Wegen der Kältewelle im eigenen Land liefert Russland nach Angaben der EU weniger Gas in die Europäische Union. Betroffen seien bisher acht Länder, sagte die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Freitag in Brüssel. Dazu zählten Italien, Griechenland, Österreich, Polen, Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien. Besonders stark sei die Liefermenge in Österreich gesunken, wo 30 Prozent weniger Gas angekommen sei als gewöhnlich.
Verbraucher und Industrie müssten aber keine Engpässe fürchten. "Wir befinden uns nicht in einer Notfallsituation", sagte die Sprecherin. "Die Erdgaslager in der EU sind voll." Jeder Mitgliedstaat habe Vorräte für zumindest einen Monat, zudem könnten sich Länder bei anderen Staaten Gas zukaufen.
"Im Rahmen der Verträge"
Dabei betonte die Sprecherin, dass es die Lieferverträge Russland durchaus erlaubten, die Lieferungen nach Europa zu drosseln, wenn das Land mehr Gas für den Eigenbedarf benötige. "Die Verträge geben Russland diese Flexibilität. In Moskau war es in den vergangenen Tagen minus 20 Grad kalt." Die EU stehe im Kontakt mit den russischen Behörden und habe auch Experten hinzugezogen. Von der Ukraine wünsche man sich, "dass die Ukraine zu allen Zusagen steht".
Nach Beschwerden europäischer Energieunternehmen über geringere Gaslieferungen aus Russland hat dagegen die Ukraine als wichtigstes Transitland Moskau die Schuld gegeben. Der russische Staatskonzern Gazprom pumpe jeden Tag 75 Millionen Kubikmeter weniger Gas in die Pipelines als vereinbart, sagte Energieminister Juri Boiko am Freitag in Kiew nach Medienangaben. Gazprom hatte am Vortag Lieferkürzungen dementiert und die Ex-Sowjetrepublik seinerseits indirekt beschuldigt, illegal Gas aus Transitleitungen abzuzapfen.
Streit zwischen Russland und Ukraine
Kiew hingegen beteuert, alle Verträge zu erfüllen. Allerdings sagte der ukrainische Regierungschef Nikolai Asarow, das finanziell angeschlagene Land habe allein an den vergangenen drei Tagen wegen der Eiseskälte etwa eine Milliarde Kubikmeter Gas verfeuert. Diese Menge würde sonst zwei Wochen reichen, sagte Asarow.
Zwischen Russland und der Ukraine gibt es immer wieder Streit um Gaslieferungen und -preise. Zuletzt hatte ein "Gaskrieg" 2009 zu wochenlangen Lieferengpässen auch in der EU geführt. Danach hatten die EU-Staaten ihre Lager ausgebaut und nach Alternativen gesucht.
(APA)
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