Budapest/Höll. Nichts geht mehr: 66 Jahre nach der Gründung ist die ungarische Fluglinie Malev am Ende. Vor den Informationsschaltern am Budapester Flughafen bildeten sich am Freitag nach der Einstellung des Betriebs lange Schlangen. Auch viele Österreicher flogen mit der Malev. Die staatliche ungarische Fluggesellschaft steuerte mehr als 50 Städte in 34 Ländern an. Die Tickets waren günstiger als bei der AUA. Wer bei der Malev einen Flug gebucht hat, kann eine Rückerstattung verlangen. Allerdings müssen sich Reisende darauf einstellen, dass sie wegen der Insolvenz vielleicht kein Geld zurückbekommt. Die Budapester Regierung hatte am Montag Gläubigerschutz über die Fluglinie verhängt. Daraufhin verlangten Lieferanten Vorauszahlungen. Auslöser für die Betriebseinstellung war am Freitag ein Vorfall in Tel Aviv. Das dortige Personal weigerte sich, einen Malev-Flug abzufertigen, weil die Ungarn einen größeren Geldbetrag nicht zahlen konnten.
Bei Malev handelt es sich um die zweite Pleite einer Fluglinie innerhalb weniger Tage. Kurz zuvor mussten die Maschinen der spanischen Airline Spanair am Boden bleiben. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die EU-Kommission öffentliche Beihilfen für Fluggesellschaften zunehmend verbietet. Zu Jahresbeginn stuften die Brüsseler Behörden die Staatshilfe für Malev in den Jahren 2007 bis 2010 als illegal ein. Dabei ging es um 280 Mio. Euro, die Malev zurückzahlen sollte. Doch das Unternehmen ist dazu nicht in der Lage.
Ungarns Premierminister Viktor Orbán sagte, er arbeite an einem Neustart der Fluglinie. Allerdings würden bei Malev „die Investoren nicht Schlange stehen“, räumte er ein. Malev ist für 40 Prozent des Flugverkehrs am Budapester Airport verantwortlich. Verhandlungen über eine Übernahme durch die chinesische Hainan Airlines waren gescheitert.
Notfallplan mit Ryanair
Der irische Billigflieger Ryanair reagierte sofort auf die Pleite. Mit der ungarischen Regierung wurde noch am Freitag ein Notfallplan ausgearbeitet. Von Budapest aus will Ryanair künftig 31 Destinationen anfliegen und dafür Malev-Personal einsetzen. Die AUA setzt ab sofort bei den Flügen nach Budapest größere Maschinen ein.
Unter Osteuropas Fluglinien zeichnet sich ein Überlebenskampf ab. Denn im Zuge der Wirtschaftskrise fehlt den Staaten das Geld, den nationalen Airlines unter die Arme zu greifen.
In Tschechien versucht die Regierung seit Jahren, einen Käufer für die angeschlagene Czech Airlines zu finden. Das Unternehmen baute hunderte Stellen ab und stellte viele Flüge ein. Turkish Airlines ist an der polnischen Fluglinie LOT interessiert. Laut einer Sprecherin der Warschauer Regierung laufen darüber seit Dezember Verhandlungen. LOT ist ein wichtiger Konkurrent der AUA. Sie bietet von Wien aus günstige Flüge in die USA und nach Asien an, dabei muss man in Warschau umsteigen. Rumänien will 20 Prozent seiner Fluglinie Tarom über die Börse verkaufen. Die Gesellschaft macht seit 2009 Verluste.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)
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