EZB-Geldschwemme: Banken wollen Milliarden nicht mehr

Großbanken finden keine rechte Verwendung für die Milliarden, die die EZB als Liquiditätshilfe in das Bankensystem „geschüttet“ hat – und wollen vorzeitig zurückzahlen. In die Wirtschaft fand das Geld noch nicht.

Symbolbild
Schließen
Symbolbild
(c) AP (Michael Probst)

Wien/ju/ag. Mehr als 1000 Mrd. Euro hat die Europäische Zentralbank (EZB) über sehr billige dreijährige Kredite in den vergangenen Monaten als Liquiditätshilfe in das europäische Bankensystem „geschüttet“. Offenbar zu viel: Jetzt beginnen die ersten Großbanken zu überlegen, ob sie das mit einem Prozent sehr niedrig verzinste Zentralbankgeld nicht vorzeitig zurückzahlen sollen.

Konkrete Pläne haben laut einem Bericht der „Financial Times“ die Großbanken UniCredit, Société Générale, BNP Paribas und die spanische La Caixa. Die Institute wollen zum ehestmöglichen Zeitpunkt – genau ein Jahr nach der Kreditaufnahme – zumindest ein Drittel ihrer eigentlich auf drei Jahre aufgenommenen Darlehen wieder zurückgeben.

Kreditnachfrage bleibt flau

Die vier Institute zusammen haben rund 100 Mrd. Euro von der EZB bekommen, rückgeführt würden solcherart also nur etwas mehr als drei Prozent der aufgenommenen Liquiditätshilfen. Aber es wäre ein starkes Signal: Die Situation hat sich nach dem Griechenland-„Haircut“ offenbar so weit entspannt, dass sich die Institute auch selbst am Markt wieder Liquidität verschaffen können. Die Sache hat aber auch eine negative Seite: Offenbar ist die Kreditnachfrage in Europa noch immer auf niedrigem Krisenniveau, sodass die Banken für das EZB-Geld keine rechte Verwendung haben.

Tatsächlich sind die aufgenommenen Notenbankgelder zum überwiegenden Teil wieder als kurzfristige Einlagen der Banken bei der EZB gelandet. Anfang März waren diese „Übernacht“-Einlagen auf die Rekordsumme von annähernd 830 Mrd. Euro geklettert. Ein schlechtes Geschäft für die Banken: Sie zahlen ein Prozent Zinsen an die EZB, bekommen für das dort wieder veranlagte Geld aber nur 0,25 Prozent.

Dass das Geld sofort wieder bei den Notenbankern landet, war so freilich nicht geplant gewesen. Hinter der EZB-Billion stand vielmehr die Intention, den gestressten Finanzinstituten die Refinanzierung zu erleichtern und eine drohende Kreditklemme (die die gesamte Eurozone in eine tiefe Rezession gestoßen hätte) zu vermeiden. Als Nebeneffekt hätte noch dazu eine Milderung der europäischen Staatsschuldenkrise herausschauen sollen. Denn ein zweiter Gedanke der EZB war, die Banken zum Kauf von europäischen Staatsanleihen in größerem Stil zu animieren. Das wäre relativ risikolos gegangen, weil diese Anleihen bei der EZB ja als „Sicherheiten“ für weitere Finanzierungen hinterlegt werden können.

Schuldenkrise etwas entspannt

Nach dem Schuldenschnitt für Griechenland hat sich die Staatsschuldenkrise aber zumindest vorübergehend ein wenig entspannt. Den Banken gelingt es auch zunehmend, sich über Unternehmensanleihen zu refinanzieren. Das ist zwar teurer, als Geld zum Leitzinssatz von der EZB zu nehmen. Die Anleihen sind aber langfristiger angelegt und ersparen so ein Refinanzierungsproblem in drei Jahren. Und da die Kreditnachfrage aus der Wirtschaft weiter schwach ist, besteht auch keine Gefahr einer Kreditklemme.

Die derzeitige Situation verdrängt auch ein wenig die Inflationsängste, die wegen der riesigen Notenbank-Geldschwemme aufgekommen sind: So lange die EZB-Milliarden ohne Umweg wieder auf Konten der EZB landen, ist das Geld ja nicht „geschöpft“ und kann auch keine Inflation erzeugen.

Entwarnung geben Experten freilich nicht. Denn ein Teil der Notenbank-Geldschwemme ist in der Finanzwirtschaft gelandet und hat dafür gesorgt, dass Aktien- und Rohstoffkurse relativ stark gestiegen sind. Auf diesem Umweg (besonders über den der Rohstoffnotierungen) könnte ein Teil der Liquiditätshilfen doch im realen Geldkreislauf landen – und damit die vielerorts befürchtete Teuerung auslösen.

Auf einen Blick

Vier Großbanken wollen ihre bei der EZB aufgenommenen Liquiditätshilfen vorzeitig zurück-zahlen. Der Grund: Die europäische Schuldenkrise hat sich etwas entspannt und die Kreditnachfrage ist flau. Ein Großteil der von der EZB ins System „geschütteten“ Milliarden liegt schon wieder auf Konten der Notenbank.

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Kommentar zu Artikel:

EZB-Geldschwemme: Banken wollen Milliarden nicht mehr

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen