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Obama-Berater: Euro gefährdet Frieden in Europa

16.12.2011 | 18:39 |  NIKOLAUS JILCH (Die Presse)

Der Euro sei direkt verantwortlich für die Schuldenkrise, sagt Harvard-Ökonom Feldstein. Die Währung würde den Frieden nicht sichern, sondern Konflikte schüren.

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Wien. Geht es um die Krise des Euro, sind Politiker nicht um dramatische Worte verlegen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat schon mehrmals gewarnt: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“ Von vielen Politikern und Notenbankern wird hingegen bestritten, dass es überhaupt eine Krise des Euro gibt. Sie verweisen lieber auf die Vorteile der Währungsunion: kein Geldwechseln in Europa, niedrige Inflation – zumindest bis 2010.

Altkanzler Helmut Kohl sagte erst kürzlich, der Weiterbestand des Euro sei „eine Frage von Krieg oder Frieden“. Auch Kanzler Werner Faymann spricht gern von der „Friedenswährung Euro“.

 

Der Euro als Politikerprojekt

Aber stimmt das? Ist der Euro, sind die Euro-Rettungspakete tatsächlich „alternativlos“? Der deutsche Liedermacher Funny van Dannen hat schon vor zehn Jahren gefragt: „Der Rummel um den Euro – ist das die Sache wert?“

Nein, sagt Martin S. Feldstein, Obama-Berater, Harvard-Ökonom und Vorsitzender des National Bureau of Economic Research (NBER), der größten wirtschaftswissenschaftlichen Einrichtung in den USA.

Feldstein hat Entstehung und Auswirkungen des Euro in einem Paper analysiert und zieht eine vernichtende Bilanz: Der Euro befinde sich nicht nur in einer Krise, er sei auch die Ursache der Schuldenkrise in Europa.

„Die Schaffung des Euro sollte heute als ein Experiment erkannt werden, das zu Schuldenkrisen in mehreren Ländern, dem fragilen Zustand wichtiger europäischer Banken und hoher Arbeitslosigkeit geführt hat“, so Feldstein. Das Auftreten dieser Probleme sei kein Unfall, sondern die „direkte Konsequenz“ der Währungsunion.

Feldstein beschreibt die Entstehung des Euro als ein Projekt europäischer Politiker, die – geblendet vom Traum einer Großmacht Europa – ökonomische Bedenken immer wieder beiseitegeschoben haben, um ihr Ziel zu erreichen. Als zentrales Element auf dem Weg zum Euro identifiziert Feldstein einen Report des damaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Delors („Ein Markt, ein Geld“) aus dem Jahr 1990.

„Der Report bringt das fadenscheinige Argument, dass eine Freihandelszone nur mit einer gemeinsamen Währung funktionieren kann. Aber weder ökonomische Logik noch unsere Erfahrungen können diese Aussage belegen. Die EU hat bis heute eine Freihandelszone, aber nur 17 von 27 Ländern nutzen den Euro.“

 

Fiskalunion verstärkt Konflikte

Länder mit eigener Währung können sich durch Inflation eines Teils ihrer Schuldenlast entledigen. Südeuropäische Staaten haben diesen Weg immer wieder beschritten, weshalb Geldgeber sie nur zu hohen Zinsen mit Kredit versorgt haben. Die Einführung des Euro hat die Zinsen aber gedrückt. „Regierungen und private Haushalte haben auf diese niedrigen Zinsen mit stärkerer Verschuldung reagiert.“ Das passierte in Ländern wie Italien, Griechenland, Spanien und Irland, schreibt Feldstein.

Die jetzt angebotenen Lösungen würden aus dem Euro ein Projekt machen, das nicht den Frieden sichert, sondern die Konflikte in Europa anheizt: „Manche wollen die Krise nutzen, um eine politische Union voranzutreiben. Am Anfang nennen sie es noch Fiskalunion. Aber politische Rücktritte und Demonstrationen auf den Straßen zeigen, wie sehr die Griechen ein wirtschaftliches Diktat ablehnen.“

Auch viele Deutsche wollten keine Transferzahlungen an andere Länder. Die Einführung des Euro habe „Konflikte geschaffen, die sonst nicht bestehen würden. Weitere Schritte in Richtung Fiskalunion würden diese Konflikte nur verschärfen“, so Feldstein.

Mehr noch: „Einige Länder hätten weniger Arbeitslosigkeit, weniger Schulden und bessere Aussichten, hätten sie den Euro nie eingeführt.“ Ein Zerbrechen der Eurozone wäre freilich teuer, gesteht Feldstein ein. Die Politiker hätten diese Kosten bei der Einführung bedenken sollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2011)

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30 Kommentare
 
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Gast: Pensador
21.12.2011 11:42
0 0

Das Wesentliche richtig erkannt.

Man müsste auch in Europa Leute wie Feldstein haben, die das Wesen der Fehlentwicklung erkennen und es auch ohne
dumme pseudo-"wissenschaftliche" Umschweife sagen.
Pragmatisches Denken, made in USA.

Recht hat er, der Herr Feldstein.


Gast: General-Investiagtion
17.12.2011 19:10
0 0

Seltsam...

...wo doch die Krise in den USA angefangen hat und dort die Börsianer und Banker den Hals nicht voll genug bekommen konnten. Und nun sind es Ratingagenturen aus den USA, die europäische Länder abstufen - wem also nützt es, sollte die Frage lauten!
Und wenn wir schon dabei sind: Die USA sind faktisch doch pleite, warum kommt von da überhaupt Kritik?
Das der Euro Mist ist, wissen wir Bürger der EU Staaten schon lange, bei uns hapert es nur am Verstand der Politiker, die das einfach nicht begreifen das man nicht mehr Geld ausgeben kann als man hat. Irgendwann ist das Schluss mit Lustig und eben dieser Zeitpunkt ist nun erreicht.

Ob also ein US Amerikaner sich dazu äußert oder plumps...es ist völlig egal.

Gast: gasto
17.12.2011 18:36
1 0

>Euro gefährdet Frieden in Europa<



>Dollar gefährdet Frieden global - und das beginnend seit dem 19. Jh. <

Kriege, Kriege, Kriege, Kr . . .

Gast: Koki
17.12.2011 17:05
0 0

wiedervereinigung

die deutsche wiedervereinigung hat doch gezeigt, was passiert, wenn man völlig verschiedene volkswirtschaften zusammen schaltet! mit einem solidarbeitrag finanzieren die deutschen heute noch dieses pilotprojekt, das auch auf europäischer ebene nicht funktioniert. den solidarbeitrag dafür zahlen wir jetzt alle! feldstein hat recht!

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Re: wiedervereinigung

Meine Güte, was für ein Schwachsinn !!!

So ist es. Feldstein hat recht.

Wahnsinn, wie immer falschere Entscheidungen durch die EU-Politiker uns immer tiefer in den Sumpf reißen.

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Re: So ist es. Feldstein hat recht.

Da geht der Schwachsinn weiter.
Haben Sie noch nicht begriffen, dass es in Europa ausschließlich die veranrwortlichen Politiker der Einzelmitgliedsstaaten und Nicht "EU-Politiker" waren, die uns in den Sumpf gerissen haben ????

Re: Re: So ist es. Feldstein hat recht.

das ist wirklich naiv.

EU-Politiker und Nationalpolitiker sind eins,

alle aus demselben Stall.

EU-Politiker und Nationalpolitiker sind eins.

Alles aus demselben Stall.

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Re: EU-Politiker und Nationalpolitiker sind eins.

Und aus welchem Stallgebäude kommen Sie ?????

Re: Re: EU-Politiker und Nationalpolitiker sind eins.

Nicht aus dem Stall der Alternativlosigkeit, ich denke immer in Varianten.

Gast: Oesterreicher1
17.12.2011 12:02
0 0

Ablenkungsmanöver

Das ist klassisches Ablenkungsmanöver von den Problemen im eigenen Land. Das Argument mit der Inflation solange eine eigene Währung besteht stimmt im EU-Raum schon lange nicht mehr. Schon lange vor der Euro-Einführung waren praktisch alle Länder mit quasi fixen Wechselkursen aneinander gebunden.

Wer Augen hat zu sehen, weiß längst, dass es genau so ist, wie es Feldstein hier schreibt!

Auch deutsche Ökonomen, am lautesten der Chef des IFO-Instituts in München, Hans Werner Sinn, haben das schon immer gesagt, wurden aber immer wieder von Politikern und ihren Mitläufern niedergeschrieen!!

0 0

Feldstein

Ein solcher ist nicht unbedingt der Stein der Weisheit, sondern Ausdruck einer ganz bestimmten Interessenslage.

Entfernen Sie den Balken vor Ihren Augen.

Sie liegen komplett daneben.

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Bla, bla, bla

Die Finanzwelt sollte aufpassen, dass nicht das Volk den Druck auf die Politk erhöht!

Abwarten und Tee trinken.

Den Finanzhaien ins Stammbuch geschrieben: Treiben sie es nicht zu bunt!

Gast: frank678
17.12.2011 01:04
2 0

schon klar, dass die amis das so sehen

wäre doch so fein für die usa, gäbe es nur den us$

schuld an der missere sind dei amerikaner , die den kapitalmarkt derartig liberalisierten, dass iher banken 2007 den bach runter gingen, nicht zu vergessen, dass die amerikanischen ratingagenturen bis zuletzt lehman& brothers bestnoten ausstellten und dann ging die bank pleite, darauf mussten die europäischen staaten viel geld zur bankenrettung aufbringen, was dann in weiterer folge zu der jetzigen krise führte

Re: schon klar, dass die amis das so sehen

ich denke man sollte auch mal darauf hinweisen dass die sub-prime krise 2008 auch und vor allem international wurde weil die ach so tollen leute aus london massiv geholfen haben diese CDSs aus den USA zu verkaufen.

4 1

EURO GEFÄHRDET FRIEDEN IN EUROPA ?

Herrn Feldstein muss man zuerst fragen, welche Art Pilze er zum Frühstück hatte ? Wenn er Obama berät, ist der Misserfolg der amerikanischen Wirtschaftspolitik freilich verständlich.

1) Nicht der EURO hat zur Schuldenkrise geführt, sondern die Tendenz der Politiker den Wohlfahrtstsaat zwecks Stimmenkaufes immer weiter auszudehnen.

2) Die Meinung dass die Länder mit eigener Währung , ihre Schuldenlast durch Deflationierung ihrer Währungen lösen sollten
zeugt von mangelndem Wirtschaftsverstand.
( Damit ist Herr Feldstein aber nicht alleine, sondern befindet sich in guter Gesellschaft mit allen führenden Politikern)
Dieser Weg wird in der USA und auch in Europa zum Untergang des Dollar und Euro füren.
Daran ist aber der Euro nicht schuld , sondern falsche Wirtschaftspolitik.

3) Die Griechen demonstrieren nicht gegen ein wirtschaftliches Diktat aus Europa, sondern gegen den Verlust von Privilegien.
Natürlich bringt die jetzt notwendige Sanierung soziale Verwerfungen mit sich, aber die Griechen haben ja auch lange genug gut auf Kosten der Nettozahler in der EU gelebt.
Dagegen haben sie nicht auf der Strasse protestiert.

4) Die gegenwärtigen Krisen sind nicht das Resultat zu geringer Regulierungen , sondern von zuviel Einmischung der Politik in die Wirtschaft. Bailouts sind Sozialismus, Konkurs ist Kapitalismus , jeweils als Folge von Misswirtschaft.

5) Verstand ist die Fähigkeit Ursache und Wirkung zu erkennen ( Schopenhauer)
Daran mangelt es Herrn Feldstein offenbar

Antworten Gast: dgzj
17.12.2011 11:13
1 0

Re: EURO GEFÄHRDET FRIEDEN IN EUROPA ?

Feldstein schreibt nirgends, dass Schulden durch Deflationierung der Währung gelöst weren SOLLTEN, er sagt dass Staaten sich durch Inflation eines Teils ihrer Schuldenlast entledigen haben. Und das ist Tatsache.
Anderen das Wort verdrehen und dann wenig Verstand unterstellen - toll!

Re: EURO GEFÄHRDET FRIEDEN IN EUROPA ?

Feldstein hat Recht, dass die niedrigen Zinsen zur Kreditlawine geführt haben. Er muss aber dazusgen, dass die FED die Wurzel dieses größten aller Übel ist. Durch die niedrigen Zinsen der Fed haben sich weltweit die Notenbanken zu niedrigen Zinsen veranlasst gesehen (was auch deren Versagen ist, sie hätten den Dollar abstürzen lassen sollen). Die niedrigen Zinsen der EZB haben zu den Schuldenbergen in Europa geführt, auch bei uns. Dass die Politiker bei Freibier (niedrige Zinsen) gerne zugreifen ist logisch, aber auch als deren Schuld zu sehen.

Gast: Obiurbi
16.12.2011 20:24
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Hier irrt Herr Feldstein

Die derzeitige Eurokrise ist eine Krise der Staatsverschuldung, die wiederum auf die milliardenschweren Rettungen der EU-Nationalstaaten zur Rettung ihrer Banken aufgebracht wurden. Und die wiederum sind letztlich durch die US-Subprimekrise, Derivate und unregulierte Finanzmärkte mit ungezügelter Raffgier in diese Schieflage gekommen , angefacht durch die Finanzmafia aus der NY-Wallstreet und London. so machen es UK/USA: erst ein Haus anzünden und dann sagen: Der Brandschutz lässt zu wünschen übrig

Re: Hier irrt Herr Feldstein

Bei der durch ein Gesetz von Bill Clinton erzwungenen Erzeugung von "giftigen" Schuldverschreibungen haben sich besonders die damals halb, inzwischen ganz staatlichen US-Immobilienbanken Fannie.mac und Freddie.mae hervorgetan. Sie waren es auch, die diese in undurchschaubare Bündel, mit denen sogar die Rating-Agenturen getäuscht wurden, verpackt und staatsgläubigen Banken in Europa angedreht haben.
Als die Politiker die von ihnen abhängigen Banken (private waren kaum betroffen) retten mussten, haben sie den Staatsschuldenstand um höchstens 10 Prozent des BIP erhöht. Das führte nur deshalb zur Staatsschuldenkrise, weil die Schuldenlast schon vorher bis zum "geht nicht mehr" aufgehäuft worden war und das volle Fass jetzt überlaufen musste.
Jetzt reden sich die Politiker auf "unregulierte Finanzmärkte mit ungezügelter Raffgier" aus, um den Leuten Sand in die Augen zu streuen und sich selbst als unschuldig hinzustellen!

Antworten Gast: rico
16.12.2011 21:19
0 0

Re: Hier irrt Herr Feldstein

100%richtig

 
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Hobbyökonom