MF Global: Superfund bangt um Kundengelder

Superfund unterhielt Geschäftsbeziehungen zum bankrotten Broker-Haus MF Global. Am Tag des Bankrotts lagen Kundengelder im Ausmaß von 67 Mio. Dollar auf den Konten der US-Firma.

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(c) FABRY Clemens

Wien. Die achtgrößte Pleite der US-Geschichte wirft ihren Schatten auch auf Österreich. Das im Besitz von Christian Baha stehende Investmenthaus Superfund arbeitete mit MF Global zusammen. Als der amerikanische Broker Ende Oktober Gläubigerschutz beantragte, lagen 67 Mio. Dollar (49 Mio. Euro) von Superfund auf seinen Konten. Für einzelne Fonds der Investmentfirma könnte das „einen Abwertungsbedarf von fünf bis zehn Prozent bedeuten“, informierte Superfund nun seine Kunden.

Hintergrund: MF Global wurden Wetten auf ein rasches Ende der europäischen Schuldenkrise zum Verhängnis. Die US-Firma verlor damit zumindest 6,3 Mrd. Dollar. Der Schuldenstand per Ende Oktober betrug laut US-Medien mehr als 40 Mrd. Dollar. Mittlerweile ermittelt auch das FBI – der Verdacht liegt nahe, dass das Management von MF Global noch vor dem Bankrott Kundengelder „abgezweigt“ hat. Ein Teil davon könnte von Superfund stammen.

 

Berechnung der Fonds-Indizes ausgesetzt

Von den Verlusten betroffen sein könnten laut Superfund sämtliche sogenannten „Managed Futures“-Fonds. 18 der 24 auf der Homepage des Hauses aufgelisteten Fonds fallen in diese Kategorie. Wenn die gesamten 67 Mio. Dollar, die Superfund auf den Konten von MF Global liegen hatte, nicht mehr aufgetrieben werden können, droht je Fonds ein Verlust zwischen 4,3 Prozent und 9,8 Prozent. Die US-Behörden schätzen derzeit, dass von den Kundengeldern in etwa ein Zehntel fehlt – entsprechend geringer könnte der Verlust letztendlich ausfallen.

Jedenfalls hat Superfund vorläufig die Berechnungen der Indizes für die betroffenen Fonds eingestellt, ebenso wie die Auszahlungen von Kundengeldern. „Die Berechnung der Indizes kann erst erfolgen, wenn exakte Angaben der Behörden über allfällige Fehlbeträge vorliegen. Nach der Berechnung [...] erfolgt selbstverständlich eine prompte Auszahlung an den Kunden“, lässt Superfund seine Anleger wissen.

Die Produkte von Superfund gelten in der Branche als riskantes Investment. Firmenchef Baha sagte im Juni in einem Interview mit dem „Kurier“ gar: „Wir sind das hochriskanteste Investment, das es weltweit gibt.“ Anders als bei den meisten Gesellschaften üblich investieren die weltweit 35.000 Kunden zumeist nicht in einen bestimmten Markt, etwa in europäische Aktien oder Anleihen. Viel mehr legen die von der MF-Global-Pleite betroffenen „Managed Futures“-Fonds die Kundengelder in komplexen Termingeschäften an.

 

Luxemburgische Aufsicht zuständig

Die Entscheidungen über Investments trifft ein Computerprogramm, das Trends frühzeitig erkennen soll. So sollen auch bei fallenden Kursen Gewinne erzielt werden. Der Erfolg blieb in letzter Zeit überschaubar: Der Flaggschiff-Fonds „Superfund Q-AG“ liegt auf Jahressicht 6,3 Prozent im Minus. Eine mögliche Abwertung im Zuge des MF-Global-Skandals ist darin nicht berücksichtigt.

Superfund betont, dass der Handel mit seinen Fonds „normal und unverändert“ weiterläuft. Für die Überwachung der Firma ist übrigens nicht die österreichische Finanzmarktaufsicht zuständig. Das Management ist im Steuerparadies Grenada registriert, für die Fonds gilt luxemburgisches Recht. „Luxemburg hat die beste Fonds-Gesetzgebung in Europa für Alternative Investments“, teilte Superfund der „Presse“ per E-Mail mit. Und in Grenada sei „die Infrastruktur für unsere Mitarbeiter im Bereich automatische Handelssysteme und Programmierung hervorragend.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2011)

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