"Dollar-Dämmerung": Der Bankier der USA als Feind

16.03.2012 | 09:49 |  Von Peter Huber (DiePresse.com)

"Die Tage des Dollars als internationale Leitwährung sind gezählt", ist die Schweizer Währungsexpertin Myret Zaki überzeugt.

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Wer von der Eurokrise nichts mehr hören kann und diese nur für ein Ablenkungsmanöver der USA hält, der wird mit dem Buch "Dollar-Dämmerung" der Schweizer Wirtschaftsjournalistin Myret Zaki genau das Richtige finden. "Die Tage des Dollars als internationale Leitwährung sind gezählt, eine rigorose Rückkehr zur Sparsamkeit in den USA ist unvermeidlich", heißt es gleich in der Einleitung. Das Problem mit dem Buch liegt allerdings auch genau darin: Der Versuch, den Niedergang des Dollars zu bestätigen, ist allzu krampfhaft.

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Die Autorin hatte es bei ihrer Recherche nach eigenen Angaben mitunter nicht leicht. "Sie sollten über den Tod des Euros ein Buch schreiben", empfahlen ihr Gesprächspartner. Davon ließ sie sich jedoch nicht beirren. Ihr Schluss: Der Dollar wird zugrunde gehen, nicht der Euro.

Dollar als Bedrohung für Weltwirtschaft

Ihre Kernthese: Der Dollar stellt die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft dar. Der Euro sei weiterhin der Kritik ausgesetzt, während der Kult um den Dollar weiter anhalte. Dabei gehe der Blick auf die wirtschaftliche Realität verloren: "Der Dollar gilt, trotz der Verschuldung Amerikas, als sicherer Hafen (wie auch US-Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen im Presse.com-Interview sagt), obwohl er das höchste Risiko darstellt. Die US-Wirtschaft setzt die meisten währungspolitischen 'Anabolika' ein, und trotzdem gelten ihre dynamische Zentralbank und ihre hohe Produktivität als Vorbilder".

Dem eigentlich geschwächten Dollar bleibt aus Sicht von Zaki nur eine Überlebensstrategie: Der Angriff auf den Euro. Denn der Euro sei seit seiner Einführung der Feind Nummer eins für die US-Hegemonie. Nur der Untergang des Euros sichere das Überleben des Dollars. Diese Strategie habe durchaus Erfolg gehabt: "Die Krise in Europa führte zu einer verstärkten Nachfrage nach amerikanischen Schatzanleihen, die als sicherer Hafen gelten". Durch die hohe Nachfrage bleibe der Zinssatz sehr niedrig. Würden Investoren hingegen Europa als sicheren Hafen sehen, dann würden die US-Zinsen in die Höhe schießen. "Das Land wäre sehr schnell gelähmt und es bliebe ihm nur noch der Zahlungsausfall seiner Verbindlichkeiten", urteilt Zaki.

Der "wirkliche Krisenherd" USA

Im zweiten Teil ihres Buches wendet sich sich daher dem "wirklichen Krisenherd" zu: den USA. Sie versucht dabei zu belegen, warum die Zahlen der Vereinigten Staaten ein Schwindel sind - und stellt folgendes fest:

  • Das BIP ist tiefer als offiziell angegeben
  • Die Inflation ist viel zu niedrig angesetzt
  • Die Gewinne der US-Börse verschleiern die Inflation
  • Die Produktivität ist geringer als angenommen
  • Die Arbeitslosenrate ist eigentlich doppelt so hoch

Mit drastischen Worten resümiert Zaki: "Die amerikanische Wirtschaft wurde zu einem gigantischen ungedeckten Scheck". Das US-Wirtschaftswachstum der vergangenen 15 Jahre beruhe auf Vermögensblasen. "Die Kreditausweitung in dieser Zeit war das einzig bedeutsame Element in der Wirtschaftsentwicklung von Amerika", schreibt sie. Gleichzeitig könnten Staatsschulden, die Schulden der Bundesstaaten sowie die Schulden aus den künftigen Zahlungsverpflichtungen für Renten sowie Sozial- und Krankenversicherungen niemals zurückgezahlt werden.(c) orell füssli

(c) orell füssli

Platz für mehrere Währungen?

Zaki analysiert ähnlich wie der US-Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen die Schwächen des Dollars. Das Ergebnis könnte aber kaum unterschiedlicher sein. Während die Schweizerin ihre These vom Niedergang des Dollars fast zwanghaft zu bestätigen versucht, zeichnet Eichengreen in seinem vor kurzem erschienenen Buch "Das Ende des Dollar-Privilegs" das Bild einer Welt, in der Platz für mehrere starke internationale Währungen ist. Das sieht er auch historisch abgesichert: "Abgesehen von der sehr speziellen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat es immer mehr als eine internationale Währung gegeben".

Zaki empfiehlt einen "geordneten Ausstieg" aus dem Dollar. Der chinesische Renminbi stehe als Nachfolger schon in Warteposition. Eine Internationalisierung der bisher von der chinesischen Regierung streng kontrollierten Währung beginne bereits. "Die Weltwirtschaft leitet langsam aber sicher eine Wende ein: vom Dollar weg hin zu Yuan", zitiert Zaki den HSBC-Spezialisten Qu Hongbin.

Lage ernster als im "Kalten Krieg"

Dass die chinesische Währung Renminbi den Dollar herausfordern wird, darin sind sich Eichengreen und Zaki mehr oder weniger einig. In ihren Schlüssen liegen die beiden aber wieder Welten auseinander:

Nur ein Crash - also die überstürzte Flucht aus der Währung - könne dazu führen, dass der Dollar den Status als internationale Währung verliert, schreibt Eichengreen: "Die gute Nachricht ist nach Lage der Dinge also, dass das Schicksal des Dollars in unseren Händen liegt, und nicht in den Händen der Chinesen".

Zakis Schluss hingegen lautet: "Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer Situation des 'Kalten Krieges', die ernster ist als die Gegnerschaft mit der Sowjetunion. Dieses Mal steht ihnen der Feind wirklich sehr nahe: Es ist nämlich ihr eigener Bankier".

Die Autorin
Myret Zaki ist Politologin und stellvertretende Chefredaktorin des Wirtschaftsmagazins Bilan. Sie wuchs in der Schweiz auf und bildete sich zur Finanzanalystin weiter, bevor sie zum Journalismus wechselte. Mit ihren Büchern "UBS am Rande des Abgrunds" (2008) und "Das Bankgeheimnis ist tot Es lebe die Steuerflucht" (2010) sorgte sie im gesamten deutschsprachigen Raum für Aufsehen.

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13 Kommentare
Gast: Heinz Stiller
27.06.2012 13:35
0

Langsam merken es immer mehr Leute...

dass in der Perzeption der relativen Stärken und Schwächen von USA, GB und Euroraum etwas nicht stimmt.
Mit zunehmender Dauer der Diskussion beschäftigt man sich eben auch tiefer mit den Zahlen, und die bestätigen nun einmal Frau Zakis These.
Was die USA machen, nennt man schlicht und einfach, einen Hasen aus dem Loch stossen. Solange die Eurozone mit ihren vergleichsweise kleineren Problemen im Fokus bleibt, können die USA unauffällig weiterwurschteln.
Frau Zakis besonderer Verdienst als Politologin ist es, die Diskussion endlich um den polit-strategischen Aspekt ergänzt zu haben. Gerade dieser scheint Nur-Ökonomen nicht in die Köpfe zu gehen. Mit der Ausnahme von einigen wenigen wie Folker Hellmeyer oder Prof. Max Otte.

Der Schurke USA

Der Amerikanische Dollar versklavt die Völker dieser Erde und bedroht den Weltfrieden!

Jener Tag, an dem diese Lügenwährung in sich und über Nordamerika zusammenbrechen wird, wird ein wirtschaftlicher Wendepunkt im Welthandel sein.
Wir brauchen dann keine Schurkenstaaten, Achsen des Bösen oder Terroristen, die die Welt bedrohen.

Die USA werden als der große Schurke übrig bleiben.

Gast: machmuss verschiebnix
16.03.2012 19:28
0

BRICS - Staaten werden den Dollar überflüssig machen !


Brasil Russland Indien China Südafrika - das ist die neue Weltmacht (!)
Unaufhaltsam streben diese Staaten voran - ihre Handelspartner sind
aber nicht zuletzt 3.Welt-Staaten, welche nach und nach zu Schwellenländern
konvertiert wurden (und werden).

Nur ein Beispiel:
China bremst beim verkauf von seltenen Erden, welche die USA für ihre
High-Tech-Industrie dringend brauchen würden. Und ? Wird's
Bomben hageln ? Nein, die Amis werden den Schwanz einziehen.

Afghanistan hat massenhaft solche seltenen Erden. Und ? Wer
hat sich dort schon Vertraglich eingenistet ? Richtig, China (!).

Amerika is back - und zwar ganz, ganz weit hinten.


Gast: Hubertus
16.03.2012 18:23
1

Dollardämmerung

Der Niedergang des USD kündigt sich doch schon seit Dekaden an. Bei Aufkündigung des Bretton Woods Systems (Golddollarstandard)1971 durch Nixon 1oz Gold 35 USD. Heute 1 oz Gold USD 1650. Viele Notenbanken tauschen USD in Gold um bzw. kaufen tangible assets um USD (zB China Rohstoffquellen und interess. Beteiligungen). Die Entindustrialisierung der USA ist soweit fortgeschritten,daß selbst ein Boykott Chinas durch die USA nichts nützte, da die USA dann diese Güter von woanders importieren müßte. Außerdem sind die USMilitärausgaben so hoch wie der drei nächsten Ländern zusammen. Diese weit überzogenen Ausgabensind aber zum größten Teil hinausgeschmissenes Geld wie jeder Ökonom weiß.Um aus diesem Geld eine Rendite zu ziehen, wird die USA fortlaufend kriegsgeiler und gefährlicher für den Weltfrieden. Die Ausgaben müssen sich ja rentieren. Die USA exportieren größtenteils nur mehr USD und importieren Waren und Dienstleistungen gegen das Versprechen diese USD auch einmal einzulösen. Es gibt aber soviele USD im Umlauf, daß das unmöglich ist und auch in Zukunft unmöglich sein wird (zumindest mit der Kaufkraft zum Zeitpunkt der Emission). Dafür inflationieren (versteckt durch das hedonische System)sie den USD kräftig und freuen sich über alle die idiotischen USD Halter, die fast keine Zinsen für den immer wertloser werdenden USD erhalten.

Marc Faber: "Ben Bernanke ist wahnsinnig"

Crash-Prophet Marc Faber über Politiker, Griechenland und seine Investment-Strategie:

http://bit.ly/xwSaJK

Gast: Analyst 829
16.03.2012 14:37
1

Das US-BIP beruht auf Handelsbilanzdefiziten!

Das US-BIP beruht heute nur noch auf hohen Handelsbilanzdefiziten und dieser Zustand kann unmöglich auf Dauer aufrecht erhalten werden.

Beispiel, nur damit es jeder versteht:

Kostete die Produktion eines Billig-T-Shirts in nicht ganz minderer Qualität in den USA $ 2 im Jahr 1990, als tatsächlich noch T-Shirts in den USA hergestellt wurden, so werden heutzutage so gut wie keine T-Shirts mehr in den USA hergestellt, sondern diese zu einem Durchschnittspreis von etwa 70 Cent aus Bangladesh importiert.

Der Endverkaufspreis für Billig-T-Shirts in nicht ganz minderer Qualität beträgt in den USA im Durchschnitt genau wie 1990 etwa $ 5. Inflation, die ach so hoch sei gab es in den USA nur in den Bereichen, wo die Banken viel Geld über Ausleihungen hineinpumpten - also bei Immobilien!

Nun fallen natürlich die Arbeitsplätze für NäherInnen in den USA weg. Diese müssen in den Handel wechseln und dort die Produkte verkaufen, die in Bangladesh hergestellt werden.

War vorher das BIP eben von der Produktion weg in den USA entstanden, wobei die Produktion, die Industrie fast das halbe BIP schuf, so sind die USA heute praktisch deindustriealisiert!

Das BIP kommt nur noch aus dem tertiären Sektor bzw. aus dem Handel. Dort hin gelangt ein T-Shirt auf Pump und Aussenhandelsdefizit aus den Ausland um 70 c und erzeugt ein US-BIP von 4,30.

Nur dieses US-BIP fällt schlagartig komplett weg, wenn die USA keinen Kredit mehr bekommen und daher ist das US-BIP in Wahrheit extrem wackelig!

Antworten Gast: Halbwissen
16.03.2012 16:05
0

Re: Das US-BIP beruht auf Handelsbilanzdefiziten!

Sie haben vollkommen recht !

Das Handelsbilanzdefizit kann auf Dauer nich so extrem negativ sein.

Daher muss logischerweise mehr exportiert und weniger importiert werden.

Als weltgrößter Getreideexporteur müssen die Preise mittels Verheizung durch Biosprit extrem erhöht werden.
Dadurch müssen die Arbeiter in Bangladesh viel höhere Löhne verlangen wodurch die US-Arbeiter konkurenzfähiger werden.
Fabriken müssen vollautomatisiert werden damit die Lohnkosten weniger und der Transport mehr ins Gewicht fallen.
Weiters müssen die USA Energieunabhängig werden.
Dies dürfte dank fracking noch dieses Jahrzehnt möglich sein.

Die Fed kann alle Anleihen aufkaufen.
Dies würde den Dollar massiv abwerten und die USA würden zum mit Abstand größten Exporteur (weltmeister) aufsteigen.
BMW, VW etc. würden in den produziert und in den Rest der Welt verkauft werden.

Re: Re: Das US-BIP beruht auf Handelsbilanzdefiziten!

das ist doch das geniale daran - wenn der status quo aufrecht erhalten wird, bekommt amerika aus der ganzen welt mehr oder weniger hochwertige waren und dienstleistungen gegen fiat-funny-money, sollte die welt dieses fiat funny money nicht mehr akzeptieren, schiessen sie sich selbst ins knie, weil dann wieder in usa produziert wird.

das land ist so unendlich gross und weit, die u.s.a. koennen sich selbst mit lebensmittel und den meisten anderen wichtigen rohstoffen versorgen.
der einzige knackpunkt wird oel sein und ein paar seltene metalle - oel wird aus kanada, mexico & alaska transportiert - also ist man geographisch unabhaengig.


Die heutigen Währungen

leben nicht nur von wirtschaftlichen Gegebenheiten, sondern auch vom Glauben. Und eine korrekte Vorhersage auf das Verhalten der Menschen in Glaubensfragen ist noch selten geglückt.

Und bei den wirtschaftlichen Gesichtspunkten sollte man nicht vergessen, die chinesische Währung ist (noch immer) eine rein staatlich kontrollierte Währung. Was, ausgenommen Außenhandel, dahinter steckt, dringt noch immer nicht wirklich an eine breite Öffentlichkeit.

Bei den Einsparungsmöglichkeiten (plus event. Steuerhöhungen) und wegen der Mentalität "möglichst wenig Staat" sind die USA leicht im Vorteil. Die hatten sogar schon Jahre mit Budgetüberschüssen.

Am schwersten wird sich die EUR-Zone tun. Denn die müssten sich von deren Faserschmeichler-Sozialpolitik trennen, was politisch niemand wagen wird.

Antworten Gast: iwaassnet
16.03.2012 18:19
0

Re: Die heutigen Währungen

faserschmeichler-sozialpolitik? sukzessive weniger davon hamma jetzt eh... i waaß net, was d' hast...

Re: Re: Die heutigen Währungen

Schon mal mit Leuten gesprochen, welche außerhalb (West-) Europas leben und arbeiten? Würde den von mir verwendeten Begriff wohl am besten erklären.

Gast: Lutzius
16.03.2012 13:01
2

"She born 1973 ....

... in Cairo." Noch Fragen?

Gast: Pensador
16.03.2012 11:01
2

Irreale Vorstellungen

Diese Vorstellung von der "Dollar"-Dämmerung liegt auf der selben Ebene, wie schon vor 70 Jahren die japanische Ankündigung bei der Eroberung Singapurs, jetzt sei "das Ende der Herrschaft des weissen Mannes" gekommen.
Oder auch die damalige Vorstellung, Deutschland sei ein "Reich" und könne Weltmacht sein.

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