24.05.2013 21:33 Merkliste 0

Eurokrise: Optimismus bei Griechen, Sorge um Spanien

25.03.2012 | 16:29 |   (DiePresse.com)

Experten-Lob für Athen, Geld für Lissabon: Die größten Wackelkandidaten in der Euro-Schuldenkrise machen Fortschritte. Italiens Premier Monti sorgt mit Äußerungen zu Spanien für Verstimmung.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die beiden größten Wackelkandidaten in der Euro-Schuldenkrise, Griechenland und Portugal, machen nach Einschätzung von Experten inzwischen Fortschritte. Mit Skepsis wird aber die Entwicklung in Spanien gesehen. Italiens Regierungschef Mario Monti sorgte am Wochenende gar für Verstimmung zwischen Rom und Madrid, als er seine Sorgen öffentlich äußerte.

"Die Regierung in Madrid hat zwar eine weitreichende Reform des Arbeitsmarkts vorgenommen, aber die Staatsfinanzen außer Acht gelassen", sagte Monti auf einer Tagung in Cernobbio in Norditalien. Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen stiegen wieder an. Es bestehe die Gefahr, dass diese Tendenz auf andere Länder wie Italien übergreifen könne. "Es wäre äußerst bedauerlich, wenn wir dadurch um Monate zurückgeworfen würden."

Madrid bekommt verlangte Richtigstellung

Die spanische Regierung bezeichnete Montis Äußerungen als "nicht angebracht". Madrid verlangte nach Medienberichten vom Sonntag von Italien eine Richtigstellung. Daraufhin betonte die italienische Regierungssprecherin Elisabetta Olivi in einer Erklärung, Rom habe "volles Vertrauen" in die Entschlossenheit Madrids, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen.

Madrid hat 2011 sein Defizitziel weit verfehlt und wird auch die ursprünglich für dieses Jahr geplante Marke nicht erreichen. Das Land muss also eisern sparen, der konservative spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hat sein Sparprogramm aber noch nicht vorgelegt. Dies soll am Freitag mit der Verabschiedung des Haushaltsentwurfs für 2012 geschehen.

Griechenland: Experte "optimistisch wie nie"

Lob gibt es hingegen für Athen. Der Chef der EU-Task-Force für Griechenland, Horst Reichenbach, sieht das Land auf einem guten Weg. "Ich bin so optimistisch wie nie zuvor", sagte der EU-Beamte der "Passauer Neuen Presse" (Samstag).

Verbesserungen gebe es zum Beispiel beim Thema Rentenbetrug. Die Ausgabenkontrolle habe sich entscheidend verbessert. Zudem hofft Reichenbach, in diesem Jahr zwei Milliarden Euro Steueraußenstände eintreiben zu können.

Gute Zwischennote für Portugal

Auch Portugal bekommt gute Zwischennoten ausgestellt und kann laut "Welt am Sonntag" mit der Auszahlung der nächsten Tranche aus dem laufenden Rettungsprogramm rechnen. Die sogenannte Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) empfehle in ihrem aktuellen Kontrollbericht die Freigabe der knapp 15 Milliarden Euro, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das ihr vorliegende Papier.

In dem Bericht wird Portugal demnach eine große Kraftanstrengung bescheinigt: "Die finanzpolitische Anpassung im Zeitraum 2011-2012 ist in jeder Hinsicht beachtlich." Die Delegation habe "keine Anzeichen für eine Reformmüdigkeit" feststellen können. Allerdings warnen die Experten auch vor erheblichen Risiken, vor allem wegen der schlechten Wirtschaftslage. Insbesondere der Anstieg der Arbeitslosigkeit setze den "Haushaltsvollzug allmählich unter Druck".

Griechen brauchen Anti-Korruptionsstrategie

Auch in Griechenland herrscht nicht eitel Sonnenschein. Task-Force-Chef Reichenbach sieht große Probleme im Finanzsektor. "Die Finanzprobleme der griechischen Banken stellen eine große Schwierigkeit dar. Die Banken müssen jetzt rekapitalisiert werden, damit die Wirtschaft sich entwickeln kann", forderte er. Wichtig sei auch, dass bis zum Herbst eine glaubwürdige Anti-Korruptionsstrategie vorliege. Dieser Bereich mache ihm nach wie vor Sorgen.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

6 Kommentare
Gast: 1. Parteiloser
26.03.2012 08:24
0 0

Frankreich beachten!

Es scheint, dass die heftigen Finanzprobleme von Frankreich hartnäckig ignoriert werden.

Frankreich hat 2010 ein Defizit von etwa 7% vom BIP aufgerissen und auch in der Hochkonjunktur 2011 ein Defizit von satten 5,8% hingelegt. 2011 hatte Frankreich also ein offizielle Schuldenerhöhung von ca. 130.000 Mio. Euro!

Um ein ausgeglichenes Budget zu schaffen müsste Frankreich die Staatsausgaben um mehr als 10% drücken, die Einnahmen aber auf dem gleichen Level halten. Das ist niemals möglich.

Der gesamte Schuldenstand von Frankreich beträgt schon 1.850.000 Mio. Euro, also 1,85 Billionen. Wahrscheinlich wird Frankreich zum Jahreswechsel die 2 Billionen Schallmauer durchbrechen!

Bei einer Staatsausgabenquote von 55% des BIP (einer nicht vorhandenen Wirtschaftsleistung!) ist das ganze Land von den Staatsausgaben abhängig. Jede Reduktion der Staatsausgaben hätte höllische Auswirkungen auf die Gesellschaft und würde zur Revolution führen.

Frankreich hat keine Chance die Staatsfinanzen unter Kontrolle zu bekommen.

Frankreich geht es wahrscheinlich noch schlechter als Spanien.

Wenn Italien den Euro nicht vorher ins Nirwana schickt, dann wird wahrscheinlich Frankreich den Euro, samt EU, in die Luft jagen.

Lob

Ja, ja in Griechenland und in Portugal geht´s aufwärts, und den Osterhasen gibts wirklich.

Wie

oft hat man uns mit Optimismus Honig um den Mund geschmiert? Und dann hat sich herausgestellt, dass alles nicht so ist, wie man gesagt hat. Die "Experten" werden doch nicht, allen Ernstes, erwarten, dass wir ihnen ihre Märchen noch glauben..

Griechenland: Experte "optimistisch wie nie"

Sowas nennt sich Experte. Bitte von woher soll in Griechenland ein Wachstum entstehen?

Antworten Gast: wer wenn nicht er
26.03.2012 08:02
0 0

Re: Griechenland: Experte "optimistisch wie nie"

Die griechische Wirtschaft wird weiter sinken weil man den Konsum deutlich kürzen muss, wenn der Staat sich endlich mal durch Steuereinnahmen finanziert statt durch den Zufluss ständig neuer Auslandsschulden.

Erst danach, wenn der Haushalt saniert ist, wird es zur "Bodenbildung" kommen. Dank deutlich niedrigerem Konsum wird das Außenhandelsdefizit viel geringer sein.

Wenn der Staat (wie von IWF und EU gefordert) die zahllosen staatlichen Monopole und geschützten Bereiche auflöst, wird dies zu mehr Effizienz und in Folge zu Wachstum führen. Derzeit ist z.B. die Errichtung von Kraftwerken nur einem einzigen staatlichen Monopolbetrieb erlaubt. Selbes gilt für Kohlehandel, Wettbüros usw.

Grundbesitz muss endlich durch ein Grundbuch staatlich garantiert werden (verhindert derzeit internationale Investments, z.B. in Hotelanlagen).

Korruption und Bürokratie bremsen Investitionen noch weiter. Auch hier muss rasch agiert werden.

Erst DANN kommt das Wachstum wieder...

Und Welt-online berichtet....


...Geheimbericht der Troika :

"Portugal droht ein griechisches Schuldendrama"

http://www.welt.de/wirtschaft/article13944495/Portugal-droht-ein-griechisches-Schulden-Drama.html

Und zu Spanien:

Der hochgelobte Fiskalpakt ist nicht mal das Papier wert, auf dem er geschrieben wurde.

Spanien pfeift drauf und macht 5,8% Budgetdefizit.

Und zu Griechenland:

Wer das glaubt, lebt nach dem Motto "Die Hoffnung stirbt zuletzt"

Die Umverteilung innerhalb der EU ist zweidimensional:

Reiche an arme Länder, und Bürger an Banken.

Wie´s auch ausgeht, die Sieger stehen fest:

Die sog. systemrelevanten Banken!

Hobbyökonom