Wien/Jaz. Dass US-Unternehmen auch aus existenziellen Krisen relativ schnell wieder auf den Erfolgsweg zurückkehren können, zeigte in der Vergangenheit bereits der Elektronikkonzern Apple. Nun sorgt auch der Autohersteller General Motors (GM), dessen Schicksal mit der Insolvenz im Sommer 2009 bereits besiegelt schien, für eine fulminante Rückkehr: So wird GM im Jahr 2011 mit rund neun Mio. verkauften Autos nicht nur die Krone des weltgrößten Autoherstellers zurückergattert haben, sondern laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ mit acht Mrd. Dollar (6,1 Mrd. Euro) auch einen Rekordgewinn erzielen.
Insolvenz als Neustart
Die Gründe für diese Genesung, nur zweieinhalb Jahre nach dem drohenden Untergang, liegen vor allem in dem damaligen Insolvenzverfahren. So konnte GM durch die Pleite 40 Mrd. Dollar an Schulden in eine „Bad-GM“ auslagern. Auch alte und teure Verpflichtungen für die Kranken- und Pensionsversicherungen der GM-Mitarbeiter konnte der Konzern so abändern. Zusätzlich erhielt das Unternehmen Milliarden vom amerikanischen Steuerzahler, um den Neubeginn zu finanzieren. In Summe investierte die US-Regierung rund 50 Mrd. Dollar in GM.
Wirtschaftlich profitierte GM zudem von einer Kostensenkung durch Jobabbau und einer Reduktion der Modellpalette von 86 auf 49 unterschiedliche Fahrzeuge, einem erholten US-Heimmarkt und einer gestiegenen Nachfrage aus China sowie der Beendigung der Rabattschlachten in den USA. Letzteres hatte GM zwar in den Jahren vor der Krise regelmäßig zum mit Abstand größten Hersteller gemacht, das Unternehmen unter dem Strich jedoch viel Geld gekostet. So meinte jüngst GM-Chef Daniel Akerson, auf den „Titel“ des weltgrößten Autoherstellers angesprochen: „Wir konzentrieren uns inzwischen auf Margen und weniger auf Stückzahlen.“
Die Folge dieser neuen Strategie ist, dass GM seit dem Bankrott den Mitarbeiterstand – der damals von 263.000 auf 208.000 Personen gesenkt wurde – wieder um 13.000 angehoben hat. Auch während der Krise geschlossene Werke konnten seither wieder neu eröffnet werden.
GM möchte Margen wie BMW
Der Rekordgewinn (in absoluten Zahlen; inflationsbereinigt war GM in den 1960er- und 1970er-Jahren profitabler) soll jedoch erst der Beginn der wirtschaftlichen Rückkehr sein. Bei einem Umsatz von rund 150 Mrd. Dollar entspricht der Gewinn nämlich einer Marge von rund fünf Prozent. Dies liegt zwar im Branchendurchschnitt, die Margenkaiser BMW und Hyundai erzielen jedoch über zehn Prozent. Ein Wert, den GM nun als Ziel anpeilt.
Positiv überrascht von der schnellen Gesundung ist auch die Börse – die GM-Aktie legte schon Ende der Vorwoche um über sieben Prozent zu. Auch die Analysten sind begeistert: Von 21 empfehlen 16, die Aktie zu kaufen.
Der US-Autokonzern GM konnte 2011 bei einem Umsatz von etwa 150 Mrd. Dollar einen Nettogewinn von rund acht Mrd. Dollar erzielen. Dies bedeutet in absoluten Zahlen einen Rekord in der Firmengeschichte – nur zweieinhalb Jahre nachdem das Unternehmen aufgrund riesiger Verluste Insolvenz anmelden musste und vom Staat aufgefangen wurde.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)
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