Die Fondsgesellschaft Union Investment hat dem deutschen Autobauer Daimler auf der Hauptversammlung die Leviten gelesen. Die Anteilseigner könnten sich zwar "über eine sehr ordentliche Dividende freuen", sagte Fondsmanager Ingo Speich am Mittwoch in Berlin. Bei genauerem Hinsehen verblasse "aber der Glanz des Sterns im Schatten der übermächtigen Wettbewerber", sagte Speich. Trotz eines Rekordabsatzes bei Pkw verkaufe Daimler weniger Pkw als BMW und Audi und verdiene weniger als die Wettbewerber. "Nicht Daimler, sondern BMW und Audi sind heute im Premiumsegment das Maß aller Dinge", sagte der Fondsmanager.
Daimler verliere seit Jahren Marktanteile, während BMW und Audi "erfolgreich den Turbo gezündet" hätten. Daher habe sich die Daimler-Aktie "im Jahr 2011 um 20 Prozent schlechter entwickelt als die Aktie von BMW", rechnete der Fondsmanager vor. Rückblickend auf das vergangene Jahrzehnt könne man "von einer verlorenen Dekade" für den einstmals größten deutschen Premium-Pkw-Anbieter sprechen, sagte Speich und verlangte vom Vorstand auch einen Ausstieg aus der Formel-Eins-Rennserie nach dem Vorbild des Wettbewerbs BMW. Das Sponsoring der Rennserie kosten Millionen, zudem fahre Daimler mit seinem Mercedes-Rennstall hinterher.
Daimler-Aktien haben elf Prozent verloren
In den vergangenen zwölf Monaten haben die BMW-Aktien elf Prozent gewonnen, die Daimler-Titel dagegen elf Prozent verloren.
VIDEO: Daimler auf Erfolgskurs
Daimler hatte das zurückliegende Geschäftsjahr mit Rekorden bei Umsatz, Absatz und Ergebnis abgeschlossen und will an die Aktionäre mit 2,20 Euro je Anteilsschein eine der höchsten jemals in der Unternehmensgeschichte ausgeschütteten Dividenden zahlen. Nach Einschätzung von Fondsmanager Speich hat Daimler das jüngste Betriebsergebnis in Höhe von 8,8 Milliarden Euro Ergebnis jedoch mit "aggressiver Bilanzierung" geschönt. Durch die Aktivierung von Investitionsaufwendungen in der Bilanz sei das operative Ergebnis rund 630 Millionen Euro höher ausgefallen als bei direkter Abschreibungen der Aufwendungen.
Union Investment ist eigenen Angaben zufolge einer der großen Daimler-Aktionäre. Reuters-Daten zufolge ist die zur Volks- und Raiffeisen-Bankengruppe zählende Gesellschaft mit gut 0,6 Prozent an Daimler beteiligt. Größter Daimler-Anteilseigner ist die arabische Investmentgruppe Aabar mit neun Prozent.
(APA)


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