Spar will am Sonntag verkaufen

Nach Rewe will auch Lebensmittelhändler Spar an den Sonntagsumsätzen mitnaschen. Dazu sind Bahnhofsstandorte in Wien Mitte und am Hauptbahnhof geplant. Für Händler dürfte es sich trotz hoher Lohnaufschläge rechnen.

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(c) EPA (Patrick Lux)

Wien. Wer an einem Sonntag bereits versucht hat, sich seinen Weg mit dem Einkaufswagen durch die Menschenmenge in der Billa-Filiale am Wiener Franz-Josefs-Bahnhof zu bahnen, weiß: Es ist die Hölle los. „Die Umsätze bei Billa sind am Sonntag um ein Vielfaches höher“, erläutert Karin Nakhai, Sprecherin des Lebensmittelriesen Rewe.

Konkurrent Spar will sich dieses Geschäft in Wien nicht mehr entgehen lassen: „Wir haben den Zuschlag für Top-Bahnhofsstandorte erhalten“, frohlockt Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender der Spar AG. Und „wir würden uns freuen, wenn wir punkto Sonntagsöffnung dieselben Möglichkeiten bekämen, wie Konkurrenten, die bereits Filialen an Bahnhöfen betreiben,“ sagte Drexel.

Grundsätzlich dürfen Händler am Sonntag nicht aufsperren. Der jeweilige Landeshauptmann kann die Öffnung trotzdem mit dem Erlass einer Verordnung erlauben, wenn er einen „besonderen regionalen Bedarf“ sieht. Vor einem Jahr hatte Drexel noch betont, an der geltenden Gesetzeslage nichts ändern zu wollen: „Aus unserer Sicht ist es gut, dass die vielen tausenden Spar-Mitarbeiter am Sonntag freihaben und dieser freie Tag für Regeneration, Familie und Spiritualität zur Verfügung steht.“

Zuschlag für Wien Hauptbahnhof

Nun sieht er das differenzierter: Spar startet in Wien eine Bahnhofsoffensive, mit dem Plan, die Läden auch am Sonntag zu öffnen. So wird in einem neuen Shoppingcenter beim Bahnhof Wien Mitte Ende 2012 auf 3000 Quadratmeter Fläche ein Interspar eröffnen. Außerdem hat der Konzern mit Sitz in Salzburg den Zuschlag für den 2014 eröffnenden Wiener Hauptbahnhof erhalten (ebenfalls Interspar). Wenn der Flughafenterminal Skylink im Sommer eröffnet wird, wird auch dort ein „Gourmet Spar“ einziehen. An der Haltung, den Sonntag für die Mitarbeiter freizuhalten, habe sich durch die Neueröffnungen in Wien (und 2012 im neuen Salzburger Hauptbahnhof) nichts geändert, betont Spar. Das Gros der Filialen solle am Sonntag ruhen, selbst, wenn eine Öffnung gesetzlich erlaubt wäre. Einzig an Standorten bei Bahnhöfen und Flughäfen (die sehr stark frequentiert werden) werde der sonntägliche Betrieb der Läden angestrebt. So seien auch die Bahnhofsstandorte in Graz und Linz bereits seit 2005 und 2011 sonntags geöffnet.

Die Lohnaufschläge für das Personal sind am Sonntag hoch (ein Verkäufer verdient in einer Arbeitsstunde das Doppelte einer normalen Stunde) – für die Händler dürfte es sich aber rechnen.

Hofer bereits sonntags geöffnet

Der Marktführer im Lebensmittelhandel, Rewe (mit den Marken Billa, Merkur, Penny, Adeg), hält unter anderem in den Filialen Franz-Josefs-Bahnhof und Praterstern in Wien, am Flughafen Wien-Schwechat (zwei Filialen) und am Klagenfurter Bahnhof am Sonntag offen. Die Filiale im Flughafengebäude soll Gerüchten zufolge wegen Renovierungsarbeiten am alten Terminal geschlossen werden.

Im neuen Westbahnhof befinden sich Merkur, Merkur Mini Markt und ein Backshop. Diskonter Hofer hält „an Standorten in Tourismusgebieten, in denen die Sonntagsöffnung erlaubt ist“, offen, ohne aber Filialen zu nennen.

Auf einen Blick

Der Einzelhändler Spar hat sich hoch frequentierte Standorte an den Bahnhöfen Wien Mitte, Wien Hauptbahnhof und am Skylink gesichert. Diese Filialen plant Konzernchef Gerhard Drexel auch am Sonntag offen zu halten. Billa macht am Sonntag seit Jahren gute Geschäfte, Merkur dominiert seit 2011 den Westbahnhof. [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2012)

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