Moskau/Est. In den verwirrenden Preispoker rund um den Verkauf der Volksbanken-Ostholding VBI an die russische Sberbank ist nun endlich Gewissheit eingekehrt. Und die ist für die Volksbanken bitterer, als bisher angenommen worden ist. Demnach erhalten die Russen das Ostbankennetz nicht nur um 80 Mio. Euro billiger, sondern ersparen sich ausgehend von den ursprünglich vertraglich fixierten 585 Mio. Euro insgesamt de facto etwa 160 Mio. Euro. Dies geht aus Statements von Sberbank-Vizechef Sergej Gorkov in Moskau hervor.
Gorkov bestätigte nicht nur die Ende Jänner in einem Anleiheprospekt genannte Kaufsumme von 505 Mio. Euro, was eine Preisreduktion von 80 Mio. Euro gewissermaßen als Kompensation für die negative Performance der VBI im vierten Quartal bedeutet.
Zuschuss für Ungarn-Tochter
Gorkov wies auch darauf hin, dass die VBI seit der im September getroffenen Verkaufsvereinbarung 80Mio. Euro der angeschlagenen Volksbank in Ungarn zugeschossen hat – und zwar im November. „Infolge der Situation in Ungarn hat die VBI zusätzliche Rückstellungen gebildet – auch um die 80Mio. Euro. Die Volksbank hat die Kapitalaufstockung in dieser Höhe noch im November vorgenommen.“ Ob dies freiwillig oder auf Druck der Sberbank geschehen ist, ist gewissermaßen eine Glaubensfrage. „Die Unterstützung in Ungarn ist unabhängig von der Sberbank erfolgt“, sagte ein Sprecher des österreichischen Volksbanken-Spitzeninstituts ÖVAG.
Die Übernahme der Volksbanken-Ostholding wird laut Gorkov am 15. Februar fixiert: „Wir waren ziemlich unangenehme Verhandler.“ Für die Sberbank ist der Kauf das Sprungbrett zu einer Expansion in Zentral- und Osteuropa. Besonders interessiert ist man an weiteren Zukäufen in Polen und der Türkei.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)
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