Nach den Herabstufungen durch US-Ratingagenturen wurde in der Vergangenheit der Ruf nach einer europäischen Ratingagentur immer lauter. Diesbezügliche Bemühungen gestalten sich schwierig. Vorigen Sommer hat die Unternehmensberatung Roland Berger ein Initiative zur Gründung einer Ratingagentur gestartet. Dafür wollte sie bis Ende des Jahres 2011 rund 300 Millionen Euro auftreiben. Das ist nicht gelungen, berichtet die "Financial Times Deutschland".
Der Initiator des Projekts, Berger-Partner Marks Krall, will das nötige Geld nun in den nächsten drei bis vier Monaten beschaffen und ist optimistisch: "Wir haben genügend Interessenbekundungen, "nun geht es daran, die grundsätzliche Bereitschaft der Investoren, mitzumachen, in rechtlich verbindliche Zusagen zu verwandeln."
Neues Geschäftsmodell
Krall will das Projekt finanzieren, indem er sich von 30 Investoren und Banken je 10 Millionen Euro in Form von Mezzanin-Kapital holt. Die Ratingagentur soll als Stiftung organisiert sein und sich nach drei bis fünf Jahren selbst tragen. Die Motivation für die Investoren "soll in erster Linie keine ökonomische, sondern eine politische" sein, sagte Krall. Und weiter: "Die Frage ist: Wollen wir eine europäische Agentur oder nicht."
Laut Financial Times gilt das Projekt der Unternehmensberatung Berger als das realistischste unter mehreren Versuchen, eine europäische Ratingagentur zu gründen. Auch die deutsche Bundesregierung unterstützt es.
Das Geschäftsmodell der geplanten europäischen Ratingagentur soll vom bisher üblichen abweichen. "Ein Hauptproblem liegt darin, dass bislang die bewerteten Unternehmen und die Banken selbst die Ratings bezahlen. Wir wollen stattdessen die Investoren bezahlen lassen, die diese Ratings auch nutzen", sagt Krall der Süddeutschen Zeitung. Den bisher bestehenden Agenturen wird häufig vorgeworfen, bei ihren Einschätzungen parteiisch zu sein, weil sie ihre Geldgeber nicht vor den Kopf stoßen wollen.
(md)
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