Berlin/Reuters/AFP. Während die Krisenländer des Mittelmeerraums regelmäßig unter hohen Zinsen für ihre Staatsanleihen stöhnen und sich in jüngster Zeit nur in kleinen Schritten von der langfristig unfinanzierbaren Marke von sieben Prozent entfernen, bringt die Verunsicherung der Investoren Deutschland de facto Gratiskredite. So konnte die deutsche Finanzagentur am Montag eine zwölfmonatige Anleihe im Ausmaß von 2,5 Mrd. Euro ohne Probleme am Markt unterbringen. Obwohl die Anleger für das Papier nur eine Rendite von 0,0768 Prozent erhalten, war die Emission um das 1,9-Fache überzeichnet.
„Für den Bund konnte mit der Auktion ein wirtschaftlich sehr gutes Ergebnis erzielt werden“, sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Es „spiegle die Suche nach ausfallsicheren Anlagen in einem insgesamt volatilen Marktumfeld wider“. Allerdings gibt es erste Anzeichen, dass die Bereitschaft der Anleger zu mehr Risiko und somit auch mehr Rendite wieder zunimmt. Denn parallel zu den leicht fallenden Zinsen bei italienischen und spanischen Anleihen nehmen die Renditen bei deutschen Anleihen in homöopathischen Dosen wieder zu. Im Jänner musste die Finanzagentur für eine Anleihe nämlich mit 0,07 Prozent noch weniger zahlen.
„Bankensystem ist instabil“
Nach Ansicht der fünf deutschen Wirtschaftsweisen ist das Bankensystem in Europa allerdings noch „alles andere als gefestigt“. Die Finanzinstitute würden sich derzeit nur kaum gegenseitig vertrauen. Dies zeige sich vor allem an der Tatsache, dass die Banken jeweils viel Geld bei der EZB parken würden, anstatt es sich untereinander zu leihen. Dies führe zunehmend zu einer Kreditknappheit bei Unternehmen und Konsumenten.
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