Opel: Die deutsche Delle bei General Motors

16.02.2012 | 18:19 |   (Die Presse)

General Motors schafft es nicht, sein Europageschäft in die Gewinnzone zu führen. Der Tochter Opel sind die Hände gebunden. Operativ fuhr das Europageschäft 2011 ein Minus von 747 Mio. Dollar ein.

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Wien/Ag./Nst. Sie will und will nicht glücken: die Sanierung des deutschen Autoherstellers Opel. Während der US-Mutterkonzern General Motors am gestrigen Donnerstag mit einem Gewinn von 7,6 Mrd. Dollar ein Rekordergebnis für das abgelaufene Geschäftsjahr vorlegen konnte, schreibt die europäische Tochter hohe Verluste – und das seit Jahren.

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Operativ fuhr das Europageschäft 2011 ein Minus von 747 Mio. Dollar ein. Den Managern in der Konzernzentrale bereitet das Kopfzerbrechen. Und so geistert bereits seit Längerem das Gespenst eines neuen Sparprogramms herum. Unter anderem ist von Werkschließungen die Rede. „Wir haben in Europa noch Arbeit vor uns“, sagt Finanzchef Dan Ammann nun. Opel hat bereits einen Standort in Antwerpen stillgelegt und in Summe rund 8000 Stellen abgebaut.

Das aber scheint nicht genug zu sein: Opels Problem ist unter anderem, dass das Unternehmen seine Autos nur in Europa verkaufen „darf“. Andere Exportmärkte bleiben den Deutschen mehr oder weniger verwehrt, weil GM seine eigenen Marken auf Fremdmärkten nicht in Konkurrenz zueinander antreten lassen möchte. So bestünde für Opel zwar die Möglichkeit, Fahrzeuge nach China zu liefern. Was Opel im Vorjahr mit rund 5000 Wagen auch tat. Aber in Ländern wie Brasilien oder dem Reich der Mitte macht der Import von Fahrzeugen nur bedingt Sinn, weil hohe Einfuhrzölle zu entrichten sind.

 

Nachfrage in Europa schwächelt

Nicht zuletzt deswegen sind Konzerne wie Volkswagen dazu übergegangen, Produktionen vor Ort hochzuziehen. Auch GM stellt Fahrzeuge in China her, Autos der Marke Opel laufen dort aber nicht vom Band. Geht es nach GM, dürfte sich das so bald auch nicht ändern. „Opel bleibt eine Regionalmarke mit klarem Fokus auf Europa“, stellte GM-Marketing-Chef Joel Ewanick diesen Jänner auf der Automesse in Detroit klar.

Doch der europäische Markt gilt als weitgehend gesättigt. Hohe Wachstumsraten, wie sie in Schwellenländern erzielt werden, sind in der EU nicht zu erwarten und können von Opel auch nicht genutzt werden.

Zugleich kämpft das Unternehmen mit der schwachen Nachfrage in seinem Hauptabsatzgebiet. Die Staatsschuldenkrise dämpft die Konsumnachfrage. Besonders in den hoch verschuldeten Staaten hält man sich mit Neuwagenkäufen zurück. Allein im heurigen Jänner sank die Zahl neu zugelassener Fahrzeuge in der EU um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In Ländern wie Portugal war der Einbruch mit rund 47 Prozent besonders stark. Opel und Vauxhall setzten zu Jahresbeginn mit rund 56.000 Fahrzeugen um gut ein Fünftel weniger ab als noch im Jänner 2011. Aber auch Konzerne wie Fiat, Renault oder Peugeot verkauften deutlich weniger Autos. Für Opel dürfte die Lage aber kaum besser werden. Peugeot-Chef Philippe Varin rechnet für Europa heuer mit einem um fünf Prozent schrumpfenden Markt. Ursprünglichen Plänen zufolge sollte Opel ab 2012 nachhaltig schwarze Zahlen schreiben.

Im Zuge der Finanzkrise hatte General Motors erwogen, Opel an ein Konsortium aus Magna und der russischen Sberbank zu verkaufen. Letztendlich zog GM sein Angebot zurück, um Opel selbst zu sanieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2012)

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7 Kommentare

Warum lassen sich die USA und die EU den chinesischen protektionismus eigentlich gefallen

der chinesische merkantilismus hat mitlerweile schon ein bedenkliches ausmaß angenommen

zuerst bei den "seltenen erden" und nun bei den autos, das ist ja reiner technologiediebstahl, und eine vernichtung europäischer arbeitsplätze

die usa und die EU sollten endlich einmal gegen diese unfaire politik vorgehen, denn die koppelung der währung, den zwang in china zu produzieren, und dem erpressen westlicher technologiekonzerne mit den metallen der seltenen erden muss ein Riegel vorgeschoben werden!

Antworten Gast: tauschhandel
17.02.2012 17:34
0

Re: Warum lassen sich die USA und die EU den chinesischen protektionismus eigentlich gefallen

o.k. Wir könnten ja einen Deal mit den Chinesen machen.

Wir haben unbeschränkten Zugang zu chinesischen "Seltenen Erden" und die Chinesen dafür unbeschränkten Zugang zu unserem Wasser.

Bei dem Wassermangel in China würden die Chinesen sofort zustimmen.

Re: Warum lassen sich die USA und die EU den chinesischen protektionismus eigentlich gefallen

Welche Technologie wurde gestohlen?

Der über 100 Jahre alte Benzinmotor?

Oder die neuen chinesischen Hochleistungsakkus, die bei uns noch gar nicht entwickelt wurden?

Re: Re: Warum lassen sich die USA und die EU den chinesischen protektionismus eigentlich gefallen

geh bitte welcher autobauer verwendet heutzutage noch 100 jahre alte motoren?
die heutigen motoren sind topmoderne wunderwerke der technik, die alle möglichen spielerein enthalten, um die leistung zu erhöhen und gleichzeitig den spritverbrauch zu senken

nur das prinzip auf dem sie basieren ist seit hundert jahren das selbe (eine explosion eines gases bewegt einen kolben) die technische ausführung hat sich aber rasant weiterentwickelt

Außerdem ist mir nicht ganz klar, was sie unter den chinesischen hochleistungsakkus verstehen!
soweit ich weiß sind die derzeit leistungsfähigsten akkumultoren die lithium-Schwefel akkus, die wurden aber sicherlich nicht in china entwickelt sondern in den USA,Kanada und europa

fakt ist dennoch nun einmal. dass die chinesische regierung ganz gezielt darauf aus ist westliche technologie zu klauen, was sich daran zeigt, dass ausländische firmen, wollen sie in china ihre produkte verkaufen oft dazu gezwungen sind joint ventures mit chinesischen unternehmen einzugehen, und dass ausländische unternehmen duch die drastische drosselung der exporte von seltenen erden dazu gezwungen werden in china zu produzieren

Re: Re: Re: Warum lassen sich die USA und die EU den chinesischen protektionismus eigentlich gefallen

Super, dank moderner Technik brauchen modernste Motoren um 10 % weniger, als damals. Das ist natürlich eine Revolution.

Und unter Hochleistungsakkus meine ich solche Akkus, wie sie im BYD E6 verwendet werden.

Es ist übrigens bekannt, dass die Asiaten in der Akkutechnologie uns weit voraus sind. Stronach von Magna wollte sogar seine Anteile verkaufen, um ein Joint-Venture mit den Chinesen zu gründen. Geplant war, die chinesische Technologie mit Stronachs Kapital zu vereinen. Er hat es aber aufgegeben. Die Chinesen brauchen wohl auch kein Geld mehr.

Antworten Gast: pan-tora
17.02.2012 08:36
2

Re: Warum lassen sich die USA und die EU den chinesischen protektionismus eigentlich gefallen

und wie stellst du dir das vor? willst du einem land vorschreiben wie es mit seinen bodenschätzen umzugehen hat? ich denke nicht, dass in china alles koscher ist, aber im grunde verhalten sie sich nicht wesentlich anders als die amerikaner (das soll aber kein ami-bashing werden!). vorteile sichern, politische & militärische einflussnahme... das haben wir alles schon mal gesehen.

Re: Re: Warum lassen sich die USA und die EU den chinesischen protektionismus eigentlich gefallen

nunja china nimmt sich schon sehr viel heraus

auf der einen seite profitiert es enorm von freien handel, was sich an den enormen divisenschätzen und dem rasanten wachstum zeigt, auf der anderen seite hält es sich nicht an die spielregeln des freihandels

es ist nun einmal anderen ländern gegenüber nicht fair die eigenen währung nicht aufzuwerten, obwohl die wirtschaft seit der letzten aufwertung bereits um 50% gewachsen ist
die fixe koppelung des rembimbi an den us dollar wiederspricht dem freien markt, gleichzeitig beruft sich china jedoch bei seiner exportpolitik ständig auf diesen

das ist meines erachtnes nach sehr häuchlerisch und an der grenze zur (völker)rechtswidrigkeit
nach dem estoppel prinzip darf sich china nicht auf einen zusatnd berufen, den es selbst durch rechtswirdiges handeln herbeigeführt hat
wenn also die chinesische wirtschaft durch den niedrigen rembimbi gestärkt wird, und importe aus anderen ländern dadurch verteuert werden darf sich china nicht wundern wenn andere länder daraufhin chinesische importe ebenso verteuern

selbiges gilt exakt auch für die seltenen erden, wenn china sein klumpert exportieren will, so beruft es sich auch immer auf den freien markt, wenn es aber darum geht wichtige rohstoffe zu exportieren, so sind die chinesen wieder im merkantilismus

fazit: wenn die chinesen dien freien warenverkerh haben wollen so sollten sie sich auch daran halten und den protektionismus ad acta legen!

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