Wifo-Experte: "Eurobonds bestes Mittel gegen Krise"

04.11.2011 | 11:03 |   (DiePresse.com)

Stephan Schulmeister sieht in den hohe Schuldzinsen der klammen Euro-Länder "politisches Dynamit für europäisches Einigungswerk". Deutschland blockiert eine Lösung über Eurobonds.

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Das Problem der hohen Staatsverschuldung einzelner Eurostaaten lässt sich nach Ansicht des Wifo-Experten Stephan Schulmeister nur durch geringere Schuldzinsen lösen, wofür die Ausgabe gemeinsamer Eurobonds das beste Mittel wären. Es gebe nicht nur ein Griechenland-Problem: "Auch andere Länder von Portugal bis Italien und Frankreich" seien schon "von einer spekulativen Zins-Epidemie" infiziert. "Wenn der Zinssatz etwa für italienische Staatsanleihen über sechs Prozent liegt, dann ist auch Italien langfristig nicht finanzierbar", warnte Schulmeister in der "ZiB2". Die Politik müsse die Zinsbildung wieder stärker in den Griff bekommen und so "verhindern, dass Finanzakrobaten Euro-Länder gegeneinander ausspielen".

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Schutzschirme keine Lösung

Je höher die Zinsen für ein Land seien, desto niedriger würden sie für andere: "Je schlechter es Italien geht, desto besser geht es Deutschland", verwies Schulmeister auf die aktuell extrem niedrigen Renditen deutscher Staatsbonds. Letztlich seien solche Unterschiede aber "politisch Dynamit für das europäische Einigungswerk".

Von größeren oder neuen Schutzschirmen gegen die Euro-Krise hält der Wifo-Experte nichts: "Schutzschirme sind keine Lösung", sagte er: "Das ist wie wenn Sie immer ein neues Feuerwehrauto kaufen." Das helfe zwar im Brandfall, bekämpfe aber nicht die Brandursachen.

Deutschland blockiert Lösung

Helfen könnte nach Meinung Schulmeisters aber die Gründung eines europäischen Währungsfonds, der die Zinsbildung für Staatspapiere in die Hand nimmt. Das werde in den USA so gemacht und auch in Großbritannien. "Solange aber insbesondere die deutsche Regierung gegen gemeinschaftliche Finanzinstrumente, sogenannte Eurobonds, eingestellt ist, ist diese Lösung blockiert", so der Wifo-Experte: "Erst wenn die Deutschen merken, dass sie selber schweren Schaden nehmen, wenn dieses Spiel, Euro-Länder gegeneinander auszuspielen, sich fortsetzt, wird möglicherweise hier eine Wende eintreten."

(APA)

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13 Kommentare
Gast: Hans im Glück
04.11.2011 19:31
2

Eurobonds sind nur Augenauswischerei

Die Medizin kann nicht darin bestehen die Schulden zu anonymisieren und weiter auszubauen.

Es kann nur über das Fremdwort SPAREN gehen.

Es wird um so schwieriger und schmerzhafter werden je später man diese Erkenntnis sich verinnerlicht.

Wenn Juncker dies vorschlägt versteht man das,

denn für seine Luxemburger Banken muss er als anständiger Lobbyist neue Geschäfte organisieren - wie immer zu Lasten Dritter.

Gast: ralphi
04.11.2011 14:53
8

gottlob..

blockieren die deutschen.
herr schulmeister kann ja sein privates vermögen nach griechland als leihgabe schicken. damit hab ich kein problem

Was?

Schulmeister nennt man "WIFO-Experte"? Na ja, man weiß ja, dass das WIFO rot ist, aber DAS spottet doch jeder Beschreibung.

Antworten Gast: egal
04.12.2014 15:12
11

Re: Was?

Ich würde ja sogar noch weiter gehen, Schulmeister als Experten zu bezeichnen ist gewagt, der ist nämlich bestenfalls "weltberühmt in Österreich".
Ein "Ökonom", der lt. seinen gestrigen Aussagen in der ZIB2 aussschliesslich die Spekulanten als die Schuldigen der Staatsfinanzen-Krise sieht, ist offensichtlich sehr weit von der Realität entfernt, die Ursache dieser Krise ist in der Verschuldenspolitik der Staaten zu suchen, und damit meine ich u.a. Österreich.
Der Keynesianismus wurde nämlich pervertiert, denn selbst in Zeiten der Hochkonjunktur wurde mit der größten Selbstverständlichkeit mehr Geld ausgegeben als eingenommen anstelle in diesen wirtschaftlich guten Zeiten die Schulden zu reduzieren.
Man wird auf der Einnahmenseite in Österreich nicht mehr viel machen können -eventuell die Abgabenlast anders verteilen, aber eine wesentlich höhere Abgabenquote wäre wirtschaftspolitischer Unsinn, daher wird man die Ausgaben senken müssen, und zwar kräftig.

Eurobonds

Eurobonds wären der finale Akt der grassierenden Fehlpolitik. Sie würden dafür sorgen, dass weiterhin hemmungslos Schulden gemacht werden können -auf Kosten der "gesünderen" Staaten.
Diese, die ohnehin genug mir eigenen Problemen zu kämpfen hätten, die als Damoklesschwert über ihern Häuptern schweben (Wirtschaftsentwicklung, Demographie, Staatsverschuldung), werden durch Eurobonds, welche die Zinsen für ihre Staatsanleihen drastisch verteuern würden, ebenfalls in den Abgrund gezogenwerden.
Aber das ist ohnehin Makulatur, da die Ratingagenturen bereits angekündigt haben, Eurobonds nach dem schwächsten Mitgleidsstaat zu bewerten, was Schulmeister entgangen zu sein scheint....

Gast: check
04.11.2011 13:37
14

Stefan Schulmeister ist für echte Ökonomen so etwas wie Hansi Hinterseer für Opernsänger ist

Warum muss immer der, sagen wir es schmeichelnd, "originellste" aller WIFO-"Experten" im ORF auftreten?

Schulmeister (Stefan, der Paul ist in Ordnung) ist zeitlebens für "Kaufkraftsteigerung durch mehr Schulden" eingetreten und irrt jetzt, wo dieses Konzept grandios in den Abgrund führte, wie ein kopfloses Huhn herum.

Zuzugeben dass diese Megaverschuldung falsch war, diese Größe hat er nicht. Also bleibt ihm nur, die letzten pfändbaren Aktiva der EURO-Zone, die Triple-AAA-Staaten, ebenfalls in den Schuldenstrudel zu werfen.

Und dann?

Ein schrecklicher ideologisch bornierter Mensch!

Überraschung

Schulmeister für Eurobonds

NEIN zu EUROBOMBS!


Der Sozi Schulmeister will Feuer mit Benzin löschen.

Viel zu niedrige Zinsen (dank dem EURO) waren der Brandbeschleuniger der griechischen Überschuldung!

Beim Drachme war das Zinsniveau 20-25%.

Gast: guesto
04.11.2011 11:23
4

bin auch für Eurobonds.

Allerdings erst, wenn die PIIGs, Malta, Zypern, Frankreich und Slowenien entweder in einen separaten Südeuro oder in ihre eigenen Währungen zurückgehen.
Ansonsten wären Eurobonds eine Horrorvorstellung zum ².

In einem neuen, homogenen EURO-Raum inkl. Schweden, Cz und Dänemark können wir dann weiterreden, ob EUROBONDS sinnvoll sind.
In dieser horriblen Fehlkonstruktion, in der wir uns jetzt befinden, kommt das überhaupt nicht in Frage.

Antworten Gast: Hans im Glück
04.11.2011 19:33
0

Re: bin auch für Eurobonds.

Wenn man vorher alle Staatsschulden abgebaut hat.

Auch Eurobonds

sind keine Lösung.

Ohne auf andere Bedenken (gemeiname Schulden, etc.) einzugehen, was Hr. Schulmeister hier nicht sagt: sie würden die Zinsen für klamme Staaten zwar senken, dafür aber die der noch guten Staaten erhöhen.

Und mit Teil1 (senken der Zinsen für klamme Staaten) passiert exakt 1:1 das, was mit der EURO-Einführung als solches bereits einmal passierte. Die Zinsen für solche, klamme Staaten werden gesenkt. Das daraus folgende Ergebnis dürfen wir gerade hautnah mit erleben. Auf eine Neuaflage, nur mit noch höheren Summen, kann verzichtet werden.

Sehe ich auch so,

Schulmeister sagt: "Das ist wie wenn Sie immer ein neues Feuerwehrauto kaufen."
Aber immer neue Schulden zu immer günstigeren Konditionen für weit überschuldete Länder ist etwas anderes, Hr. Schulmeister?

Habe das Gespräch in der ZIB2 gestern gesehen, sehr traurig und revidiere hiermit meine Meinung über Volksabstimmungen über volkswirtschaftliche Fragen und behaupte das Gegenteil: Nicht die Experten sollen Entscheidungen treffen, sondern nur die einfachen Bürger per Wahl entscheiden.

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