Wien/stef. Das oberste Ziel der Europäischen Zentralbank, so sieht es ihr Statut vor, ist es, die Teuerung in der Eurozone „unter, aber nahe zwei Prozent“ zu halten. Wie weit die Währungshüter von der Einhaltung dieser Vorgabe derzeit entfernt sind, zeigen die aktuellen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD): Demnach stiegen die Preise in der Eurozone im September um drei Prozent im Vorjahresvergleich.
In Österreich liegt der Vergleichswert bei 3,6 Prozent. Höher war die Teuerungsrate mit 3,8 Prozent zuletzt im September 2008. Zu Jahresbeginn lag die Inflationsrate noch bei 2,5 Prozent, seitdem stieg sie kontinuierlich an (siehe nebenstehende Grafik).
Als Grund für die Teuerung sehen viele unter anderem die milliardenschweren Hilfspakete, die die US-Notenbank Fed sowie die EZB seit Ausbruch der Krise vor drei Jahren zur Beruhigung der Wirtschaftslage geschnürt haben.
Trotzdem geben die aktuellsten Konjunkturaussichten nur wenig Grund zur Hoffnung: Die OECD revidierte erst zu Wochenbeginn das erwartete Wirtschaftswachstum für die Eurozone für 2012 von zwei Prozent auf 0,3 Prozent nach unten.
Die schlechten Wirtschaftsaussichten gelten auch als Hauptgrund, warum die EZB bei ihrer heutigen Ratssitzung am Leitzinssatz von 1,5 Prozent voraussichtlich nichts ändern wird. Eine Erhöhung der Zinsen würde zwar die Geldmenge verknappen und könnte so die Inflation eindämmen. Doch würden dann auch die Kredite teurer. Das sorgt laut Lehrbuch für geringere Investitionen und rückläufigen Konsum, was wiederum das Wirtschaftswachstum hemmt – ein Risiko, das der neue EZB-Chef Mario Draghi derzeit nicht einzugehen scheint.
Preistreiber in der Eurozone waren im September einmal mehr die Energiepreise. Sie stiegen um 12,4 Prozent im Jahresvergleich. Im Vergleich zu anderen Staaten ist die Inflationsrate in Europa noch verhältnismäßig niedrig. So kämpft Brasilien beispielsweise mit einer Teuerung von 7,3 Prozent. Daran konnten auch die beschlossenen Restriktionen beim Import ausländischer Devisen nichts ändern. In China steht die Teuerung trotz fünf Leitzinserhöhungen in den vergangenen zwölf Monaten bei 6,1 Prozent. Als offizielles Ziel nennt die Zentralregierung einen Wert von vier Prozent.
WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet
UrlaubÖsterreicher im EU-Ranking voran