Neue Stallorder im Red-Bull-Konzern?

04.04.2012 | 18:18 |  Von unserem Korrespondenten SASCHA ZASTIRAL (Die Presse)

Ein Interview des Sohnes des verstorbenen Red-Bull-Gründers Yoovidhya sorgt für Interpretationsspielraum. Über einen Machtkampf im Dosen-Konzern wird spekuliert. Am Geschäftsprinzip soll sich nichts ändern.

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Bangkok. Nur wenige Tage nachdem sein Vater, Chaleo, im Tempel Wat Khyrua Wan Worawiharn westlich von Bangkok beerdigt worden war, gab Sohn Chalerm Yoovidhya der „Bangkok Post“ ein mit großer Aufmerksamkeit verfolgtes Interview. Schließlich hinterließ der 89-jährige Chaleo nicht nur ein Milliardenvermögen, sondern auch elf Kinder aus zwei Ehen. Ein Machtkampf im Familienclan hätte wohl auch Auswirkungen auf den Red-Bull-Konzern, an dem Dietrich Mateschitz 49Prozent hält. Genauso viel wie sein verstorbener Kompagnon. Dessen Sohn Chalerm hält die restlichen zwei Prozent.

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„Menschen nie ausnutzen“

Gegenüber der englischsprachigen Tageszeitung versicherte der zweite Sohn des Red-Bull-Erfinders, dass sich am Geschäftsprinzip des Red-Bull-Konzerns nichts ändern werde. „Unser Vater hat uns gelehrt, dass wir uns darauf konzentrieren sollen, worin wir gut sind, und nicht diversifizieren.“ Vor allem aber, fügt er hinzu, habe sein Vater stets auf Fairness Wert gelegt, wenn er Geschäfte gemacht habe. Das habe er auch seinen Kindern weitergegeben: sich in einen Wettstreit mit Strategien und Ideen zu begeben, aber andere Menschen nie auszunutzen. Das sei eine der Prinzipien des Red-Bull-Gründers gewesen.

Das ist bei Geschäften in Thailand nicht selbstverständlich. Immer wieder kommt es zwischen Joint-Venture- oder Vertragspartnern zu Konflikten, die meist nur bekannt werden, wenn diese – in aller Regel in Thailand – vor Gericht landen. Dort setzt sich meist die thailändische Seite durch.

Während das Interview in Thailand so interpretiert wird, dass sich im Energydrink-Konzern wohl vorerst wenig ändern wird, sorgen einige Passagen in Europa zumindest für Spekulationen. Die „Süddeutsche Zeitung“ interpretierte Chalerms Satz „ Manchmal musste ich mein eigenes Geld einsetzen, um die Firma zu stützen“ in die Richtung, dass die thailändischen Geschäftspartner nun mehr Mitspracherecht fordern. Bei Red Bull im Salzburger Fuschl kommentiert man Konzern-Interna prinzipiell nicht. Auch nicht, dass Chalerm seine Rolle bei der Gründung des Drinks nun stark betont. Er habe seinem Vater von Anfang an bei der Entwicklung von „Krating Daeng“ geholfen, betont er. „Das Rezept stammt von einem kraftstärkenden Getränk in Japan. Wir haben es untersucht und verbessert. Es hat nicht lange gedauert, bis wir die richtigen Zutaten beisammenhatten, aber es hat eine Weile gedauert, bis der Geschmack gestimmt hat.“

 

„Dietrich gehört zur Familie“

Tatsächlich bestätigte Chalerm Yoovidhya der „Bangkok Post“, dass ursprünglich sowohl sein Vater als auch Mateschitz die Mehrheit am Unternehmen für sich beansprucht hatten. „Ich habe angeboten, als Puffer zu fungieren“, sagte er und betonte, dass sich auch nach dem Tod seines Vaters nichts an dessen Firmenanteil ändern werde, da dieser in der Familie bleibe. „Letzen Endes musste ich nie meinen Stimmanteil dazu nutzen, um Konflikte zu lösen. Ich denke, dass ich das nie werde tun müssen. Dietrich gehört zu unserer Familie.“

Über das Vermögen, das sein Vater hinterlassen hat, gibt sich der Sohn zugeknöpft. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ stufte Chaleo 2012 als drittreichsten Thai ein. Auf der globalen Liste der Milliardäre rangierte er auf Platz 205. Das Magazin schätzte sein Vermögen auf fünf Milliarden Dollar. Somit lag Chaleo nur zwölf Plätze hinter Mateschitz. Der reichste Österreicher wurde von „Forbes“ mit 5,3 Mrd. Dollar taxiert.

Alleine der Umstand, dass Chalerm ein Interview zum Thema Red Bull gab, gilt allerdings als außergewöhnlich. Denn den Dosen-Konzern in der Öffentlichkeit zu repräsentieren war bisher allein die Aufgabe des 67-jährigen Mateschitz. Der Erfolg gab dieser Aufteilung bisher recht. Im Vorjahr wurden 4,6 Milliarden Dosen verkauft und damit 4,2 Mrd. Euro umgesetzt.

Auf einen Blick

Der Energydrink Red Bull kam 1987 auf den Markt. Jahre zuvor war Dietrich Mateschitz bei einem Thailand-Urlaub auf das Getränk „Krating Daeng“ aufmerksam geworden. Gemeinsam mit dem Thai Chaleo Yoovidhya baute er den Red-Bull-Konzern auf. Chaleo starb Mitte März im Alter von 89 Jahren. Sein 61-jähriger Sohn Chalerm könnte nun mehr Einfluss im Dosen-Konzern gewinnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2012)

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6 Kommentare
Gast: pfff...
05.04.2012 17:11
0

...

Im Vorjahr wurden 4,6 Milliarden Dosen verkauft und damit 4,2 Mrd. Euro umgesetzt.

was kostet eine dose nochmal?

Die „Süddeutsche Zeitung“

war mal gut.

Beim Guttenberg hat die Zeitung am Hochheben mitgeholfen, damit er ja schön tief fällt, damit der Schaden, der Fall, der Absturz möglichst groß ist. „Menschen nie ausnutzen“ spielt es bei dieser Zeitung nicht mehr.

Gast: Jeder für sich und Gott gegen alle
05.04.2012 11:19
10

Schon lange prügeln einzelne SPÖ Politiker und ihre Medien auf den reichen Mateschitz. Nach dem Motto: lenken wir von unseren Skandalen damit ab, dass wir klar und deutlich auf einen bösen Superreichen zeigen.


Sollten jetzt wirklich ein Machtkampf ausbrechen und die Thailänder gewinnen, wird Österreich die Zentrale von RedBull wohl verlieren.

Und versteuert wird dann halt nicht mehr in Österreich, sondern in Thailand, der Schweiz oder wo auch immer.

Mateschitz wird das Geld aus seinem Anteil in Ruhe im Ausland genießen und versteuern können. Denn RedBull macht ja sein Geld weltweit. Die Einnahmen in Österreich sind marginal.

Und dann hätten es die Sozis wieder einmal den bösen Reichen gezeigt: wieder einer weniger in Österreich.

Für uns Bürger heißt das: der Staat hat weniger Einnahmen, also müssen wir Bürger ein weiteres Belastungspaket schlucken. Denn das fehlende Geld muss ja woher kommen.

Wirtschaftspolitik a la SPÖ!

Re: Schon lange prügeln einzelne SPÖ Politiker und ihre Medien auf den reichen Mateschitz. Nach dem Motto: lenken wir von unseren Skandalen damit ab, dass wir klar und deutlich auf einen bösen Superreichen zeigen.

leider wahr

Gast: oko
05.04.2012 03:40
0

67

herr matheschitz ist 67 a
auch der braucht dann wieder einen nachfolger, der ist schon in position, denkt mal drueber nach

Antworten Gast: Der Herr mim Gwehr
05.04.2012 11:26
0

Re: 67

Okay, von Matheschitz zu Mattischitz hab ich über den Red Bull Eigentümer jetz schon so einiges gelesen...

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