"Dollar-Dämmerung": Der Bankier der USA als Feind

"Die Tage des Dollars als internationale Leitwährung sind gezählt", ist die Schweizer Währungsexpertin Myret Zaki überzeugt.

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Wer von der Eurokrise nichts mehr hören kann und diese nur für ein Ablenkungsmanöver der USA hält, der wird mit dem Buch "Dollar-Dämmerung" der Schweizer Wirtschaftsjournalistin Myret Zaki genau das Richtige finden. "Die Tage des Dollars als internationale Leitwährung sind gezählt, eine rigorose Rückkehr zur Sparsamkeit in den USA ist unvermeidlich", heißt es gleich in der Einleitung. Das Problem mit dem Buch liegt allerdings auch genau darin: Der Versuch, den Niedergang des Dollars zu bestätigen, ist allzu krampfhaft.

Die Autorin hatte es bei ihrer Recherche nach eigenen Angaben mitunter nicht leicht. "Sie sollten über den Tod des Euros ein Buch schreiben", empfahlen ihr Gesprächspartner. Davon ließ sie sich jedoch nicht beirren. Ihr Schluss: Der Dollar wird zugrunde gehen, nicht der Euro.

Dollar als Bedrohung für Weltwirtschaft

Ihre Kernthese: Der Dollar stellt die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft dar. Der Euro sei weiterhin der Kritik ausgesetzt, während der Kult um den Dollar weiter anhalte. Dabei gehe der Blick auf die wirtschaftliche Realität verloren: "Der Dollar gilt, trotz der Verschuldung Amerikas, als sicherer Hafen (wie auch US-Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen im Presse.com-Interview sagt), obwohl er das höchste Risiko darstellt. Die US-Wirtschaft setzt die meisten währungspolitischen 'Anabolika' ein, und trotzdem gelten ihre dynamische Zentralbank und ihre hohe Produktivität als Vorbilder".

Dem eigentlich geschwächten Dollar bleibt aus Sicht von Zaki nur eine Überlebensstrategie: Der Angriff auf den Euro. Denn der Euro sei seit seiner Einführung der Feind Nummer eins für die US-Hegemonie. Nur der Untergang des Euros sichere das Überleben des Dollars. Diese Strategie habe durchaus Erfolg gehabt: "Die Krise in Europa führte zu einer verstärkten Nachfrage nach amerikanischen Schatzanleihen, die als sicherer Hafen gelten". Durch die hohe Nachfrage bleibe der Zinssatz sehr niedrig. Würden Investoren hingegen Europa als sicheren Hafen sehen, dann würden die US-Zinsen in die Höhe schießen. "Das Land wäre sehr schnell gelähmt und es bliebe ihm nur noch der Zahlungsausfall seiner Verbindlichkeiten", urteilt Zaki.

Der "wirkliche Krisenherd" USA

Im zweiten Teil ihres Buches wendet sich sich daher dem "wirklichen Krisenherd" zu: den USA. Sie versucht dabei zu belegen, warum die Zahlen der Vereinigten Staaten ein Schwindel sind - und stellt folgendes fest:

  • Das BIP ist tiefer als offiziell angegeben
  • Die Inflation ist viel zu niedrig angesetzt
  • Die Gewinne der US-Börse verschleiern die Inflation
  • Die Produktivität ist geringer als angenommen
  • Die Arbeitslosenrate ist eigentlich doppelt so hoch

Mit drastischen Worten resümiert Zaki: "Die amerikanische Wirtschaft wurde zu einem gigantischen ungedeckten Scheck". Das US-Wirtschaftswachstum der vergangenen 15 Jahre beruhe auf Vermögensblasen. "Die Kreditausweitung in dieser Zeit war das einzig bedeutsame Element in der Wirtschaftsentwicklung von Amerika", schreibt sie. Gleichzeitig könnten Staatsschulden, die Schulden der Bundesstaaten sowie die Schulden aus den künftigen Zahlungsverpflichtungen für Renten sowie Sozial- und Krankenversicherungen niemals zurückgezahlt werden.

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Platz für mehrere Währungen?

Zaki analysiert ähnlich wie der US-Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen die Schwächen des Dollars. Das Ergebnis könnte aber kaum unterschiedlicher sein. Während die Schweizerin ihre These vom Niedergang des Dollars fast zwanghaft zu bestätigen versucht, zeichnet Eichengreen in seinem vor kurzem erschienenen Buch "Das Ende des Dollar-Privilegs" das Bild einer Welt, in der Platz für mehrere starke internationale Währungen ist. Das sieht er auch historisch abgesichert: "Abgesehen von der sehr speziellen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat es immer mehr als eine internationale Währung gegeben".

Zaki empfiehlt einen "geordneten Ausstieg" aus dem Dollar. Der chinesische Renminbi stehe als Nachfolger schon in Warteposition. Eine Internationalisierung der bisher von der chinesischen Regierung streng kontrollierten Währung beginne bereits. "Die Weltwirtschaft leitet langsam aber sicher eine Wende ein: vom Dollar weg hin zu Yuan", zitiert Zaki den HSBC-Spezialisten Qu Hongbin.

Lage ernster als im "Kalten Krieg"

Dass die chinesische Währung Renminbi den Dollar herausfordern wird, darin sind sich Eichengreen und Zaki mehr oder weniger einig. In ihren Schlüssen liegen die beiden aber wieder Welten auseinander:

Nur ein Crash - also die überstürzte Flucht aus der Währung - könne dazu führen, dass der Dollar den Status als internationale Währung verliert, schreibt Eichengreen: "Die gute Nachricht ist nach Lage der Dinge also, dass das Schicksal des Dollars in unseren Händen liegt, und nicht in den Händen der Chinesen".

Zakis Schluss hingegen lautet: "Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer Situation des 'Kalten Krieges', die ernster ist als die Gegnerschaft mit der Sowjetunion. Dieses Mal steht ihnen der Feind wirklich sehr nahe: Es ist nämlich ihr eigener Bankier".

Die Autorin

Myret Zaki ist Politologin und stellvertretende Chefredaktorin des Wirtschaftsmagazins Bilan. Sie wuchs in der Schweiz auf und bildete sich zur Finanzanalystin weiter, bevor sie zum Journalismus wechselte. Mit ihren Büchern "UBS am Rande des Abgrunds" (2008) und "Das Bankgeheimnis ist tot Es lebe die Steuerflucht" (2010) sorgte sie im gesamten deutschsprachigen Raum für Aufsehen.

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