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Iren drängen Junge zur Arbeitssuche ins Ausland

09.02.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Laut einer Prognose der irischen Zentralbank könnte die Arbeitslosigkeit im Land im laufenden Jahr auf 14,6 Prozent ansteigen. Zahlreiche junge Langzeitarbeitslose kehren nun dem Land den Rücken.

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Dublin/Bloomberg. Anthony Roche drängt seinen arbeitslosen Sohn dazu, von Irland nach Australien auszuwandern. Nur so könne er der Arbeitslosigkeit entfliehen, die das Land seit der Wirtschaftskrise im Griff hat. „Ich habe gute Zeiten erlebt und schlechte, aber diese hier ist die schlechteste von allen”, sagt Roche, den Bloomberg News in Dublin in einer staatlichen Wohlfahrtseinrichtung traf.

Der 45-Jährige arbeitet nur noch ein bis zwei Tage die Woche, nachdem er vor 18 Monaten seine Firma schließen musste. Sie verlegte Fußböden für Bars und Restaurants. „Es gibt jede Menge Leute, die arbeiten wollen. Doch Arbeit gibt es nicht. Deshalb gehen die Leute inzwischen wieder von hier weg“, berichtet Roche.

15 Monate nach dem europäischen Hilfspaket beginnt sich die irische Konjunktur zwar allmählich zu erholen. Die Regierung sieht die Wirtschaft noch in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Arbeitslosenquote in Irland betrug im Jänner 14,2 Prozent. Damit liegt sie unweit des höchsten Standes seit den 1980er-Jahren. Wie heute litt die Wirtschaft damals unter staatlichen Sparmaßnahmen. Eine höhere Arbeitslosigkeit als in Irland gibt es in der Eurozone nur in Spanien und Griechenland.

 

Auswanderung steigt auf Rekord

Laut einer Prognose der irischen Zentralbank könnte die Arbeitslosigkeit in diesem Jahr noch auf 14,6 Prozent anziehen. Unter anderem planen die Royal Bank of Scotland und die Allied Irish, weitere Stellen zu streichen. Die Regierung in Dublin legt derzeit die letzten Details der Unterstützungsmaßnahmen für von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Iren fest, wie Ministerpräsident Enda Kenny kürzlich mitteilte. Kleinunternehmen soll mit Krediten geholfen werden.

„Die Arbeitslosigkeit ist für Irland ein großes Problem“, sagt Michael O'Sullivan, Chef der Portfoliostrategie bei Credit Suisse Private Banking in London: „Irland hat die zusätzliche Zwangsjacke des Sparsamkeitsmantras der Eurozone. Auf kurze Sicht dürfte das zu hoher Arbeitslosigkeit führen.“ Vergangenes Jahr ist die Arbeitslosenquote in Irland auf 14,2 Prozent gestiegen – von 4,5 Prozent im Jahr 2007. Der größte Belastungsfaktor für die Wirtschaft war das Platzen der Immobilienblase. Es trug dazu bei, dass das Bruttoinlandsprodukt um rund 15 Prozent einbrach.

Die Auswanderung hat in den zwölf Monaten bis Ende April 2011 den höchsten Stand seit dem 19.Jahrhundert erreicht. Rund 76.400 Menschen kehrten in diesem Zeitraum Irland den Rücken, wie Daten der irischen Statistikbehörde zeigen. Über die Hälfte der Auswanderer war mehr als ein Jahr arbeitslos. 30Prozent waren 24 Jahre alt oder jünger, wie es im Quartalsbericht der Behörde zum Arbeitsmarkt hieß. „Es wird nicht genug getan, um die Leute zu ermutigen und zurück in den Beruf zu holen“, sagt Analyst Philip O'Connell vom Dubliner Economic& Social Research Institute. „Bei jungen Leuten am Anfang ihrer Karriere hinterlässt Arbeitslosigkeit Narben, die das ganze Arbeitsleben über bestehen bleiben.“

 

Exportwirtschaft geht es gut

Beim Blick auf die Finanzmärkte bleibt die Misere am Arbeitsmarkt verborgen. In den vergangenen zwölf Monaten bescherten irische Staatsanleihen Anlegern die höchsten Erträge im Euroraum. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank stützten. Es stieg aber auch die Zuversicht der Investoren, dass das Land seine Schulden wird zurückzahlen können.

Die Exporte Irlands stiegen im Vorjahr um vier Prozent, wobei das Umsatzwachstum von US-Firmen wie dem Pharmariesen Pfizer half. Die Zuwächse waren allerdings nicht stark genug, um Arbeitsplatzverluste im Einzelhandel, im Baugewerbe und im Finanzbereich aufzuwiegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)

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1 Kommentare
Gast: No Made
10.02.2012 07:57
0 0

Schön gesagt

"Iren drängen Junge zur Arbeitssuche im Ausland", die unsrigen "drängen" auch. Aber eigentlich stoßen sie nur ab.

Aber, wohin drängen denn alle? Wo ist das Wunderland der Übervollbeschäftigung bei adäquater Bezahlung?

Denn es sind schließlich ne Menge Bedürfnisse" zu bedienen:
laufende Schuldzinsbelastungen des Staates, die fremder Staaten, Alimentierung von mehr oder minder Hilfesuchenden, das Gesundheitswesen, die Infrastruktur, Subventionen verbliebener produktiver Gewerbe und unproduktiver öffentlicher Einrichtungen, des Mittelstandes und der Agrarwirtschaft, Alimentierung von leistungsfernen Schichten (Diäten), Pensionen, diverse Energiewenden (eher -halsen!?), die Zeugung, Ernährung (etc.) und optimale Bildung der Kinder, ggf. die Versorgung der Vorgängergeneration, das Darlehn für das neue Auto, (mit dem man auch zum in der Umweltzone gelegenen Arbeitsplatz gelangen darf), die eigene Alters- und Pflegevorsorge, Miete/Darlehn für Wohnraum, Energie und Wasser und nicht zuletzt Ernährung.
Und bei jeder Nachfrage wird die gleichen Partizipationen auf die eigentlichen Preise aufschlagen.
Aber ich scheine abzuschweifen...