese Lügner schon damals auf Strache gehört, wäre Griechenland zwar genauso pleite wie jetzt, aber WIR hätten unsere sinnlos vergeudeten Milliarden noch immer am Östereich-Konto.

keiner weiß ob und was Strache besser machen könnte, aber spätestens 2013 wird es in unserem Land ein politisches Donnerwetter sonderklassen geben - aber nicht weil Strache so toll ist, sondern der Stillstand und die UNfähigkeit von der EHEMALIGEN großen Koalition von rot und schwarz mittlerweile mehr als unerträglich geworden ist!!!!!!!!

Einfach nurmehr zum kotzen, aber leider müssen wir den derzeitigen Stillstand bis zur Wahl 2013 weiterhin erdulden, weil auch unser vollkommen unnötige Heinz Fischer wieder mal zu feig ist, diese unfähige Regierung ENDLICH ABZUSETZEN!!!!!!!

1 7

Re: Politiker sind das dümmste und verlogenste Volk

Ich glaube das Hauptproblem sind primitive Wähler, die glauben es gibt einfache Lösungen für komplexe Probleme. "Mir san mir", "Ausländer raus" und "Kein Geld für die EU-Bonzen", ja das löst alle unsere Probleme. Aber leider nur am Stammtisch nach dem fünften Bier.

Und unsere Politiker müssen leider auch in populistischer Manier diese primitiven Wähler umgarnen. Und darin ist der Zahntechniker unschlagbar.

7 1

Re: Politiker sind das dümmste und verlogenste Volk

Bin zwar genau ihrer Meinung, aber 2013 kommt wieder rot schwarz, weil die Eingefleischten würden auch einen Orang Utan an der Parteispitze dulden!!!

Gast: Hermann vom Gipfel
01.11.2011 23:19
0 1

Papandreu will eben keine Verantwortiung übernehmen.

Er könnte genausogut ein österreichischer Politiker sein.

Gast: Lukas
01.11.2011 23:18
4 0

Schockstarre der Euro-Fanatiker

selbstherrliche, dämliche Politiker die nur mehr über die Köpfe ihrer Bürger hinweg mit mehr Steuern ihre Banken retten wollen sind mit Referenden weg vom Fenster. Es wird Zeit, daß sich die Bürger gegen diese EU-Diktatur, wo Deutschland und Frankreich sich einbilden über ganz Europa bestimmen zu können, zur Wehr setzen.

Gast: Gast 2011
01.11.2011 23:08
4 1

na und?

auch Argentinien war vor einigen Jahren pleite und ist heute ein wirtschaftlich florierendes Land. Auch wenn Griechenland pleite geht bricht die Welt nicht zusammen und Griechenland bekommt wieder eine eigene Währung. Ob mit oder ohne EU-Hilfe, den Griechen steht ein steiniger Weg bevor. Für Griechenland und alle anderen Euro-Länder ist es lehrreich aus solchen Fehlern zu lernen. Wie jedes Unternehmen kann auch ein Staat pleite machen wenn er nicht wirtschaftlich geführt wird.

Wenn Griechenland endgültig pleite geht, ...

... und unser eingesetztes Steuergeld weg ist, dann sollte die österreichische Bundesregierung zurücktreten.

 
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