Wien/B.l. Da die Investoren Staatsanleihen von Eurostaaten derzeit in großem Stil auf den Markt werfen, sich die Nachfrage aber in Grenzen hält, fällt der Preis dieser Papiere. Häufig ist dann von „steigenden Renditen“ die Rede. Das bedeutet aber nicht, dass die Staaten für bereits begebene Anleihen plötzlich höhere Zinsen zahlen würden. Sondern, dass sie für Schulden, die sie neu aufnehmen wollen, höhere Aufschläge gewähren müssen.
Für Käufer von Anleihen ist nicht nur der Zinssatz entscheidend, sondern auch der Preis, zu dem er die Staatspapiere erwirbt. Abgesehen von deutschen Anleihen gibt es derzeit eine regelrechte Rabattschlacht: Österreichische Staatspapiere mit Laufzeit von zehn Jahren erhält man jetzt um fast acht Prozent günstiger als Ende September. Rechnet man diesen Rabatt ein, steigt die Rendite von 2,7 auf 3,6 Prozent. Darin spiegelt sich das Risiko wider, dass die Zeichner der Anleihen ihr Geld in voller Höhe zurückbekommen. Für den Schuldner Staat haben solche Entwicklungen unangenehme Folgen, wenn er neue Anleihen verkaufen will, also neue Schulden aufzunehmen gedenkt. Dann muss er den Anlegern mindestens so hohe Zinsen zahlen, wie sie auf dem Markt als Rendite für noch laufende Anleihen erhalten würden. So musste Italien vor drei Tagen 6,29 Prozent für eine fünfjährige Anleihe gewähren. Spanien musste für einjährige und eineinhalbjährige Anleihen fünf Prozent zahlen. Zuvor lag die Rendite bei vier Prozent.
Unerfreulich ist die aktuelle Entwicklung für jene Anleger, die noch vor Kurzem Anleihen gekauft haben und sie jetzt verkaufen wollen. Sie müssen sich im Falle der österreichischen Anleihe mit einem um fast acht Prozent niedrigeren Preis begnügen. Hält man die Anleihen bis zum Ende der Laufzeit und ist der Staat dann noch voll zahlungsfähig, muss man sich um zwischenzeitliche Kursschwankungen nicht sorgen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2011)
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