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IWF sieht Erholung der Weltwirtschaft

18.03.2012 | 18:37 |   (Die Presse)

Die Finanzmärkte hätten sich beruhigt, die politischen Anstrengungen in Europa zeigten Wirkung, sagte IWF-Chefin Lagarde. Der Ölpreis wird zur Bedrohung.

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Wien/Ag./Red. Bei ihrem letzten Besuch in Peking sprach Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), noch von „dunklen Wolken“ über der Weltwirtschaft. Nun, ein Jahr später, sieht sie Anzeichen, dass sich diese Wolken auflösen könnten: Die Finanzmärkte hätten sich etwas beruhigt, und aus der Eurozone und den USA kämen Zeichen für eine Stabilisierung. Die politischen Anstrengungen, besonders in Europa, zeigten Wirkung. „Die Weltwirtschaft ist möglicherweise auf dem Weg der Erholung. Es gibt aber nicht viel Spielraum und keinen Platz für politische Fehler“, so Lagarde am Sonntag auf dem China Development Forum in Peking.

Europa habe mit den jüngsten Maßnahmen für Griechenland einen wichtigen Schritt zur Beilegung der Krise getan, die Konjunkturdaten der USA sähen etwas besser aus, und die politischen Maßnahmen nach der globalen Finanzkrise zeigten Erfolge. „Der Optimismus darf uns aber nicht in trügerischer Sicherheit wiegen.“ Die Welt müsse sich noch großen wirtschaftlichen und finanziellen Gefahren stellen. Die private und öffentliche Verschuldung sei nach wie vor zu hoch: Die Bedienung der Schulden von Banken und der öffentlichen Hand in den Industrieländern entspreche allein heuer 23Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Zudem seien die Finanzsysteme immer noch brüchig, und die Arbeitslosigkeit bleibe eines der Hauptprobleme. Der steigende Ölpreis erweise sich als neue Bedrohung, die den Aufschwung gefährden könne.

 

Lob für China, Tadel für Europa

Eine Gefahr sei auch, dass sich das Wachstum in den Schwellenländern verlangsamen könnte. Zwar seien die entwickelten Volkswirtschaften, vor allem jene in Europa, nach wie vor das Epizentrum dieser Bedrohungen. Aber auch die aufstrebenden Volkswirtschaften, allen voran globale Zugpferde wie China, hätten eine besondere Verantwortung. Sie seien keinesfalls immun gegen die Gefahren.

„Ich wage nicht mir vorzustellen, wie schlecht es der Weltwirtschaft ginge, wenn China nicht die Lokomotive wäre, die es ist. Deshalb frage ich mich, wie viel mehr China noch erreichen kann – für das chinesische Volk ebenso wie als globales wirtschaftliches Leittier“, so die IWF-Chefin. Die Entscheidung, nicht nur auf die Wachstumsraten zu blicken, sondern auch auf die Qualität des Wachstums und die Frage, wie dieses der gesamten Bevölkerung nützen könne, sei die richtige. Chinas Regierung hat kürzlich verkündet, die steigende soziale Kluft in der Bevölkerung verringern zu wollen.

Die Einkommen der „einfachen Bürger“ sollen stärker vom Wirtschaftswachstum des Landes profitieren, sagte Ministerpräsident Wen Jiabao. In nur wenigen Ländern ist der Unterschied zwischen der ärmsten und der reichsten Bevölkerungsschicht so groß wie im offiziell kommunistischen China. Die Regierung in Peking hatte erst kürzlich das Wachstumsziel von ursprünglich acht Prozent auf 7,5Prozent gekürzt. China kämpft zunehmend mit Schulden und den Folgen der Eurokrise.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2012)

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