Wifo-Experte: "Eurobonds bestes Mittel gegen Krise"

Stephan Schulmeister sieht in den hohe Schuldzinsen der klammen Euro-Länder "politisches Dynamit für europäisches Einigungswerk". Deutschland blockiert eine Lösung über Eurobonds.

Eurobonds wären das beste Mittel zur Lösung der Euro-Krise
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Eurobonds wären das beste Mittel zur Lösung der Euro-Krise
(c) dapd (Thomas Lohnes)

Das Problem der hohen Staatsverschuldung einzelner Eurostaaten lässt sich nach Ansicht des Wifo-Experten Stephan Schulmeister nur durch geringere Schuldzinsen lösen, wofür die Ausgabe gemeinsamer Eurobonds das beste Mittel wären. Es gebe nicht nur ein Griechenland-Problem: "Auch andere Länder von Portugal bis Italien und Frankreich" seien schon "von einer spekulativen Zins-Epidemie" infiziert. "Wenn der Zinssatz etwa für italienische Staatsanleihen über sechs Prozent liegt, dann ist auch Italien langfristig nicht finanzierbar", warnte Schulmeister in der "ZiB2". Die Politik müsse die Zinsbildung wieder stärker in den Griff bekommen und so "verhindern, dass Finanzakrobaten Euro-Länder gegeneinander ausspielen".

Schutzschirme keine Lösung

Je höher die Zinsen für ein Land seien, desto niedriger würden sie für andere: "Je schlechter es Italien geht, desto besser geht es Deutschland", verwies Schulmeister auf die aktuell extrem niedrigen Renditen deutscher Staatsbonds. Letztlich seien solche Unterschiede aber "politisch Dynamit für das europäische Einigungswerk".

Von größeren oder neuen Schutzschirmen gegen die Euro-Krise hält der Wifo-Experte nichts: "Schutzschirme sind keine Lösung", sagte er: "Das ist wie wenn Sie immer ein neues Feuerwehrauto kaufen." Das helfe zwar im Brandfall, bekämpfe aber nicht die Brandursachen.

Deutschland blockiert Lösung

Helfen könnte nach Meinung Schulmeisters aber die Gründung eines europäischen Währungsfonds, der die Zinsbildung für Staatspapiere in die Hand nimmt. Das werde in den USA so gemacht und auch in Großbritannien. "Solange aber insbesondere die deutsche Regierung gegen gemeinschaftliche Finanzinstrumente, sogenannte Eurobonds, eingestellt ist, ist diese Lösung blockiert", so der Wifo-Experte: "Erst wenn die Deutschen merken, dass sie selber schweren Schaden nehmen, wenn dieses Spiel, Euro-Länder gegeneinander auszuspielen, sich fortsetzt, wird möglicherweise hier eine Wende eintreten."

(APA)

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