Wien/Stuttgart/Reuters. Ein brisanter Prozess vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht sorgt für Schlagzeilen. Ein rechtskräftig verurteilter Helfer der Terrororganisation al-Qaida hat Daimler auf Wiedereinstellung geklagt, wogegen sich der Autobauer wehrt. In erster Instanz hat Daimler gewonnen, der als Lackierer ausgebildete Sermet I. berief, die zweite Runde wird im April vor dem Landesarbeitsgericht stattfinden.
Hintergrund: Im Jahr 2007 gewährte Daimler dem Lackierer eine mehr als einjährige Auszeit und sicherte ihm die Wiedereinstellung zu. Der Freigestellte reiste nach Malaysia, wo er unter anderem in einem Mercedes-Werk arbeitete. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland 2009 wurde Sermet I. – den vollen Namen gibt das Gericht aus Datenschutzgründen nicht bekannt – festgenommen. Ihm wurden Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida nachgewiesen. I. büßte eine zweijährige Haftstrafe ab.
Nun, nach der Entlassung aus der Haft, will der frühere Lackierer von seinem Recht auf Wiedereinstellung Gebrauch machen. Der Mann beruft sich auf eine Einschätzung des Oberlandesgerichts Koblenz, wonach er sich „glaubhaft vom Terrorismus losgesagt“ habe. Daimler hegt daran „ernsthafte Zweifel“ und will ihn nicht einstellen. Das könne man „den anderen Mitarbeitern nicht zumuten“, erklärte eine Sprecherin.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)
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