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Steuerabkommen mit der Schweiz: Termin wackelt

16.03.2012 | 17:31 |  von Norbert Rief (Die Presse)

Neue Probleme für das geplante Inkrafttreten des Sparpakets: Deutschland verhandelt sein fertiges Steuerabkommen mit der Schweiz jetzt nach, damit verzögern sich auch die Gesprächstermine mit Österreich.

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Wien. 68,4 Milliarden Euro will Finanzministerin Maria Fekter (VP) im kommenden Jahr einnehmen. Möglicherweise werden es nur 67,4 Milliarden. Denn eine Milliarde Euro, die ein Steuerabkommen mit der Schweiz bringen soll, wackeln. Grund dafür ist Deutschland, das jetzt sein fertiges Steuerabkommen nachverhandeln will. Damit rückt auch der Gesprächstermin mit Österreich nach hinten und gefährdet das von der Regierung Faymann für Jänner 2013 geplante Inkrafttreten.

Die schlechten Nachrichten aus Berlin kamen nach einem „Kamingespräch“ von Finanzminister Wolfgang Schäuble mit Vertretern der Bundesländer. Die hatten sich schon in der Vergangenheit gegen das Abkommen gewehrt, das mit der Schweiz akkordiert ist, aber noch nicht vom Parlament verabschiedet wurde. Vor allem die von der Opposition (SPD und Grüne) geführten Länder kritisierten die Vereinbarung, unter anderem deswegen, weil damit Steuerhinterzieher zu billig davonkämen. In Berlin bestätigte man am Freitag, dass Schäuble jetzt neue Gespräche mit Bern führen wird.

„Wir akzeptieren die Änderungswünsche, man muss sich jetzt im Detail anschauen, was Deutschland will“, erklärt Mario Tuor, Sprecher des Staatssekretariats für Internationale Finanzfragen (SIF) in Bern, am Freitag der „Presse“. Wichtig sei, dass das Abkommen „im Kern“ erhalten bleibe. Zu weitreichende Änderungen werde man nicht akzeptieren.

Umsetzung für 2013 geplant

Für Österreichs Budgetplan ist die neue Verzögerung deswegen bedeutsam, weil die Regierung ihr Abkommen mit der Schweiz bereits im kommenden Jahr umsetzen wollte. Im Budget 2013 ist fix eine Milliarde Euro eingeplant, die durch die Steuernachzahlungen aus der Schweiz nach Österreich fließen soll. Doch in Bern beharrt man darauf, dass zuerst das Abkommen mit Deutschland fixiert werden müsse, bevor man mit anderen Ländern verhandelt. „Dann haben wir ein Pilotabkommen, an dem sich alle nachfolgenden Verhandlungen orientieren können“, betonte Tuor.

Für Österreich wird es damit eng. Denn der Schweizer Fristenlauf ist lang. Unter anderem haben Parteien nach einem Beschluss eines Gesetzes drei Monate Zeit, um Unterschriften zu sammeln und damit eine Volksabstimmung zu erzwingen. Laut des Sprechers des SIF müsste das Steuerabkommen mit Österreich bereits im Juli im Schweizer Parlament abgesegnet werden, damit es am 1. Jänner 2013 in Kraft treten kann. Diesen Zeitplan bezeichnete Tuor als „sehr ehrgeizig“. Der Zeitrahmen sei „ziemlich eng“.

Vor allem auch deswegen, weil es laut Bern noch nicht einmal Verhandlungen mit Österreich gibt. Man habe bisher nur „Vorgespräche“ geführt.
Im Wiener Finanzministerium sieht man das anders: Es gebe Kontakte zwischen den Beamten und Verhandlungen auf „technischer Ebene“. Ein Inkrafttreten mit 1. Jänner 2013 bezeichnete ein Sprecher des Ministerium trotz der neuen Hürden, die die deutschen Nachverhandlungen bringen, als „nicht unrealistisch“.

Dass das Abkommen erst später umgesetzt wird, etwa im April oder Mai 2013, sei „schwer“, erklärte das SIF in der Schweiz. „Es wäre sehr ungewöhnlich, ein Steuerabkommen in der Mitte des Jahres in Kraft treten zu lassen.“ Auch in Wien betonte man, die Regierung strebe ein Inkrafttreten am 1. Jänner 2013 an.
Andere Schwierigkeiten mit dem Steuerabkommen (die EU hatte vor den bilateralen Verträgen gewarnt) sind laut Bern und Berlin ausgeräumt. Man habe die Verträge so adaptiert, dass sie dem EU-Recht entsprechen.

19 bis 34 Prozent für die Steuer

Die Steuerabkommen sehen vor, dass Schwarzgelder, die Deutsche bzw. Österreicher in die Schweiz geschafft haben, mit einer Nachzahlung legalisiert werden können. In dem Vertrag mit Deutschland ist dafür ein Pauschalsteuersatz von einmalig 19 bis 34 Prozent vorgesehen.

In Deutschland sorgt das Abkommen seit Monaten für heftige Kritik. SPD und Grüne halten die geplanten Steuersätze für zu gering und kritisieren Umgehungsmöglichkeiten.

Schäuble hat sich lange gegen Nachverhandlungen gewehrt, jetzt aber eingelenkt.

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5 Kommentare

Die Kritik am Steuerabkommen mit der Schweiz ist scheinheilig. Programmatische Flexibilität als oppositioneller Grundsatz.


Zuerst wurden die Regierungspläne durch ein Steuerabkommen die österreichischen Schwarzgelder auf schweizerischen Konten anzuzapfen von FPÖ und BZÖ als budgetäres Luftschloss und Bürgertäuschung abgewertet und versucht lächerlich zu machen und jetzt wo die Pläne (endlich einmal) über das Stadium bloßer Ankündigungen hinaus gehen und tatsächlich in Rekordzeit umgesetzt werden sind die Herren wieder unzufrieden.

Die Wahrheit ist, dass FPÖ und BZÖ mit keinem Ergebnis zufrieden gewesen wären, aber das ist eben das Geschäft einer Opposition die sich nur auf Obstruktion und Populismus versteht. Wäre das Abkommen gescheitert wäre es der Beweis für das budgetäre Luftschloss gewesen vor dem sie schon immer gewarnt haben. Mit Zustandekommen des Steuerabkommens adaptiert man jetzt die Strategie und inszeniert sich angesichts eines niedrigen Steuersatzes als Hüter des Rechtsstaates und Anwalt der Steuerzahler. Für den Fall eines höheren Steuersatzes hätte man aber sicherlich auch schon die passenden (Phrasen-)Konserven in den Parteizentralen auf Lager gehabt.

Es ist aber immer eine Frage der Alternativen. Vielleicht hätte es die EU tatsächlich irgendwann einmal geschafft eine einheitliche Position zu finden um die Schweiz gemeinsam unter Druck zu setzen wie es die USA vorexerziert haben - vielleicht aber auch nicht.
Hätte Österreich in diesem Fall allerdings weiterhin sein Bankgeheimnis, das auch von FPÖ und BZÖ vehement verteidigt wird, aufrechterhalten können? Eher nicht.

Gast: regbolde
26.03.2012 00:10
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witz komm raus

Das ganze ist eine pflanzerei. Abschaffung des bankgeheimnisses ist zwingend. Dann gegen Steuerhinterziehung und Korruption Gesetze machen. Verhandeln mit der Schweiz nuetzt soviel wie Vaterunser beten.

Gast: Sparpaket
18.03.2012 15:16
2 0

Schweiz

War doch von vorn herein klar, diese Gespräche
wird es nie geben und der Witz daran noch
dazu ist, es soll nur 1 Milliarde sein. Alles Lüge.

Gast: habermeier
17.03.2012 10:30
1 2

wenn der Herr Schäuble

jetzt nachverhandelt, ist das nicht seiner besseren Einsicht zu verdanken,sondern der Tatsache, dass er dieses Machwerk zugunsten der Steuerhinterzieher nicht durch den Bundesrat brächte.Dass Frau Fekter die CDU - Pläne schätzt,
kann nicht überraschen,will sie doch die gleiche Klientel schonend bedienen.Die Schweizer verstehen nur eine Sprache, nämlich die des grossen Druckes, siehe USA.Da wird nicht lange herumdiskuttiert,das Bankgeheimnis wird zum Emmentaler.Warum hier nicht die EU eingeschaltet und im Namen aller Länder der Schweiz vorgegeben wird,was zu tun ist, bleibt ein Rätsel.

Gast: 1. Parteiloser
17.03.2012 09:50
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Die Regierung will den Rechtsstaat ausheben!

Bei den in der Schweiz geparkten Geldern handelt es sich um Gelder, welche eine vorsätzliche Steuerhinterziehung waren und damit eine strafbare Handlung darstellen. Dazu kommt noch, viel schlimmer, die Tatsache, dass erhebliche Teile der Gelder wahrscheinlich durch Korruptionsvorgänge zustande gekommen sind. Das waren auf jeden Fall schwere strafbare Handlungen.

Bei dieser Sachlage kann es doch niemals zu zwischenstaatlichen Verhandlungen, oder auch zu einem Freikaufen, kommen. Das wäre ja dann ein Ausheben des Rechtsstaates durch die Volksvertreter, welches in reifen Gesellschaft niemals sein kann.

Es kann also nicht um % gehen und es kann auch niemals um eine Budgetsanierung gehen. Dieses Vorhaben wäre ja ein Vorhaben zum Ausheben des Rechtsstaates!

Die einzige korrekte Vorgangsweise wäre eine Kontenöffnung und die Untersuchung, ob es zu strafbaren Handlungen wie Steuerhinterziehung oder Korruption dahinter stehen.

Das Regierungsvorhaben zeigt doch nur den ethischen Verfall der Regierungstypen in Österreich auf. Es sind Vorhaben, welche die Gesellschaft weiter spalten müssen. Irgendwie ist es auch ein Vorhaben zum Ausheben der 2. Republik, also ein subversives Vorhaben. Nur, die Totalversagen können das nicht einmal im Ansatz begreifen.

Hobbyökonom