EZB-Geldschwemme: Banken wollen Milliarden nicht mehr

02.04.2012 | 17:34 |   (Die Presse)

Großbanken finden keine rechte Verwendung für die Milliarden, die die EZB als Liquiditätshilfe in das Bankensystem „geschüttet“ hat – und wollen vorzeitig zurückzahlen. In die Wirtschaft fand das Geld noch nicht.

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Wien/ju/ag. Mehr als 1000 Mrd. Euro hat die Europäische Zentralbank (EZB) über sehr billige dreijährige Kredite in den vergangenen Monaten als Liquiditätshilfe in das europäische Bankensystem „geschüttet“. Offenbar zu viel: Jetzt beginnen die ersten Großbanken zu überlegen, ob sie das mit einem Prozent sehr niedrig verzinste Zentralbankgeld nicht vorzeitig zurückzahlen sollen.

Konkrete Pläne haben laut einem Bericht der „Financial Times“ die Großbanken UniCredit, Société Générale, BNP Paribas und die spanische La Caixa. Die Institute wollen zum ehestmöglichen Zeitpunkt – genau ein Jahr nach der Kreditaufnahme – zumindest ein Drittel ihrer eigentlich auf drei Jahre aufgenommenen Darlehen wieder zurückgeben.

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Kreditnachfrage bleibt flau

Die vier Institute zusammen haben rund 100 Mrd. Euro von der EZB bekommen, rückgeführt würden solcherart also nur etwas mehr als drei Prozent der aufgenommenen Liquiditätshilfen. Aber es wäre ein starkes Signal: Die Situation hat sich nach dem Griechenland-„Haircut“ offenbar so weit entspannt, dass sich die Institute auch selbst am Markt wieder Liquidität verschaffen können. Die Sache hat aber auch eine negative Seite: Offenbar ist die Kreditnachfrage in Europa noch immer auf niedrigem Krisenniveau, sodass die Banken für das EZB-Geld keine rechte Verwendung haben.

Tatsächlich sind die aufgenommenen Notenbankgelder zum überwiegenden Teil wieder als kurzfristige Einlagen der Banken bei der EZB gelandet. Anfang März waren diese „Übernacht“-Einlagen auf die Rekordsumme von annähernd 830 Mrd. Euro geklettert. Ein schlechtes Geschäft für die Banken: Sie zahlen ein Prozent Zinsen an die EZB, bekommen für das dort wieder veranlagte Geld aber nur 0,25 Prozent.

Dass das Geld sofort wieder bei den Notenbankern landet, war so freilich nicht geplant gewesen. Hinter der EZB-Billion stand vielmehr die Intention, den gestressten Finanzinstituten die Refinanzierung zu erleichtern und eine drohende Kreditklemme (die die gesamte Eurozone in eine tiefe Rezession gestoßen hätte) zu vermeiden. Als Nebeneffekt hätte noch dazu eine Milderung der europäischen Staatsschuldenkrise herausschauen sollen. Denn ein zweiter Gedanke der EZB war, die Banken zum Kauf von europäischen Staatsanleihen in größerem Stil zu animieren. Das wäre relativ risikolos gegangen, weil diese Anleihen bei der EZB ja als „Sicherheiten“ für weitere Finanzierungen hinterlegt werden können.

Schuldenkrise etwas entspannt

Nach dem Schuldenschnitt für Griechenland hat sich die Staatsschuldenkrise aber zumindest vorübergehend ein wenig entspannt. Den Banken gelingt es auch zunehmend, sich über Unternehmensanleihen zu refinanzieren. Das ist zwar teurer, als Geld zum Leitzinssatz von der EZB zu nehmen. Die Anleihen sind aber langfristiger angelegt und ersparen so ein Refinanzierungsproblem in drei Jahren. Und da die Kreditnachfrage aus der Wirtschaft weiter schwach ist, besteht auch keine Gefahr einer Kreditklemme.

Die derzeitige Situation verdrängt auch ein wenig die Inflationsängste, die wegen der riesigen Notenbank-Geldschwemme aufgekommen sind: So lange die EZB-Milliarden ohne Umweg wieder auf Konten der EZB landen, ist das Geld ja nicht „geschöpft“ und kann auch keine Inflation erzeugen.

Entwarnung geben Experten freilich nicht. Denn ein Teil der Notenbank-Geldschwemme ist in der Finanzwirtschaft gelandet und hat dafür gesorgt, dass Aktien- und Rohstoffkurse relativ stark gestiegen sind. Auf diesem Umweg (besonders über den der Rohstoffnotierungen) könnte ein Teil der Liquiditätshilfen doch im realen Geldkreislauf landen – und damit die vielerorts befürchtete Teuerung auslösen.

Auf einen Blick
Vier Großbanken wollen ihre bei der EZB aufgenommenen Liquiditätshilfen vorzeitig zurück-zahlen. Der Grund: Die europäische Schuldenkrise hat sich etwas entspannt und die Kreditnachfrage ist flau. Ein Großteil der von der EZB ins System „geschütteten“ Milliarden liegt schon wieder auf Konten der Notenbank.

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20 Kommentare
Gast: mysterium
03.04.2012 16:42
1

Abwarten, die Erste Bank wollte auch die Staatshilfe sofort zurückzahlen,

tat sogar so, als nähme es der Staat nicht zurück und was ist heute? Sie haben das Geld noch immer.


"... ein zweiter Gedanke der EZB war, die Banken zum Kauf von europäischen Staatsanleihen in größerem Stil zu animieren..."

um dann beim nächsten Haircut wieder "voll" dabei zu sein!
Daß die Banken das Geld nicht wollen, ist ein gesundes Zeichen dafür, daß der Markt doch funktioniert.
Nachdem man gesehen hat, daß Staatsanleihen eben auch nicht sicher sind, wollen die Banken das Risiko einfach nicht mehr eingehen...

Gast: Dr. Sommer
03.04.2012 08:34
1

In EU droht eine Deflation!


Während in USA die Geldmenge relativ stark wächst, liegt das Geldmengen- Wachstum im Euro- Raum bei fast null.

Das könnte rasch wieder zu einer Deflationsangst führen.
Die Rohstoffpreise sind nicht rasch gestiegen!
Nur Rohöl in EU ist stark angestiegen.

Ein steigender Rohölpreis und eine stagnierende Geldmenge könnten ein gefährlicher Mix sein, der sich noch heuer in einer neuerlichen Abwärtsspirale auswirken sollte.

Re: In EU droht eine Deflation!

Bevor dem Euroraum eine Deflation droht, regnet's in der Hölle Schweinchen aus Vanilleeis.

Aber schön zu sehen, dass Sie ein neues Wort kennen.

Re: Re: In EU droht eine Deflation!

Das Gelmengenwachstum ist in Europa derzeit schon ziemlich niedrig.
http://blogs.forbes.com/michaelpollaro/austrian-money-supply/

Das letzte Mal war das in der Finanzkrise 2008 der Fall!
Zum Unterschied zu heute sank damals im Jahr 2007 (vor der Krise) auch das Wachstum der US- Geldmenge auf fast null.
Das ist heute noch anders.

Gast: lanz
03.04.2012 01:02
2

Das ganze EU Theater kommt mir so vor wie wenn eine Laiesnpielertruppe den "MArkt" nachspielt

die Griechen und anderen Pleitiers werden angehalten zu sparen - freiwillig.
Im Hinterkopf wissen dises alten erprobten Schuldenmacher, dass sie eh abgesichert sind - Vollkaskomentalität!

Warum diese Herumgeiere und Theater?

Der Markt mit seinen ehernen Gesetzen würde alles selber regeln, ohne dass div. Politiker hier mit grosssem Aufwand herumbasteln müssten...

Wer kein Geld hat kann sich eben nix mehr kaufen.
Durch die EU, den EURO und das EZB-System wurde aber gerade diese Grundregel des Marktes ausgeschalten:
ALLE wurden Deutschland gleichgestellt (merke: Aussage von Verheugen und den anderen Gurus der Eu-Sekte - "der EURO ist und wird immer genauso stabil bleiben wie die D-Mark" - sie machten aus Griechen also virtuell Deutsche!).

Doch - waren sie Deutschland gleich?

NEIN, wenn man die Handelszahlen und die Prodktivität anschaut!

Die Traumtänzer der EU meinten vermutlich, so "Kleinigkeiten" wie der Aufbau einer leistungsfähigen Industrie ist nicht schwer, "machen wir so nebenbei"!
Dass das natürlich viele Voraussetzungen bedarf, was nur die wenigsten Völker schaffen (Disziplin, INtelligenz, Fähigkeit zur Teamarbeit, Grossprojektaufbau, zielgerichtetes Arbeiten, Transparenz, Zuverlässigkeit, langfristiges planbares Handeln, usw.) -
DAS vergassen die EU-Sektierer...

(sie nahmen wohl an, dass Deutschland gleich wie alle andeen ist).

Gerade die Zahlungs-tiraden beweisen aber, dass dieses System nur mit max. Enteignung und Transfer aufrechterhalten werden kann...

Gast: freund?
02.04.2012 22:33
5

nicht einmal die banken wollen das zeug...



denn sie wissen : es ist nicht geld, es sind nur europapierln !

Re: nicht einmal die banken wollen das zeug...

ja warum wohl ,die Gauner trauen sich selbst am wenigsten.

Gast: freund?
02.04.2012 19:22
7

MEEENSCH ! freu ich mich auf den




SCHILLING !

endlich wieder echtes geld, das nicht dauernd 'gerettet' werden muß !

Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

da kannst lange warten ;-)))

Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

auch d-mark und schilling haben über die jahre ca. 90% ihrer kaufkraft verloren - aich sie waren kein echtes geld!
echtes geld entsteht nicht durch gesetze sondern einzig und allein am markt: es muss einen wert an sich haben, beliebig teilbar sein und im wert stabil bleiben - das waren in 2000 jahren menscheitsgeschichte meist gold oder silber - also: pfeiff auf mark und schilling!

Re: Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

Richtig, Silbermünzen wieder einführen!
Goldmünzen für Transaktionen von größeren Beträgen.

Man kann auch Konten, die physisch gedeckt sind, eröffnen.

goldmoney.com

Re: Re: Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

Wie schmeckt Gold? Kann man das auch mit Nudeln essen?

Weizen-gedeckte Konten mit Basilikum-Optionen, das wäre ein Produkt, das ich nehmen würde.

PS: goldmoney.com ist relativ teuer.

Re: Re: Re: Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

Es liegt jedenfalls sehr gut in der Hand, weil es so gewichtig ist und sieht wunderschön aus ;-)

Essen habe ich es noch nie versucht, aber Blattgold kann man auch essen.

Antworten Gast: freund!
02.04.2012 22:00
3

Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

Der gute alte Schilling, das war noch was - stabil gebunden an die D-Mark. Was kann da schief gehen.

Re: Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

In einem System der ausufernden Schulden, nützt der Schilling gar nichts. Denn ein harter Schilling würde alle Schuldner sofort ruinieren.

Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

Wenn man noch in der Reichsmark rechnet, durchaus verständlich...

Re: Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

Wie kommt die Reichsmark hierher in diesen Zusammenhang ? Das waren ja auch nur Papierln - zumindest so lange, bis im Frühjahr ´38 das österreichische Gold "heim ins Reich" fand !?

Re: Re: Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

Ich habe noch eine 10.000 R-Mark Banknote von meiner Großmutter - wenn die so weiter machen haben wird bald auch eine 10.000 Euro Banknote mir der man nicht einmal eine Semmel bezahlen kann !

Re: Re: Re: Re: MEEENSCH ! freu ich mich auf den

Ich denke, dass die vorher das Bargeld abschaffen. Denn das ist eine der letzten Freiheiten des Volkes, die fallen muss.

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