Ökonom Sinn: Euro-Austritt "über Weihnachten"

Nach der Ansicht des Präsidenten des Münchner ifo-Instituts, Hans Werner Sinn, kann Griechenland nur über einen Euro-Austritt wieder wettbewerbsfähig werden.

Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans Werner Sinn
Schließen
Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans Werner Sinn
(c) Dapd (Matthias Schrader)

Der deutsche Wirtschaftsforscher Hans Werner Sinn sieht auch nach der Regierungsumbildung in Athen keine Euro-Zukunft für Griechenland. Der neue Premier Lucas Papademos sei zwar ein Ökonom, könne aber am Problem der geringen Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands auch nichts ändern, sagte Sinn am Freitagabend in der "ZiB2" des ORF. Griechenland könne nur über einen Euro-Austritt wieder wettbewerbsfähig werden. Um die Kapitalflucht einzudämmen, könnte die Währungsumstellung "über Weihnachten" vollzogen werden, schlug Sinn vor. Auch könnten die griechischen Banken "eine Woche zumachen".

Der Präsident des Münchner ifo-Instituts räumte ein, dass eine solche Währungsumstellung mit einem "Gewitter" verbunden sein werde. Es dürfte zu einem "bank run" kommen, erwartet er einen Versuch vieler Griechen, ihre Euro-Guthaben noch vor der Konvertierung in die künftige Landeswährung abzuheben. "Aber nach dem Gewitter ist dann wieder Sonnenschein", betonte Sinn. Durch die Abwertung wäre die griechische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig, es würden mehr Touristen kommen und auch "die reichen Griechen, die sich mit ihrem Vermögen schon aus dem Staube gemacht haben, kehren wieder zurück und investieren".

Die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands sei derzeit 44 Prozent unter jener der restlichen Eurozone. Dieser Rückstand sei innerhalb des gemeinsamen Währungsgebietes nicht aufzuholen. Anders sei die Lage in Italien und Spanien, die nicht so stark abwerten müssten, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. "Das ist durch eine längere Phase der Stagnation zu schaffen", plädierte Sinn für Lohn-Zurückhaltung. Er verwies diesbezüglich auf Deutschland, das die Massenarbeitslosigkeit Ende der 1990er Jahre durch eine Stagnationsphase hinter sich gelassen habe. Deutschland stehe heute deshalb so gut da, weil es "um 22 Prozent real abgewertet" habe.

Sinn widersprach auch Einschätzungen, wonach ein Euro-Austritt Griechenlands verheerende Folgen für die Konjunktur haben werde. "Das ist Zweckpessimismus, der erzeugt wird von Leuten, die Angst haben um ihr Vermögen." Die Finanzindustrie fürchte derzeit nämlich, "dass sie ihr Geld nie wiederkriegen". Eine Aufspaltung der Eurozone in einen Nord- und Süd-Euro hält Sinn jedoch nicht für notwendig. Schließlich wäre dies auch "problematisch für die weitere europäische Integration". Ein Ende der Euro-Krise sei derzeit noch nicht abzusehen. "Wir sind mittendrin", sagte er mit Blick auf die weiter steigenden Zinsaufschläge für einige Länder. "Ich sehe nicht, dass der Euro wirklich stabil wird."wirklich stabil wird.

(APA)

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.