Wien/Bristol/Jil. In den Geldbörsen der Bewohner von Bristol geht es ab Mai bunt zu: Das „Bristol Pound“ soll die bisher größte Parallelwährung auf der Insel werden. In der sechstgrößten Stadt Englands leben fast eine halbe Million Menschen – zählt man das Umland dazu, sind es mehr als eine Million.
Derzeit ist ein Designwettbewerb für das „Bristol Pound“ ausgeschrieben. Die Sicherheitsmerkmale der neuen Banknoten stehen schon fest: silbernes Hologramm und goldener Streifen. Das Ziel der neuen Währung ist die Stärkung der lokalen Wirtschaft. Das „Bristol Pound“ wird nur in Bristol akzeptiert werden und soll die Abwanderung von Kapital Richtung London stoppen, wo die Zentralen der Handelsketten sind. „Große Konzerne saugen das Geld nur aus den Regionen. Das Geld geht nach London und landet irgendwann Offshore“, sagte Ciaran Mundy, der ehrenamtliche Direktor des Projekts, der BBC.
Wechselkurs: Eins zu eins
Zur Zeit haben sich bereits über 100 Firmen bereit erklärt, die „Bristol Pounds“ akzeptieren zu wollen. Das Projekt unterscheidet sich maßgeblich von anderen Parallelwährungen. Die liberale Stadtregierung unterstützt das „Bristol Pound“ und wird für lokale Abgaben auch die neue Währung akzeptieren. Das ist wichtig als Versicherung für die Nutzer, dass sie nicht auf ihren „Bristol Pounds“ sitzenbleiben.
Die Menschen können ihre „British Pounds“ eins zu eins in „Bristol Pounds“ wechseln: Der Wechselkurs bleibt stabil. Die lokale „Credit Union“ (eine Art Genossenschaftsbank) wird die Konten abwickeln, und sogar die Einlagensicherung der Regierung wird gelten. Anders als bei anderen Projekten wird mit „Bristol Pounds“ auch Handy- und Onlinebanking möglich sein. Aber außerhalb von Bristol wird das neue Geld nicht akzeptiert werden. Und genau darum geht es.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)
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