Tabubruch: Fitch kritisiert S&P wegen zu mildem Rating

Die US-Ratingagentur Fitch wirft dem Konkurrenten Standard & Poor's vor, Wertpapiere der Großbank Credit Suisse nicht richtig benotet zu haben.

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(c) EPA (Justin Lane)

Selten übt eine der drei großen US-Ratingagenturen so deutliche Kritik an einem Konkurrenten, wie es Fitch vor wenigen Tagen getan hat. Der - indirekte - Vorwurf: Standard & Poor's (S&P) habe Wertpapiere der Schweizer Großbank Credit Suisse zu gute Noten gegeben. Konkret geht es um ein mit amerikanischen Hypotheken unterlegtes Wertpapierportfolio in Höhe von 730 Millionen Euro. Der Großteil der Papiere erhielt die Bestnote "AAA".

Auch Fitch sei zunächst um eine Einschätzung gebeten worden, zitiert die Nachrichtenagentur "Bloomberg" aus einer Aussendung der Ratingagentur. Die Wahl sei aber letztendlich auf den größeren Konkurrenten gefallen, weil dieser weniger "konservativ" bewerten würde, schreibt Fitch.

Weder die Credit Suisse noch S&P wollten näher auf die Vorwürfe eingehen. Bei Standard & Poor's hieß es nur: "Der Markt profitiert von unterschiedlichen Meinungen".

Insider: "Fitch will sich offenbar einschleimen"

"Offenbar will sich Fitch bei den Investoren in diesem Segment einschleimen", zitiert die "Financial Times Deutschland" einen Insider, der aber am Erfolg der Strategie zweifelt: "Zugleich verbauen sie sich damit mögliche Anfragen für indikative Ratings."

Da die bewerteten Unternehmen für ein Kreditrating bezahlen, stehen die Ratingagenturen immer wieder unter dem Verdacht, Bewertungen zugunsten des Schuldners zu beschönigen. Dass eine der drei Agenturen aber einen Konkurrenten kritisiert, kommt äußerst selten vor.

(Red.)

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