Wer zu Jahresbeginn auf Rohstoffe setzte, tat gut daran. Im Jänner ging es vor allem mit den Metallpreisen steil bergauf. Seit Jahresbeginn hat sich Silber um 20 Prozent verteuert, Platin um 17, Kupfer um 13 und Gold um neun Prozent. Hauptursache sei die lockere Geldpolitik der Notenbanken, meint Erste-Analyst Ronald Stöferle. Diese pumpen Geld in die Märkte, welches unter anderem für Aktien und Rohstoffe ausgegeben wird. Von dieser Politik dürften seiner Meinung nach heuer vor allem Silber und Gold profitieren, die als Inflationsschutz gekauft werden.
Die zweite Ursache ist der wachsende Optimismus für die Konjunktur. Sollte sich das Wachstum in China doch nicht so stark einbremsen, dürfte die Nachfrage nach Metallen wie Kupfer, Platin und Palladium hoch bleiben. Sie werden in der Autoindustrie verwendet. Diese reagiert sensibel auf Konjunkturveränderungen. Das bedeutet aber auch: Sollte sich die Konjunktur einbremsen, kann es mit den Metallpreisen rasch nach unten gehen.
Ölpreis von Politik abhängig. Zu den Pessimisten zählt Bill Smead von der Vermögensverwaltung Smead Capital Management in Seattle. Er bezifferte gegenüber der Agentur Bloomberg die Wahrscheinlichkeit, dass China bis 2015 in eine Rezession rutscht, mit 30 Prozent. Rohstoffe hält er für „massiv überbewertet“. Das gelte auch für den Ölpreis, der derzeit 50 bis 70 Prozent über den Förderkosten liege. „Die Vergangenheit zeigt, dass die Preise einen Boden nahe den Produktionskosten bilden. Das sind für Rohöl 50 bis 55 Dollar je Barrel.“ Derzeit kostet ein Fass der US-Sorte WTI 98,5 Dollar, die Nordseesorte Brent kostet 117 Dollar.
Anderer Ansicht ist Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch: Die Förderkosten spielten beim Ölpreis nur eine geringe Rolle. Die Opec-Staaten brauchten einen Preis von 80 bis 90 Dollar, um ihre Importe zu finanzieren, und würden daher den Preis auf diesem Niveau halten. Auch Stöferle hält das Risiko für einen steilen Rückgang des Ölpreises für gering. Eher bestehe das Risiko nach oben, falls der Iran-Konflikt eskalieren sollte. Unsicher sind auch die Aussichten für Agrarrohstoffe: Hier komme es vor allem auf die Ernte an, meint Fritsch. Die Nachfrage steige seit Jahren stetig leicht an, daher seien kaum Überraschungen zu erwarten– es sei denn, es kommt zu einem so starken Konjunktureinbruch wie 2009. Laut Commerzbank rechnet der Markt mit einer schlechter als erwarteten Maisernte in Argentinien und einer geringeren Sojaernte in Brasilien. Das ließe die Preise für Mais und Soja steigen.
Da die Agrarpreise stark vom Angebot und der Ölpreis von der Politik abhängt, empfiehlt es sich für jene Investoren, die an eine gute Entwicklung der Konjunktur glauben, auf Metalle zu setzen. Eine negative Korrelation zu Aktien gibt es aber nicht: Die Rohstoffpreise (mit Ausnahme von Gold) ziehen meist zeitgleich mit den Börsen an.
Parallelität zu Aktien. Zur Streuung sind Rohstoffe daher nicht geeignet, schon gar nicht Industriemetalle wie Kupfer, Palladium etc. Für die meisten Rohstoffe (außer Gold) gilt jedoch, dass sie für Privatanleger nicht so leicht direkt handelbar sind. Wer börsengehandelte Fonds oder Zertifikate kauft, muss häufig die Erfahrung machen, dass sie hinter dem Rohstoffpreis, den sie abbilden, zurückbleiben. Ursache sind „Rollverluste“. Bei solchen Papieren müssen nämlich laufend Terminkontrakte mit kurzer Laufzeit durch solche mit längerer Laufzeit ersetzt werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)
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