Wien/DAVOS/AG./ES. Trotz eines ordentlichen Endspurts im letzten Quartal ist die US-Wirtschaft 2011 mit einer Wachstumsrate von 1,7 Prozent deutlich langsamer gewachsen als 2010. Im letzten Quartal 2011 betrug das US-Wachstum jedoch erfreuliche 2,8 Prozent, das ist die schnellste Wachstumsrate seit über eineinhalb Jahren. Dennoch werde man noch lange mit den Aufräumarbeiten der Schäden aus der Finanzkrise beschäftigt sein, verkündete US-Finanzminister Timothy Geithner am Freitag in Davos.
Das gute letzte Quartalsergebnis könnte sich als Hypothek für die kommenden Monate erweisen. Für zwei Drittel des Wachstums sorgten aufgestockte Warenlager im Wert von 56 Milliarden Dollar. Da die Firmen ihre Waren nicht wie erwartet los wurden, dürfte die Produktion in den kommenden Monaten gedrosselt werden, da die Waren erst auf den Markt gebracht werden müssen.
Gedämpfte Euphorie
Auch US-Notenbankchef Ben Bernanke trat zuletzt auf die Euphoriebremse. Er könne dem Land trotz leichter Aufwärtstendenz keine wirtschaftlich stärkere Phase bescheinigen, sagte er nach dem letzten Zinsentscheid. Der US-Leitzins soll mit 0,25 Prozent bis 2014 konstant niedrig gehalten werden. Das kann als Zeichen gewertet werden, dass die Fed die US-Wirtschaft weiterhin für stützenswert erachtet. Besonders besorgniserregend ist die hohe Arbeitslosigkeit. Prognosen der Fed zufolge soll die Erwerbslosenquote auch 2012 mit 8,2 bis 8,5 Prozent für US-Verhältnisse hoch bleiben. Positiv ist, dass der private Konsum, der 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung ausmacht, im letzten Quartal 2011 um zwei Prozent gestiegen ist, verglichen mit 1,7 Prozent im dritten und nur 0,7 Prozent im zweiten Quartal 2011. Dafür sparen die Amerikaner wegen des niedrigen Leitzinses immer weniger. Eine weitere Wachstumsbremse ist der vermehrte Import von Waren in die USA. Trotz eines Exportwachstums von 4,7 Prozent im dritten Quartal vergrößerte sich das Handelsbilanzdefizit im Jahr 2011.
Auch der Wohnungsmarkt, die Ausgangsbasis der US-Finanzkrise, bleibt eine Achillesferse der Wirtschaft.
Die Zahl der verkauften Eigenheime ging im Dezember 2011 um 2,2 Prozent zurück. Auch wenn die Preissteigerungen zuletzt rückläufig waren: Die Inflation bleibt ein Sorgenkind der US-Notenbank. Wie EZB und die Bank of England setzt die Fed die Obergrenze für Inflation bei zwei Prozent an. Trotzdem pumpt die US-Notenbank weiterhin Geld auf den Markt. Konsum und Investitionen sollen durch billiges Geld angeschoben werden und so nicht zuletzt auch einen Schutzschild gegen die Auswirkungen der Eurokrise bieten. Diese gilt derzeit als größtes Risiko für die US-Wirtschaft.
Wer im Glashaus sitzt . . .
Auch wenn die Wirtschaftslage in den USA keinen Anlass zum Jubeln bietet, Raum für Kritik an Europa bleibt immer. US-Finanzminister Geithner kritisierte das europäische Krisenmanagement als zu einseitig. „Wer glaubt, mit Sparmaßnahmen allein erfolgreich sein zu können, liegt in der Regel falsch“, sagte Geithner am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Solange nicht stärker darauf gesetzt werde, das Wachstum zu stimulieren, seien die Probleme nicht zu lösen. Geithner räumte jedoch ein, dass mit den neuen Regierungen in Italien, Spanien und Griechenland zuletzt Fortschritte gemacht worden seien. Auch die Schritte in Richtung Fiskalunion bewertete er positiv.
Auch die US-Regierung hat Sparmaßnahmen eingeleitet. Die Gesamtausgaben wurden im Jahr 2011 um 4,6 Prozent reduziert. Gespart wurde auf Bundesebene und in den einzelnen Staaten.
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