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Oetker lässt NS-Vergangenheit aufarbeiten

11.01.2012 | 15:51 |   (DiePresse.com)

Lange hat man sich im deutsche Konzern gesträubt, seine NS-Geschichte wissenschaftlich aufzuarbeiten. Jetzt sind die Archive offen.

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Der deutsche Oetker-Konzern lässt seine Geschichte im Nationalsozialismus wissenschaftlich aufarbeiten. Der Forschungsauftrag an die Universität Augsburg werde seit 2009 umgesetzt und ende im Juli, sagte Konzernsprecher Jörg Schillinger. Er bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Die Ergebnisse würden voraussichtlich 2013 veröffentlicht. Sensationelle Enthüllungen seien nicht zu erwarten, betonte Schillinger. Das Nahrungsmittelunternehmen sei nicht kriegswichtig gewesen und habe kaum Zwangsarbeiter gehabt.

Ähnlich äußerte sich der Projektleiter Professor Andreas Wirsching. Der Historiker, seit 2011 Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München, sagte der Zeitung, das Firmenarchiv sei uneingeschränkt zugänglich gewesen. Das Unternehmen bewegte sich nach seinen Worten "im Mainstream dessen, was Unternehmen im NS-Staat getan haben". Anders ausgedrückt: Das Bielefelder Unternehmen passte sich an und versuchte ohne Berührungsängste, die Chancen zu nutzen, die sich aus der politischen Situation ergaben.

Unternehmerpaar starb bei Bombenangriff

AP Photo/Oetker Oetker

AP Photo/Oetker Oetker

Leiter des Unternehmens war in diesen Jahren Richard Kaselowsky, der die Witwe des 1916 im Ersten Weltkrieg gefallenen Rudolf Oetker geheiratet hatte. Kaselowsky war seit 1933 NSDAP-Mitglied. Er und seine Frau starben 1944 bei einem alliierten Bombenangriff in Bielefeld. Damals war Rudolf-August Oetker (1916-2007) ein junger Mann und Kaselowsky für ihn wie ein Vater, der das Unternehmen weiter ausgebaut hatte. So lässt sich seine Abneigung erklären, die NS-Geschichte aufarbeiten zu lassen. In dem Zeitungsbericht nannte Historiker Wirsching den Sinneswandel im Hause Oetker, die eigene Geschichte nun endlich erforschen zu lassen, einen "Paradigmenwechsel".

Was bisher über das Bielefelder Unternehmen in diesen Jahren bekannt war, hat zu wesentlichen Teilen der Autor Rüdiger Jungbluth zusammengetragen. Der musste bei seinen Recherchen noch ohne die Oetker-Archive auskommen. Dessen Buch "Die Oetkers" beschreibt Kaselowsky als Unternehmer, der sich ohne Probleme in den neuen nationalsozialistischen Kreisen bewegte.

Mitglied in Himmlers "Freundeskreis"

Er gehörte zu einem exklusiven Zirkel von Unternehmern, dem "Freundeskreis des Reichsführers SS", Heinrich Himmler. Der sammelte eifrig Spenden und auch Kaselowsky habe zweimal 40.000 Reichsmark aus der Firmenkasse überwiesen. Zudem habe er als Aufsichtsratschef des zu Oetker gehörenden Druck- und Verlagshauses E. Gundlach AG dafür gesorgt, dass die florierenden "Westfälischen Neuesten Nachrichten" in die Hand der Nationalsozialisten kamen. Die NSDAP habe sich dankbar gezeigt und dem Verlag später umfangreiche Druckaufträge erteilt, schrieb Jungbluth.

(Ag.)

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