Keine Entscheidung zu Rating-Verbot für Krisen-Länder

15.11.2011 | 17:27 |   (DiePresse.com)

Die EU-Kommission präsentiert verschärfte Regeln für Ratingagenturen. Die Entscheidung über die temporäre Suspendierung werde aber verschoben, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier.

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Die EU-Kommission will die Macht der Ratingagenturen brechen, deren Herabstufungen von Euro-Ländern wiederholt zu den Turbulenzen in der Schuldenkrise beigetragen haben. Die Entscheidung über die temporäre Suspendierung der Länderratings für Euro-Schuldenstaaten werde aber verschoben, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Dienstag in Straßburg. Mit den Gesetzesvorschlägen will Barnier die Abhängigkeit von Ratings reduzieren und Wettbewerb sowie Transparenz fördern. Außerdem sollen die Agenturen für fahrlässige Bewertungsfehler haften.

Die neuen Regeln sollen die Abhängigkeit von den Ratings reduzieren, den Wettbewerb erhöhen und die Transparenz verbessern. In einem Interview mit dem französischen Radiosender BMF kündigte Barnier am Montag an, dass die europäische Wertpapieraufsicht ESMA den Ratingagenturen die Benotung von Ländern für eine bestimmte Zeit verbieten können soll, wenn diese Hilfskredite von Euro-Ländern und Internationalem Währungsfonds (IWF) erhalten.
Dieser Vorschlag war Medienberichten zufolge jedoch bis zuletzt in der EU-Kommission umstritten. Möglicherweise muss Barnier darauf verzichten.

>>> Karte: Die Ratings der EU-Länder

In den vergangenen Monaten hatten die großen Ratingagenturen immer wieder Unmut auf sich gezogen, da sie in heiklen Situationen die Kreditwürdigkeit von Ländern wie Griechenland herabstuften. Durch eine schlechtere Bewertung wird es für ohnehin verschuldete Länder teurer, sich bei Investoren Geld zu leihen.

Die Agenturen verdienen ihr Geld damit, dass sie die Sicherheit von Wertpapieren sowie die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten analysieren und benoten. Ratingagenturen sind zwar keine offiziellen Aufsichtsbehörden, sie erfüllen aber inzwischen im Prinzip diese Rolle. Der Einfluss besonders der drei wichtigsten Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch ist daher enorm.

Rotationsprinzip

Um ihre Macht zu brechen, will Barnier einem Entwurf seiner Vorschläge zufolge nun ein Rotationsprinzip einführen: Demnach soll eine Agentur ein Wertpapier oder den Herausgeber eines Wertpapiers nur noch maximal drei Jahre bewerten dürfen. Die Ratingagenturen sollen zudem für Schäden haften, die etwa durch grob fahrlässige Bewertungsfehler entstanden sind. Großen Ärger hatte in der vergangenen Woche Standard & Poor's auf sich gezogen, da die Agentur eine falsche Meldung über die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs verschickt hatte.

Die Ratingagenturen standen bereits vor drei Jahren in der Kritik: Sie werden für die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 mit verantwortlich gemacht, welche die weltweite Finanzkrise auslöste. Ihnen wurde vorgeworfen, mit zu guten Ratings über die Schieflage der Bank hinweggetäuscht zu haben. Ihr Geld bekommen die Bonitätsprüfer nicht von den Anlegern, der sich für die Aussichten eines Wertpapiers interessieren, sondern von dem Emittenten. Die EU-Kommission will nun Interessenskonflikte beheben: Geplant ist etwa, dass ein Unternehmer nicht große Anteile an zwei konkurrierenden Agenturen gleichzeitig halten darf.

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EU-Parlamentarier für neue Regeln

Die geplante strengere Regulierung der Ratingagenturen wird von den österreichischen EU-Parlamentsabgeordneten unterstützt. Der SPÖ und den Grünen gehen die Vorschläge aber nicht weit genug. Der Gesetzesvorschlag sei "richtig und sollte so schnell wie möglich beschlossen werden", betonte ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Othmar Karas. "Wir brauchen Transparenz, Rechenschaft und Wettbewerb bei Ratingagenturen."

Die SPÖ-Europaabgeordnete Evelyne Regner sieht keinen "Paukenschlag, den Europa eigentlich brauchen würde". "Äußerst positiv" sei aber die geplante Haftung der Ratingagenturen für Bewertungsfehler. Die angedachte Rating-Aussetzung für Euro-Krisenländer wäre aber nur eine "Notbremse und dürfe keine Dauerlösung sein". Bei den Gesetzesvorschlägen vermisst Regner eine "unabhängige europäische Ratingagentur" für Zweitratings.

Der Grünen Europaabgeordneten Ulrike Lunacek gehen die Vorschläge der Kommission hingegen nicht weit genug. Nach Vorstellungen der Grünen sollte es "insbesondere für Staatsschulden verpflichtend ein Zweitrating durch diese europäische Agentur vergeben werden".

 

(APA/Red.)

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23 Kommentare

Die Naivität der EU-Kommission ist abenteuerlich!

Die wichtigsten Ratingagenturen sind Privatfirmen, die ihren Sitz in den USA haben und von Anlegern in aller Welt dafür bezahlt werden, dass sie Prognosen über die Bonität von Wirtschaftssubjekten - also über die Wahrscheinlichkeit, dass diese ihre Schulden in Zukunft bedienen werden - erstellen.
Nachdem diese Agenturen ihre Kunden über ihre "Ratings" informiert haben, veröffentlichen sie ihre Ergebnisse, quasi als Eigenwerbung, um mehr zahlende Kunden anzulocken.

Diese Agenturen haben selbst keine Macht, alles hängt davon ab, ob die Investoren, deren Entscheidungen den Finanzmarkt beeinflussen, an diese Ratings glauben und am Markt danach handeln oder nicht. Wenn fast alle danach handeln, so ist das ein Beweis für gute Arbeit aber keine "Macht"!

Wenn die EU glaubt, sie könne US-amerikanischen Firmen verbieten, die Aufträge ihrer Kunden ordentlich auszuführen, so zeigt das von einer Weltfremdheit, die wirklich unfassbar ist!

P.S.: Der alte Kalauer: "Prognosen sind immer unsicher, besonders wenn sie die Zukunft betreffen" hat einen wahren Kern. Schadenersatz zu fordern, wenn Prognosen daneben gehen, ist völlig absurd!


der dritte weltkrieg

hat schon lange begonnen.

der ganze euroschirm war für die katz, weil die spekulanten weiter gegen die staaten zocken.

und die dumme merkel merkt gar nicht, WIE sie sich zum willigen werkzeug dieser maffia macht, wenn gesetze "irgendwann" 2012 vielleicht eingeführt werden. aber vielleicht hofft sie auch, dass deutschland aus dem ganzen als supermacht aussteigt, wenn alle anderen euroländer am boden liegen. oder sie ist zu dumm zu erkenne, WER in deutschland das sagen hat..........nämlich dieselbe handvoll, die hinter den ratingagenturen und finanzzockern steht, NICHT mehr die "deutsche wirtschaft". die ist eh schon lange von genau diesen aufgekauft.

Gast: yoshi1
15.11.2011 17:37
0

Wettbewerb sowie Transparenz fördern

Schön und gut. Man kann nur niemandem seine Meinung aufzwingen. Eine nicht gelistete Bonität würde mich als Anlegen noch mehr abschrecken als ein BBB+ , wer glaubt schon Griechenland oder EU wie es um dessen Bonität wirklich steht?

Dann zum Punkt Schadenersatz: Den Prozess stelle ich mir problematisch vor. Wenn der Nachweis des Schadens, des Verschuldens und der Kausalität gelingt ginge es mitunter um horrende Summen die ein Unternehmen welches nicht gerade mehrere Milliarden Gewinn einfährt ruinieren würde. Soweit es der Korrektheit förderlich ist, wäre das zu begrüßen, doch haftet dem ganzen doch der Geruch einer Meinungsunterdrückung an.

Re: Wettbewerb sowie Transparenz fördern

das ganze raten dient doch genau EINEM zweck: dass finanzhai unendlich zinsen für staatsanleihen abzocken, die diese staaten nie im leben mehr begleichen können. wer das nicht als essentielle daseinsberechtigung der rater erkannt hat hat das ganze system nicht erkannt.

WO ist der unterschied zwischen griechenland und den usa? zwischen deutschland und frankreich? nur weil die deutschen gerne glauben dass sie besser sind (wie auch vor 60 jahren) heißt das nicht, dass das auch wirklich so ist.

Man kann Rating-Agenturen jetzt mögen oder nicht, ...

... aber das was die EU da vorhat ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit! Dem ist entschieden entgegenzutreten!

Wer "Inside Job" gesehen hat, weiß, dass Ratings nur eine Meinung sind. Ganz hoch offiziell. Vor Gericht so festgestellt. Punkt.

Gast: Johann S
15.11.2011 17:01
2

Als Weltwirtschaftspoizei

kommen einem Laien ,die Ratingagenturen etwas seltsam vor.

Gast: gast19
15.11.2011 16:51
1

na endlich

Meiner Meinung nach hätte dieser Vorschlag von Herrn Barnier schon längst durchgeführt gehört, da diese Ratingagenturen eigentlich die Krise ausgelöst haben - im Jahr 2008, Investmentbank Lehman Brothers. Da diese Agenturen in letzter Zeit wieder negatives Aufsehen erregt haben, dies durch zweifelhafte Bewertung von Ländern, wie z.B. Frankreich. Das Rating wurde dann im Nachhinein als "Fehler" wieder aufgehoben. Meiner Meinung nach schauen die Amerikaner, wie weit sie Europa "beeinflussen" können. Dies war kein Fehler, sondern ein geziehlter Versuch der USA die riesigen Probleme im eigenen Land herunterzuspielen und die Schuldenprobleme Europas in den Vordergrund zu stellen. Die USA beeinflussen unsere Wirtschaft in einem immensem Ausmaß... und Europa lässt es sich gefallen!!

Gast: gast1984
15.11.2011 16:22
5

"Für falsche Bewertungen sollen die Bonitätswächter künftig haften."

Und die Sovjets in Brüssel und Straßburg bestimmen was eine falsche Berwertung ist?

Gast: gast1984
15.11.2011 16:19
0

Die Eu will... Muhahahahahahaha!!!


Ratings laufen dem Markt hinterher

die Ratings laufen sowieso meist dem Markt hinterher und sind ziemlich wertlos. Besser würde ich finden, die Ratingagenturen würden einfach Listen erstellen, in denen Verschuldung und sonstige Risikofaktoren gereiht und sortiert sind (und zwar so weit wie möglich vergleichbar zwischen Ländern bzw. Unternehmen). So kann sich jeder selbst ein Bild machen. Dann wären auch die USA oder UK ganz oben auf der Liste der Defaultkandidaten.

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als würde der Einsatz von Fieberthermometern dann verboten, wenn die Temperatur des Patienten bedrohliche Höhen erreicht hat,..!

... um dann sagen zu können: alles in Ordnung, da fieberfrei!

Auf den zweiten Blick, und gerade im Hinblick auf die in der Wirtschaft so wichtige Psychologie, kann ein falsches Wort zur falschen Zeit Krisen auslösen - und damit kann man auch manipulieren!

Wenn man sich aber das völlig hirnlose Rezessionsgerede sämtlicher EU/EZB-Funktionäre der letzten Monate vor Augen führt, dann wird die vielbefürchtete Rezession, die bis jetzt oft nur ein reduziertes Wachstum war, durch die Ratingverbieter herbeieigeredet.


Gast: Hans im Glück
15.11.2011 14:37
0

Lächerlich

Der Verein soll sich auflösen, sonst muss ich mich noch zu tode Lachen.

Gast: Blankenstein Husar
15.11.2011 14:17
1

Viel interessanter, als das Bla-Bla der EU Deppen ist

wie ausgesprochen detailliert US-Zeitungen in den letzten Wochen über die Finanzkrise in Europa berichten.

Der taumelnde Euro steht bei den amerikanischen Eliten, die „New York Times“, „Washington Post“ oder „Wall Street Journal“ lesen, ganz oben auf der Agenda.

Oft ergänzen auch kühne Ratschläge die Nachrichten und Analysen aus Europa.

Unter der Überschrift „Europas Retter: Eine neue deutsche Mark“

kommentiert die konservativ-liberale „Washington Post“ die Rettungsversuche in Europa. An einem bestimmten Punkt sei es nötig, dass eine Nation und ein Volk auch „seine eigenen Interessen schützen“ müsse. „Lebensfähige Volkswirtschaften“ sollten sich von der kollabierenden Euro-Währung abspalten.

Dem kann man nur zustimmen....

Es wird immer absurder,

was die Holzköpfe in Brüssel so von sich geben.
Die Panik wegen dem unaufhaltsamen Zusammenbruch von Euro und EU muss dort enorm sein.

1848 Aufhebung der Zensur im Kaiserreich Österreich

2011 Einführung der Zensur in der Europäischen Union

Gast: smilefile
15.11.2011 13:15
1

Ich finde es bloss

interessant, daß amerikanische Kapitalbewertungsagenturen im eigenen und im amerikanischen Interesse europäische Länder einstufen,.......

Ein ewiges Spiel dreht sich zugunsten der Kapitalgeber,...Ratingagentur stuft herab, Kredite werden teurer,- Europäische Regierungen bringen Versprechen der Schuldentilgung, die Schuldenkosten sinken,..

Immer alles schön in Bewegung halten, es täte sich sonst ja absolut nichts in den Kapitalmärkten,......
Tja und wer profitiert,...

Antworten Gast: Hudriwudri
15.11.2011 14:29
0

Re: Ich finde es bloss

Jeder kann jeden einstufen, wie er will, da brauchen wir keine Maulkoerbe. Der Vorwurf muss vielmehr an jene EU-Politiker gehen, die den Bewertungen mancher Agenturen per Gesetz spezielles Gewicht einraeumen.

Antworten Antworten Gast: smilefile
15.11.2011 15:50
0

Ich finde es bloss,...



es geht um "Amerikanische Einstufungsagenturen" mit ausschließlch amerikanischen Interessen, - und damit eigentlich um die Sicherstellung des Dollars als "Weltleitwährung" mit dem es derzeit so gar nicht gut steht.

Und immer wenn die Weltleitwährung "Dollar" in Frage gestellt wurde,...gab es diesbezüglich irgendwo in der Welt Krieg,...

Die aufgeblasene Wichtigkeit der Ratings hat sich die EU selber zuzuschreiben!

Denn sie selbst hat die Regeln beschlossen auf denen das Rating-Geschäft fußt.

In früheren Zeiten waren diese Firmen eher Auskunfteien ähnlich wie der KSV.

Heute dagegen bestimmen Privatunternehmen gänzlich ohne Kontrolle über das Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften.

Übrigens, zur Erinnerung, die beiden großen Agenturen haben 2008 noch am Tag des Zusammenbruches von Lehmann Brothers den Kauf deren Aktien empfohlen! Soviel zur Akkuratesse!

Antworten Gast: jobber
15.11.2011 14:08
0

Re: Die aufgeblasene Wichtigkeit der Ratings hat sich die EU selber zuzuschreiben!

Ratingagenturen raten und machen keine Aktien- oder sonstige Empfehlungen.

Kauf- und Verkaufsempfehlungen von Aktien ist der Job von Analysten, die meistens bei Banken beschäftigt sind.

Wenn bei einem Land steht "Rating verboten",

so wird jeder, der ein bisschen Grips hat, die Anleihen dieses Staates als "Schrott" bewerten - und das zurecht.

Kein Rating ist nämlich auch ein Rating.

Aber so weit zu denken, ist den "Gehirnen" der EU-Bonzen nicht möglich.


Gast: trader1
15.11.2011 12:02
0

na gehts ..

es gehört zum geschäft die schwierigkeiten früher kommen zu sehen als jede ratingagentur und nicht zu warten, bis eine argentur wieder mal einen buchstaben wegnimmt :-)

Gast: Kunzhinz
15.11.2011 11:45
0

Lustige Sache

"fallweise"
XD
also:
past mir! - passt mir nicht! - passt mir!...

Spätestens wenn Clowns auftreten, sollte man wissen wo man ist. (Und ggf. das Geld zurückfordern!)

Soll mir noch mal einer sagen , ich sei egozentrischer Ignorant...

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