Facebook lässt die Hüllen fallen

02.02.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Eine Mrd. Dollar Gewinn, 845 Mio. Nutzer, ein Hacker als Chef und jede Menge Sorgen. Facebooks Börsengang bietet einen raren Blick hinter die Kulissen des Onlinenetzwerks.

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Wien/Auer. Am liebsten wüsste Facebook wohl alles über seine Nutzer – schließlich sind sie die einzige Geldquelle des Unternehmens. Seit Donnerstag können die 845 Mio. Mitglieder den Spieß umdrehen: Denn in den Unterlagen zum geplanten Börsengang, die Facebook gestern eingereicht hat, verrät das Unternehmen erstmals auch ein paar Geheimnisse über sich selbst.

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Der Blick in die 150 Seiten starken Unterlagen offenbart ein überraschend erwachsenes Unternehmen. 483 Millionen Menschen – jeder 15. Erdenbewohner – nutzen die Plattform demnach täglich. Und Facebook ist es weitaus besser gelungen als gedacht, daraus Kapital zu schlagen: Schon in den vergangenen drei Jahren hat das Unternehmen satte Gewinne eingefahren. Im Vorjahr lag der Gewinn bei einer Mrd. und der Umsatz bei 3,7 Mrd. Dollar. Deutlich mehr als etwa Google im Jahr seines Börsengangs eingenommen hat. Damit dürfte es für Facebook kein Problem sein, die angestrebten fünf Mrd. Dollar (3,8 Mrd. Euro) an der Börse einzusammeln.

Wie viel eine Aktie in wenigen Monaten kosten wird und wie hoch somit das Unternehmen bewertet wird, ließ Gründer Mark Zuckerberg in den Unterlagen noch offen. Analysten erwarten, dass Facebook eine Bewertung zwischen 75 und 100 Mrd. Dollar anstrebt.

 

Zuckerberg behält die Kontrolle

Spätestens dann dürfte der 27-Jährige zu den Reichsten dieser Welt gehören. Die Kontrolle über Facebook wird er aber auch in Zukunft nicht abgeben. 28,4 Prozent der Anteile hält der Gründer noch an seinem Unternehmen – und 56,9 Prozent der Stimmrechte. Denn viele Risikokapitalgeber hatten ihre Stimmrechte an Zuckerberg abgetreten. Auch nach dem Börsengang wird Zuckerberg seine Firma also im Alleingang regieren. Darauf weist das Unternehmen im Börsenprospekt sogar explizit hin. Lediglich mit symbolischen Gesten will er die Suche nach Investoren unterstützen: So gibt sich der frühere Psychologiestudent in Zukunft mit einem Jahresgehalt von einem Dollar zufrieden. Im Vorjahr streifte er 1,5 Millionen Dollar ein.

Das Timing für den Börsengang ist perfekt: Noch heuer wird Facebook die Ein-Milliarden-Nutzer-Marke überspringen. Gerade rechtzeitig, denn danach dürfte weiteres Wachstum schwierig werden. Auch davor warnt Facebook seine Investoren ausdrücklich: „Wir könnten beim Versuch, die Plattform zu vergrößern und zu monetarisieren, versagen“, heißt es. Und: „Die Wachstumsraten werden sich verlangsamen“. Schon heute sind 60 Prozent aller US-Amerikaner auf Facebook. In Österreich sind es 2,7 Mio. Das ist aber nicht die einzige Sorge, die das Facebook-Management mit seinen Investoren teilen muss: Auch die mobilen Angebote von Facebook bringen mangels Werbekunden derzeit kein Geld. Sollte sich der Trend zum mobilen Internet verschärfen und die 425 Millionen Nutzer, die Facebook derzeit über das Handy verwenden, nur noch unterwegs auf den Dienst zugreifen, könnte es zu Problemen kommen, warnt das Unternehmen.

Mit seinem Angebot an „stationäre“ Nutzer konnte Facebook seine Erlösquellen unterdessen diversifizieren. Nur noch 85 Prozent des Umsatzes bringen Werbeanzeigen. Vor drei Jahren waren es noch 98 Prozent. Dafür wächst die Abhängigkeit von Dritten wie dem Spieleentwickler Zynga („Farm Ville“, „Mafia Wars)“, der alleine zwölf Prozent des Umsatzes beisteuert. Sollte diese Verbindung brechen, drohen heftige Einbußen.

 

„Done is better than perfect“

Der größte Unsicherheitsfaktor bleiben die Nutzer selbst. Bisher hat Facebook beim Heben ihres Datenschatzes wenig Rücksicht gezeigt. Immer wieder wurden neue Dienste eingeführt – zuletzt die umstrittene Timeline, eine Art digitaler Zwangs-Lebenslauf – ohne die Nutzer einzubinden. Dass sich daran so bald nichts ändern wird, zeigt das Manifest „The Hacker Way“, das Zuckerberg dem Börsenprospekt beigelegt hat. „Done is better than perfect“, heißt es dort. Oder anders gesagt: Facebook wird auch weiter Dienste so schnell wie möglich einführen und nur wenn nötig danach zurückrudern. Ganz nach der Grundüberzeugung aller Hacker, dass nichts jemals perfekt und alles zu verbessern ist.

Dem Unternehmen Facebook könnte das allerdings zum Verhängnis werden. Dann nämlich, wenn nicht nur Datenschützer und Behörden das Netzwerk ins Visier nehmen, sondern auch Nutzer Konsequenzen ziehen und Facebook den Rücken kehren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2012)

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20 Kommentare
Gast: trompete3.0
03.02.2012 12:32
0


ich würde mich da nicht drübertrauen

denn dahinter steckt keine wertschöpfung, das ganze konzept steht und fällt mit den nutzern, ist facebook auf einmal out, was bei internetseiten generell schnell passieren kann, (siehe myspace) ist es wertlos

denn hinter dem unternehmen stecken nur dienstleistungen, absolut keine echte produktivität.

es kann natürlich sein, dass es facebook schafft sich zu etablieren, und dadurch wie google auf lange zeit fest im sattel sitzt, und die aktionäre so zu eventuellen kurssteigerungen kommen, dennoch wäre das ganze nichts für mich.

mein credo lautet in reine dienstleistungskonzerne nur dann zu investieren wenn diese sich grad in einer krise befinden (vorallem bei großbanken kann man so zu viel geld kommen), ist gerade ein hype um ein unternehmen im gange sollte man meines erachtens nach die finger davon lassen.

den gründern von fb kann man allerdings nur gratulieren, in derart jungen jahren so abzusahnen ist echt beneidenswert!

Gast: Argesauge
02.02.2012 22:02
1

Analyse

Nutzer geben ihren werbewert (ihre Zeit, aufmerksamkeit, freiheit) quasi gratis!

dann werden sie von jenen die ihre Daten en gros von FB aufkaufen mit "werbung" manipuliert quasi zugemüllt und kaufen überteuerte Produkte wie etwa
parfüms
markenklamotten
usw
um tlw über 100€, die in China um 1,2€ hergestellt werden - die Gewinne werden in steueroasen nicht versteuert

Wer das nicht durchschaut und glaubt er nutzt fb gratis irrt - er zahlt es jedesmal wenn er ein Coke, eine Lewis Jean oder ein fucci tascherl ersteht.

Viel Spaß

Gast: HB4242
02.02.2012 20:11
2

Facebooks Börsengang bietet einen raren Blick hinter die Kulissen ....

Also, auch mit mehreren Blicken hinter die Kulissen würde ich keinen einzigen Cent dafür investieren.

(wahrscheinlich wieder Mal so einen IT-Blase)

Gast: phj
02.02.2012 18:07
1

Blase

Kolportierter Wert 100.000.000.000,-$
Einige Experten meinen Wert liegt zwischen 35.000.000.000,- und 50.000.000.000,-
Für was braucht Zuckerberg & Co 5.000.000.000,-
Will er absahnen bevor er .....


Hype endet bereits.

Facebook scheint mir eher ein Hype zu sein, der bereits auf dem absteigenden Ast ist. Es ist wie bei einer großen Gruppe. Je mehr Leute, desto weniger interessante Dinge werden erzählt. Am Ende sind nur noch Neugiere da, und niemand mehr, der irgend etwas Interessantes postet.
Ich denke, mit Facebook wird es früher oder später steil bergab gehen. Mit dem IPO können die Gründer noch ordentlich die Kleinanleger abzocken. Würde da unbedingt ein Stop-Loss Limit einziehen, oder besser gar nicht zeichnen.

Re: Hype endet bereits.

Interessanter Vergleich mit der größer werdenden Gruppe. Für mich schaut es auch danach aus, dass die Firma am Zenit steht. Aber man kann es einfach nicht wissen. Es ist halt ein gewaltiges Risiko.

An der Stelle von Zuckerberg würde ich bis auf 10% Anteile alles verkaufen. Das ist massig Geld und wenn die Firma draufgeht, dann ist es nicht so tragisch und falls sie weiterwächst hat man immer noch genügend Anteil am Erfolg.

Antworten Gast: Argesauge
02.02.2012 22:05
1

Re: Hype endet bereits.

Wer ist so bloed und kauft fb Aktien??

Gast: Argesauge
02.02.2012 16:41
4

Lemminge

alle hinterher

UNGLAUBLICH !

Gast: willi1
02.02.2012 16:33
1

what a twisted mind this reporter has

unter all den hunderten Berichten die heute in den diversen Medien erscheinen ragt dieser heraus. Er ist der Einzige der es schafft sich auf das Negative zu konzentrieren, ja daraus sogar die Headline zu machen. Ein kleiner (gesetzlicher) Bestandteil jedes IPO Prospektes musz die Risiken auflisten (und dazu gehoert unter anderem, dasz Californien auf einer Erdbebenfaultline ist, ebenfalls nachzulesen in einem der letzten IPO Prospekte). Darauf den Artikel ueber das Facebook IPO aufzubauen ist die Kroenung des Negativismus. Presse schaeme Dich.

Facebook Eröffnungskurs und zuküftiger Kursverlauf

Nimmt man die Auktionspreise im vorbörslichen Handel zugrunde, dürfte der Eröffnungskurs wohl so um die 31 Dollar liegen. ( Wetten?)
In meinem Kaffeesatz !! lese ich , dass er am ersten Tag ziemlich hochgehyped werden dürfte, bis bei 35 Dollar die ersten wieder verkaufen.
Wichtig ist immer zu beachten, wann die Lock Up Periode für Mitarbeiter endet. Dann geht der Kurs meist in den Keller. Wenn man sich auskennt und die Zeit hat, sollte man sich zu Höchstkursen mit PUT Optionen eindecken, gerade wenn Lock Up Perioden enden.

Gast: mal eine Frage
02.02.2012 13:23
0

Identitätsdiebstahl

Bei facebook können ja unter falschem Namen Konten eröffnet werden. Mobber und Stalker vor allem machen das, oder Leute die mail-Adressen absaugen wollen. Kann man das irgendwie verhindern? Kann man sich schützen?

Re: Identitätsdiebstahl

Ja, nicht anmelden.

Re: Re: Identitätsdiebstahl

Ganz einfach: ebenfalls unter falschem Namen anmelden, Freemailadresse eigens dafür anlegen anlegen, keine Daten wie Adresse, Telefonnummer angeben und Profil, Statusmeldungen, Fotos und Freundesliste nur für Freunde zugänglich machen.
Mit einer E-Mailadresse wie schokokeksi224@beliebigerfreemailanbieter.com fängt sicher keiner was an ;).

Re: Identitätsdiebstahl

Ja, ganz einfach: eigene Daten nur für Freunde sichtbar machen und nur die Leute als Freunde akzeptieren, die man auch kennt.
Um das geht es ja bei einer solchen Platform, sich mit Freunden ausstauschen. Wenn man jeden als Freund hinzufügt ist man selber schuld ...

Antworten Antworten Gast: Gartenzwerg
02.02.2012 21:54
1

Re: Re: Identitätsdiebstahl

Mit wirklichen Freunden kann sich jeder auch ohne Facebook austauschen per Mail

Antworten Antworten Gast: mal eine Frage
02.02.2012 15:38
1

Re: Re: Identitätsdiebstahl

Danke für Ihre Antwort!
Im konkreten Fall wurde mit unserem (sehr seltenen ) Namen ein fb-account eröffnet und versucht Kontakte in unserem Berufsumfeld herzustellen und falsche Informationen zu verbreiten.

Re: Re: Re: Identitätsdiebstahl

Dagegen kann man nur im Nachhinein vorgehen, schützen kann man sich davor nicht. Wenn sich jemand mit gefälschtem Ausweis für eine andere Person ausgibt und in dessen Namen irgendwelche Straftaten begeht, kann man ja auch nichts machen.

Re: Re: Identitätsdiebstahl

Dafür muss man sich aber selbst dort anmelden. Wenn man das nicht will, dann kann man sich wohl nicht davor schützen resp. müsste bei jedem Einzelfall etwas dagegen unternehmen.

Gast: achtung
02.02.2012 09:47
1

da hat jemand Ahnung

Klar, 35 Risikofaktoren sind besser als 42 oder 55. Es sagt zwar gar nichts darüber aus, ob es sich dieselben Risikofaktoren handelt, bzw wie hoch die jeweiligen Risiken sind, aber weniger ist besser, soviel ist fix. ^^

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