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Anleger flüchten aus Euroanleihen

17.11.2011 | 06:37 |   (Die Presse)

Zinsen für Staatsanleihen steigen überall in Europa stark an - außer in Deutschland. Österreich und Frankreich haben ihren "Triple A"-Status auf den Anleihemärkten in den vergangenen Tagen praktisch verloren.

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Wien/Ju. Bei den Ratingagenturen wird Österreich seine Bonitätsnote „AAA“ – die höchstmögliche – nach der laufenden Überprüfung durch die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's wohl behalten. Auf den internationalen Anleihemärkten hat die Republik gemeinsam mit dem ebenso noch mit „AAA“ ausgezeichneten Frankreich ihr „Triple A“ aber de facto verloren: Die Zinsen für österreichische und französische Anleihen, die am Dienstag auf über drei Prozent hochgeschossen waren, verharrten am Mittwoch bei hohen 3,7 Prozent.

Für neu emittierte Schulden verlangen risikoaverse Investoren von Österreich damit schon mehr als doppelt so hohe Zinsen wie von Deutschland. Und das ist kein Einzelfall: In dieser Woche hat eine massive Flucht der Großgläubiger aus Anleihen von Eurostaaten eingesetzt. Und zwar nicht nur aus solchen von Problemstaaten wie Griechenland, Italien (sieben Prozent Zinsen) und Spanien (6,4 Prozent), sondern auch aus Ländern, die bisher als sicher galten: Neben Österreich und Frankreich müssen nun auch Länder wie die Niederlande oder Finnland deutlich höhere Zinsen für ihre Staatsschulden bezahlen. Nur Deutschland gilt noch als sicher: Dort geben sich Anleihekäufer mit historisch niedrigen 1,77 Prozent zufrieden.

Der Grund: Außerhalb der Eurozone werden zunehmend Zweifel an ihrer Fähigkeit laut, die Krise in den Griff zu bekommen. Zu Panikverkäufen europäischer Staatsanleihen sei es unter anderem wegen der „quälend langsamen Regierungsbildung in Griechenland und Italien“ gekommen. Dass die EU ein schärferes Vorgehen gegen Ratingagenturen angekündigt, sich dann aber nicht auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt habe, habe den Eindruck der politischen Handlungsunfähigkeit noch verstärkt.

„Internationale Investoren bauen ihr Europa-Risiko massiv ab, weil sie einfach nicht verstehen, dass es zu jedem Beschluss Wochen oder Monate dauert“, sagte ein Anleihenhändler der Nachrichtenagentur Reuters.

Problematisch: EZB springt in die Bresche

In die Bresche springen muss wieder einmal die Europäische Zentralbank. Sie hat am Mittwoch massiv Staatsanleihen von Italien und Spanien aufgekauft, um die mörderisch hohen Zinsen zu drücken. Mehr als eine Stabilisierung auf hohem Niveau wurde freilich nicht erreicht. Die EZB sitzt bereits auf Euroanleihen von 185 Milliarden Euro und gehört damit zu den größten Anleihegläubigern der Euro-Problemstaaten.

Der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB gilt als problematisch, weil er einer Staatsfinanzierung durch die Notenbank gleichkommt. Das birgt Inflationsgefahren. Abgemildert wird das nur dadurch, dass sich die EZB auf dem Markt eindeckt und nicht direkt kauft. Der konzentrierte „Angriff“ auf die Anleihemärkte gilt auf den Märkten auch als „Test“ dafür, wie weit die Zentralbank zu gehen bereit ist. Die Anleiheaufkaufprogramme der amerikanischen Notenbank Fed sind deutlich größer als jene der EZB. Die USA haben die Euroländer schon mehrfach aufgefordert, die „Notenpresse“ in Form von Staatsanleihekäufen vermehrt anzuwerfen.

Der Vorsitzende der deutschen Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, hat vor einer Ausweitung der  Anleihekäufe durch EZB eindringlich gewarnt. Die Monetarisierung von Staatsschulden gehöre zu den "Todsünden einer Zentralbank", sagte Franz der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die EZB könne ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn sie als Geldgeber der letzten Instanz für überschuldete Staaten einspringe.

Ratingagenturen optimistischer

Bei den "AAA"-gerateten Ländern scheinen die Märkte derzeit aber ein wenig zu übertreiben: Michel Madelain, der Präsident der Ratingagentur Moody's (die gerade Österreich prüft), sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die Marktteilnehmer würden die Lage derzeit pessimistischer beurteilen als die Ratingagenturen selbst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2011)

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128 Kommentare
 
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ausgeben sollte man nur was man auch hat und jetzt

ist es zeit zu sparen!

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Was wenn...

der ganze Euro Irrsinn vonlanger Hand gesteuert war,-um die Eigenständigkeit der eurpo.Staaten auszuhöhlen und eine zentrales Machtzentrum zu schaffen ,das auf Zuruf der Banken funktioniert?
Und wir Naivlinge haben den Ederers und Vranitzkys geglaubt!

reburg



ich habe weder ederer, klima noch vranitzky geglaubt, also naivling sehe ich mich nicht.

leider sitze ich aber auch in dem boot mit den naiven :-(

Gast: Alles Verschwörung
17.11.2011 18:53
1 0

Kissingers Barroso

1. Das Finanz- und Konzernkartell putscht gegen die europäischen Demokratien.
2. Mit den Rettungsschirmen werden ausschließlich Banken gerettet.
3. Der Euro wurde ausschließlich dazu geschaffen um eine Krise diesen Ausmaßes erzeugen zu können.
4. Die Krise wird seit 2008 permanent befeuert um die gewünschte Umwälzungen erzwingen zu können.
5. Die bereits völlig entstaatlichte, entrechtlichte und entdemokratisierte “BRD” ist die Blaupause für das Folgesystem.

Schon eigenartig


Ganz zufällig erscheint ein Pressebericht mit obiger Titelzeile zeitgleich zur laufenden Parlamentsdebatte ...

Antworten Gast: mono
17.11.2011 19:51
0 0

Re: Schon eigenartig

Die Schlagzeile ,
die auch dazu nicht richtig ist .

Um all das bräuchten wir uns keine Sorgen machen

Wenn die Regierung endlich mit ihren nicht gerade bescheidenen Mitteln auskommen würde. Denn: Schulden machen muss man nur wenn man mehr ausgibt als man hat!

Gast: Gutbürger
17.11.2011 15:02
0 0

Verteilungskämpfe ante portas

Jetzt wird es eng für den Staat.
Der Staat sind wir alle.

Wem nehmen wir´s weg?
Und wer kriegt noch 4% drauf?
Weitblick wäre gefragt!

Antworten Gast: Huch
17.11.2011 20:33
0 0

Re: Verteilungskämpfe ante portas

Weitblich? Ist ein Problem bei den vielen Bergen. Schuldenbergen.

Antworten Gast: Schuhputzer
17.11.2011 17:26
0 0

Re: Verteilungskämpfe ante portas

Ist sich die Beamtengewerkschaft angesichts ihrer Forderungen eigentlich im klaren, daß das ganze System auf der Kippe steht?

Gast: Hans im Glück
17.11.2011 14:24
7 0

"Inflationsgefahr"???

Falsch. Es besteht kein Zweifel. Der Kauf von Staatsanleihen führt zur Aufblähung der Geldmenge. Also zur Inflation.

"Abgemildert wird das nur dadurch, dass sich die EZB auf dem Markt eindeckt und nicht direkt kauft."

Aber geh... das ist nur Haarspalterei, wurscht wo die EZB kauft. Es wird nichts Abgemildert. Die EZB flutet auf diesem Weg die Märkte mit frisch gedrucktem Geld.

Was sagt die Bundesbank dazu? Wann zieht sie die Reißleine?

Antworten Gast: Gast2
17.11.2011 15:17
0 0

Re: "Inflationsgefahr"???

Die Geldmenge wird durch die Ankäufe (noch) nicht erhöht weil an anderer Stelle das Geld wieder abgezogen wird (die FED macht das nicht- bei viel größeren Summen).

Aber langsam werden wir ohnehin wesentlich größere Probleme haben als eine moderate Inflation von ca. 5-8%.

Ich bezweifle ob die Bundesbank im Ernstfall seinerzeit Deutschland verrecken hätte lassen - so wie Deutschland von der EZB verlangt nun das Euroland verrecken zu lassen. Aber jetzt hat die BB natürlich leicht reden.

......

An alle die hier so tun als wäre da der Euro oder die EU schuld:

Die suppe haben wir uns ganz alleine eingebrockt, was erwartet man denn wenn man seit den 70ern! nur mehr Schulden anhäuft und dabei keinerlei Problembewusstsein hat ?

Das ganze war und ist unvermeidlich und wäre mit dem Schilling eher früher denn später gekommen.

Antworten Gast: Bärenfalle...
17.11.2011 18:20
0 0

Re: ......

Wenn ein Körperteil krebsig ist dann besteht Hoffnung auf eine erfolgreiche Behandlung.

Aber der Euro hat dazu geführt:
In ganz Europa und der Welt haben sich Metastasen gebildet.

US-Banken hocken auf vielen EU-Staatsanleihen, die Chinesen auf Devisenreserven.

So wurden lokale Krankheiten (die regelmäßigen Nullenstreichungen in Südeuropa) munter verbreitet anstatt lokalisiert zu bleiben.

Es gibt auch keine Lösung mehr, das Monetarisieren der EZB fällt unter "Schmerzbehandlung", Patient wird sterben.

Die Spekulationen drehen sich doch nur mehr um den Zeitpunkt und die Folgen des Ablebens des Euros.

Also zumindest abseits des Mainstreams ;)


Antworten Gast: L.W.
17.11.2011 16:44
2 0

Ein virtuelles Grün !


Genau so ist es. Aber wie erklärt man das einem Sozialisten ? Die sehen doch unser aller Heil nur im Anhäufen von noch mehr Schulden ?

Naja, mir ist es wurscht, dann kriegen diejenigen, die diese Partei seit Jahrzehnten ohne nachzudenken immer wählten endlich auch einmal die Rechnung präsentiert, nicht nur die (vermeintlich) G'stopften...

Schön wird das leider allerdings nicht.

Antworten Gast: Hans im Glück
17.11.2011 14:26
2 1

Re: ......

Stimmt.

Dafür hat die Politik jetzt einen Sündenbock, den EUR und können die ursprünglichen Währungen ohne Imageverlust wieder einführen.

Hoffentlich haben wir, nach einer baldigen Währungsreform, einen glücklichen Neuanfang.

Re: Re: ......

Einen baldigen Neuanfang .... JA

Aber glücklich wird der nicht. Eher chaotisch und blutig, aber wohl unvermeidlich.

Gast: gast34343
17.11.2011 13:25
3 2

ach so

„Internationale Investoren bauen ihr Europa-Risiko massiv ab, weil sie einfach nicht verstehen, dass es zu jedem Beschluss Wochen oder Monate dauert..... ist ja heutzutage etwas sehr ungewöhnliches, mit einem rechtstaat geschäfte zu machen..... dieser sieht nämlich vor, dass gesetze etc. eben nicht so einfach über nacht auf zuruf irgendwelcher windiger geschäftemacher geändert werden können. oder wäre den werten investoren lieber, alles ginge über nacht? und somit dann natürlich auch die enteignung ebendieser investoren?

Gast: Einfach Fekter fragen
17.11.2011 13:13
5 0

Österreich und Frankreich haben ihr "AAA" auf den Märkten praktisch verloren.

War unsere Sparmaus Maria vor zwei Woche nicht im Thema, oder hat sie einfach nur schamlos gelogen?

Gast: trader1
17.11.2011 12:47
0 0

interessante information .

bilanzsumme 84% der deutschen wirtschaftsleistung ....
.. long deutsche bank, aber nicht aufs gewinne realisieren vergessen :-)

Gast: Hammvieh
17.11.2011 12:37
2 0

Zweifel an Faehigkeit

Da braucht man sich ja nur das Gesicht vom Faymann anschauen, dann weiss man, woher die Zweifel kommen.

Antworten Gast: Schotter Ministerin
17.11.2011 13:21
0 0

Re: Zweifel an Faehigkeit

Ich weiß, was Sie meinen, aber wir laufen nicht Gefahr, unser Triple-A zu verlieren, wir werden bei diesen Themen wie den Frühpensionen weiter aktiv sein.

0 2

.

"Bei den "AAA"-gerateten Ländern scheinen die Märkte derzeit aber ein wenig zu übertreiben" soll das jetzt zur Beruhigung dienen?
Wenn nicht mal mehr die Hohepriester von Moody's die Herde auf der Flucht unter Kontrolle halten können.
Kein Wunder dass Aussitzkanzlerin Merkel weiter gerne nix tut, läuft doch ganz gut für sie, wenn die deutsche gusseiserne Lokomotive über den Euro-Raum drüberfährt.
Zum Glück findet sich derzeit dieses Palaver nur in der Presse, die schon von den letzten 10 Katastrophen 50 vorhergesagt hat.

Gast: Gemachter Mann (Auswanderer)
17.11.2011 12:00
8 0

Status!

ich sehe österreich schon lange nicht mehr als triple- a land (habe alles aus dem atx 2007 verkauft,u. das war auch gut so), was soll ich von meinem ex- land halten das fast nur noch staatshilfebanken beherbergt,noch dazu anscheinend ein genossenschaftsbanker der mächtigste mann österreichs ist(unfassbar),einem land das die mega schulden von öbb u. gemeinden nicht zu den offz. staatsschulden dazurechnet (das ist mir zu unseriös), einem land in dem alles was staatsnah ist von korruption u. freunderlwirtschaft unterwandert ist,nein das ist kein triple- a land,das ist eher so wie ---> der proleten oder bauernbub der an seinem autoheck eine höhere motorisierung angibt als tatsächlich vorhanden...... österreich braucht vor allem wieder seriöseres politisches personal u. wieder vertrauenswürdige banken/banker,dann klappts auch mit "dem ausgewanderten" wieder !! ps: auch liest man in int. zeitungen immmer wieder von der grotesken situation in österreichs medienlandschaft,auch da muss man dringend etwas ändern um als verlässlich u. 100% demokratisch zu gelten!! auf österreich muss man sich(wieder) verlassen können,ich bitte darum!!

Antworten Gast: noch ein gast
17.11.2011 12:57
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Re: Status!


Eine Ansammlung an Vorurteilen.

Natürlich gibt es an Österreich viel zu kritisieren .
Im internationalen Vergleich ist Österreich an der Spitze der lebenswerten Nationen .

Dass auch Österreich keine Insel ist ,
wissen wir heute ,
auch Österreich ist heute der Radikalität des internationalen Finanzkapitals und Politik ausgeliefert

Antworten Antworten Gast: Gemachter Mann (Auswanderer)
17.11.2011 13:30
2 0

Re: Re: Status!

nennen sie mir die dinge die nicht der realität entsprechen u. bloss vorverurteilungen sind!! ist die staatshilfebanken- aussage eine vorverurteilung,die öbb- schulden,die gemeinde- schulden,die mediensituation,die korruptionsskandale im staatsnahen bereich....also bitte nennen sie mir in welchem punkt ich vorverurteile.... als vorurteil kann man folgendes werten: sie sind mit der situation in österreich deswegen zufrieden weil sie als gehaltsempfänger(wahrscheinlich staatsnah)teil des systems sind! ps: mit ihrem internationalen vergleich rühren sie nur omi u. opi bei der heurigenjause od. menschen die noch nicht weiter gekommen sind als man eben mit "all inclusicve" kommt!

 
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Hobbyökonom