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Die Schweiz steht schon seit neun Jahren auf der Schuldenbremse

12.01.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

Budgetsanierung. Für die Schuldenbremse braucht man nicht die Verfassung, sondern den richtigen Sparwillen, sagt WKO-Präsident Christoph Leitl. Als Beispiel könnte die Schweiz dienen, deren Schuldenbremse seit sieben Jahren ununterbrochen für Budgetüberschüsse sorgt.

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Wien/Ju. Die Regierung solle sich nicht in endlosem Gefeilsche um eine Verfassungsmehrheit für die geplante Schuldenbremse verlieren, sondern diese „auf der derzeitigen gesetzlichen Basis“, dafür aber sofort, anziehen, verlangt der Präsident der Wirtschaftskammer, Christoph Leitl. Die Märkte ließen sich nur durch Taten und „nicht von dem überzeugen, was in der Verfassung steht“, sagte Leitl am Donnerstag. Und: Es sei angesichts der schwierigen Situation in einigen Nachbarländern „höchste Zeit“, diese Taten zu setzen.

Wie es geht, könne man sich ruhig von der Schweiz abschauen, meinte der Wirtschaftskammer-Präsident. Die Eidgenossen haben nach einem scharfen Anstieg der Staatsverschuldung in den Neunzigerjahren schon 2003 eine Schuldenbremse im Verfassungsrang installiert. Eine, die wesentlich ambitionierter als die in Österreich geplante ist, weil sie Budgetdefizite nur noch in Ausnahmefällen zulässt und für diesen Fall zwingend deren Ausgleich durch Überschüsse innerhalb der nächsten drei Jahre vorschreibt. Und eine, die bestimmt, dass unerwartet hohe Steuereinnahmen (wie etwa 2009) nicht für Mehrausgaben, sondern für den Schuldenabbau verwendet werden müssen.

(c) DiePresse

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Gewinn aus der Bankenrettung

Vor allem aber eine, die phänomenal wirkt: Seit sieben Jahren hat der Bund ausnahmslos Budgetüberschüsse erwirtschaftet. Auch in der Krise, in der die Großbank UBS mit einem zweistelligen Milliardenbetrag gerettet werden musste. Allerdings waren die Eidgenossen auch bei dieser Bankenrettung eine Spur schlauer als die übrigen Europäer. Die UBS bekam nicht Partizipationskapital, sondern eine Wandelanleihe, die in Aktien gewandelt wurde – und dem Bund beim Ausstieg dann 1,2 Mrd. Franken Gewinn bescherte.

Die Schweiz hat mit ihrer Schuldenbremse die Staatsverschuldung jedenfalls nicht nur in Relation zum BIP (von 57 auf 42 Prozent), sondern auch in absoluten Zahlen abgebaut. In Österreich ist die offizielle Staatsschuld gleichzeitig von 60 auf über 70 Prozent des BIPs gestiegen, mit den ausgelagerten Schulden liegt sie bereits jenseits von 80 Prozent.

Vor allem aber: Die Schweiz hat die Staatsschuldenreduktion zu 100 Prozent durch Einsparungen erreicht, wie der Bankexperte der Schweizerischen Volkspartei, Hans Kaufmann, betonte. Einnahmenseitige Sanierungen (durch Steuererhöhungen) hätten noch nirgends funktioniert, wenn nicht mindestens zwei Drittel des benötigten Volumens durch Kostensenkungen hereingebracht würden, sei eine Sanierung zum Scheitern verurteilt, sagte Kaufmann in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Leitl.

Und wo haben die Schweizer gespart? Es habe ein ganzes Bündel an Maßnahmen gegeben, sagte Kaufmann. Größere Einsparungen habe man etwa bei den Ausgaben für Landesverteidigung und Landwirtschaft erzielt. Bildung und Forschung seien von den Sparmaßnahmen ausgenommen worden. Das effektive Pensionsantrittsalter liegt in der Schweiz übrigens um fünf Jahre über dem österreichischen (bei 63 Jahren), obwohl das gesetzliche Antrittsalter (65 für Männer, 63 für Frauen) nicht wesentlich abweicht. Auch das bringe große Einsparungen.

Eigentlich, so Kaufmann, sei die Sache sehr einfach. Man müsse nur zwei Dinge beachten: Erstens müsse man akzeptieren, dass auch ein Staat auf Dauer nicht mehr ausgeben als einnehmen kann. Und zweitens müsse das Sparziel weitgehend auf der Ausgabenseite erreicht werden.

„Gehen wir es auch bei uns an“, meinte Leitl dazu. Fünf Prozent Einsparung bei Bund, Ländern und Gemeinden müssten ohne Steuererhöhungen drin sein. Und das wäre schon eine gewaltige Entlastung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2012)

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12 Kommentare
Gast: wilfried thöni
13.01.2012 12:04
1 0

Zur Schweiz!

Wie machen das die Schweizer?

Beim Schreiben über eine "Schuldenbremse" bitte nicht Mathematik und Buchhaltung vergessen.

http://derstandard.at/1323916683867/Staatsschulden-Der-Rechenfehler-der-Schuldenbremser

http://www.youtube.com/watch?v=juQc0rLdB-E

Gast: fakten,fakten,fakten
13.01.2012 09:06
0 0

schuldenbremse jetzt

dringend einführen. Einsparpotential gibts genug.

ich bin aber auch für die steuererhöhen punkto vermögen (im vergleich dazu steuern auf arbeit runter). erbschaftssteuer dringend einführen (erben ist keine Leistung!)

0 0

Hofrat Hemmungslos u. die Landesfürsten wird das nicht beeindrucken !

Denn man kann nie genug schwer überbezahlte Staatsdiener haben. Ausserdem müssen brave Parteisoldaten in staatsnahen Betrieben zu "Müllionären" gemacht werden.

Somit ist die Anzahl der zynischen Steuerzahlerverachter stets grösser als die Vernunft.

Nur ein Schweizer Polit-System kann diese Bösartigkeit stoppen !!

Gast: fredson
12.01.2012 19:33
1 2

.....

Vor neun Jahren hatte Ö 60% und die CH 57% Schulden. Fast auf gleichem Niveau.
Jetzt neun Jahre später hat Ö 70% (ohne ausgelagerte Schulden) und CH 42% Schulden.
Was ist passiert?
Ein Land ging in die EU das andere nicht.

Warum kann es nicht eine Skandinavische (Nord)Union, eine Alpen (Mitte)Union und eine Süd Union geben die dann Jahrzehnte später zur EU fusioniert wenn alle Ihre Hausaufgaben gemacht haben?!

Antworten Gast: oberon 12
13.01.2012 11:25
1 0

Re: .....

In einer alpen-Mitte-Union sehe ich überhaupt keinen sinn.
v.a. wird CH wieder nicht dabei sein.

Antworten Gast: fakten,fakten,fakten
13.01.2012 09:03
0 0

Re: .....

sorry aber das ist einfach nicht der tatsächliche grund. der grund steht eh im artikel: die schuldenbremse

wenn die klug gemacht wird, schauts in österreich auch rosiger aus.

und das hat mit der eu wenig zu tun. die schweizer haben einige vorteile, aber viel mehr nachteile, dass sie nicht in der eu sind. beispielsweise eigene währung die ständig aufwertet (schlecht für den Export), extrem hohe Preise im Supermarkt (hilft nur den Bauern, schadet der Mehrheit) oder ein geringeres wirtschaftswachstum seit 1994 im Vergleich zu Ö.

Antworten Antworten Helvetier
13.01.2012 11:51
0 0

Re: Re: .....

Ihren Absätzen eins und zwei stimme ich zu (siehe auch mein Kommentar von 07:54h).

Anderer Meinung wäre ich hingegen in Bezugnahme auf Absatz drei: Ob die CH durch das Abseitstehen nun mehr Vor- oder aber mehr Nachteile hat, kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist aber, dass das eidgenössische Wachstum gerade in den vergangenen Krisenjahren stärker war als das europäische. Zudem wird die Frankenstärke mittel- bis langfristig das Wachstum beschleunigen und kaum hemmen, denn die Unternehmen sind zu vermehrter Innovation und Überprüfung ihrer Kostenstruktur angeregt. Vergleichen Sie das bitte einmal (vielleicht waren Sie schon mal dort) mit Regionen wie dem süditalienischen Apulien, etc...

Noch eine letzte Bemerkung: Was uns Schweizern auf jeden Fall geblieben ist, sind die Möglichkeiten der direkten Demokratie. Dies ist gemäss einhelliger schweizerischer Mehrheit auch das Wichtigste - wohl nicht zu Unrecht. Dies ist letztlich wohl auch die Begründung dafür, weshalb die CH nie der EU beigetreten ist. Die Schweizer werden einem solchen Beitritt auch in Zukunft wohl nie ihren Segen geben wollen, wenn dafür die Institution der direkten Demokratie geopfert werden müsste.

Antworten Antworten Antworten Gast: fakten,fakten,fakten
13.01.2012 13:06
0 0

Re: Re: Re: .....

das mit der direkten demokratie empfinde ich auch als positiv. ich glaube jedoch, dass diese form in Ö nicht sofort umsetzbar ist. Da müsste erst sehr viel aufklrärungs- und bildungsarbeit geleistet werden bzw. Krone, Heute und Österreich eingestanzt werden.

betreffend wirtschaftswachstum habe ich die gesamte periode seit 1995 gemeint. die momentane phase schaut bei euch wirklich rosig aus (das schiebe ich u.a. auch auf die Schuldenbremse).

wo die Schweiz aber glaube ich schon leidet ist die Tatsache, dass ihr viele Verträge mit der EU übernehmen "müsst" (etwas überspitzt formuliert) ohne selbst mitbestimmt zu haben. auf eine gewisse art und weise ist die Schweiz längst in der EU hat aber in vielen Bereichen kein Mitspracherecht

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Walti
13.01.2012 15:31
0 0

Re: Re: Re: Re: .....

Wieviel Mitspracherecht hat Ö ???

keines ?? oder haben wir freiwillig
darauf verzichtet !!
Den Anschein erweckt jedenfalls unsere Polit- " Elite "

Antworten Antworten Antworten Antworten Helvetier
13.01.2012 15:03
0 0

Re: Re: Re: Re: .....

Vielen herzlichen Dank für Ihre Reaktion.

Ich stimme Ihnen diesmal in allen Punkten zu.

Vielleicht noch zu Ihrem 3. Absatz eine kurze Bemerkung: Ich denke, dass es doch ziemlich unrealistisch wäre davon auszugehen, dass ein relativ bevölkerungsarmes und geographisch äusserst zentral gelegenes Land einen völlig (!) autonomen Weg gehen könnte, wenn sich gleichzeitig dutzende von Nationen rings herum zu einer intensiven (zu intensiven?) Zusammenarbeit und Integration entschliessen. Dies ist dem Schweizer Stimm- und Wahlbürger durchaus bewusst, nicht erst seit heute. Er wählte stattdessen einen (wie wir sagen) typisch helvetischen Kompromiss. Man darf dabei jedoch nicht ausser Acht lassen, dass die ökonomische Abhängigkeit der CH von Europa dank dreier Umstände (CH ausserhalb der EU, stark wachsende Märkte in Asien und Südamerika, Freihandelsabkommen zwischen der CH und z.B. China, Indien, etc.) auch in Zukunft abnehmen wird. Zur Zeit gehen noch ca. 60% der schweizerischen Exporte in die EU. Dieser Wert wird in den nächsten 10 Jahren abnehmen. in Bezugnahme auf Österreich: Dort wird diese Quote wohl (leider) auf hohem Niveau bestehen bleiben - zu Ungunsten Österreichs (?)

Vielleicht sehen Sie es ja ähnlich...?

Mit besten Grüssen.

Antworten Helvetier
13.01.2012 07:54
0 0

Re: .....

Ihre Schlussfolgerung, dass ausschliesslich der österreichische EU-Beitritt und der eidgenössische Nicht-Beitritt die unterschiedliche Entwicklung der Staatsschulden erklärt, greift mir zu kurz. Andere, möglicherweise wichtigere Punkte spielten wesentlich mit...

Im Übrigen muss ich Sie wohl enttäuschen: Die Schweizer würden auch von einer allfälligen "Alpen-Union" dankend die Finger lassen...

Mit besten Grüssen.