Hedgefonds drohen Griechenland

Statt einem Schuldenschnitt zuzustimmen, wollen einige Hedgefonds vor Gericht ziehen. Die griechische Regierung hofft nun auf eine Einigung in letzter Minute.

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(c) EPA (ALKIS KONSTANTINIDIS)

Wien/Jil/Ag. Die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern über eine Beteiligung bei einem Schuldenschnitt sind fest gefahren. Die griechische Regierung hofft nun auf eine Einigung in letzter Minute. „Viele Dinge müssen bis morgen Mittag abgeschlossen werden“, sagte Finanzminister Evangelos Venizelos am Donnerstag. „Denn es muss bis Montag offiziell gemacht werden, wenn ich zum Treffen der Euro-Gruppe fahre.“

Ob dies gelingt, ist mehr als fraglich. Denn eine Gruppe internationaler Hedgefonds nimmt Griechenland jetzt in die Zange. Diese wollen als Gläubiger des Landes nicht nur einen Schuldenschnitt verhindern – sie wollen das Land sogar verklagen. Das berichtet die „New York Times“. Eigentumsrechte sind in der EU Menschenrechte. Deshalb wollen die Fonds vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen, sollten sie per Gesetz zu einem Schuldenschnitt in Griechenland gezwungen werden. Scheitern die Verhandlungen an den Hedgefonds, könnte Griechenland in einen Staatsbankrott schlittern. Und zwar – laut den Ratingagenturen S&P und Fitch – schon am 20.März.

 

USA lässt IWF abblitzen

Die USA und wichtige Schwellenländer lassen indes den Internationalen Währungsfonds (IWF) mit seiner Forderung nach mehr Geld im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise abblitzen. Der IWF könne nicht mit weiteren Milliarden der USA rechnen, erklärte das US-Finanzministerium am Donnerstag.

Von der brasilianischen Regierung hieß es, zunächst müssten die Europäer ihre Zusagen an den Fonds erhöhen. Auch aus China kam kein Signal, den Europäern auf diesem Weg stärker unter die Arme zu greifen. Die Euro-Regierungen stoßen jedoch an ihre finanziellen Grenzen. Nach der Ratingagentur S&P drohte jetzt auch Fitch mit einer Herabstufung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2012)

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