Kommission sieht "Risiko einer Rezession" für Eurozone

Für nächstes Jahr prognostiziert die EU-Kommission ein BIP-Plus von nur 0,6 Prozent für die gesamte EU. Die Eurozone wird unter diesem Wert liegen, Österreich darüber. 2013 soll es wieder aufwärts gehen.

Kommission sieht Risiko einer
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Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone ist nach einer Schätzung der EU-Kommission zum Stillstand gekommen. "Es besteht das Risiko einer erneuten Rezession", sagte Wirtschaftskommissar Olli Rehn am Donnerstag in Brüssel bei der Präsentation der Herbstprognose. Für die Eurozone hat die EU-Kommission die Aussichten deutlich nach unten revidiert: Gegenüber 1,8 Prozent Wachstum in ihrer Frühjahrsprognose rechnet die EU-Behörde nur mehr mit einen Zuwachs von 0,5 Prozent für 2012. Im Jahr darauf soll das BIP dann wieder um 1,3 Prozent wachen, in der gesamten EU um 1,5 Prozent.

Für Österreich hat die Kommission die Prognose für heuer angehoben: Demnach wird das BIP heuer um 2,9 Prozent steigen, im Frühjahr hatte die Kommission noch 2,4 Prozent prognostiziert. 2012 wird das Wachstum dann aber auf 0,9 Prozent abgeschwächt.

Für 2013 kann Österreich laut der Prognose wieder mit 1,9 Prozent Wachstum rechnen. Für die gesamte EU sagt die Kommission für heuer 1,6 Prozent Wachstum voraus, für kommendes Jahr nur mehr 0,6 Prozent. Die Eurozone wird demnach 2013 auch nur einen schwachen BIP-Zuwachs von 1,3 Prozent verzeichnen, die gesamte EU von 1,5 Prozent.

Wirtschaft in Athen und Lissabon schrumpft

In Griechenland und Portugal wird die Wirtschaft im kommenden Jahr der Schätzung zufolge weiter schrumpfen: Für Athen wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,8 Prozent prognostiziert, für Lissabon ein Minus von 3,0 Prozent. Deutschland kann der Prognose zufolge im kommenden Jahr mit einem BIP-Plus von 0,8 Prozent rechnen, Frankreich mit 0,6 Prozent - und Italien nur mehr mit 0,1 Prozent.

Die steigenden Zinsen für italienische Staatspapiere können nach Worten von Rehn mittelfristig "beträchtliche Auswirkungen" für Italien haben. "Kurzfristig sind die Auswirkungen nicht dramatisch. Mittelfristig wird das aber beträchtliche Auswirkungen auf die Finanzierungsbedingungen und auf das Wachstum der Realwirtschaft haben", sagte Rehn. Auf Fragen, ob er erwarte, dass Rom Hilfen vom Euro-Rettungsschirm beantrage, ging der Kommissar nicht näher ein. Ein ständiger Anstieg des Zinsniveaus von einem Prozentpunkt würde aber zusätzliche staatliche Ausgaben von 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung 2012 und 0,4 Prozent 2013 nach sich ziehen, rechnete Rehn vor. Wenn dieser Prozentpunkt voll an die italienische Wirtschaft weitergegeben werde, würde die Wirtschaft über drei Jahre um ein Prozent schrumpfen.

Jeder zehnte EU-Bürger ist arbeitslos

2012 könnte die Arbeitslosigkeit in der EU weiter zunehmen, sagte Rehn. In ihrer Prognose erwartet die EU-Kommission heuer 10,0 Prozent Arbeitslosigkeit in der Eurozone und 2012 10,1 Prozent. Für Österreich wird ein Anstieg von 4,2 Prozent im laufenden Jahr auf 4,5 Prozent 2012 vorhergesagt.

Die Inflation soll nach 2,6 Prozent heuer in der Eurozone im nächsten Jahr wieder auf 1,7 Prozent zurückgehen. Für Österreich wird ein Rückgang der Teuerung von 3,4 Prozent auf 2,2 Prozent prognostiziert.

(APA)

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