Italien: Zinskosten für Staatsanleihen explodieren

10.11.2011 | 11:58 |   (DiePresse.com)

Die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen ist erstmals seit der Euro-Einführung über die kritische Marke von sieben Prozent gestiegen.

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Die Ankündigung, dass der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi sein Amt in Kürze zurücklegen werde, konnte die Finanzmärkte nur kurz beruhigen. Die erhoffte Entspannung blieb aus. Im Gegenteil: Die Lage am italienischen Anleihemarkt wird immer dramatischer.

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Mittwochmittag stieg die Rendite für richtungsweisende Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren erstmals seit der Euro-Einführung über die Marke von sieben Prozent. In der Spitze rentierten zehnjährige Papiere mit 7,47 Prozent. Am Vorabend lag die Rendite noch bei 6,75 Prozent. Mit anderen Worten: Italien muss für neue Schulden über sieben Prozent Zinsen zahlen.

"Dramatische Phase"

Die Situation löste Panik in Rom aus. "Italien erlebt eine dramatische Phase, wir stürzten in den Abgrund", warnte Industriellenchefin Emma Marcegaglia. "Trotz wichtiger Beschlüsse der Regierung und des Premiers erlebt Italien eine wirklich besorgniserregende Situation", so die Präsidentin des Unternehmerverbands Confindustria. Die Aktienkurse an der Mailänder Börse stürzten um 3,6 Prozent ab.

Niveau wie bei Griechen-Rettung

Allein seit Wochenbeginn ist die Rendite für zehnjährige italienische Papiere um rund einen Prozentpunkt gestiegen. Die Renditeschwelle von sieben Prozent gilt an den Finanzmärkten als kritisch. Bei diesen Renditeniveaus mussten die Euro-Länder Griechenland, Irland und Portugal gerettet werden. Ein Automatismus leitet sich daraus aber nicht ab.

(Ag.)

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39 Kommentare
 
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Gast: UKW
09.11.2011 20:23
0

Ach wie schön wäre das wenn es die Drachme und die Lira noch gäbe

Dann würden uns die Griechen und Italiener im Urlaub nicht mehr unverschämt ausnehmen können und für ein kleines Cola 3,50 Euro verlangen, sondern umgerechnet 0,50 Euro.

Re: Ach wie schön wäre das wenn es die Drachme und die Lira noch gäbe

Einfach nach Simbabwe auf Urlaub fahren. Die haben das schon hinter sich, was uns allen noch bevor steht - Hyperinflation dank gelddruckender Nobenbank.

Die Esel als Senatoren

Die westlichen Demokratien haben in den letzten Jahrzehnten oft wie weiland die römischen Kaiser gehandelt, die nach Laune auch mal einen Esel zum Senator "adelten", weil es ja eh wurscht war.

Demgemäß haben Parteivertreter aber auch das Wahlvolk Kasperln, Showmaster, Egomanen und schlichtweg Dummköpfe auf Kanzler-, Minister- und Abgeordnetensessel gesetzt, weil in der scheinbar fortwährenden Wirtschaftswachstumsparty auf Pump angeblich sowieso egal war, wer da sitzt.

Denkste. Leider. Jetzt sitzen alle da und schauen hilflos auf den Zusammenbruch des Kartenhauses.

Prognose

Die EZB wird massiv Geld drucken, und italienische Staatsanleihen kaufen. Vielleicht warten sie derzeit ab, um niedrigere Kurse zu bekommen. Da es sowieso klar ist, dass sie die italienischen Anleihen kaufen müssen, können sie auch billiger in den Markt reingehen.
Wie man an den Beispielen USA oder Japan sieht, bedeutet das aber nicht sofortige Hyperinflation. Bankruns werden einfach durch die Notenbank abgefangen, indem man auch den Banken jeden benötigten Betrag frisch druckt.
Die Frage wird halt sein, ob die Staaten dann tatsächlich ihre Schulden reduzieren werden. Da dies wahrscheinlich nicht der Fall sein wird, wird irgendwann doch alles in Hyperinflation enden - die Frage ist nur, in wie vielen Jahren.

Re: Prognose

die ezb monetarisiert bereits italien-bonds - kann aber den verfall deren wert (=anstieg der zinsen des jeweiligen bond) nicht umkehren, nur noch bremsen

spaetestens, wenn die flucht des kapitals nicht nur von italien nach deutschland statt findet sondern auch komplett aus der eurozone raus (in andere waehrungen oder sachwerte) dann werden auch die zinsen fuer deutschand steigen - spaetestens dann ist ende gelaende

hoffentlich dauerts nicht bis dahin, weil wenn deutschland & oesterreich jetzt austreten wuerden, koennte der euro massiv abwerten und die schulden waeren wir auch los

aber der wahrscheinlichere fall ist ja wieder einmal ein gipfel & anschliessende temporaere rettungsaktion ...

Re: Re: Prognose

die EZB könnte die Kurse italienischer Anleihen schon hoch halten. Sie müssten nur mehr kaufen. Warum machen sie es nicht? Schwer zu sagen. Ich denke, sie wollen selbst "billiger" kaufen, und lassen daher die Kurse absinken.

Wenn die Flucht aus der ganzen Euro-Zone einsetzt, dann wird interessant, wohin das Geld gehen wird. USA und Japan sind ja auch pleite. Könnte sein, dass es dann gleich generell aus Papiergeld raus geht und nur noch in Sachwerte (Hyperinflation). Ich denke aber, dass das noch Jahre dauern kann. Die Eurozone hat ca 100% Schulden vom BIP, Japan 200%. Wieso sollte man nicht auch 200% erreichen können, so lange die EZB Gled druckt, müsste das gehen.

Antworten Gast: Halbwissen
09.11.2011 20:31
0

Re: Prognose

Na hoffentlich haben Sie recht mit Ihrer Prognose !

Gast: guesto
09.11.2011 17:52
0

Hier eine anschauliche Grafik zum Thema EFSF:

http://bit.ly/rvkhUd

sieht doch gut aus! ROFLMAO!

Da werden wir und die Germanen bald von der EU die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen.
Conclusio:
Wenn wir nicht schleunigst einen Plan B entwickeln, wie wir aus dieser unheiligen Schuldenunion rauskommen, fressen wir spätestens 2013 nur mehr den Kitt aus den Fenstern...

Gast: S-Express
09.11.2011 17:46
0

In diesem Artikel wird alles gesagt was gesgt werden muss

http://blog.markusgaertner.com/2011/11/09/ein-strick-fur-jens-weidmann/

Fiat Money

Es werde Geld, beten jetzt die Politiker zu den Zentralbanken.

Zum Glück geht die Welt niemals unter, wenn alle davor Angst haben ;-)

Gast: Halbwissen
09.11.2011 15:52
1

die Schlinge zieht sich enger !!!

Italien Österreichs zweitgrößter Handelspartner

Gast: guesto
09.11.2011 15:42
3

We have official Contagion.

Italien ist jetzt offizieller Bailout-Kandidat, Spanien in der Folge schon bei 5,8%. Frankreich steigt auch.
Jetzt gehts unter Umständen sehr, sehr schnell...

Das Bild oben ist sehr treffend, dass muss man der Presse lassen.

It's all over now, Baby Blue....for the Times, they are a changin'.

Gast: 1. Parteiloser
09.11.2011 15:16
2

Ohne die EZB wäre Italien auch schon offiziell BANKROTT!

Dann wären die Zinsen ja schon länger im 2stelligen Bereich und niemals finanzierbar.

Im ESFS ist ja noch immer nichts, die konnten nicht einmal die 3 Mrd. für Irland besorgen. Muahahaha!

Die Entscheidungsträger für Europa haben doch niemals für Europa oder das eigene Land gehandelt, die haben immer nur für sich und die Partei gehandelt. Diese Totalversager haben Europa runiert und treiben die Bevölkerung in die Massenarmut. Das Volk hatte doch niemals eine Chance die Koreekturen durchzusetzen, weil alle angeotenen Parteibonzen und die Parteien immer nur gegen das Volk regiert haben.

Das Mehrparteiensystem zeigt am Ende die gleichen grausigen Phänomene wie Einparteienphänomene.

Re: Ohne die EZB wäre Italien auch schon offiziell BANKROTT!

Ohne EZB hätte auch kein Land in EU solche Schuldenberge anhäufen können.

Nun, es wäre interessant zu erfahren, welche Großanleger (und da rede ich von Multimilliardenfonds) jetzt auf einen Schlag ihre italienischen Staatsanleihen auf den Markt werfen?

Denn hier wird via Renten- und Aktienmärkte Politik gemacht. Und wie es scheint, recht erfolgreich!

Gast: Blankenstein Husar
09.11.2011 15:05
2

Sehr gutes Bild.

Jetzt geht er dahin, der Euro....


Gast: holifax
09.11.2011 14:28
2

und die Heuschrecken

wandern zum nächsten Land weiter,bis sie alles kahl gefressen haben...
und der Politik ist es nicht mehr möglich, das zu verhindern,

Die schlimmsten Heuschrecken

standen jahrzehntelang vor den Wahlurnen und machten ihr Kreuz brav bei dem Kandidaten, der ihnen die meisten Wohltaten auf Pump versprach.

Jetzt, wo das Land fast kahlgefressen ist, sehen sie mit Schrecken, daß sie - anders als wirkliche Heuschrecken - gar nicht weiterziehen können.

Die Tragödie der repräsentativen Demokratie...

Gast: holifax
09.11.2011 14:23
1

holifax

Und die Heuschrecken wandern weiter...
:-))

Gast: Reflector
09.11.2011 14:22
0

Willkommmen im Hades des Schuldgeldsystems


Keine Angst dieser Ort wird schon bald noch mehr 'beseelt' werden.

Cerberus freut sich schon.

Und da heutzutage weder Herkules Stärke, noch Orpheus Gesang oder die Backkünste unserer Psycherln bestehen, wird der Aufenthalt wohl länger dauern als nur ein verlorenes Jahrzehnt ...

Re: Willkommmen im Hades des Schuldgeldsystems

Keine Angst, die Argonauten werden euch vor dem Verderben und der Unterwelt bewahren.

Gast: supermarion
09.11.2011 13:53
0

der

EZB Mario wirds schon richten..nur weiter so....Zinsen runter..Sparerländer haben Pech gehabt , Preisstabilität - egal!

Seit Amtsantritt Volumen der Staatsanleihenkäufe erhöht...es haften ja die "Hartwährungsländer" mit...

Ich frage mich warum Merkel Herrn Weber und Herrn Stark einfach nicht ernst nimmt..(genommen hat)

Ich wäre wirklich für eine Währungsunion mit DE, NL, Finnland, Österreich...später dann Polen Tschechei....wenns funktioniert würden sichs Schweden und Dänen auch überlegen.....Das wären etwa 200 Mio Leute in einem Währungsraum der ähnliche Ansichten vertritt.....

Re: der

eine superharte währung ist ja auch nicht hilfreich. wenn wir diese krise überwinden sollten, dann müssen die kriterien, die vereinbart waren einfach mit verbindlichen sanktionsmechanismen versehen werden, dann funzt das schon.

Sanktionsmechanismen funktionieren auch nicht.

Nicht ganz zu Unrecht, wird die Idee, einem ohnehin finanziell gebeutelten Land eine Geldstrafe aufzuerlegen eher belächelt - am Papier mag das schön klingen, realpolitisch hält soetwas nicht allzulang.

Re: Sanktionsmechanismen funktionieren auch nicht.

ich denke da eher daran, dass bei übertretung der kriterien sich ein land gefallen lassen muss von eu-experten das budget gestalten zu lassen (hab mir aber noch nicht wirklich überlegt, ob das machbar ist :( )

Antworten Gast: guesto
09.11.2011 14:32
0

Re: der

wie wahr, wie wahr.
aber selbst dafür ist es vermutlich bereits zu spät. das drama wird jetzt ausgespielt, bis zum bitteren ende.
als erstes werden die deutschen jetzt gezwungen, das Hebeln per EZB zuzulassen.

der EFSF ist ja bereits leer wegen GR, POR und IRL. und momentan wird bereits das bailout package für italien vorbereitet. das allein wird 1,5 billionen schwer sein, wie der

wenn dann noch spanien und frankreich folgen, werden wir uns im bereich von 5 Billionen bewegen.

 
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