Eurokrise: IWF sucht 600 Milliarden Euro für Italien

28.11.2011 | 08:12 |   (Die Presse)

Der Währungsfonds und die EZB wollen dem hoch verschuldeten Italien Zeit kaufen, berichten Medien. Der IWF dementiert.

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Wien/Ag./Auer. Der Internationale Währungsfonds (IWF) bereitet offenbar ein milliardenschweres Rettungspaket für das hoch verschuldete Italien vor. Das berichtet zumindest die italienische Tageszeitung „La Stampa“ unter Berufung auf Vertreter des Währungsfonds. 600 Mrd. Euro Kredit soll der IWF dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti in Aussicht gestellt haben, um die Finanzlage des Landes zu stabilisieren. Das entspricht etwa einem Drittel der gesamten staatlichen Schuldenlast von 1,9 Billionen Euro, die derzeit auf der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone lastet.

Der IWF hat die Spekulationen zurückgewiesen. "Es gibt keine Gespräche mit den italienischen Behörden über ein Programm für eine IWF-Finanzierung", sagte ein Sprecher des Währungsfonds am Montag.

Mit dem Kredit bekäme Monti zwölf bis 18 Monate Zeit, um Budgetkürzungen und wachstumsfördernde Reformen durchzubringen, ohne sich auf dem Anleihemarkt finanzieren zu müssen. Vergangene Woche musste Italien seinen Gläubigern bereits 6,5 Prozent Zinsen für eine sechsmonatige Anleihe bezahlen – doppelt so viel wie noch vor einem Monat. Schon diese Woche wollte Italien gemeinsam mit Spanien, Belgien und Frankreich Geldgeber für 19Milliarden Euro auf dem Markt finden.

Kaum Geldgeber für Rettungsschirm

Selbst wenn Italien für die dadurch erhofften acht Mrd. Euro Investoren findet, billiger wäre ein IWF-Kredit mit einem kolportierten Zinssatz von vier bis sechs Prozent allemal. Der sucht indes nach Möglichkeiten, die 600 Milliarden nicht allein stemmen zu müssen. Im Gespräch ist etwa eine Konstruktion, in der die Europäische Zentralbank (EZB) als Kreditgeber und der IWF als Bürge auftreten. Mit dem Währungsfonds als Kontrollinstanz an der Seite könnte auch Deutschland seine Vorbehalte gegen eine stärkere Rolle der EZB in der Eurorettung abbauen, zitiert die Zeitung einen IWF-Vertreter.

Unterdessen steigt der Druck auf die EZB, die sogenannte „Bazooka“ aus der Lade zu holen und de facto ohne Limit auf dem Sekundärmarkt Anleihen von europäischen Pleitekandidaten zu kaufen. „Der politische Druck auf die EZB ist derzeit enorm“, sagte der scheidende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark zur „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Es wird offen über eine Erweiterung unserer Aufgaben diskutiert“, erklärte er und warnte: „Das berührt nicht nur unsere Unabhängigkeit, sondern gefährdet sie.“ Berlin hat sich bisher klar gegen eine Ausweitung der Anleihenkäufe der EZB oder die Emission gemeinsamer europäischer Anleihen (Eurobonds) ausgesprochen.

Doch auch Angela Merkel weiß: Sollte Italien ein ähnliches Schicksal erleiden wie Griechenland, wird kein Rettungsschirm das Land auffangen können. Nach einem Bericht des „Spiegels“ verschärft sich dieses Problem zusehends, da der Rettungsschirm (EFSF) selbst kaum Geldgeber findet. Der Versuch, die verbliebenen Geldmittel von 250 Mrd. Euro auf über eine Billion zu hebeln, stehe vor dem Scheitern, berichtet das Magazin ohne Nennung von Quellen. Die potenziellen Investoren aus Asien seien zurückhaltend.

Berlin forciert schnelle Vertragsänderung

Die beiden größten Wirtschaften der Eurozone, Deutschland und Frankreich, treten unterdessen die Flucht nach vorn an. Statt auf den Europäischen Rat am 8. Dezember zu warten, wollen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy schon diese Woche einen neuen Euro-Stabilitätsvertrag vorlegen, berichtet die deutsche „Welt am Sonntag“. Da die nötigen Veränderungen an den EU-Verträgen zu langwierig seien, solle das Abkommen, das strenge Haushaltsvorgaben vorsieht, zunächst mit einzelnen Staaten unterzeichnet werden. Deutschland und Frankreich dementierten derartige Verhandlungen über einen „Klub der Super-Europäer“ innerhalb der Eurozone.

Auf einen Blick

Das hoch verschuldete Italien könnte schon bald einen 600Milliarden Euro schweren Kredit von IWF und EZB erhalten, berichtet „La Stampa“. Das entspricht etwa einem Drittel der Staatsschulden des Landes.

Kaum Geldgeber findet unterdessen die EFSF, die eigentlich als Rettungsanker für angeschlagene Eurostaaten geplant war.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.11.2011)

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43 Kommentare
 
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Gast: Aufklärung
28.11.2011 14:23
0

Vermögensschnitt

ist der einzige Ausweg.

Haircut führt zur Vernichtung des Anleihenmarktes - muss doch jedem klar sein!

Vermögen ist in den einzelnen Ländern genug vorhanden. Die unfähigen Regierungen wurden von der betroffenen Bevölkerung gewählt, somit ist falsche Zurückhaltung hier nicht angebracht.

Vermögenswerte über zb 10.000,00 EUR einziehen und fertig. Dies wird für einen ordentlichen Kater bei den Betroffenen sorgen und ist ein starkes Zeichen an alle anderen Völker und Regierungen, dass Konsumschulden nur in den Abgrund führen!

Antworten Gast: seltener Gast
07.12.2011 12:24
0

Re: Vermögensschnitt

sehr intelligenter Vorschlag -
nur dass er die Sparer und nicht die Konsumschuldner trifft.

Antworten Antworten Gast: Aufklärung
12.12.2011 13:34
0

Re: Re: Vermögensschnitt

Lieber den Sparen in den Schuldnerstaaten, als ALLE anderen Steuerzahler der restlichen Union.

Gast: dreamerinvienna
28.11.2011 11:15
1

rettungsschirm (EFSF)

der rettungsschirm findet keine geldgeber. wen bitte wundert das? jeder vernünftig denkende mensch konnte sich im vorfeld ausmalen, dass das ein debakel wird.

die märkte wollen die ezb in der verantwortung sehen. so wie in den usa. ob die europäischen politiker das will oder nicht. erst dann werden die finanzheinis halbwegs eine ruhe geben, denn dann wähnen sie ihr geld in sicherheit...

Das Drama war zu erwarten! Auf die Fachleute die vor Dieser "Währungsunion" gewarnt haben hat ja Keiner gehört!

Am Besten ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Das Ganze war nur dazu da, daß die Einen Die Anderen abzocken ! Avanti Spekulanti!

Gast: Defender
28.11.2011 09:47
0

ABGRUND wir kommen

mit VOLLGAS!

Bürgersklaven

ist doch recht praktisch:

Abhängigkeiten werden damit geschaffen, ein Ausscheren ist somit ausgeschlossen.

Wieviele Millionen an Bürgersklaven dieses verdammte Spiel noch fordert ist unklar, immer klarer hingegen wird, wohin die "Mächigen" sich hinbewegen wollen und die tun es mit aller "Gewalt".

Eine kleine Minderheit, verkauft ihren Plan als Notwendigkeit für die Wirtschaft und das Allgemeinwohl und reissen Millionen von Menschen mit!

Gast: Gegen globale Ausbeutung
28.11.2011 07:40
4

EU längst gleichgeschalten: Bilderberger, Goldman Sachs und Konsorten

Die Spitzen der EU sind bei den Bilderbergern, teils ausserdem bei Goldman Sachs. In den USA ist das Finanzministerium seit Jahrzehnten eine Zweigstelle von Goldman Sachs.
Ich weiss nicht was man gegen die systematische Machtübernahme und Ausbeutung dieser Kreise tun kann - wenigstens sollten die Menschen wissen was abläuft, dann wächst vielleicht langsam ausreichend Widerstand.

Gast: Korrupter
28.11.2011 07:10
1

Holt es doch bei denen die es haben

Ich weiß gar nicht was ihr habt ganz Europa hat 10 Billionen Euro Schulden da habe ich aber hoch gerechnet. Die Privatvermögen belaufen sich dagegen auf 48 Billionen Euro. Dann muss man auch nicht mehr in China oder sonstwo auf der Welt betteln gehen.Die Reichen müssen nur einen Bruchteil ihres Vermögens abgeben und alle sind gerettet.
Oder wir lassen alles vor die Wand fahren,die Guthaben bis zu 10.000 Euro kann jeder behalten(an die 100.000 Euro Einlagensicherung glaubt nicht einmal der Weihnachtsmann) und das andere wird gnadenlos eingezogen.

Re: Holt es doch bei denen die es haben

Immobilien haben i.A. einen Wert > 10.000€. Ziehen wir die auch ein?
Wobei ich als bekannt voraussetzen kann, dass das mit dem Kommunismus auch nicht so prickelnd war. Bitte einfach mal das Gespräch mit Leuten führen, die in diesem System gelebt haben.

Gast: DerPatriot
28.11.2011 07:06
0

ein genuß!

richtig schön zuzusehen wie die EU zugrunde geht und alle spielen mit.
wie dumme lemminge stürzen sie sich in den tod, ohne kompromiss und ohne nachzudenken.

es wird mit brutalster gewalt versuch die noch finanzstarken länder von denen es ohnehin sogut wie keines mehr gibt, bis auf den letzten tropfen auszusaugen um dann mit ihnen unterzugehen.
diese ganzen nicht vorhandenen milliarden bzw billionen wird täglich mehr aufgeblasen (siehe USA) was nur ein blödsinniges zeitschinden für das ohnehin unvermeidliche ist---> einem wirtschaftlichen supergau!!!

es sollte sich jeder schon so gut als möglich darauf vorbereiten.

Gast: mysterium
28.11.2011 06:28
4

Ich kann nur mehr sagen: Verbrecherbande!!!

Merkel bleib stark, bereit dem Wahnsinn ein Ende.

Antworten Gast: Korrupter
28.11.2011 07:42
0

Re: Ich kann nur mehr sagen: Verbrecherbande!!!

Vorallem haben wir schon lange Eurobonds ,die EZB kauft hat doch schon für über 200 Milliarden aufgekauft. Also wo muss Frau Ackermann stark bleiben?
Vorallem ist das nichts, jetzt gehts erst richtig los. Bezahlen müssen wir immer. So oder so. Da meine ich in erster Linie den kleine Mann den die FPÖ so hoch hebt. Auch Strache ist gegen eine Reichensteuer, ich frage mich wirklich von wem dieser Mann gesteuert wird. Dafür wählen ihn auch noch die armen Fuzzies aus dem Gemeindebau oder der Arbeiter auf der Baustelle. Das soll einer mal verstehen.

Antworten Antworten Gast: pächter der wahrheit
28.11.2011 09:18
0

Re: Re: Ich kann nur mehr sagen: Verbrecherbande!!!

Der HC wird von einem gewissen Don Alonso aus Kolumbien gesteuert.

Gast: gast456
28.11.2011 01:01
5

die italiener selbst

haben angeblich 500 mrd im ausland liegen und unzählige mrd in italien selbst

warum wird das nicht einkassiert?? warum werden nicht die italiener vor dem rest europas enteignet, denn diese rettungsschirme sind nichts anderes als eine riesige enteignungsaktion der durchschnittsbürger europas

das geld der italiener liegt in italien und im ausland liebe vertreter des iwf und der ezb, da braucht man nicht suchen, da braucht man nur rückgrat und man muss es von denen nehmen, die es haben

so unterstützt man die mafia, nicht nur die echte cosa nostra, sondern auch die geldmafia

ich habe keinen bock darauf, fußballmillionäre zu finanzieren

Antworten Gast: ocCupy
28.11.2011 06:55
3

Re: . . . die Zukunft ist schon verprasst - jetzt ist Zahltag

. . . nur eine Umverteilung via Einkommensteuer in allen Ländern und dann ein Kappen aller überdurchschnittlichen Einkommen bis das Land schuldenfrei ist, könnte Europa noch retten.

Antworten Antworten Gast: gert78922
28.11.2011 13:12
0

Re: Re: . . . die Zukunft ist schon verprasst - jetzt ist Zahltag

über das einkommen kann man das sicherlich nicht regeln, nur über die vermögen

die obersten 10% verfügen über 2/3 des gesamten vermögens, das oberste % verfügt über 1/3 des gesamten vermögens

über das einkommen kommt man nur an die unteren einkommensschichten, die superreichen werden dabei noch reicher

Antworten Antworten Antworten Gast: ocCupy
29.11.2011 03:43
0

Re: . . . die Pfründe- und Privilegienwirtschaft führte zu dem Schuldenberg

. . . das andere Problem ist der freie Markt, internationale Korporationen zahlen kaum Steuern.
Das Geld der Reichen landet in die 'tax-heavens'.

Re: Re: . . . die Zukunft ist schon verprasst - jetzt ist Zahltag

Kappen aller überdurchschnittlichen Einkommen?
Ich hoffe, es ist Ihnen bewusst, dass damit auch der "Durchschnitt" sinkt. Also kappen wir wieder alles darüber etc. etc.
Sollte nicht schwierig sein, den Grenzwert zu errechnen.

Wieviel sind Sie persönlich bereit für dieses so errechnete (offenbar "faire") Einkommen zu arbeiten?


Gast: Analyst 829
27.11.2011 22:06
0

Lassen wir den Unsinn mit den 600 Mrd. Euro, verbrennen wir nicht die letzen Reserven sinnlos, nur mit ANWENDUNG neuer Technologien kommen wir aus der Krise!

Die Bergung von Eros (20 Mrd. t Gold, 20 Mrd. t. Platin, 20 Mrd. t Aluminium, 40 Mrd. t andere auf der Erde seltene Metalle) kostet gerade mal 250 Mrd. Euro!

Damit löst man viele Probleme, das Gold könnte z. B. teure Kupferkabel ersetzen, (Preis pro Kilo - nicht Unze - von 3 Euro macht schon 20.000 Mrd. allein für das Gold), dank billigem Platin könnte sich endlich die Brennstoffzelle durchsetzen und die 20 Mrd. t Aluminium würden helfen nochmals viel Strom zu sparen.

Die EU ist nicht sinnvoll, wenn sie ständig nur irgend welche unhaltbaren Zustände länger aufrecht erhält.

Ein Zusammenschluss von Staaten in Europa macht nur dann Sinn, wenn dadurch Großprojekte durchgezogen werden, die sich kein einzelner Staat oder Investor sonst leisten könnte.

Beispielsweise ist auch das Vollkleckern der Landschaft mit hochsubventionierten Windrädern mehr als fragwürdig. Lösen kann man damit das Energieproblem nicht, lindern vielleicht, aber wir brauchen ja langfristige Lösungen und die bringt die Windkraft nicht, da sie einfach zu teuer ist pro Kilowattstunde.

Eine Lösung wäre z. B. ein Kraftwerk im Atlantik. Dort gibt es eine Stelle, wo Millionen Kubikmeter pro Sekunde 1000 m abstürzen. Der größte Wasserfall der Erde liegt im Atlantik. Machbar wäre eine Staumauer - einfach ein Netz aus Kühlschläuchen, kühlen, Eiswand so errichten und am Boden kommt die Turbine aus Beton und Stahl.

Kosten nur 300 Mrd. Euro incl Verkabelung, der Strom reicht aber für ganz Europa und die USA.

Gast: Humpelstilzchen
27.11.2011 21:54
5

Wie lange wird es dauern bis die Massen verstehen was hier ablaeuft?

Ist ja nicht neu in der Geschichte dass fuer eine sehr kleine Schicht Politik gemacht wird und die Massen ausgebeutet werden.

Witzigerweise kann man selbst an sich intelligenten Leuten dank der Kontrolle ueber die Medien eine "heile Welt" vorgaukeln. Die Menschen wissen nicht wer die Sklaventreiber sind und wie sie agieren. Wer an der verbreiteten Verdummungspropaganda zweifelt ist ein Verschwoerungstheoretiker - also es wurde dafuer gesorgt Denkende laecherlich zu machen.

Der kommunistische Terror in Osteuropa ist vorbei. Der neue Weg ist die voellige Kontrolle durch Privatbanken, ausgehend von den USA. Den Leuten dort geht's allerdings auch nicht besser, und auch sie wissen nicht wer ihre Feinde sind.

Antworten Gast: opPosition
28.11.2011 07:29
1

. . . es fehlt die Opposition, unabhängige Medien

. . . so dürften Mediun keine bezahlten Einschltungen öffentliche Ämter und Institutionen akzeptieren.

Gast: bob.2
27.11.2011 21:53
2

600 Milliarden Euro für Italien

Für ein Land das die größten Goldreserven in der EU hat und unsere dummen Politiker lassen sich Auszuzeln die Fekter wird wider sagen wir helfen gerne wir haben ja genug Geld

600 mrd euro

Ich bin froh dass die eu nur 600 mrd eur für italien "sucht" !!!

Das kann doch kein Problem sein, diesen Mickey Mouse Betrag hat sicher jemand unterm Bett liegen!

Bravo Herr Baroso, Sie sind eine richtige Vollflasche!

Re: 600 mrd euro

Es ist nicht die EU, die diesen Betrag "sucht", sondern der IWF!

Aber der Betrag ist schon sehr bedeutend. Man stelle sich vor 10.000 € für jeden Italiener!!! Einfach unglaublich!!!

 
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