Jugendarbeitslosigkeit als weltweite "Zeitbombe"

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO warnt vor sozialen Unruhen: "Wir laufen Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren".

Jugendarbeitslosigkeit weltweite Zeitbombe
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Jugendarbeitslosigkeit weltweite Zeitbombe
(c) AP (Alberto Saiz)

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), Teil der Vereinten Nationen, rechnet mit einem Anstieg der weltweiten Arbeitslosigkeit. Bis 2013 werde die Zahl der Arbeitslosen rund um den Globus von derzeit 200 Millionen auf 209 Millionen steigen, sagte ILO-Vizegeneraldirektor Guy Ryder der Tageszeitung "Die Welt" (Montagsausgabe). Eine Linderung sei erst ab kommendem Jahr zu erwarten.

Besonders schlimm sei die Situation für die Jugendlichen, sagte Ryder. Die Jugendarbeitslosigkeit liege derzeit global bei 12,7 Prozent und werde weiter steigen. "Das ist eine Zeitbombe mit einem großen zerstörerischen Potenzial, die zu sozialen Unruhen führen wird", warnte Ryder.

"Laufen Gefahr, eine Generation zu verlieren"

Wenn junge Leute nach dem Abschluss ihrer Berufsausbildung länger als zwei Jahre arbeitslos blieben, seien sie für den Arbeitsmarkt oft ganz verloren. "Sie werden marginalisiert, und sind meist für ihr ganzes Arbeitsleben geschädigt. Das ist die Erfahrung, die wir in Europa gemacht haben", sagte Ryder. "Wir laufen Gefahr, eine ganze Generation zu verlieren", so Ryder. In Südeuropa sei die Situation besonders dramatisch. In Griechenland und Spanien hat etwa die Hälfte der unter 25-jährigen keine Arbeit.

Doch gerade in den Ländern Südeuropas sei für Arbeitsmarktmaßnahmen momentan kein Geld übrig. Harte Sparprogramme zur Sanierung der Staatsfinanzen hätten Vorrang. Zwar seien teilweise auch langfristig orientierte Strukturprogramme zur Flexibilisierung der Arbeitsmärkte geplant, kurzfristig würden diese aber für zusätzliche soziale Härten sorgen.

Noch nicht von der Finanzkrise erholt

Die Welt habe sich noch nicht von der globalen Finanzkrise erholt, sagte Ryder. Derzeit gebe es immer noch 27 Millionen mehr Arbeitslose als vor der Krise 2008. Würden diejenigen hinzugezählt, die ihre Arbeit zwar verloren hätten, aber nicht in den offiziellen Statistiken auftauchten, steige die Zahl auf 56 Millionen. Ryder kandidiert im Juni für den Posten des ILO-Generaldirektors.

(Ag.)

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