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EZB: Warten auf das Wirken der Geldspritze

08.03.2012 | 10:26 |   (DiePresse.com)

Die EZB wird den Leitzins wohl unverändert lassen. Die Notenbanker warten ab, wie sich die ins Bankensystem gepumpten 530 Milliarden Euro auswirken.

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Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte den Leitzins auf seiner heutigen Sitzung in Frankfurt abermals bei 1,0 Prozent belassen. Anstatt wegen der schwachen Konjunktur und der schwelenden Schuldenkrise abermals an der Zinsschraube zu drehen, werden die Währungshüter aller Wahrscheinlichkeit nach zunächst abwarten, wie ihre jüngsten Liquiditätsspritzen im Finanzsektor wirken und ob sie - wie erhofft - letztlich in der Realwirtschaft ankommen.

Die EZB hatte erst Ende Februar 530 Milliarden Euro in das Bankensystem gepumpt. Es war der zweite massive Geldregen aus Frankfurt, der seit Weihnachten über den Instituten in den 17 Euro-Ländern niederging - insgesamt gut eine Billion Euro.

"Bazooka" und die "Dicke Bertha"

EZB-Präsident Mario Draghi hat dieses Instrument seiner Krisenpolitik in Anlehnung an den Spitznamen einer gefürchteten Kriegswaffe des Ersten Weltkrieges als "Dicke Bertha" bezeichnet. Vor den beiden drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäften mit den Banken waren immer wieder Rufe nach der "Bazooka" der EZB laut geworden - gemeint waren damit unbegrenzte Ankäufe von Staatsanleihen zur Unterstützung europäischer Schuldenstaaten wie Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien. Dem hat sich die EZB jedoch immer verweigert - zuletzt hat sie drei Wochen lang gar keine Bonds von Krisenländern erworben.

Damit liegen Draghi und der EZB-Rat zwar inzwischen auf Linie mit der Bundesbank. Dennoch dürfte der vergangene Woche neu entbrannte Zwist der Frankfurter Währungsinstitutionen die traditionelle Pressekonferenz Draghis nach der EZB-Ratssitzung bestimmen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte in einem an die Medien gelangten Brief deutliche Kritik an der Krisenpolitik der EZB geübt und dürfte sich damit nach Einschätzung mancher Beobachter im EZB-Rat weiter isoliert haben. Man darf gespannt sein, wie Draghi auf entsprechende Fragen von Journalisten reagieren wird. Weidmann hätte spätestens am kommenden Dienstag bei der Jahrespressekonferenz der Bundesbank Gelegenheit für eine Erwiderung.

Zitterpartie Schuldenschnitt

Weiteres Top-Thema bei Draghis Auftritt vor dem Journalisten dürfte die laufende Umschuldung Griechenlands werden. Hier läuft der "freiwillige" Bondtausch der privaten Gläubiger - also vor allem Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und Hedgefonds - noch bis zum späten Donnerstagabend. Ob genügend Gläubiger teilnehmen oder nachträgliche Umschuldungsklauseln greifen werden, steht damit erst am Freitag fest.

Die EZB hat bereits einen separaten Anleihetausch vorgenommen, um im Fall der Fälle Zwangsklauseln zu entgehen. Zudem vermied die Notenbank dadurch im Gegensatz zu den anderen Gläubigern der Griechen Verluste. Hätte die EZB nämlich Verluste gemacht, hätte sie de facto den griechischen Staat finanziert. Dies ist ihr aber verboten.

Leitzins wird wohl nicht angetastet

An der Zinsfront wird nach Ansicht der weitaus meisten Experten an diesem Donnerstag weiter Ruhe herrschen: Nur fünf von 74 von Reuters befragte Ökonomen erwarten, dass der rekordniedrige Schlüsselzins der EZB von 1,0 Prozent um einen Viertel Prozentpunkt abgesenkt wird.

(Ag.)

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4 Kommentare
Gast: 1. Parteiloser
08.03.2012 10:51
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Die Geldschöpfung kann keine Wirkung haben!

Bilanzsummenentwicklung EZB 8 Mo:
02.03.2012: 3.023.159 Mio. Euro
25.11.2011: 2.419.548 Mio. Euro
16.09.2011: 2.134.721 Mio. Euro
22.07.2011: 2.006.061 Mio. Euro
15.04.2011: 1.885.017 Mio. Euro

23.12.2010: 1.926.154
23.12.2005: 1.019.749
27.12.2002: 832.558

Der Schuldenstand der Länder der Eurozone liegt doch schon bei etwa 10 Billionen Euro und steigt jährlich um eine knappe 0,5 bis 1 Billion Euro.

Die geschaffenen Gelder der EZB werden doch von den Monstern Finanzunwesen und Staatsunwesen sofort aufgesaugt. Es sind Gelder, welche zu Umbuchungen verwendet werden damit es nicht zum offiziellen Bankrott kommt, bzw. um die notwendigen Korrekturen nicht machen zu müssen.

Diese gewaltigen Summen kamen, und kommen, in der Realwirtschaft doch kaum mehr an und können daher auch in diesem Bereich keine Wirkung entfalten. Es ist aber die Realwirtschaft, welche die Gesellschaft versorgt und die erforderliche Leistung erbringt. Die Realwirtschaft wird aber, durch Zwangsabgaben, seit Jahrzehnten nur noch ausgeraubt um den Monstern deren Futterbedarf zu decken.

Weil aber die Entscheidungsträger nur in Geld denken, nicht aber in volkswirtschaftlich nutzbaren Leistungen, so wird Europa immer mehr fallen müssen.

Die EZB Gelder halten nur die aufgeblähte Finanzwirtschaft weiter aufgebläht und finanzieren auch den Förderwahnsinn, den Wahnsinn in den geschützten Bereichen samt dem Ruhegenusswahnsinn. Die Gelder dienen also zur Finanzierung der Planwirtschaft in der EU!

Antworten Gast: EFF EFF
08.03.2012 12:03
0 0

Re: Die Geldschöpfung kann keine Wirkung haben!

Bedenken Sie bitte den Aufwand über etwa 30 Mia. für das letzte, deutsche Konjunkturpaket, das einen kurzfristigen Boom auslöste.

Wenn von den EZB-Tendern nur ein Bruchteil in der Wirtschaft ankommt, besteht neben der Gefahr einer wirtschafltichen Überhitzung eine enorme Inflationsgefahr. Da muss man mit äusserster Vorsicht agieren.
Die Banken schützen die Märkte doch nicht ohne Grund vor zuviel Liquidität.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
08.03.2012 14:22
0 0

Re: Re: Die Geldschöpfung kann keine Wirkung haben!

Können Sie mir das Deutsche 30 Mrd. Konjunkturpaket so aufschlüsseln, dass die Wirkung auf die Exporte von Deutschland sichtbar wird?

Die Deutsche Konjunktur ist ja nur Exportgetrieben und hat erst dann auf die Inlandsnachfrage gewirkt.

Ich sehe überhaupt keine Gefahr von einer Überhitzung der Realwirtschaft, eher das Gegenteil ist seit min. 1 Jahrzehnt die Realität. Das BIP ist ja vorwiegen durch die Kosten der staatlichen Dienstleistungen nach oben gerechnet worden. Es ist in Europa doch ein KostenBIP und kein LeistungsBIP!

Industrieproduktion ohne Baugewerbe im Euro-Raum (saisonbereinigt, reale Werte).
Basis 2005 = 100%
2001: 96,3%
2005: 100%
2010: 97,5%
2011: 101,2% (11 Monate)

Die Steigerung war also um 3,8% zum Vorjahr. In den letzten 10 Jahren wurde real nur + 5,4% geschaffen

Wenn man sich klar macht, dass die 2011 noch eine Hochkonjunktur war, und das Bevölkerungswachstum auch berücksichtigt, dann ist auch sichtbar, dass es eben kein wirkliches Wachstum gab!

Noch dramatischer ist das Versagen der Politik im Euroraum, wenn man sich die langfristige Entwicklung beim Baugewerbe anschaut:

Basis 2005 = 100%
2001: 95,7%
2005: 100%
2010: 84,5%
2011: 83,3% (10 Monate)

Es ist, und war schon immer, eine Liquidität für die Monster Finanzunwesen und Staatsunwesen!

Die EZB stiehlt den Menschen den Wert der Geldes und schützt damit die Banken. Die Banken schützten dann den staatlichen Wahnsinn!

Antworten Gast: radius
08.03.2012 11:58
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Sie sind einer der wenigen, der das

sachlich und qualitativ erkennt.

Hobbyökonom