Kartellrechtsklage gegen Apple lässt Amazon frohlocken

Wegen Preisabsprachen mit Verlagen steht Apple in den USA demnächst vor Gericht. Kurzfristig würden die E-Book-Leser von einer Verurteilung Apples profitieren. Amazon hat angekündigt US-Preise zu senken.

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(c) AP (Eugene Hoshiko)

Washington/Wien. Auf den ersten Blick ist das eben eingeleitete Kartellverfahren des US-Justizministeriums gegen Apple und fünf Verlage eine gute Nachricht für alle E-Leser. „Verschwörung zur Begrenzung des Preiswettbewerbs“ lautet der Vorwurf der US-Regierung. Apple-Gründer Steve Jobs hat mit dem Erscheinen des iPad im Jahr 2010 ein Vermarktungsmodell für elektronische Bücher durchgesetzt, bei dem die Verlage, nicht die Händler den Endpreis für den Kunden bestimmen.

Die Kooperation mit dem Elektronikkonzern hat den Verlagen höhere Preise ermöglicht als sie über andere Vertriebskanäle erzielt hätten. Apple war bisher mit 30 Prozent am Umsatz jedes verkauften E-Books beteiligt.
„Wir sind der Überzeugung, dass die Kunden als Folge dieser Vereinbarung für populäre Titel Millionen Dollar zu viel gezahlt haben“, sagte US-Justizminister Eric Holden am Mittwoch. Auch andere Anbieter wie der Marktführer Amazon sollen durch Apples Strategie dazu gezwungen worden sein, die Verträge mit den Verlagen neu zu verhandeln und die Preise anzuheben.

Kampflustige Verlage

Tatsächlich waren vor einigen Jahren über Amazons E-Book-Reader Kindle aktuelle Bestseller noch unter zehn Dollar (7,6 Euro) zu haben. Nach dem Markteintritt von Apple im Jahr 2010 verteuerten sich die E-Books. Für unter 15 Euro ist heute kaum ein Buch zu haben, und das, obwohl die Verleger Druckkosten sparen. Drei der fünf gemeinsam mit Apple angeklagten Verlage, Hachette, Harper Collins und Simon & Schuster, wollen es jedoch nicht auf ein Kräftemessen mit der US-Regierung ankommen lassen. Sie haben einem Vergleich zugestimmt.
An sich ist es in den USA oft so, dass Kartellrechtsfälle außergerichtlich gelöst werden, indem Firmen Geldbußen bezahlen. Die Verlage Penguin und Macmillan, der zur deutschen Mediengruppe Georg von Holtzbrinck gehört, ziehen jedoch mit Apple in den Kampf. Penguin-Chef John Makinson betonte, die Preisentscheidungen des Verlags seien ohne verbotene Absprachen getroffen worden

Dumpingpreise bei Amazon

Kurzfristig würden die E-Book-Leser von einer Verurteilung Apples profitieren: Amazon rüstet bereits auf und hat angekündigt, die US-Preise einiger Bestseller von 14,99 Dollar (11,50 Euro) auf 9,99 Dollar (7,5 Euro) zu senken. Langfristig gesehen würde eine Verminderung von Apples Konkurrenzfähigkeit dazu führen, dass ein vermeintliches Monopol durch ein reales ersetzt werden würde. So argumentiert zumindest der Buchhandel.

„Amazon muss heute unglaublich glücklich sein“, kommentierte Buchhandelsanalyst Michael Norris die Wettbewerbsklage gegen Apple. Amazon kontrolliert bereits jetzt 60 Prozent des E-Book-Marktes. Der Online-Handelsriese kann es sich als einziges Unternehmen leisten, mit Dumpingpreisen eine Zeit lang Verluste zu machen, um für seinen E-Reader Kindle Marktanteile zu gewinnen. Wenn genug Wettbewerbsvorteile gesammelt sind, kann Amazon dem Markt seine eigenen Bedingungen diktieren. Traditionelle Buchhändler fürchten nun, dass die Preiskluft zu den E-Books so groß werden wird, dass der reale Buchmarkt auch noch die jetzt schon spärlichen Marktanteile verlieren wird. E-Books haben in den USA deutlich schneller zugelegt als in Europa. Sogar die große Buchhandelskette Borders musste wegen dieser Entwicklung das Handtuch werfen.

Anders als in Deutschland und in Österreich gibt es in den USA keine Buchpreisbindung. Diese verpflichtet Verlage gesetzlich dazu, für bestimmte Produkte einen Verkaufspreis festzusetzen, der dann für den Handel verbindlich ist. Insofern steht mit der Klage gegen Apple ein Preissystem auf dem Prüfstand, das hierzulande die Norm ist. Allerdings ermittelt auch die EU-Kommission seit Dezember offiziell gegen Apple und die genannten Verlage, ebenfalls wegen Kartellbildung.

Das Fehlen einer Buchpreisbindung hat in den USA dafür gesorgt, dass Onlinehändler wie Amazon ihre Bücher zu Kampfpreisen anbieten konnten. Apple war mit seinem 2010 lancierten iPad der einzige ernst zu nehmende Konkurrent von Amazon. Ob sich das angekündigte Preisparadies auf Dauer halten wird, wenn Amazon erst einmal die Konkurrenz getilgt hat, ist fraglich.

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