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Amazons gemütlicher Laden ums Eck

09.02.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Will der Online-Riese Amazon die Straße erobern? Schon in wenigen Monaten soll der erste Amazon-Offline-Shop in Seattle öffnen. Wie er aussehen wird, ist aber noch unklar.

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Wien/Jil. Was hat Amazon vor? Ein Bericht des Blogs „Good E-Reader“ beschäftigt derzeit amerikanische Online-Medien. Laut „Good E-Reader“ will nämlich die weltgrößte Online-Handelskette nun auch die Straßen der Städte mit eigenen Geschäften erobern. Zumindest soll bald ein Pilotprojekt in Seattle gestartet werden, wo Amazon seinen Hauptsitz hat. Gerüchte über Offline-Pläne des riesigen Versandhandels gab es zwar schon früher, aber noch nie sind so viele Details durchgedrungen. Und noch nie wäre der Schritt auf die Straße so sinnvoll gewesen für Amazon.

 

Zurück zu Buch-Wurzeln?

Das Unternehmen verkauft heute nicht nur Bücher, sondern auch Elektronikartikel, Bekleidung und sogar Möbel. Die Frage ist also: Plant Amazon einen Buchladen, ein ganzes Kaufhaus oder ganz etwas anderes? Laut „Good E-Reader“ darf man von Amazon durchaus Innovationen erwarten.

Der erste Shop in Seattle, der noch dieses Jahr eröffnet werden soll, wird den Weg weisen. Vieles deutet darauf hin, dass Amazon zu seinen Buch-Wurzeln zurückkehren – und dabei mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen will. Seit die Firma mit ihren Kindle-Geräten auch E-Reader beziehungsweise Tablet-PCs anbietet, hat man sich neue Feinde geschaffen.

Bei Tablets ist der direkte Gegner Amazons natürlich Apple mit seinem iPad. Die Firma mit dem Apfel verfügt bereits über ein dichtes Ladennetzwerk. Die Apple-Shops tragen zur Markenbildung und zur Kundenbindung bei. Außerdem bilden sich bei der Einführung neuer Produkte oft lange Schlangen vor den Shops – was Apple tolle Bilder von seinen Fans liefert, die man zu Marketingzwecken ausschlachten kann. All das fehlt Amazon noch. Imagefragen dürften überhaupt eine große Rolle in Amazons Offline-Plänen spielen. Die beeindruckende weltweite Logistik hinter dem Online-Shop ist zwar das Herzstück des Unternehmens, sorgt aber nicht für ein herzerwärmendes Image.

Apple verfügt über eigene Abteilungen in den Filialen großer Ketten wie Target oder Mediamarkt in Europa. Auch das fehlt Amazon. Die Kindle-Geräte werden zwar von Elektronikketten angeboten. Aber anders als beim direkten Konkurrenten Barnes & Noble kann der Amazon-Kunde seinen Kindle nicht zu einem Amazon-Mitarbeiter bringen, wenn es Probleme gibt. Als Barnes & Noble im Herbst das eigene Tablet Nook präsentierte, sagte CEO William Lynch: „Viele Menschen wollen sicher sein, dass sie ihr Gerät in ein Geschäft tragen können und dort Hilfe bekommen.“ Amazon hat die Botschaft wohl verstanden.

Der Online-Gigant versucht sich außerdem neuerdings als Verleger. Man hat bereits junge Autoren unter Vertrag und versucht auch, die Übersetzungsrechte von Bestsellern besonders früh zu bekommen, um ausländische Märkte bedienen zu können. Die direkten Konkurrenten von Barnes & Noble und der kanadischen Kette Indigo Books haben auch schon angekündigt, die von Amazon verlegten Bücher nicht in ihre Regale stellen zu wollen.

 

Gerüchte über „Amazon-Handy“

Eine eigene Kette an Online-Shops wäre auch sinnvoll, wenn Amazon plante, weitere eigens entwickelte Produkte wie den Kindle anzubieten. In der amerikanischen Blogosphäre wird bereits heftig über einen möglichen Smartphone-Angriff Amazons auf Apples iPhone spekuliert. Konkrete Hinweise auf solche Pläne gibt es allerdings noch keine.

Und selbst wenn der Amazon-Store in Seattle bald Realität – und ein Erfolg – wird: Dass in jeder Stadt bald ein Amazon-Geschäft aufmacht, ist eher unwahrscheinlich. Das hat mit der Struktur des Online-Versandhandels zu tun. Derzeit zahlt Amazon nur dort die (bundesstaatlichen) Steuern, wo auch Logistikzentren für den Produktversand stehen.

Eine Ladenkette würde also große Zusatzkosten verursachen. „Good E-Reader“ schreibt dazu: Amazon sei noch auf der Suche nach Steuer-Schlüpflöchern. Ob Amazon auch Pläne hat, außerhalb Amerikas Shops zu eröffnen, ist bisher nicht bekannt.

Auf einen Blick

Amazon ist das größte Online-Kaufhaus. Der Umsatz beläuft sich auf 48 Mrd. Dollar, die Firma hat 56.000 Mitarbeiter weltweit und plant offenbar, auch Geschäfte in Einkaufsstraßen zu eröffnen. Noch heuer soll ein Pilotprojekt in Seattle starten, wo das Amazon-Hauptquartier angesiedelt ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)

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5 Kommentare
Gast: UKW
09.02.2012 20:44
2 0

Letzten hatte ich an Amazon eine konkrete Frage zu einem Produkt gestellt

Bereits nach wenigen Sekunden bekam ich eine fast Einseitige Antwort, wo mir mitgeteilt wurde, dass trotz Rücksprache mit dem Einkaufsmanager, und was weiss ich noch alles für Hebel in Bewegung gesetzt worden sein sollen, das gewünscht Produkt momentan nicht verfügbar sei. So nebenbei wurden mir auch Fragen beantwortet, die ich gar nicht gestellt hatte. Kurz und gut, ich wurde von einer Maschine teilweise belogen.

Ich finde es zwar erstaunlich wie Computer heute schon in der Lage sind ungefähr zu ermitteln was man will, aber trotzdem fühlte ich mich doch ein wenig verschaukelt ... Ich möchte mir gar nicht ausmahlen wie viele E-Mails man schreiben muss, wenn man mal eine Beschwerde hat, bis man endlich eine Person und Fleiisch und Blllut als Ansprechpartner bekommt. Aber natürlich muss so viel wie möglich automatisiert passieren, damit man möglichst billige Preise anbieten kann. Trotzdem sollte man es nicht übertreiben.

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Re: Letzten hatte ich an Amazon eine konkrete Frage zu einem Produkt gestellt

Das sind zwar schon Menschen, die Ihre Mails beantworten, nur sind die Mails vorgefertigt. Und diese gehen leider nur äußerst selten auf die Anfrage ein.

Ist mir selbst auch schon mal passiert, es braucht ewig und viele Nerven, bis man dann mal endlich die richtige Antwort bekommt. Leider nicht nur bei Amazon, sondern auch bei ebay, Webmiles etc.


Antworten Gast: keinenegwerb
09.02.2012 22:08
1 0

Re: Letzten hatte ich an Amazon eine konkrete Frage zu einem Produkt gestellt

Amazon ist billig? naja...

Antworten Michael H.
09.02.2012 21:03
1 0

Re: Letzten hatte ich an Amazon eine konkrete Frage zu einem Produkt gestellt

"Trotz Rücksprache mit dem Einkaufsmanager"
Vielleicht ist dieser auch schon ein Computer und reagiert in Sekundenschnelle?

2 1

Re: Re: Letzten hatte ich an Amazon eine konkrete Frage zu einem Produkt gestellt

"Guten Tag. Ich bin Ihr Medizinisch-Holographisches Notfallprogramm." ^^