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Malev stellt Flugbetrieb ein

03.02.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Die ungarische Fluggesellschaft Malev ist pleite. In Osteuropa fehlt vielen Regierungen das Geld, um ihre Airlines zu unterstützen. Die staatliche Malev steuerte mehr als 50 Städte in 34 Ländern an.

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Budapest/Höll. Nichts geht mehr: 66 Jahre nach der Gründung ist die ungarische Fluglinie Malev am Ende. Vor den Informationsschaltern am Budapester Flughafen bildeten sich am Freitag nach der Einstellung des Betriebs lange Schlangen. Auch viele Österreicher flogen mit der Malev. Die staatliche ungarische Fluggesellschaft steuerte mehr als 50 Städte in 34 Ländern an. Die Tickets waren günstiger als bei der AUA. Wer bei der Malev einen Flug gebucht hat, kann eine Rückerstattung verlangen. Allerdings müssen sich Reisende darauf einstellen, dass sie wegen der Insolvenz vielleicht kein Geld zurückbekommt. Die Budapester Regierung hatte am Montag Gläubigerschutz über die Fluglinie verhängt. Daraufhin verlangten Lieferanten Vorauszahlungen. Auslöser für die Betriebseinstellung war am Freitag ein Vorfall in Tel Aviv. Das dortige Personal weigerte sich, einen Malev-Flug abzufertigen, weil die Ungarn einen größeren Geldbetrag nicht zahlen konnten.

Bei Malev handelt es sich um die zweite Pleite einer Fluglinie innerhalb weniger Tage. Kurz zuvor mussten die Maschinen der spanischen Airline Spanair am Boden bleiben. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die EU-Kommission öffentliche Beihilfen für Fluggesellschaften zunehmend verbietet. Zu Jahresbeginn stuften die Brüsseler Behörden die Staatshilfe für Malev in den Jahren 2007 bis 2010 als illegal ein. Dabei ging es um 280 Mio. Euro, die Malev zurückzahlen sollte. Doch das Unternehmen ist dazu nicht in der Lage.

Ungarns Premierminister Viktor Orbán sagte, er arbeite an einem Neustart der Fluglinie. Allerdings würden bei Malev „die Investoren nicht Schlange stehen“, räumte er ein. Malev ist für 40 Prozent des Flugverkehrs am Budapester Airport verantwortlich. Verhandlungen über eine Übernahme durch die chinesische Hainan Airlines waren gescheitert.

 

Notfallplan mit Ryanair

Der irische Billigflieger Ryanair reagierte sofort auf die Pleite. Mit der ungarischen Regierung wurde noch am Freitag ein Notfallplan ausgearbeitet. Von Budapest aus will Ryanair künftig 31 Destinationen anfliegen und dafür Malev-Personal einsetzen. Die AUA setzt ab sofort bei den Flügen nach Budapest größere Maschinen ein.

Unter Osteuropas Fluglinien zeichnet sich ein Überlebenskampf ab. Denn im Zuge der Wirtschaftskrise fehlt den Staaten das Geld, den nationalen Airlines unter die Arme zu greifen.

In Tschechien versucht die Regierung seit Jahren, einen Käufer für die angeschlagene Czech Airlines zu finden. Das Unternehmen baute hunderte Stellen ab und stellte viele Flüge ein. Turkish Airlines ist an der polnischen Fluglinie LOT interessiert. Laut einer Sprecherin der Warschauer Regierung laufen darüber seit Dezember Verhandlungen. LOT ist ein wichtiger Konkurrent der AUA. Sie bietet von Wien aus günstige Flüge in die USA und nach Asien an, dabei muss man in Warschau umsteigen. Rumänien will 20 Prozent seiner Fluglinie Tarom über die Börse verkaufen. Die Gesellschaft macht seit 2009 Verluste.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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3 Kommentare
Glosar
04.02.2012 06:31
0 2

Orban gehört entfernt bevor das gannze Land ruiniert!

das ist das problem mit den populisten...
ausser billigen sprüche und "polemik"...
ausser "agitation" und slogans...
können die eigentlich gar nichts bieten!!!

man kann ein land so nicht regieren.

muss österreich die gleiche erfahrung machen bevor die menschen hier in diesem kleinen polarisierten land aufwachen?!

wer glaubt dass die FPÖ regierungsfähig ist, ist entweder realitätsfremd, oder musste schon als kleines kind sogar den kindergarten wiederholen!!!

je bildungsferner die schicht umso rechter die politische orientierung. so die wissenschaft. aber bitte schön, WAS wissen schon die wissenschafter?!

Gast: TA
03.02.2012 23:01
0 0

Bekannter Fahrplan

Zuerst wird der Laden in die Insolvenz gesteuert, und damit der Altlasten (Schulden, Dienstverträge, Pensionszusagen usw.) entledigt. Danach kommt der Schnäppchenjäger und kauft die werthaltige Konkursmasse günstig auf. Abschließend revanchiert sich der Käufer im Erfolgsfall mit entsprechenden Provisionszahlungen.
Es gibt seit längerem das Gerücht, dass es dazu eine Absprache mit einem spanischen Unternehmen gäbe.

Gast: Tiefer Blicker
03.02.2012 22:11
0 0

nicht das Geld fehlt

"In Osteuropa fehlt vielen Regierungen das Geld, um ihre Airlines zu unterstützen."

Das ist doch gar nicht das Problem hier.
Staatliche Subventionen von Kommerziellen Flug-Unternehmen widersprechen EU Recht.

Die Luftwaffe darf weiterhin staatlich finanziert werden.

Aber Luftlinien, die im internationalen Wettbewerb mit staatlich gestützten Preisen oder Kosten agieren, haben einen unzulässigen Wettbewerbsvorteil. Orban möchte es der Malev doch gern hinten hineinschieben, so wie die Österreichische Regierung der AUA jahrzehntelang.

Wenn der Staat möchte, dass seine Bürger billig fliegen, dann soll er doch Steuergeschenke verteilen für all jene, die mindestens 5.000 Flugmeilen im Jahr aufweisen können. Den Aufschrei schau ich mir an. Das wäre zu Recht ein Humbug.

Aber in einer Europäischen Union einzelne Firmen, die schlecht wirtschaften aber "meine Freunde/Landsmänner/Familienmitglieder sind", mit Staatsgeschenken zu füttern, geht halt eben auch nicht (mehr so leicht)