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IWF: Die Peitsche nach dem Zuckerbrot

22.04.2012 | 18:19 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Nach der Aufstockung des Währungsfonds um 430 Mrd. Dollar gab es von den USA und Schwellenländern geballte Kritik am Krisenmanagement der EU.

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Washington. Die Weltwirtschaft humpelt, und Christine Lagarde geht an einer Krücke. Besser könnte die Szene im Hauptquartier des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington den fragilen Status quo nicht illustrieren. Die IWF-Chefin laboriert an einer Knieverletzung, beißt als ehemalige Synchronschwimmerin aber die Zähne zusammen, um Zweckoptimismus auszustrahlen.

Bei der Frühjahrstagung der Finanzminister und Notenbankchefs verkündete Lagarde am Wochenende einen zweifelhaften Erfolg. Für die Aufstockung des Krisenfonds hat sie Zusicherungen von mehr als 430 Mrd. Dollar (325 Mrd. Euro) erhalten – aus Japan, den Schwellenländern, der EU. Jedoch nicht aus den USA und Kanada. Zu Beginn des Jahres hatte sie noch von 600 Mrd. Dollar zur Aufblähung des Finanz-Rettungsschirms gesprochen.

 

Die Finanzwelt steht Kopf

Einstweilen gibt sich die IWF-Chefin jedoch zufrieden. Mit rund einer Billion Dollar verfügt der Währungsfonds nun über dasselbe Volumen zur Abwendung einer neuen Finanzkrise wie die Eurozone. Ihrem französischen Landsmann, dem IWF-Chefökonomen Olivier Blanchard, ist indes nicht wohl bei der Sache. „Es herrscht derzeit eine merkwürdige Stille. Man hat das Gefühl, dass sich die Dinge ganz schnell wieder zum Schlechteren wenden könnten.“

Die grassierende Unsicherheit auf den europäischen Finanzmärkten, die volatile Situation in Spanien und Italien versetzen die Finanzwelt weiterhin in Schauer. Beim IWF in Washington steht die Welt gewissermaßen Kopf: Da urteilen Spitzenökonomen wie der Äthiopier Abebe Selassie über die Schulden-Fieberkurven Portugals oder der Inder Ajai Chopra über die Erholung Irlands. Und ein Journalist aus Jamaika fragt nach den Implikationen eines Euro-Kollapses auf die Karibik.

An Ratschlägen für die Europäer aus dem Rest der Welt mangelt es nicht. Als IWF-Chefin versucht die frühere französische Finanzministerin Lagarde die Interessen auszubalancieren. An eine Spaltung der Euro-Zone mag sie nicht denken, mit ihren Forderungen für ein entschlosseneres Handeln Deutschlands ist sie indes bereits mit ihrer Duz-Freundin Angela Merkel aneinandergeraten.

Die Gegensätze lassen sich nicht kaschieren, bei der Frühjahrstagung sind sie diplomatisch nur leidlich verhüllt zutage getreten. Reflexartig urgieren die USA nach dem Vorbild der US-Notenbank eine stärkere Rolle der Europäischen Zentralbank, Lagarde tritt für eine Öffnung der Notkredite auch für Banken ein. Eine solche Direkthilfe lehnt der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble kategorisch ab. Er will sich nicht auf „Abenteuer“ einlassen.

 

Wachstum versus Austerität

Während Schäuble die USA zu mehr Budgetdisziplin drängt, sticheln die US-Amerikaner gegen den strikten Sparkurs der Europäer. Die unterschiedliche Wirtschaftsphilosophie lässt sich unter dem Motto „Wachstum versus Austerität“ subsumieren, wie dies der mexikanische Notenbankchef Agustín Carstens bei einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion tat. „Die Konsolidierung ist längst nicht erreicht, das Szenario für eine Finanzkatastrophe in Europa nicht aus der Welt geschafft.“

Als Anwalt der Europäer stemmte sich der schwedische Finanzminister Anders Borg, mit obligatem Rossschwanz und Flinserl, der geballten Kritik entgegen. „Wir müssen an unserem Plan festhalten. Für Europa sind die Wachstumsaussichten in den nächsten zehn Jahren besser.“ Die Hoffnung liege aber in den „Triple-A“ begründet: Asien, Amerika, Afrika.

Die Schwellenländer murren derweil. Sie pochen auf eine zügige Umsetzung der Quotenreform, die ihnen mehr Einfluss im IWF gewähren wird. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega monierte: „Luxemburg hat einen höheren Anteil als Argentinien, Belgien einen höheren als Indonesien.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2012)

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19 Kommentare
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Weg mit Lagarde

daß sie sich das gefallen lassen wundert mich. Die Dame will doch nur die französischen Banken retten! Um ein Haar wäre es der Super Casanova geworden. USA und Kanada sind abgesprungen! Ist nur ein Super ESM.

Re: Weg mit Lagarde

vielleicht haben sie es noch nicht verstanden, aber durch die Sicherung eines Landes wird gar nichts erreicht.

Lehmans Fall mit einem Defizit von 1/2 Billion haben ausgereicht, dass die Weltwirtschaft strauchelte, was glauben sie wird passieren wenn durch den Fall eines Großen plötzlich 1-2 Billionen fehlen?

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Re: Re: Weg mit Lagarde

Too big to fail darf es nie mehr geben!
Unter staatlicher Aufsicht wenn es anders nicht geht.

Ich spreche nicht von "too big to fail"

ich spreche von der Tatsache, dass die Vernetzung der Märkte heute bereits so weit vortgeschritten ist, dass es keine Inseln der Seeligen mehr geben kann.

Z.B. Deutschland ist auf die 10% des BIP's angewiesen, die sie durch die Exportüberschüsse lukrieren. Die Schweiz hat ähnliches in den letzten paar Monaten erlebt, wo der stahlharte Franken die Wirtschaft bereits schädigte.

Wenn Blasen plötzich platzen können die Folgekosten exorbitant werden wie man bei Lehman sah oder gar unkontrollierbar, wie z.B. bei Italien oder Spanien befürchtet wird!

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Teuer bezahltes Zeitgewinn

es war richtig, L und B nicht zu retten. Es kommt viel Schlimmeres wenn dei EU Schuldenbombe explodiert!

Gast: badbankermacht
23.04.2012 08:31
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die finanzwelt steht auf dem kopf? die finanzmärkte u.casinobanken schaden den zivilisationen u.völker schon immer- was anderes haben die nie gemacht.

sozialer wohlstand u.echter frieden für die bevölkerungen stehen den geldinteressen der globalen banken/multikonzernen u.kapitalmärkten diametral entgegen. die derzeitige entwicklung der banken u.finanzmärkte sind ja ein beispiel dafür, wie sehr die staaten u.völker darunter leiden, weil eine kleine minderheit von mächtigen geldeliten, gewinne u.profite auf kosten der arbeitenden bevölkerung macht. die politik ist diesen fehlentwicklungen der bankenmärkte oft nur mehr ohnmächtig bis hoffnungslos ausgeliefert. noch halbwegs gesunde staaten werden mit haftungen für die korrupten systeme in geiselhaft genommen u.kommen selber aus dem teuro strudel nicht mehr heraus. die verursacher der krisen werden weiter mit billionen gestützt u.subventioniert. sparpakete u.massive einschnitte in den sozial- und staatlichen asvgpensionssystemen sind ja nur der ausdruck eine politischen ohnmacht gegenüber den finanzmärkten u.börsen. diese weltweit operierenden geld-u. bankenmärkte funktionieren wie geschmiert u.erfüllen ihre aufgabe perfekt. das volksvermögen der arbeitenden menschen werden in die katastrophalen bankenmärkte- sprich in richtung spekulanten u.geldeliten umverteilt.
die völker u.arbeitnehmer werden gegeneinander ausgespielt u.wer nicht am roulettetisch der casinobanken u.multikonzerne mitspielt, wird aufgekauft oder vom markt eliminiert- wenn, das nicht reicht-werden wie schon oft-militärische mittel eingesetzt. es zählen nur mehr machtinteressen der eliten u.des großkapitals.

6 0

Der Aufgeblähte Rettungsschirm

»... zur Aufblähung des Finanz-Rettungsschirms.«

Die nächste Blase wird also mit einer Gegenblase bekämpft.

Alles heiße Luft was die hier produziert wird, möchte man meinen.

Gast: uburoi
22.04.2012 20:55
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das will ich aber mindestens live im fernsehen sehen!

merkozy und die neunschwänzige!

Gast: Wie lange noch
22.04.2012 20:17
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Was sagt eigentlich Nordkorea

zur EUDSSR?

Antworten Gast: gefuellterdarm
23.04.2012 18:35
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Re: Was sagt eigentlich Nordkorea

das ist mir vollkommen egal.

1 0

Re: Was sagt eigentlich Nordkorea

Das es eine schlechte Kopie ist.

Welches Krisenmanagement?

Bisher wurde ausschließlich durch eine Vergemeinschaftung des Risikos Zeit gewonnen aber keinerlei wirklicher Erfolg konnte bisher aufgezeigt werden. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Blase platzt (nach der Wahl in Frankreich?) und die Steuerzahler der Geberländer die Rechnung präsentiert bekommen und in weiterer Folge so wie es auch in Paris aussieht es zu einem Wechsel an der Staatsspitze kommt.

http://www.wienerzeitung.at/wzo/meinungen/gastkommentare/450308_umzingelt_von_haien_und_piraten.html

http://www.wienerzeitung.at/wzo/meinungen/gastkommentare/451444_ist_die_foerderung_der_meinungsvielfalt_legal_scheissegal_oder_gar_illegal.html

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/446198_Macht-bzw.-Ohnmacht-der-Waehler.html

Re: Welches Krisenmanagement?

Neid ist das Problem und nicht die Managementfähigkeiten. Es war der Neid der europäischen Wähler, die die Politik z.B. beim "Hilfspaket" für Griechenland zu Maßnahmen zwangen, die defakto diese fast wirkungslos verpuffen ließ. Man darf nicht auf der einen Seite die Griechen dazu ermutigen im Euro zu bleiben und im selben Atemzug die Wirtschaft des Landes durch exorbitante Sparvorgaben ruiniert!

Märkte basieren auf Vertrauen und dieses ist in Mitten einer solch ablehnenden Stimmung bei den Geberländer nicht zu lukrieren.

Re: Welches Krisenmanagement?

die wirtschadtskompetenz der Wiener Zeitung ist nicht mal in Wien bekannt...

kaffeesudlesen

Gast: freund?
22.04.2012 19:37
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na klar, gute ratschläge aus dem reich der investmentbanken



und der dritten welt !
weit hammas bracht, mit dem schweins-euro !

Antworten Gast: Tempa
23.04.2012 08:32
0 0

Re: na klar, gute ratschläge aus dem reich der investmentbanken

Ach, verschiedene europäische Länder haben doch schon bei ihren ehemaligen Kolonien um Geld gebettelt. Vermutlich haben europäische Politiker ausser in Nordkorea und Simbawe so ziemliche jedes asiatische,afrikanische und amerikanische Land angebettelt.
Zb bittet Portugal Angola um Hilfe:
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Angola-soll-Portugal-helfen-article4862516.html
Denn das erfolgreiche europäische Modell darf nicht untergehen.
Tiefer kann man wirklich nicht mehr sinken.

Antworten Gast: Markus Trullus
23.04.2012 06:43
0 2

Re: na klar, gute ratschläge aus dem reich der investmentbanken

schweins Euro? Mal Nachdenken: Manche Länder haben in ihrem Staatshaushalt halt ihre Hausaufgaben gemacht, wie Schweden (Kein Blutgeld auf den Banken, kein Öl oder Gas) oder ein paar andere. Und andere haben sich zwecks Wählerstimmenfang in totale Umverteilungsverschuldung gestürzt. Preisfrage: wer lehnt sich beruhigt zurück und schaut zu? Das hat nix mit Euro zu tun, sondern mit unserer Handlung an der Wahlurne....

Antworten Antworten Gast: Tempa
23.04.2012 08:22
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Re: Re: na klar, gute ratschläge aus dem reich der investmentbanken

Allerdings umspannt ja der Euro Musterschüler und Schummler gleichermassen. Schon das kleine Griechenland mochte die Währungsunion erschüttern. Aus dem einfachen Grund, da internationalen Investoren sahen, das ein EU-Staat völlig versagte,das Land bankrott war und ist und die EU in den letzten Jahrzehnten zuschaute.Auch bei anderen Staaten wie Spanien,Irland etc war unter dem Glanz nicht wirklich viel Substanz. Und die starken Länder? Die sind auch bis Oberkante Unterlippe hochverschuldet, müssen mit zunehmender internationaler Konkurrenz und Demographie kämpfen.Also ist der Euro ein politisches Projekt(Gr. wurde trotz Warnungen zügig aufgenommen) mit vielen Fehlern.Und wohl nicht überlebensfähig.Der europäische Lack von gut verwalteten Ländern mit starker Industrie, die kreditwürdig sind, ist international ab.

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Re: Re: Re: na klar, gute ratschläge aus dem reich der investmentbanken

Die Geberländer müssen Schuldenmachen um den anderen zu helfen. Sie zahlen weniger Zinsen aber wie lange noch? Auch der DDR Anschluß war ein politisches Projekt, keiner hat erwartet daß es Geld bringt. Die Solidarität ist in der EU nicht groß genug, auch bedingt dadurch, daß das Verhalten von GR, Spanien, PORT und Co nicht gerade vertrauenserweckend ist.

Hobbyökonom