Spar will am Sonntag verkaufen

23.02.2012 | 18:48 |  JULIA KERN (Die Presse)

Nach Rewe will auch Lebensmittelhändler Spar an den Sonntagsumsätzen mitnaschen. Dazu sind Bahnhofsstandorte in Wien Mitte und am Hauptbahnhof geplant. Für Händler dürfte es sich trotz hoher Lohnaufschläge rechnen.

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Wien. Wer an einem Sonntag bereits versucht hat, sich seinen Weg mit dem Einkaufswagen durch die Menschenmenge in der Billa-Filiale am Wiener Franz-Josefs-Bahnhof zu bahnen, weiß: Es ist die Hölle los. „Die Umsätze bei Billa sind am Sonntag um ein Vielfaches höher“, erläutert Karin Nakhai, Sprecherin des Lebensmittelriesen Rewe.

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Konkurrent Spar will sich dieses Geschäft in Wien nicht mehr entgehen lassen: „Wir haben den Zuschlag für Top-Bahnhofsstandorte erhalten“, frohlockt Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender der Spar AG. Und „wir würden uns freuen, wenn wir punkto Sonntagsöffnung dieselben Möglichkeiten bekämen, wie Konkurrenten, die bereits Filialen an Bahnhöfen betreiben,“ sagte Drexel.

Grundsätzlich dürfen Händler am Sonntag nicht aufsperren. Der jeweilige Landeshauptmann kann die Öffnung trotzdem mit dem Erlass einer Verordnung erlauben, wenn er einen „besonderen regionalen Bedarf“ sieht. Vor einem Jahr hatte Drexel noch betont, an der geltenden Gesetzeslage nichts ändern zu wollen: „Aus unserer Sicht ist es gut, dass die vielen tausenden Spar-Mitarbeiter am Sonntag freihaben und dieser freie Tag für Regeneration, Familie und Spiritualität zur Verfügung steht.“

Zuschlag für Wien Hauptbahnhof

Nun sieht er das differenzierter: Spar startet in Wien eine Bahnhofsoffensive, mit dem Plan, die Läden auch am Sonntag zu öffnen. So wird in einem neuen Shoppingcenter beim Bahnhof Wien Mitte Ende 2012 auf 3000 Quadratmeter Fläche ein Interspar eröffnen. Außerdem hat der Konzern mit Sitz in Salzburg den Zuschlag für den 2014 eröffnenden Wiener Hauptbahnhof erhalten (ebenfalls Interspar). Wenn der Flughafenterminal Skylink im Sommer eröffnet wird, wird auch dort ein „Gourmet Spar“ einziehen. An der Haltung, den Sonntag für die Mitarbeiter freizuhalten, habe sich durch die Neueröffnungen in Wien (und 2012 im neuen Salzburger Hauptbahnhof) nichts geändert, betont Spar. Das Gros der Filialen solle am Sonntag ruhen, selbst, wenn eine Öffnung gesetzlich erlaubt wäre. Einzig an Standorten bei Bahnhöfen und Flughäfen (die sehr stark frequentiert werden) werde der sonntägliche Betrieb der Läden angestrebt. So seien auch die Bahnhofsstandorte in Graz und Linz bereits seit 2005 und 2011 sonntags geöffnet.

Die Lohnaufschläge für das Personal sind am Sonntag hoch (ein Verkäufer verdient in einer Arbeitsstunde das Doppelte einer normalen Stunde) – für die Händler dürfte es sich aber rechnen.

Hofer bereits sonntags geöffnet

Der Marktführer im Lebensmittelhandel, Rewe (mit den Marken Billa, Merkur, Penny, Adeg), hält unter anderem in den Filialen Franz-Josefs-Bahnhof und Praterstern in Wien, am Flughafen Wien-Schwechat (zwei Filialen) und am Klagenfurter Bahnhof am Sonntag offen. Die Filiale im Flughafengebäude soll Gerüchten zufolge wegen Renovierungsarbeiten am alten Terminal geschlossen werden.

Im neuen Westbahnhof befinden sich Merkur, Merkur Mini Markt und ein Backshop. Diskonter Hofer hält „an Standorten in Tourismusgebieten, in denen die Sonntagsöffnung erlaubt ist“, offen, ohne aber Filialen zu nennen.

Auf einen Blick

Der Einzelhändler Spar hat sich hoch frequentierte Standorte an den Bahnhöfen Wien Mitte, Wien Hauptbahnhof und am Skylink gesichert. Diese Filialen plant Konzernchef Gerhard Drexel auch am Sonntag offen zu halten. Billa macht am Sonntag seit Jahren gute Geschäfte, Merkur dominiert seit 2011 den Westbahnhof. [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2012)

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106 Kommentare
 
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Gast: unhold
25.02.2012 08:35
0 0

sonntagsöffnung

sind's leicht schon so verzweifelt, daß sie in den himmel kommen wollen die SPARER?

Leider hält sich auch die Kirche nicht an die Sonntagsruhe

Vielerorts werden sonntags Pfarrfeste veranstaltet, die nicht selten als Einnahmequelle für "bedürftige" Pfarren dienen. Das Verrückte daran, dass die Billa-Verkäuferin anstatt, dass diese am Sonntag im Geschäft Lebensmitteln verkauft beim Pfarrfest unentgeltlich als Serviererin mithilft. Abends müde zu Bett geht um nächsten Tag wieder unausgeruht arbeiten geht.
Gut, wegen dem einmal im Jahr. Ja, der 8. Dezember ist auch nur einmal im Jahr, und oft nicht einmal ein Sonntag!
Nicht immer ist es nur ein einziger Sonntag: Bastelmärkte, Pfarrkaffe usw.
Es gibt genügend Sonntage wo es in Pfarren zwecks Einnahmen etwas zu arbeiten gibt!
Und, warum sollte es dann an ausgewählten Standorten im Supermarkt nicht möglich sein an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten?

Grundsätzlich bin ich auch flächendeckend für einen gemeinsamen Ruhetag am Sonntag

* er hat eine soziale Dimension
Verwandtschaftstreffen bei runden Geburtstagen; Ruhe genießen; auftanken und reflektieren; Zeit für Familie und/oder Freunde; einfach einmal sein können, wenn alles ruht: DAS IST DIE EINE SEITE
* DIE ANDERE SEITE
heutzutage haben viele unter der Woche einen enormen Stress, dass es zum Einkaufen nicht mehr reicht z.B.;
immer wieder haben einige Sonntagsdienst, da soll aber nur das gemacht werden, was sein muss z.B. die kranke Patientin auch an einem Sonntag operieren, jedoch nicht i-welchen Verbandsmull zubereiten oder Grundreinigungsarbeiten; diverse andere Arbeiten: Sonntag ist eben Sonntag, und man sollte auch im Krankenhaus den Sonntag noch als solchen erkennen.
* ich bin dafür, dass in Großstädten ein paar Lebensmittelhändler am Sonntag die Geschäfte offenhalten; was ist dabei?


Freiheit

Wo bleibt die freie Marktwirtschaft ... wenn die Verkäufer dann sogar tolle Zuschüsse für Ihre Sonntagsarbeit bekommen, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass viele dies gern tun würden !

Gast: bn hnm
24.02.2012 19:11
0 0

Verlagerung.

Der Umsatz wird sich nicht steigern,bloß verlagern,wer Sonntags einkauft,tut es dann eben Montags nicht mehr.

Gast: africano
24.02.2012 17:45
0 0

Wo bleiben hier die Gewerkschafter ?

Man hört und sieht nichts ,vom ÖGB ,da sie nur auf die Klein und Mittelbetriebe fixiert sind ,haben die Konzern Narren Freiheit.
Es stinkt zum Himmel.

Wer davon profitiert:

-Geschäftsleitung bzw. Umsatz
-Kunden

Wer davon nicht profitiert:
-Verkäufer
da sie am Sonntag auch arbeiten müssen, nur
weil ein paar Leute es nicht schaffen unter der
Woche einkaufen zu gehen!

Meine Haustiere

muß ich auch auf meiner Arche Noah am Shabbat füttern,wie auch alle Bauern am Sonntag,dem Feiertag ihres Christengottes.

In St.Veit/Glan

gibt es auch sonntags schon lange

einen gut besuchten Spar-Markt auf einer Tankstelle!

Wo liegt das Problem?

Ich muß meine Haustiere auch am Sonntag füttern,wie alle Bauern.

Gast: Gasti
24.02.2012 14:20
1 0

Traditionell ist der Sonntag jener Tag

an dem selbst die Sklaven frei haben sollen.

In der heutigen Zeit braucht es dies aber anscheinend nicht mehr, weil es ja keine Sklaven mehr gibt.

Meiner Ansicht nach, gibt es keinen Grund am Sonntag etwas einkaufen zu muessen, das man nicht an den anderen sechs Tagen der Woche haette einkaufen koennen. Wer seine Agenda nicht soweit im Griff hat, dass er alles unter der Woche besorgen kann, sollte ohnehin eine Nachschulung besuchen.

ich hätte gern den Umsatz

den der Billa am Praterstern an einem Sonntag mit Alkohol macht, der geht an diesem Tag anscheinend am Besten wenn man sich mal so umschaut. Ich glaub ich bräuchte ein paar Monate nicht Arbeiten zu gehen...

Gast: Ösi
24.02.2012 12:35
0 1

Liebe Leute, ich bin die ganze Woche zuhause...

...und finde es trotzdem gut, wenn die Geschäft sonntags öffnen! Am liebsten wäre mir, wenn die Läden auch in der Nacht offen hätten. Die ganzen blaubraunen rechtsprimitiven Bildungsproleten sollen ruhig mal etwas hackeln.

Tschüssi

Hier nochmal

eine beeindruckende Liste an Berufsgruppen die am Sonntag arbeite - da jammert keiner rum oder hat Mitleid weil sie keine Zeit mit der Familie verbringen können:

-) Polizisten
-) Ärzte
-) Eisenbahner/Busfahrer/U-Bahnfahrer/Straßenbahnfahrer
-) Fernsehmoderatoren/-techniker/-etc.
-) Kellner/Köche/Hoteliers
-) Strom- und Gaswerke
-) unzählige Angestellte in Industrieberieben die 7/24 Schichten fahren
-) Taxifahrer
-) Traffikanten (zb bei Bahnhöfen)
-) Tankstellenbetreiber
-) Pannendienst (Öamtc, Arbö)
-) Angestellte in Callcentern (zb Mobilfunk)
-) Zeitungsredakteure
-) (Presse)Photographen
-) Discotheken/Nachtclubs
-) Securityfirmen
-) Kinoangestellte
-) Theaterangestellte
-) Opernangestellte
-) (Theater)Schauspieler
-) Kabarettisten
-) gesamte Rundfunk, also auch Radiostationen
-) Netzwerk und Server-Spezialisten (EDV)
-) Pfarrer
-) Ausflugs-Schifffahrt (Donau, Wachau)
-) Angestellte in Thermen und Freibädern

Jetzt soll uns mal einer plausibel erklären warum grade der Handel am Sonntag NICHT arbeiten darf?

Ein Witz ist das, und die Argumente der Verhinderer scheinheilig bis zum Erbrechen!

Antworten Gast: Defender
24.02.2012 21:51
0 0

Re: Hier nochmal

Getreu dem Motto - schaut's da is es schon schlecht also kann's auch schlecht für alle sein - "scheinheilig bis zum Erbrechen"

Antworten Gast: nichtsnutz
24.02.2012 16:37
0 0

Re: Hier nochmal

arbeiten sie am sonntag?

Antworten Gast: Ösi
24.02.2012 12:28
0 1

Re: Hier nochmal

Die meisten Pfuscher arbeiten auch am Wochenende, da sie wochentags einer regulären Arbeit nachgehen.

Tschüssi

Re: Hier nochmal

Prostituierte haben Sie vergessen !

Re: Re: Hier nochmal

stimmt

-) Bordelle und Laufhäuser

Es wird sich rechnen ...

Für wen ?
Wird jetzt plötzlich mehr gegessen ?
Wenn wo mehr verkauft wird, dann wird woanders, wo bisher verkauft wurde, weniger verkauft.
Also: Den Nachteil haben kleine Läden, die verteilt in den Wohngebieten (auf kleinen Räumlichkeiten) ihre Waren anbieten. Die werden schließen. Der Konsument wird weiter fahren müssen, wie? Mit dem Auto, mit Öffis. Beides kostet Geld; damit kosten für ihn die Waren mehr. Aber die Aktionäre der großen Handelsketten, die im Ausland sitzen, reiben sich die Hände.

Kann schon sein

Aber das darf man den Geschäften durchaus in eigener Verantwortung überlassen. Ob sie dann vielleicht erst später aufsperren, eine Mittagspause machen, einen gewissen Feiertagszuschlag verlangen oder, horribile dictu, von der neuen Möglichkeit keinen Gebrauch machen und am So. weiterhin schließen sollte aber jedem selbst überlassen werden.

Der Staat kann und soll einen Rahmen vorgeben, den Rest aber den Unternehmen überlassen. Momentan darf sich nicht einmal der Unternehmer selbst in sein Geschäft stellen, die Tankstelle am Eck aber alle Lebensmittel verkaufen. Lächerlich.

Antworten Antworten Gast: ccaappu
24.02.2012 12:09
1 2

Re: Kann schon sein

das ist falsch. der unternehmer darf sich selbst ins geschäft stellen und an einem sonntag öffnen, aber nur dann wenn er KEINE Angestellten am Sonntag hat.
Nur findet sich solch ein Unternehmer überhaupt außer bei türkischen Geschäften, die als Familienbetrieb arbeiten?

Die Unternehmer wollen ja selbst nicht am Sonntag arbeiten, wollen aber ihr Geschäft aufsperren. Komische Logik.

Re: Re: Kann schon sein

Ist auch mein Eindruck, daß die Türken tüchtiger sind, auf dem Gebiet. In meiner Jugendzeit war das auch so, das Geschäft mußte von 12-3 geschlossen sein, aber wenn man hinten rein ging, da war ja Geschäft und Wohnung ein Objekt, dann konnte man trotzdem kaufen. Wir sind fett und träge geworden; die Türken noch nicht.

Antworten Gast: korruptionistalles
24.02.2012 11:23
1 1

Re: Es wird sich rechnen ...

und die manager der Händler und die bestochenen Politiker reiben sich erst recht die hände: sie alle haben Sonntag frei und cashen noch zusätzlich viel Geld ab.

und die kaufsüchtigen, die "in ruhe am sonntag einkaufen wollen", durchschauen so ein marktgeschrei sowieso nicht. nützen tut ein arbeitssonntag nur den Besserverdiener

Re: die kaufsüchtigen, die "in ruhe am sonntag einkaufen wollen

Da geht's nicht um's durchschauen, sondern es geht denen am Ar§ch vorbei, wenn Sie oder ich regelmäßig am Sonntag arbeiten, wenig ihre Kinder sehen oder sonst weniger Kontakte pflegen dürfen.

Einen Tag Ruhe

In Tourismusgebieten, Tankstellen und an Bahnhöfen ist die Sonntagsöffnung erlaubt. Was hat es gebracht? Wuchernde Tankstellensupermärkte zu überzogenen Preisen und stetig wachsende Bahnhof-Cities.

Das allein würde mich ja nicht stören, ist ja auch oft praktisch wenn einem einmal am Sonntag die Milch ausgeht.
Aber der Verlust des letzten "ruhigen" Tages wäre ein hoher. Das Wochenende würde sich mit der Zeit ad absurdum führen. Dass gemütliche Spaziergänge durch manche Städte dann auch wohl der Vergangenheit angehören, wird nur das geringste Übel sein.

Re: Einen Tag Ruhe

Nach dem Handel ist das Wochenende nicht zum Ausruhen da, sondern zum Kaufen.
Ausruhen bringt keinen Umsatz.

 
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